Die Förderung von Riester-, Rürup- und Betriebs­renten hat sich verbessert. Wir sagen, wie Neu- und Altkunden jetzt optimal damit Steuern sparen.

„Mich hat der Steuer­vorteil mehr gereizt als die staatliche Zulage“, sagt Thomas Shihabi aus Saarbrücken über die Riester-Rente. Zuletzt hatte das Finanz­amt zwar seine Riester-Beiträge nicht berück­sichtigt, doch nach seinem Einspruch bekam Shihabi doch noch 393 Euro erstattet.

Diese Nach­richt vom Finanz­amt war gut: Von den 1 050 Euro, die Thomas Shihabi in seinen Riester-Fonds­sparplan einge­zahlt hatte, bekam der 47-Jährige 393 Euro als Steuerersparnis erstattet. Das Geld erhielt der Journalist zusätzlich zur staatlichen Grund­zulage.

Riester-Kunden wie Shihabi können während des Berufs­lebens von staatlichen Zulagen profitieren und oft zusätzlich Steuern sparen. Staatliche Unterstüt­zung erhalten auch Arbeitnehmer, die in eine betriebliche Alters­vorsorge oder einen Rürup-Vertrag einzahlen.

Anfang 2012 haben sich die Regeln wieder etwas verändert. Bei der Betriebs­rente und der Rürup-Rente ist zum Beispiel jedes Jahr mehr Förderung drin. Riester-Sparer sollten auch Änderungen im Einkommen und Familien­stand beachten und ihre Verträge darauf­hin über­prüfen.

Riester mit 60 Euro Mindest­beitrag

Wichtigste Neuerung der Riester-Rente ist der Mindest­beitrag von 60 Euro im Jahr für alle. Den müssen seit Anfang 2012 auch Sparer zahlen, die nur Anspruch auf die Riester-Förderung haben, weil ihr Ehepartner einen Riester-Vertrag hat. Sie haben bisher zum Teil nichts selbst einge­zahlt und trotzdem Förderung bekommen. Damit ist Schluss. Der Mindest­beitrag gilt nun zum Beispiel auch für Minijobber, Hausfrauen ohne Einkommen und Selbst­ständige, die keine Pflicht­beiträge an die Rentenkasse zahlen.

Bisher mussten nur diejenigen den Mindest­beitrag aufbringen, die einen unmittel­baren Anspruch auf die Förderung haben. Das sind etwa Angestellte, Beamte, Eltern in Eltern­zeit aber auch viele Selbst­ständige, wenn sie Pflicht­beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen.

Tipp: Haben Sie bisher nur die Zulagen für Ihren Vertrag kassiert und keine eigenen Beiträge geleistet? Dann sollten Sie das unbe­dingt ändern. Natürlich können Sie auch mehr als 60 Euro einzahlen.

Die volle Zulage

Alle Riester-Sparer können jedes Jahr staatliche Zuschüsse für die Vorsorge direkt auf ihren Vertrag über­wiesen bekommen: Bis zu 154 Euro Grund­zulage erhält jeder. Bis zu 300 Euro Kinder­zulage bekommen Eltern für jedes ab 2008 geborene Kind und bis zu 185 Euro für jedes ältere Kind. Sie erhalten die Kinder­zulagen so lange, wie der Anspruch auf Kinder­geld besteht.

Die vollen Zulagen erhält, wer einmal bei seinem Anbieter den Zulagen­antrag gestellt hat und Jahr für Jahr genug in seinen Vertrag einzahlt. Genug heißt: Einschließ­lich des Zuschusses vom Staat­mindestens 4 Prozent des renten­versicherungs­pflichtigen Einkommens oder der Beamtenbezüge oder aber den Mindest­beitrag. Ist die Einzahlung nied­riger, wird die Zulage anteilig gekürzt.

Tipp: Erhöhen Sie Ihren Riester-Beitrag, wenn Sie eine Gehalts­erhöhung im letzten Jahr hatten und deshalb mit den bisherigen Riester-Beiträgen unter der 4-Prozent-Grenze bleiben. Sonst verschenken Sie einen Teil der Zulagen.

Das wäre doppelt ärgerlich, wenn Ihr Ehepartner keinen eigenen Anspruch auf die Förderung hat, sondern nur über Sie. Denn dann bekommt auch er nicht die volle Zulage, wenn Sie weniger als 4 Prozent in Ihren Vertrag einzahlen.

Haben Sie ein Kind bekommen, teilen Sie das Ihrem Anbieter mit, damit Sie die Kinder­zulage erhalten. Durch die zusätzliche Zulage können Sie Ihren Beitrag senken.

Steuer­vorteile ausschöpfen

In den Riester-Sparplan von Thomas Shihabi fließen dieses Jahr 1 800 Euro eigener Beitrag und 154 Euro Zulage vom Staat. Diese 1 954 Euro reichen für die verlangten 4 Prozent des Einkommens. Trotzdem schöpft Shihabi die Förderung nicht komplett aus. Denn das Finanz­amt erkennt Einzahlungen bis zu 2 100 Euro jähr­lich an.

Ob und wie viel Steuer­vorteile neben den Zulagen drin sind, hängt aber vom Fall ab, vom Einkommen und von den Zulagen. Das Finanz­amt macht eine Güns­tiger­prüfung.

Beispiel: Im Jahr 2011 hat eine allein­stehende Frau 40 000 Euro brutto verdient. Sie zahlt im Jahr 2012 den Höchst­betrag von 2 100 Euro ein: 154 Euro Grund­zulage plus 1 946 Euro Eigenbeitrag.

Rechnet sie das in der Steuererklärung ab, wird das Finanz­amt einen Steuer­vorteil von 686 Euro ermitteln. Davon zieht es die 154 Euro Zulage ab, die direkt in den Vertrag fließen und erstattet der Frau 532 Euro.

Für Riester-Sparer mit Kind fällt die Steuerersparnis nied­riger aus, da sie noch eine Kinder­zulage erhalten. Diese wird ebenfalls auf den Steuer­vorteil ange­rechnet. Wäre unsere Beispielfrau allein­erziehende Mutter eines einjährigen Sohns, bekäme sie bei 2 100 Euro Riester-Beitrag nur 186 Euro vom Finanz­amt zurück (siehe Tabelle). Sie erhält aber neben der Grund­zulage noch 300 Euro Kinder­zulage.

Tipp: Wenn Sie es sich leisten können, ist es am bequemsten, zusammen mit Ihren Zulagen jähr­lich 2 100 Euro Höchst­beitrag einzuzahlen. Dann müssen Sie nicht jedes Jahr bei einer Gehalts­erhöhung neu rechnen, um die Vorteile voll auszuschöpfen.

Manche Paare rechnen anders

Der geförderte Höchst­betrag von 2 100 Euro im Jahr galt bisher auch für Ehepaare, wenn zum Beispiel nur die Frau als Angestellte direkten Anspruch auf die Riester-Förderung hat, ihr Mann als Selbst­ständiger aber nicht. Seit Anfang 2012 können diese Paare bis zu 2 160 Euro im Jahr als Sonder­ausgaben beim Finanz­amt abrechnen.

Dieser Wert setzt sich zusammen aus den 2 100 Euro Förderhöchst­betrag für die angestellte Frau und dem nun gesetzlich vorgegebenen Mindest­beitrag von 60 Euro für den Mann, der keinen direkten Anspruch auf Förderung hat.

Tipp: Prüfen Sie zuerst, ob der Partner mit direktem Förder­anspruch so viel in seinen Vertrag einzahlt, dass Sie beide volle Zulagen erhalten. Sind das zum Beispiel 1 800 Euro im Jahr, bleiben nur noch 360 Euro bis zu insgesamt 2 160 Euro, die Steuer­vorteil bringen würden. Die 360 Euro könnten Sie in den zweiten Vertrag stecken.

Rürup für größere Summen

Deutlich mehr als Riester-Sparer können Rürup-Kunden steuerlich geltend machen. Das Finanz­amt erkennt im Jahr 2012 von Vorsorgebeiträgen bis zu 20 000 Euro (Ehepaare 40 000 Euro) 74 Prozent als Sonder­ausgaben an. Das sind maximal 14 800 Euro (Ehepaare 29 600 Euro). Der Anteil steigt jedes Jahr, ab 2025 sind es 100 Prozent. Auf Dauer kommt viel zusammen.

Beispiel: Ein 55-Jähriger schließt 2012 eine Rürup-Renten­versicherung ab, in die er jedes Jahr bis zu seinem 65. Geburts­tag 6 000 Euro einzahlt. Bei einem zu versteuernden Jahres­einkommen von 60 000 Euro (Grenz­steu­ersatz 42 Prozent) spart der Mann knapp 1 865 Euro Einkommensteuer, wenn er die Rürup-Beiträge geltend macht.

Muss er bis zu seinem 65. Geburts­tag jedes Jahr gleich viel Einkommen versteuern, wächst die Steuerersparnis auf 23 289 Euro. Von den 66 000 Euro, die er in elf Jahren in den Vertrag investiert, zahlt er nur 42 711 Euro selbst.

Tipp: Je mehr Sie verdienen, desto mehr eignet sich die Rürup-Rente, da der Steuer­vorteil mit höherem Steu­ersatz wächst. Verdienen Sie nur wenig, profitieren Sie kaum. Wenn Sie kaum Geld übrig haben, sollten Sie einen Rürup-Vertrag ebenfalls meiden.

Ältere Rürup-Kunden im Vorteil

Die Rendite eines Rürup-Vertrags hängt auch davon ab, wann die erste Rente fließt. Je nach Beginn der Auszahlung müssen Rürup-Rentner die Leistungen zum Teil oder voll versteuern. Gibt es das erste Geld noch im Jahr 2012, sind für die gesamte Renten­zeit 64 Prozent der Leistung steuer­pflichtig.

Der steuer­pflichtige Anteil steigt jähr­lich. Bei Renten­beginn 2020 sind es 80 Prozent, ab 2040 sind es 100 Prozent (mehr zur Belastung im Alter siehe „Rente aus Vorsorgeverträgen“).

Tipp: Gerade wenn Sie schon älter sind, lohnt sich der Rürup-Vertrag steuerlich. Sie müssen auf Dauer nur einen Teil der Auszahlung versteuern und können bis Renten­beginn einen regel­mäßig steigenden Anteil Ihrer Beiträge als Sonder­ausgaben absetzen.

Flexible Beiträge

Den steuerlichen Höchst­beitrag von 20 000 Euro im Jahr für die Rürup-Rente kann aber nicht jeder ausschöpfen. So viel können nur Selbst­ständige geltend machen, die keine Beiträge an die gesetzliche Renten­versicherung zahlen oder keine vergleich­baren Vorsorgezah­lungen, etwa an ein berufs­stän­disches Versorgungs­werk, leisten.

Arbeitnehmer müssen den Beitrag abziehen, den sie und ihr Arbeit­geber an die gesetzliche Rentenkasse zahlen. Verdient ein Allein­stehender im Jahr 2012 zum Beispiel 50 000 Euro brutto, erkennt das Finanz­amt bis zu 10 200 Euro an Rürup-Beiträgen an (20 000 Euro Förderhöchst­betrag minus 19,6 Prozent Rentenbeitrag von 50 000 Euro). Als Sonder­ausgaben zählen 74 Prozent davon – bis zu 7 548 Euro.

Tipp Achten Sie vor Abschluss des Rürup-Vertrags darauf, dass Sie die Beitrags­höhe während der Lauf­zeit ändern können. Das ist oft möglich. Gilt das für Ihren Vertrag und schöpfen Sie die Förderung noch nicht aus, können Sie zum Beispiel nach einem guten Jahr als Selbst­ständiger mehr einzahlen. Klären Sie die Regeln. Am besten ist es, wenn aus den Vertrags­bedingungen hervorgeht, welche Kosten der Anbieter für die Zuzah­lungen abzieht und welche Berechnungs­grund­lagen gelten. Fragen Sie nach, wenn Ihr Vertrag unklar ist!

Betriebs­rente über den Chef

Steuern sparen auch Angestellte, die über ihren Arbeit­geber zum Beispiel in eine Direkt­versicherung, eine Pensions­kasse oder in einen Pensions­fonds einzahlen. Ihre Beiträge zweigt der Arbeit­geber direkt von ihrem Brutto­gehalt ab, sodass sie nur noch für die restliche Summe Steuern und Sozial­abgaben zahlen müssen.

Im Jahr 2012 können Angestellte bis zu 2 688 Euro steuerfrei in eine Betriebs­rente einzahlen. Das sind 4 Prozent der Beitrags­bemessungs­grenze für die gesetzliche Renten­versicherung (derzeit 67 200 Euro). Im Vorjahr waren es nur 2 640 Euro.

Ist das Einkommen der Arbeitnehmer nicht höher als 45 900 Euro, fallen für die Einzahlungen auch alle Sozial­abgaben weg. Liegt der Verdienst höher, aber unter 67 200 Euro in den alten Bundes­ländern (57 600 Euro in den neuen Ländern), entfällt zumindest der Beitrag für die gesetzliche Arbeits­losen- und Renten­versicherung.

Beispiel: Im Jahr 2012 verdient eine allein­stehende Büro­angestellte insgesamt 35 000 Euro. Zahlt sie 1 500 Euro in eine Direkt­versicherung ein, spart sie 730 Euro an Steuern und Sozial­abgaben sowie zusätzlich gegebenenfalls Kirchen­steuer.

Weitere 1 800 Euro im Jahr dürfen Arbeitnehmer steuerfrei in ihre Betriebs­rente zahlen, wenn es sich nicht um einen Vertrag über eine Direkt­versicherung oder eine Einzahlung in eine Pensions­kasse aus der Zeit vor 2005 handelt. Für diese Beiträge fallen aber Sozial­abgaben an.

Tipp: Wenn Sie in eine Betriebs­rente einzahlen und unter den Beitrags­bemessungs­grenzen der Sozial­versicherung liegen, kann es sich lohnen, die Beiträge bis zur Höchst­grenze aufzusto­cken. Davon profitieren Sie und Ihr Arbeit­geber. Das Aufstocken lohnt sich beispiels­weise umso mehr, wenn der Betrieb auf Tarife setzt, deren Anbieter nur eine geringe Provision verlangen.

Kurz vor der Rente nicht erhöhen

Höhere Beiträge für die Betriebs­rente führen aber zumindest zu geringen Einbußen bei der gesetzlichen Rente. Denn wenn ein Teil des Einkommens in die Betriebs­rente fließt, gehen dafür keine Beiträge an die gesetzliche Rentenkasse.

Tipp: Wenn Sie nur noch wenige Jahre bis zum Ruhe­stand haben, sollten Sie darauf verzichten, Ihren Beitrag für die Betriebs­rente aufzusto­cken. Die Zeit bis Renten­beginn ist zu knapp, als dass sich die zusätzlichen Einzahlungen in die Betriebs­rente ausreichend rentieren. Für jüngere Arbeitnehmer bringt das Aufstocken mehr, weil sie mehr Zeit haben, um mit den Zusatz­beiträgen für die betriebliche Alters­vorsorge höhere Renditen zu erzielen.

Vor allem Riester- und Rürup-Sparer mit hohen Einkommen profitieren vom Steuer­vorteil.

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