Riester-Rentenversicherungen sind die meistverkauften Verträge in der geförderten Altersvorsorge. Wir haben 35 Angebote der klassischen Variante untersucht. Zwei Tarife waren „sehr gut“.

Förderrente, Zuschussrente, Prämienrente oder einfach Riester-Rente – mehr als 5,5 Millionen Kunden haben eine klassische Riester-Rentenversicherung abgeschlossen.

Rentenversicherungen sind die dritten im Bunde der Geldanlagen mit staatlicher Riester-Förderung. Nach den geförderten Banksparplänen und den Riester-Fondssparplänen haben wir nun 35 Tarife klassischer Riester-Rentenversicherungen auf den Prüfstand gestellt.

„Klassisch“ heißt, die Kunden erhalten eine Zinszusage von 2,25 Prozent auf den Sparanteil im Beitrag. Ihr Geld fließt überwiegend in sichere Kapitalanlagen.

Angeboten werden Riester-Rentenversicherungen auch mit Fonds. Hier bekommen Kunden nur eine Minimalgarantie. Ungünstige Kosten für das Versicherungskorsett tragen sie trotzdem. Daher empfehlen wir diese Verträge nicht. Fondsinteressenten sind mit Riester-Fondssparplänen gut bedient. Nur für Kunden mit Spezialwünschen, etwa nach Ökofonds, kann eine Riester-Fondsversicherung ausnahmsweise sinnvoll sein.

Viele Sparer übersehen die Nachteile der Riester-Fondspolicen offenbar oder nehmen sie in Kauf. Denn mehr als zwei Millionen solcher Verträge wurden seit 2002 schon abgeschlossen. Damit haben mehr Sparer eine Fondspolice gewählt als einen reinen Fondssparplan mit Förderung, den sie kostengünstiger einkaufen können.

Für Stetige

Klassische Riester-Rentenversicherungen haben einen großen Vorteil: Kunden sehen schwarz auf weiß, wie viel Rente sie einmal mindestens erhalten. Und sie wissen von vornherein, auf welche Weise sie im Alter an ihr Riester-Gespartes kommen – ihr jetziger Anbieter zahlt ihnen diese monatliche Rente lebenslang aus.

Wie hoch die Rente einmal sein wird, hängt stark von der Qualität des Anbieters ab. Schon bei der garantierten Mindestrente, der Rentenzusage für die Eigenbeiträge des Kunden, haben wir Unterschiede von 21 Prozent und mehr errechnet.

Kunden müssen für diese Rente natürlich den anfangs vereinbarten Beitrag immer aufbringen.

Wie wir in verdeckten Erhebungen mit Testkunden feststellten, sind die Angaben der Anbieter teilweise sehr unübersichtlich und stimmen nicht mit den Kundenwünschen überein. Häufig sind sie in ihren Angeboten von einem falschen Jahresbeitrag ausgegangen. Dann kann ein Kunde Rentenzusagen kaum vergleichen.

Gern haben die Versicherer zudem eine Fondspolice statt des gewünschten klassischen Garantieprodukts angeboten.

Größter Makel der Riester-Rentenversicherungen ist ihre fehlende Flexibilität. Die Kunden lassen sich – ohne es zu merken – mit Vertragsschluss auf hohe Abschlusskosten für den Vermittler ein. Einen vorzeitigen Ausstieg oder Umstieg zum anderen Anbieter müssen sie teuer bezahlen.

Diese Kosten werden nämlich oft nur über die ersten fünf Jahre verteilt in voller Höhe von den Kundenbeiträgen abgezogen. Wer wechselt, hat viel zu viel für Kosten ausgegeben.

Riester-Rentenversicherungen sind deshalb nur etwas für Stetige. Wer einmal abschließt und immer brav mindestens den anfangs vereinbarten Beitrag einzahlt, kann bei „sehr guten“ und mit Abstrichen auch bei „guten“ Anbietern zu einer schönen Zusatzrente kommen. Denn verglichen mit anderen sicheren Geldanlagen macht die Riester-Förderung auch aus einer klassischen Rentenversicherung ein attraktives Produkt.

Die Untersuchung

Von den insgesamt 35 untersuchten Tarifen haben wir für 32 Angebote ein Finanztest-Qualitätsurteil abgegeben. Drei Angebote erhielten kein Gesamturteil, weil jeweils eines der insgesamt drei Unterurteile nicht möglich war.

Mit einem „Sehr gut“ schnitten die Angebote von CosmosDirekt und HanseMerkur ab. Beide überzeugten stark bei der Rentenzusage. Im Vergleich erhalten Kunden hier hohe Mindestrenten.

Für ihren Anlageerfolg bekamen beide Anbieter ein „Gut“, CosmosDirekt aber mit höherer Gütezahl. Dieser Anbieter schaffte zwischen 2004 und 2006 durchgängig Erträge über 5 Prozent.

Der Anlageerfolg zeigt, wie erfolgreich ein Versicherer am Kapitalmarkt anlegt und wie sich das auf das Kundenguthaben auswirkt. Je höher die Erträge sind, desto mehr Rente kann später zusätzlich aus Überschüssen an die Kunden fließen.

Die HanseMerkur bietet „sehr gute“ Vertragsunterlagen. Hier kann ein Kunde beurteilen, woran er ist. Er sieht, für welche Beiträge er wann welche Rente sicher haben wird und wie hoch sie einschließlich staatlicher Zulagen ausfallen würde. Eine Verlaufstabelle verdeutlicht ihm, wie sich sein Guthaben entwickelt und was er durch Abschlusskosten in den ersten Jahren bei Ausstieg oder Umstieg in einen anderen Riester-Vertrag verlieren würde.

Unisex-Tarife

Die garantierte Leistung haben wir in der Untersuchung „Rentenzusage“ genannt. Die Versicherer errechnen nach Abzug der Kosten und auf Basis der Lebenserwartung eines Kunden eine feste Mindestrente für den eingezahlten Beitrag.

Die Lebenserwartung entnimmt der Versicherer einer Sterbetafel, einer Statistik zur Sterblichkeit. Die meisten Unternehmen richten sich nach der Sterbetafel der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

Für Riester-Rentenversicherungen gilt allerdings eine Besonderheit: Seit 2006 dürfen die Versicherer zwischen Frauen und Männern nicht mehr unterscheiden.

Bei nichtgeförderten Versicherungen tun sie das. Hier ist die Rentenzusage für Frauen wegen ihrer längeren Lebenserwartung niedriger als die für Männer.

Für Riester-Produkte hat der Gesetzgeber im Nachhinein Unisex-Tarife vorgeschrieben, weil sie die Kürzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung ausgleichen sollen. Dort wird von der gleichen Lebenserwartung für beide Geschlechter ausgegangen. Wäre dies bei den geförderten, von der privaten Wirtschaft angebotenen Zusatzrenten nicht so, müssten Frauen mehr sparen als Männer, um die Kürzungen auszugleichen.

Die Rentenzusage

Die Höhe der Rente, die ein Versicherer fest zusagt, lässt auf die Höhe seiner Kosten schließen. Denn alle Anbieter rechnen mit dem gleichen Garantiezins von 2,25 Prozent auf den Sparanteil.

Der Sparanteil bleibt nach Abzug der Kosten vom Beitrag zum Sparen übrig. Sind die Kosten hoch, fällt der Sparanteil geringer aus – die errechnete Rente auch.

Die Rentenzusage ging mit 50 Prozent ins Finanztest-Qualitätsurteil ein. Unterstellt haben wir folgenden Modellfall: Die Kunden, Frauen oder Männer, sind kinderlos. Sie werden Ende dieses Jahres 40 Jahre alt. Brutto verdienen sie im Jahr 30 000 Euro. 2007 zahlen sie einen Jahreseigenbeitrag von 786 Euro plus 114 Euro Grundzulage. Die Zulage ist der staatliche Zuschuss, den sie auf Antrag bekommen.

Von 2008 an zahlen sie immer 1 046 Euro jährlich ein, dazu kommen 154 Euro Zulage. Ab 65 Jahren wollen sie eine lebenslange Rente beziehen.

Für diese Kunden errechneten die Anbieter in unserem Test ganz unterschiedliche garantierte Renten aus Eigenbeiträgen: Sie reichten von 139 Euro (HanseMerkur24) bis 114 Euro (Plus und Basler). Die Testsieger CosmosDirekt und HanseMerkur boten jeweils 133 Euro.

Die Zulagen eingerechnet lagen die Rentenzusagen zwischen 159 Euro und nur 130 Euro. Die CosmosDirekt kam auf 151 Euro, die HanseMerkur auf 152 Euro.

Anlageerfolg

Die garantierte Rente ist Kunden sicher. Nicht sicher, aber trotzdem wichtig, ist der zusätzliche Anteil aus Überschüssen. Am stärksten hängen die Überschüsse vom Erfolg des Versicherers am Kapitalmarkt ab.

Wir haben für die vergangenen drei Jahre untersucht, wie gut die Gesellschaften angelegt haben. Der Anlageerfolg im Jahr 2006 bekam das größte Gewicht.

Bewertet haben wir, wie viel ein Versicherer mit dem Guthaben, das seinen Kunden zuzurechnen ist, erwirtschaftet und ihnen gutgeschrieben hat.

Der Anlageerfolg ging mit 40 Prozent ins Finanztest-Qualitätsurteil ein. Die Unterschiede sind groß. Schaffte die Debeka im Schnitt der letzten drei Jahre 5,8 Prozent, brachte die Itzehoer es nur auf 4 Prozent, die Victoria auf 4,2 Prozent.

Im Alter kosten solche Differenzen richtig Geld. Die Debeka prognostiziert unserem Modellkunden mit 215 Euro Gesamtrente plausibel 50 Prozent Aufschlag auf die Garantierente inklusive Zulagen. Die Itzehoer und die Victoria dürften das nach Betrachtung der vergangenen drei Jahre bei weitem nicht erreichen.

Die Berechnung des Anlageerfolgs basiert auf Daten der Geschäftsberichte der Unternehmen. Bei der Bayern-Versicherung fehlten wichtige Daten, sodass kein Urteil möglich war. Auch bei der HanseMerkur24 mussten wir passen. Die Gesellschaft, eine Internet-Tochter der HanseMerkur, ist neu am Markt. Für die vergangenen Jahre stehen noch keine Geschäftszahlen zur Verfügung.

Transparenz

Prüfpunkt drei war die Verständlichkeit der vor Vertragsschluss ausgehändigten Unterlagen. Das Ergebnis ging mit 10 Prozent ins Qualitätsurteil ein. Sind die Informationen transparent, können Interessenten ein Angebot richtig einschätzen.

Überprüft haben wir unter anderem, ob der Kunde erkennen kann, mit wie viel Rente er bei welcher Ertragslage rechnen kann, und ob er sehen kann, wie viel Sparguthaben er wann mindestens erreicht.

Sparer, die ihren Rentenversicherungsvertrag durchhalten und die staatliche Förderung voll nutzen, können sich eine attraktive Zusatzrente sichern. Und egal, wie viel sie einzahlen und was an Zulagen bei ihnen hinzukommt – bei den „sehr guten“ Anbietern sind sie dann richtig.

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