Riester-Rentenversicherungen: Riester-Förderung ausreizen

Rentenversicherungen à la Riester bringen viel Geld vom Staat. Viele können dafür nicht nur Zulagen, sondern auch Steuerersparnisse kassieren.

Schließen Anleger die neue Finanzlücke im Alter vor Silvester mit einer Rentenversicherung à la Riester, werden sie nächstes Jahr vom Staat belohnt. Er zahlt die ersten Zulagen in die Police ein und schreibt nach Abgabe der Steuererklärung für 2002 meist auch noch Steuern und Solidaritätszuschlag gut.

Die Zulagen

Die volle Zulage beträgt 2002 für jeden Riester-Sparer 38 Euro. Für jedes Kind, für das er Kindergeld erhält, kommen 46 Euro dazu. Haben beide Eltern einen Riester-Vertrag, zahlt der Staat die Kinderzulagen in die Police der Mutter ein. Ehepaare können aber auch bestimmen, dass sie der Vater erhält. In der Finanztest-Familie (Modelle 2 und 3) verteilen sich die Zulagen auf die Verträge der Ehepartner so: Jeder erhält im nächsten Jahr 38 Euro Zulage auf seinen Vertrag. Die Frau bekommt noch zwei Kinderzulagen à 46 Euro.

Der Versicherungsbeitrag

Damit Riester-Sparer die vollen Zulagen bekommen, müssen fast alle selbst Geld in ihre Rentenversicherungen einzahlen. Jeder muss zusammen mit den Riester-Zulagen 1 Prozent seines 2001 verdienten Bruttolohns sparen.

Der 30-jährige Single in dem ersten Finanztest-Modell hat 25 000 Euro Brutto verdient. 1 Prozent davon sind 250 Euro. Da der Mann kinderlos und allein stehend ist, gehen von den 250 Euro 38 Euro Zulage ab, die direkt in den Vertrag fließen. Die restlichen 212 Euro muss der 30-Jährige selbst einzahlen. Hätte er Kinder, für die er Kindergeld erhält, würde sein Anteil für jedes um weitere 46 Euro sinken.

Ehepaare: Nur einer muss sparen

Für Ehepaare ist die Rechnung nicht so einfach. In der Finanztest-Modellfamilie ist nur der Mann rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer. Die Frau ist Hausfrau und nicht gesetzlich rentenversichert. Sie hat nur durch ihren Mann Anspruch auf Förderung.

Will die 30-jährige Frau Riester-Zulagen haben, muss sie eine eigene Rentenversicherung abschließen. Im Unterschied zu ihrem Mann benötigt sie dafür kein eigenes Geld. Ihr Versicherungsbeitrag besteht nur aus der eigenen Zulage von 38 Euro und den Zulagen für die beiden Kinder à 46 Euro.

Der Mann muss dagegen selbst Geld für seine Rentenversicherung ausgeben. Er hat 2001 40 000 Euro Brutto verdient und deshalb 400 Euro Versicherungsbeitrag (= 1 Prozent).

Davon kann der Familienvater seine eigene Zulage von 38 Euro und die Zulagen für seine Frau und die Kinder von insgesamt 130 Euro abziehen. Den Rest von 232 Euro muss der 30-Jährige selbst in seine Police einzahlen.

So wie der Familienvater müssen alle Paare rechnen, bei denen einer keinen eigenen Anspruch auf Riester-Förderung hat – weil er zum Beispiel Hausmann, Hausfrau oder selbstständig ist.

Ehepaare: Beide müssen sparen

Sind beide Ehepartner Beamte oder Arbeitnehmer mit eigenem Anspruch auf Riester-Förderung, muss ebenfalls jeder mit einer eigenen Police seine Rentenlücke schließen. Doch hier verlangt der Staat für die vollen Riester-Zulagen, dass beide Partner 1 Prozent ihres Bruttolohns aus 2001 sparen.

Hat jeder 40 000 Euro verdient, muss dieses Jahr jeder auf 400 Euro Versicherungsbeitrag kommen. Davon kann jeder Partner seine Zulage von 38 Euro abziehen. Bekommt das Paar Kinderzulagen, kann die Frau ihren Beitrag außerdem für jedes Kind um 46 Euro kürzen.

Mindestsparbeiträge

Versicherte ohne ausreichendes Einkommen mit Anspruch auf Riester-Förderung müssen oft Mindestsparbeiträge zahlen. In dieser Situation sind zum Beispiel Mütter oder Väter in Erziehungszeiten, die bis zum dritten Lebensjahr des Kindes in der Rentenversicherung angerechnet werden. Auch bei kinderreichen Familien darf der eigene Beitrag für den Riester-Vertrag durch die Kinderzulagen nicht unter bestimmte Sockelbeträge sinken. Sie betragen je nach Zahl der Kinder:

  • Ohne Kind: 45 Euro
  • Mit einem Kind: 38 Euro
  • Ab zwei Kindern: 30 Euro

Ab 2005 sind fast alle Sockelbeträge doppelt so hoch.

Steuervorteile

In der Steuererklärung für 2002 kann jeder seinen Versicherungsbeitrag – also die Zulagen und die eigenen Einzahlungen – voll als Sonderausgaben absetzen. Ist die Steuerersparnis dadurch höher als die erhaltene Riester-Zulage, schreibt das Finanzamt die Differenz im Steuerbescheid für 2002 gut. Damit können vor allem kinderlose und besser verdienende Riester-Sparer rechnen. Je höher ihr Versicherungsbeitrag ist, desto größer ist die Steuergutschrift.

Für viele lohnt es sich deshalb, mehr Geld als für die volle Riester-Zulage nötig in die Rentenpolice einzuzahlen. Der maximale Versicherungsbeitrag beträgt dieses Jahr 525 Euro undistbei52 500Euro Bruttolohn erreicht. Wer weniger verdient hat, kann seine Einzahlungen bis auf 525 Euro aufstocken und seine Steuervorteile optimieren. Im Juni-Heft hat Finanztest ausgerechnet, wie viel Geld Riester-Sparer durch zusätzliche Einzahlungen herausholen können.

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