Riester-Sparer können die neue Finanzlücke im Alter mit privaten Rentenversicherungen schließen. Sie haben die Wahl zwischen klassischen Policen und zwei risikoreicheren Angeboten mit Fonds, die mehr Rendite versprechen. Wir zeigen die beste Lösung und nennen die Testsieger. Mithilfe unserer Modellkunden kann sich dann jeder den besten Tarif aussuchen.

Die private Versicherungswirtschaft mischt bei der Altersvorsorge à la Riester kräftig mit. Sie schickt auf Riester zugeschnittene Rentenversicherungen ins Rennen. Der Versicherungsbeitrag für diese Policen besteht aus den Einzahlungen der Kunden und aus den Zulagen von Riester. Wollen sie die Finanzlücke durch die letzte Rentenreform mit einer Rentenversicherung schließen, haben sie drei Varianten zur Auswahl.

Auf Nummer Sicher

Riester-Sparer können auf Nummer Sicher gehen und eine klassische Rentenversicherung abschließen. Bei diesen Policen legen die Versicherer die Beiträge der Kunden und die damit erwirtschafteten Überschüsse konservativ an. Die Klassiker unter den Rentenpolicen sind deshalb für alle, die Wert auf Sicherheit legen oder nur noch wenig Zeit bis zur Rente haben, eine gute Wahl.

Die Rendite wird zwar nicht sensationell, dafür aber relativ sicher sein. Ein 30-Jähriger mit 25 000 Euro Bruttolohn im Jahr, der einen Vertrag mit 35-jähriger Laufzeit abschließt, kann beim Testsieger Asstel mit gut 6,5 Prozent Versicherungsrendite rechnen (siehe Tabelle „Klassische Rentenversicherungen“). Das sind bei einem Standardvertrag (siehe Tabelle „So hoch ist die monatliche Rente“) rund 755 Euro Rente im Monat als prognostizierte Leistung. Garantiert erhalten Kunden rund 3 Prozent Rendite und damit rund 270 Euro Monatsrente.

Mit Fonds-Kick

Die zweite Variante sind Rentenversicherungen mit begrenztem Fondsanteil. Sie erscheinen auf den ersten Blick viel versprechender als die Klassiker. Mit einer guten Police winken dem 30-Jährigen mit 25 000 Euro Brutto im Jahr beim besten Angebot, das die Berlinische Leben macht, 6,85 Prozent Rendite. Das sind bei einem Standardvertrag zirka 825 Euro Rente im Monat und damit rund 70 Euro mehr als beim Testsieger der klassischen Rentenversicherungen (siehe Tabellen „So hoch ist die monatliche Rente“ und „Rentenversicherungen mit begrenztem Fondsanteil“).

Die prognostizierten Versicherungsrenditen und Renten sind dafür aber längst nicht so sicher wie bei den klassischen Policen. Bei Verträgen mit begrenztem Fondsanteil legen die Gesellschaften nur die Beiträge der Kunden klassisch an. Die damit erwirtschafteten Überschüsse investieren sie in Fonds.

Fonds können in schlechten Börsenjahren weniger Rendite als erhofft bringen. Vor allem wenn Riester-Sparer nur noch ein paar Jahre bis zur Rente haben, sind die Tarife mit begrenztem Fondsanteil riskant. Erweisen sich die Fonds, in denen die Überschüsse investiert sind, auf Dauer als Renditebremsen, bringen solche Policen im Extremfall nur die garantierte Leistung. Die ist dann allerdings beim Testsieger mit 2,73 Prozent Versicherungsrendite fast so hoch wie bei einer klassischen Police. Der 30-Jährige Modellkunde erhält bei einem Vertrag mit begrenztem Fondsanteil von der Berlinischen Leben später garantiert eine Rente von rund 250 Euro im Monat.

Sehr viel riskanter ist dagegen die dritte Variante von Rentenversicherungen. Hier legen die Gesellschaften nämlich nicht nur die Überschüsse in Fonds an. Sie investieren auch einen Teil der Versicherungsbeiträge so. Solche Rentenversicherungen sind deshalb nur für junge und besonders risikofreudige Riester-Sparer die richtige Wahl.

Für den 30-Jährigen mit 25 000 Euro Bruttolohn im Jahr sind bei einem der besten Anbieter der Policen mit hohem Fondsanteil, der Asstel, über 7,5 Prozent Versicherungsrendite drin. Das sind bei dem Finanztest-Standardvertrag zirka 990 Euro Rente im Monat (siehe Tabellen „So hoch ist die monatliche Rente“ und „Rentenversicherungen mit hohem Fondsanteil“). Der Mann kann also rund 165 Euro mehr erhalten als vom Sieger der Versicherungen mit begrenztem Fondsanteil. Im Vergleich zum Spitzenreiter der klassischen Policen darf er beim Finanztest-Standardvertrag sogar auf 235 Euro mehr Rente im Monat hoffen. Dafür ist aber auch das Risiko, dass zum Schluss nicht viel herausspringt, viel größer. Schlimmstenfalls erhält der 30-Jährige nur die Riester-Zulagen und die eigenen Beiträge als Rente zurück.

Doch ein Stück weit haben Kunden das Risiko, dass eine Rentenversicherung mit begrenztem oder hohem Fondsanteil nicht viel bringt, selbst in der Hand. Die meisten Unternehmen bieten ihnen bei Vertragsabschluss mehrere Aktienfonds zur Auswahl an.

Die fünf Modellkunden

Wie hoch die Versicherungsrendite und Rente später sind, hängt aber nicht nur von der Art der Rentenversicherung ab. Eine große Rolle spielt auch, in welchem Alter Kunden die Police abschließen. Außerdem beeinflussen das Einkommen und die Familiensituation die Leistung. Finanztest hat deshalb die drei Varianten von Rentenversicherungen für fünf Modellkunden getestet.

In jeden Vertrag wird jährlich so viel eingezahlt, wie für die vollen Zulagen von Riester nötig ist (siehe „Riester-Förderung ausreizen“). Zum Versicherungsbeitrag gehören die Riester-Zulagen und der dafür nötige Eigenbeitrag. Die Rente beginnt später bei allen Finanztest-Kunden mit 65.

  • Im ersten Modell sorgt ein 30-jähriger Single mit 25 000 Euro Bruttolohn im Jahr fürs Alter vor.
  • Im zweiten Modell schließt ein 30-jähriger Familienvater mit zwei Kindern und 40 000 Euro Bruttolohn im Jahr die Rentenversicherung ab.
  • Im dritten Modell spart die 30 Jahre alte Frau des Familienvaters aus dem zweiten Modell mit einer eigenen Rentenversicherung à la Riester. Als Ehe- und Hausfrau ohne Rentenversicherungspflicht muss sie dafür kein eigenes Geld ausgeben. Ihr Versicherungsbeitrag besteht nur aus der eigenen Zulage und aus den Zulagen für die Kinder (Zulagenvertrag). Für das erste Kind erhält sie 15 Jahre und für das zweite 20 Jahre Kinderzulagen.
  • Im vierten Modell spart eine allein stehende 45-jährige Frau mit 25 000 Euro Bruttolohn im Jahr mit einer Rentenpolice à la Riester.
  • Im fünften Modell schließt ein 45-jähriger Single mit jährlich 40 000 Euro Bruttolohn seine Rentenlücke.

Mithilfe der Modellkunden können alle Riester-Sparer die besten Tarife für die drei Varianten von Rentenversicherungen finden (siehe Tabellen „Klassische Rentenversicherungen“, „Rentenversicherungen mit begrenztem Fondsanteil“ und „Rentenversicherungen mit hohem Fondsanteil“). Wie viel Rente es später je nach Versicherungsrendite gibt und wie der Finanztest-Standardvertrag aussieht, steht unter „So viel Rente bringen die Versicherungsrenditen“.

Rechenschwächen der Versicherer

Finanztest hat berücksichtigt, dass der Versicherungsbeitrag aus den Riester-Zulagen und aus dem dafür selbst eingezahlten Geld besteht, und für beides die Versicherungsrendite berechnet. Nur wenn die Riester-Zulagen einkalkuliert werden, ist die Rechnung komplett. Sonst hätte Finanztest die Tarife für die Ehefrau und Mutter im Modell 3 nicht bewerten können. Da Kunden wie sie kein eigenes Geld in ihre Verträge einzahlen müssen, besteht der Beitrag bei ihnen nur aus Riester-Zulagen. Auch die Rendite und spätere Rentenhöhe hängen komplett davon ab.

Wir haben auch berücksichtigt, dass die Zulagen und die eigenen Beiträge bis 2008 steigen – so wie es das Gesetz vorschreibt. Sonst wären die Renditen und Renten der Tarife im Test niedriger, als es der Fall sein wird. Gesellschaften, die ihre Angebote nur ohne Riester-Zulagen ausrechnen konnten oder wollten, fehlen deshalb im Test. Auch Unternehmen, die den Anstieg der Zulagen und Eigenbeiträge nicht kalkulieren konnten oder wollten, kommen nicht vor.

Andere Tarife fielen dagegen nur im Modell 3 mit dem Zulagenvertrag unter den Tisch. Ihre Anbieter konnten oder wollten die Kinderzulagen nicht richtig berechnen. Eltern erhalten sie so lange, wie sie Kindergeld bekommen. Doch in den Programmen bestimmter Unternehmen gab es sie bis zur Rente. Ein Versicherer rechnete nur mit gleichaltrigen Kindern – also mit Zwillingen oder Drillingen. Anbieter, die solche Fehler nicht korrigierten, hat Finanztest aus dem Test ausgeklammert.

Die Riester-Förderung garantiert einen hohen Renditezuschlag. Schließt der 45-jährige Single im Modell 5 mit 40 000 Euro Brutto eine klassische Rentenversicherung mit 6 Prozent Sparrendite ab, werden daraus durch seine Zulagen und Steuerersparnisse bis Rentenbeginn über 10 Prozent. Dafür ist die Rente dann aber voll steuerpflichtig.

Bei Riester können sich Kunden außerdem für den Bau oder Kauf eines Eigenheims aus ihrer Police 10 000 Euro bis 50 000 Euro ausleihen. Dafür stehen bei den klassischen Tarifen alle Einzahlungen und Zinsen zur Verfügung. Fondspolicen sind wegen des größeren Risikos zur Finanzierung nicht so günstig – ähnlich wie auf Riester zugeschnittene Fondssparpläne. Nur Banksparpläne à la Riester halten bei der Immobilienfinanzierung mit.

Die Sparpläne der Banken haben wir bereits im August-Heft getestet. Sie sind vor allem für Anleger ab 50 eine Alternative. Mit Fondssparplänen haben dagegen vor allem jüngere Riester-Sparer gute Renditechancen.

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