Versicherer in der Finanzklemme

2001 lag das Anlageergebnis einiger Versicherer erstmals unter dem Garantiezins. Außerdem können stille Verluste in der Bilanz schlummern.

Die Kapitalmärkte spielen längst nicht mehr so mit wie in den 90er Jahren. Das spüren auch die Lebensversicherer, die im Riester-Geschäft mit ihren Rentenversicherungen mitmischen. Vor allem Gesellschaften, die für ihre Geldanlagen die Aktienquote von 30 Prozent fast bis zur Oberkante ausgereizt haben, sehen ihre Renditen schwinden. Das spiegelt sich in den Anlagerenditen für 2001 wider. Letztes Jahr hatten die ersten Unternehmen Probleme, den Zins zu erzielen, den sie Kunden für klassische Renten- und Lebensversicherungen gesetzlich garantieren müssen.

Einige konnten nur durch das Auflösen stiller Reserven und der Rückstellung für die Beitragsrückgewähr ihr Anlageergebnis aufpäppeln.

Durch das neue Bilanzrecht können die Versicherer es noch ganz anders schönen. Das Anlageergebnis kann jetzt zum Teil auf Kapital basieren, das es gar nicht gibt. In der Bilanz für 2001 müssen die Gesellschaften ihre Aktienpakete nämlich zum ersten Mal nicht mehr als Umlaufvermögen deklarieren.

Sie können ihre Aktien alternativ als Anlagevermögen bilanzieren. Tun sie das, schlagen die Papiere in der Bilanz mit dem Einkaufspreis zu Buche. Sind die Aktienpakete durch die Kurseinbrüche der letzten Jahre längst nicht mehr so viel wert, basiert die Bilanz zum Teil auf Kapital, das eine Luftnummer ist. Es können sogar stille Verluste im Anlageergebnis schlummern.

Finanztest hat das Anlageergebnis von Unternehmen, die ihre Aktienpakete 2001 als Anlagevermögen bilanziert haben, in den Tabellen „Klassische Rentenversicherung“, „Rentenversicherung mit begrenztem Fondsanteil“ und „Rentenversicherung mit hohem Fondsanteil“mit einem Ausrufungszeichen gekennzeichnet (letzte Spalte).

Riester-Sparer müssen sich deshalb aber keine großen Sorgen machen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) kann Lebensversicherer, die ihre Aktienpakete nach dem neuen Bilanzrecht als Anlagevermögen deklarieren, nämlich verschärft kontrollieren.

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