Riester-Rentenversicherung Test

Mehr Schwung für die Rente: Jacqueline Hoffmann (hier beim Skaten mit ihrem Freund Marco Seitz) hat ihren Anbieter gewechselt. Der alte Vertrag hatte zu hohe Kosten.

Riester-Rentenversicherung. Bei der Auswahl der Versicherung kommt es vor allem auf die garantierte Rente an. Zwei Tarife in unserem Test sind „sehr gut“.

Jacqueline Hoffmann und ihr Freund Marco Seitz waren bass erstaunt. Als die 22-Jährige mit ihrem angesparten Kapital zu einem anderen Anbieter wechseln wollte, teilte ihr die Versicherungsgesellschaft mit, dass nur „ein Kapital in Höhe von 291,47 Euro übertragen wird“.

Dabei hatte die Bäckereifachverkäuferin in knapp zwei Jahren insgesamt 500 Euro Eigenbeitrag für ihre Anfang 2007 abgeschlossene Riester-Rentenversicherung bei der Victoria gezahlt, die staatliche Zulage noch gar nicht mitgerechnet. 42 Prozent ­ihrer Beiträge waren also für Abschluss- und Verwaltungskosten draufgegangen.

Eine Beschwerde, die Marco Seitz für seine Freundin beim Versicherungsombudsmann einreichte, half nichts. Sie brachte nur die Erkenntnis, dass die Kundin das Kleingedruckte im Vertrag überlesen hatte.

Der Versicherer habe darauf hingewiesen, wie viel Prozent der Einzahlungen für Kosten verwendet werden, und damit dem Gesetz genüge getan, antwortete der Ombudsmann. Für Jacqueline Hoffmann ist das kein Trost.

29 Angebote im Test

Riester-Rentenversicherung Test

Wenigstens hat die Victoria gelernt. Unser Test zeigt: Bei ihrem neuen Angebot, das seit August auf dem Markt ist, fallen für den Kunden deutlich weniger Kosten an. Außerdem sind die Vertragsbedingungen klarer als zuvor.

Die Konsequenz: In unserem Test im vergangenen Jahr schnitt die Victoria nur mit „ausreichend“ ab. Diesmal haben wir ihr Angebot mit „befriedigend“ bewertet.

Allerdings gibt es bessere: Von 29 Angeboten im Test bekamen zwei das Qualitätsurteil „sehr gut“: CosmosDirekt und HanseMerkur. Acht Angebote haben mit „gut“ abgeschnitten. Von diesen acht schrammte die Debeka knapp am „Sehr gut“ vorbei.

Getestet haben wir klassische Riester-Rentenversicherungen. „Klassisch“ bedeutet, die Kunden bekommen eine Zinszusage von 2,25 Prozent auf den Teil des Beitrags, der nach Abzug der Kosten übrig bleibt. Ihr Geld fließt überwiegend in sichere Kapitalanlagen.

Versicherungen besonders verbreitet

Riester-Rentenversicherung Test

Angeboten werden Riester-Rentenversicherungen auch mit Fonds. Hier fehlt jedoch die Sicherheit des Garantiezinses, ungünstige Kosten für das Versicherungskorsett tragen die Kunden trotzdem.

Diese und weitere Riester-Produkte wie Sparpläne stellen wir in der Tabelle Für jeden Spartyp der passende Riester-Vertrag vor. Versicherungen sind am meisten verbreitet.

Hohe Kosten drücken Rente

Riester-Rentenversicherung Test

Ärger über hohe Kosten: Gertrud und Günter Scheuber haben ihre Riester-Rentenversicherung gekündigt und einen Riester-Banksparplan abgeschlossen. Der kostet weniger.

Wie Jacqueline Hoffmann und Marco Seitz ärgert sich auch das Ehepaar Scheuber über die hohen Kosten für eine Riester-Rentenversicherung. Die 58-jährige Gertrud Scheuber hat ihren Vertrag 2005 bei der Bayern-Versicherung abgeschlossen.

„Allein 2006 wurden von 1 575 Euro Einzahlung genau 188,88 Euro Gebühren in Rechnung gestellt“, sagt Günter Scheuber. „Das bedeutet, dass die gesamte staatliche Zulage von 168 Euro und dazu noch fast 21 Euro meines eigenen Beitrags weg sind“, ergänzt seine Frau Gertrud.

Die Abschlusskosten zahlen die Kunden schon in den ersten Jahren kompakt für den gesamten Vertrag. Die Versicherer müssen diese Kosten lediglich über mindestens die ersten fünf Jahre verteilen, bei vor 2005 abgeschlossenen Verträgen mindestens über die ersten zehn Jahre. Verwaltungskosten werden während der gesamten Vertragslaufzeit berechnet.

Weil alle Abschlusskosten schon in den ersten Jahren vom Sparbeitrag abgehen, werden Kunden, die vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen, übermäßig damit belastet. Ein Vertragswechsel ist also meist mit Verlusten verbunden. Deshalb ist es wichtig, von vornherein einen leistungsstarken Tarif zu wählen, so dass ein Vertragswechsel gar nicht nötig wird.

Auf die garantierte Rente schauen

Riester-Rentenversicherung Test

Kosten wirken sich unmittelbar auf die ­garantierte Rente aus. Ein Anbieter, der von den Einzahlungen hohe Kosten abzieht, kann keine hohe Rente garantieren.

Die garantierte Rente – auch Rentenzusage genannt – haben wir in unserer Untersuchung am höchsten gewichtet: Sie ist mit 50 Prozent in unser Qualitätsurteil eingegangen. Denn nur was der Versicherer verbindlich zusagt, hat der Kunde wirklich sicher. Prognosen über Überschussbeteiligungen sind kein festes Versprechen, sondern ungewiss.

Unser fast 40-jähriger kinderloser Modellkunde, der jährlich 1 046 Euro Eigenbeitrag plus die volle staatliche Grundzulage von 154 Euro, einzahlt, bekommt je nach Anbieter lebenslang eine garantierte Rente zwischen 177 Euro und 144 Euro im Monat.

Anlageerfolg steigert die Rente

Riester-Rentenversicherung Test

Die garantierte Rente ist allerdings nicht der alleinige Maßstab bei der Auswahl eines guten Tarifs. Natürlich ist auch der Anlageerfolg wichtig. Denn ein Versicherer, der die Beiträge erfolgreich anlegt, erwirtschaftet hohe Überschüsse für die Kunden und kann ihnen am Ende der Sparphase mehr Rente zahlen.

Wir haben uns deshalb angeschaut, wie gut die Unternehmen in den vergangenen drei Jahren gewirtschaftet haben. Ihr durchschnittlicher Anlageerfolg ist mit 40 Prozent in unser Qualitätsurteil eingegangen. Dabei bekam der Anlageerfolg im Jahr 2007 das größte Gewicht.

Es gibt große Unterschiede zwischen den Unternehmen, die ein gutes Händchen bei der Anlage hatten, und denen, die eher danebengriffen. So schaffte die Debeka nach unserer Gewichtung in den vergangenen drei Jahren eine Verzinsung von 5,6 Prozent. Auf erheblich weniger brachte es das Trio Victoria (4,2 Prozent), Concordia (4,3 Prozent) und oeco capital (4,6 Prozent). Solche Differenzen machen im Alter dann den Unterschied.

Die Debeka kann unserem Modellkunden bereits plausibel prognostizieren, dass seine garantierte Monatsrente von 157 Euro durch Überschüsse in der Sparphase auf 244 Euro steigt. In der Rentenzeit können weitere Überschüsse hinzukommen.

Testsieger CosmosDirekt erhöht die garantierte Rente unseres Modellkunden von 168 Euro durch Überschüsse laut Prognose auf 253 Euro – vorausgesetzt, das Unternehmen wirtschaftet künftig genauso gut wie in den vergangenen Jahren.

Gesellschaften, deren Anlageerfolg bei knapp über 4 Prozent dümpelte, erreichen eine solche Aufstockung der garantierten Rente nicht, wenn man die vergangenen drei Jahre betrachtet. So kann die Victoria nur 216 Euro prognostizieren.

Es gibt auch Versicherer, die überdurchschnittlichen Anlageerfolg haben, die aber wegen ihrer hohen Kosten nur eine durchschnittliche Rentenzusage machen, zum Beispiel die Bayern-Versicherung.

Diese Versicherungsgesellschaft, bei der Gertrud Scheuber einen Vertrag hatte, hat mit dem Kundengeld in den vergangenen drei Jahren gut gewirtschaftet. Unserem Modellkunden garantiert sie aber nur 154 Euro Monatsrente. Ihr Angebot kam in unserem Test immerhin knapp auf „gut“.

Transparenz für die Kunden

Riester-Rentenversicherung Test

Ein weiteres wichtiges Kriterium für den Kunden ist die Transparenz des Vertrages. Diesen Punkt haben wir mit 10 Prozent in unser Qualitätsurteil einfließen lassen. Nur wenn alle Vertragsbestandteile ersichtlich sind, können Kunden ein Angebot richtig einschätzen.

Wir haben zum Beispiel geschaut, ob der Kunde erkennen kann, mit wie viel Rente
er bei welcher Ertragslage rechnen kann. Denn die Überschüsse eines Versicherers können sehr unterschiedlich ausfallen. Das muss dem Kunden klar sein.

Der Vertrag sollte zeigen, wie viel Sparguthaben der Kunde wann mindestens ­erreicht. So sieht er, wie wenig ihm bleibt, wenn er einmal nicht mehr zahlen kann und den Vertrag „beitragsfrei“ stellt.

Auch sollte der Kunde aus seiner Modellrechnung die Rente ohne Überschüsse einschließlich der staatlichen Zulagen erfahren. Sie ist für ihn ein ausschlaggebendes Kriterium. Vier Anbieter in unserem Test (Gothaer, PBV, R + V und Volkswohl Bund) lassen die Kunden darüber im Unklaren.

Versicherer tricksen mit der Zulage

Riester-Rentenversicherung Test

Wie hoch die vom Versicherer dargestellte Rente ausfällt, hängt auch davon ab, zu welchem Zeitpunkt er die staatliche Zulage einrechnet. Die meisten Anbieter schreiben dem Kunden die Zulage in ihrer Modellrechnung in der Mitte des Folgejahres gut. Die Zulage für 2008 berücksichtigen sie also Mitte 2009. Dies ist in der Branche üblich und so haben auch wir gerechnet.

Einige Unternehmen rechnen die Rente in den Unterlagen für den Kunden jedoch schön. Swiss Life und Huk-Coburg schreiben die Zulage in ihrer Modellrechnung schon zu Vertragsbeginn gut. Dann ist sie mit Sicherheit noch nicht auf das Kundenkonto geflossen. Die im Modell dargestellte Rente ist also höher als in der Realität.

Keine Software für Rente mit 67

Riester-Rentenversicherung Test

Ebenfalls nicht kundenfreundlich: Generali und DBV-Winterthur waren nicht in der Lage, die Rente ab 67 Jahren in ihren Modellrechnungen darzustellen; sie beginnen weiterhin mit 65 Jahren. Mit ihrer veralteten Computersoftware hinken sie der Gesetzeslage hoffnungslos hinterher.

Am besten durchschauen können Kunden das Angebot der Alten Leipziger. Es ­erfüllt alle 18 Kriterien, die wir für wichtig halten. Am unteren Ende der Transparenzskala finden sich die Tarife von DBV-Winterthur, oeco capital und Concordia. Sie ­erfüllen nur sieben. So bleiben Kunden der Concordia darüber im Unklaren, wie hoch die Rente ist, wenn sie ihren Vertrag ­beitragsfrei stellen. Sie erfahren nicht, wie hoch die Zuschläge sind, wenn sie ihren ­Beitrag nicht jährlich im Voraus, sondern monatlich oder vierteljährlich zahlen.

Positiv hat sich die gesetzliche Informationspflichtverordnung ausgewirkt. Sie gilt seit Juli und schreibt vor, dass die Versicherer Abschluss- und Verwaltungskosten in Euro ausweisen müssen. Kunden können jetzt die Kosten leichter erkennen.

Renditekick durch Förderung

Riester-Rentenversicherung Test

Vorsorgesparer mit Ausdauer, die ihren Beitrag immer bezahlen, können bei den „sehr guten“ und mit Abstrichen bei den „guten“ Anbietern zu einer schönen Zusatzrente kommen. Denn zur Rendite der Versicherung kommt die staatliche Förderung aus Zulagen und Steuervorteilen hinzu.

Ein Beispiel: Die Förderung steigert die Rendite eines Produkts mit 4 Prozent Verzinsung auf 5,1 Prozent (Vertragslaufzeit 25 Jahre, Steuersatz im Berufsleben 44 Prozent). Die zugrundegelegten 4 Prozent sind für alle „sehr guten“ und „guten“ Angebote im Test eine realistische Annahme, wenn die Versicherer weiter so gut wirtschaften wie in den vergangenen drei Jahren.

Die ersten Riester-Rentner

Riester-Rentenversicherung Test

Kleines Rentenplus mit Riester: Gerhard Göttig ist einer der ersten Riester-Rentner.

Wie hoch die Rente einmal sein wird, hängt sehr von der Qualität des Anbieters ab. Die ersten Riester-Rentner spüren dies nun.

Einer von ihnen heißt Gerhard Göttig. Er hat 2002 einen Riester-Vertrag bei der Öffentlichen Lebensversicherungsanstalt Oldenburg abgeschlossen. Seit Dezember 2007 bekommt der 60-Jährige knapp 31 ­Euro Zusatzrente im Monat. Göttig hat sich ausgerechnet, dass er 16 Jahre lang diese Rente beziehen muss, um nur seine Beiträge wieder herauszubekommen.

Unser Modellkunde, der beim Testsieger CosmosDirekt einen Vertrag abgeschlossen hat und mit 67 in Rente geht, muss 14 Jahre Rente beziehen, bis die garantierten Rentenzahlungen seine Beiträge übertroffen haben. Die Überschüsse, die der Versicherer an den Kunden ausschüttet, sind dabei aber noch nicht berücksichtigt.

Wirtschaftet das Unternehmen so gut wie in den vergangenen drei Jahren, reichen acht Jahre Rentenzahlung, bis der Kunde seine Beiträge wieder heraushat. 75 Jahre alt ist er zu diesem Zeitpunkt. Danach kommt er ins „Plus“, er erhält also mehr Rente, als er an Beiträgen gezahlt hat.

Bis der CosmosDirekt-Kunde durch die Rückzahlungen eine Beitragsrendite von 4 Prozent erreicht hat, dauert es noch weitere elf Jahre – bis zu seinem 86. Lebensjahr. Ein Kunde der Barmenia muss sogar 92 Jahre alt werden, um eine Verzinsung von 4 Prozent auf seine Beiträge zu schaffen.

Doch ein Pluspunkt der Riester-Rente ist die Rentenzahlung bis zum Lebensende. Andere Sparanlagen sind irgendwann aufgebraucht – und am Ende des Lebens ist dann womöglich kein Geld mehr da. Dieses Risiko gibt es bei Riester-Verträgen nicht.

Jacqueline Hoffmann will – bei einem anderen Anbieter als bisher – auch weiterhin riestern. „Es ist wichtig, sich finanziell fürs Alter abzusichern“, meint sie. „Obwohl es schwer ist, mit 22 Jahren schon ans Alter zu denken.“

Dieser Artikel ist hilfreich. 1281 Nutzer finden das hilfreich.