Test­verweigerer: Versicherer mauern

Riester-Renten­versicherung Test

Viele Riester-Anbieter scheuen unseren Test. Auch Sparkassen-Versicherungen informieren nicht über wichtige Daten.

Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Alters­vorsorge. Sie soll vor allem die Rentenkür­zungen der vergangenen Jahre abfedern, so will es der Gesetz­geber. Kunden müssen daher unbe­dingt wissen, was ein Angebot taugt. Doch viele Versicherer machen es ihnen schwer. Von Trans­parenz halten sie nicht viel.

Die Hälfte der Versicherer im Test wollte uns ihr Riester-Angebot nicht offenlegen. Wir haben die Vertrags­daten darauf­hin mithilfe anonymer Tester erhoben und die Unternehmen damit konfrontiert. Ein Fünftel dieser Versicherer bestätigte dann wenigs­tens die so erhobenen Daten.

In unserer Tabelle bewerten wir die wesentlichen Tarifmerkmale – soweit es uns möglich ist. Wenn wir kein Qualitäts­urteil vergeben konnten, lag dies oft daran, dass die Versicherer oder ihre Vermittler die Vorgaben für unseren Modell­kunden nicht umsetzen konnten oder wollten.

Die verdeckt erhobenen Tarife fast aller öffent­lichen Versicherer konnten wir nicht bewerten, weil uns wichtige Daten fehlen. Die unter dem Dach der Sparkassen organisierten Unternehmen veröffent­lichen in ihren Geschäfts­berichten zu wenig Informationen. So konnten wir nicht nach­voll­ziehen, wie erfolg­reich – oder erfolg­los – sie das Geld ihrer Kunden anlegen; löbliche Ausnahme war die Sparkassen­versicherung Sachsen. Laut Sparkassengesetz haben diese Versicherer einen „öffent­lichen Auftrag“ und sollen den „Wett­bewerb stärken“. Wett­bewerb ohne Trans­parenz ist jedoch nicht möglich.

Die meisten Test­verweigerer, die uns die Daten nicht bestätigten, haben wir in der Vergangenheit schon einmal untersucht. Die Ergeb­nisse waren eher mau. Womöglich nehmen diese Versicherer deshalb nicht mehr am Test teil.

Manfred Zöllmer, stell­vertretender finanz­politischer Sprecher der SPD-Bundes­tags­fraktion, nennt es „nicht akzeptabel, dass Versicherer ihr Angebot der Stiftung Warentest nicht offenlegen“. Der CDU-Bundes­tags­abge­ordnete Karl Schiewerling meint: „Gerade weil die Menschen die Frage bewegt, ob sich eine Riester-Rente für sie lohnt, ist es für sie wichtig, im Dschungel der Tarife Orientierung zu finden.“ Vergleichs­tests, so der CDU-Sozial­experte weiter, „können hierbei eine wert­volle Hilfe sein.“

Und der Finanz­experte der Links­partei im Bundes­tag, Axel Troost, sagt: „Unabhängiger Rat, wie ihn Finanztest bietet, ist unver­zicht­bar. Er funk­tioniert natürlich nicht, wenn die Anbieter die Informationen über ihre Produkte vorenthalten.“

Nicole Maisch, Verbraucher­schutz­expertin von Bündnis 90/Die Grünen im Bundes­tag, stellt Versicherern, die sich dem Test nicht stellen „ein Armuts­zeugnis“ aus. „Es zeigt, dass die Anbieter offensicht­lich schlechte Produkte zu verbergen suchen.“

Zu den Versicherern, die uns ihr Angebot zunächst nicht offenlegen wollten, dann aber doch die verdeckt erhobenen Vertrags­daten bestätigten, gehörte die LVM. Die Frage unseres Testers nach den Versicherungs­bedingungen empfand der LVM-Vermittler jedoch als ungehörig. „Was für ein Arsch“, mailte er seinem Kollegen. „Hab ihm ein Angebot zugesendet, jetzt will er noch die Versicherungs­bedingungen haben. Bitte sende sie ihm in meinem Namen zu.“

Wir haben die Bedingungen mit den Mails erhalten. Dankeschön!

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