Die staatliche Förderung macht die Riester-Rente attraktiv. Die Versicherer bieten aber kaum noch gute Tarife an.

Mario Liedtke ist im Zweifel über seine Riester-Renten­versicherung. Seit 2005 zahlt er bei der Debeka ein. „Weil die Riester-Rente von vielen so schlecht­geredet wird, frage ich mich, ob ich den Vertrag weiterführen oder still­legen sollte“, sagt er. „Bei meinem Abschluss vor acht Jahren war das doch laut Medien und Staat eine sehr gute Absicherung fürs Alter.“

Bei Liedtke ist die Sache klar: Er sollte unbe­dingt weitermachen. So einen guten Riester-Vertrag bekäme er heute nicht mehr. Damals gab es viel mehr gute und sogar sehr gute Angebote als heute. Das Angebot der Debeka war immer unter den güns­tigsten.

Die Versicherungs­verträge sind in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden – auch der neue Tarif der Debeka. In unserem Test im vergangenen Jahr erhielt er noch das Qualitäts­urteil gut, jetzt schnitt er nur mit befriedigend (2,7) ab. Vor sechs Jahren verpasste die Debeka mit der Bewertung 1,7 sogar nur knapp ein Sehr gut.

Die Bestnote konnten wir damals zweimal vergeben: an CosmosDirekt und HanseMerkur. Ihre heutigen Neuverträge sind davon weit entfernt.

Planen mit der Garan­tierente

Sehr gut ist in unserem aktuellen Test kein einziger Tarif. Dabei unterstützt der Staat die Riester-Rente mit Milliardensummen. Es stünde der Branche gut an, güns­tigere, trans­parentere und flexiblere Angebote zu machen. Ganze fünf gute Tarife haben wir gefunden. Nur fünf. Dabei haben wir uns bei der Suche richtig ins Zeug gelegt, sind den Versicherern weit hinterher­gelaufen, um ihre Angebote für Riester-Sparer zu prüfen (siehe Testverweigerer).

Im Test sind nun 42 Angebote einer klassischen Riester-Renten­versicherung. „Klassisch“ heißt, der Kunde bekommt eine Zins­garantie von 1,75 Prozent auf den Teil des Beitrags, der nach Abzug der Kosten übrig bleibt. Die Versicherungs­gesell­schaft investiert vorwiegend in sichere Kapital­anlagen. Außerdem bekommt der Kunde eine feste Zusage für eine Mindest­rente.

Je nach Anbieter beträgt die zugesagte Rente aus Eigenbeiträgen für unseren Modell­kunden zwischen 119 Euro und 145 Euro. Mit Zulagen sind es zwischen 139 Euro und 166 Euro. Mit diesem Geld kann der Kunde planen. Damit unterscheidet sich die Renten­versicherung von anderen Riester-Spar­verträgen, bei denen die Auszahl­phase erst später geregelt wird.

Unser 37-jähriger kinder­loser Modell­kunde zahlt für diese Renten 30 Jahre lang jähr­lich 1 046 Euro aus eigener Tasche ein. Der Staat steuert 154 Euro Grund­zulage bei, sodass 1 200 Euro im Jahr in den Vertrag fließen. Die garan­tierte Rente – auch Renten­zusage genannt – ist mit 40 Prozent in unser Qualitäts­urteil einge­gangen.

Da wir die Riester-Rente seit ihrer Einführung testen, können wir die Entwick­lung der garan­tierten Renten in Neuverträgen gut nach­verfolgen. Sie sinken und sinken. So bekommt ein Kunde, der heute bei der Debeka einen Vertrag schließt, nur noch rund 50 Prozent der garan­tierten Rente, die ein damals Gleich­altriger erhält. Wir unterstellen, dass dieser bereits 2002 ein Angebot mit den gleichen Vorgaben unter­schrieben hat.

Bei den anderen Gesell­schaften ist dies kaum besser: Die Renten, die heute in einem Neuvertrag garan­tiert werden, sind meist nur noch gut halb so hoch wie die, die 2002 garan­tiert worden sind.

Gut für Altkunden wie Mario Liedtke: Die bei Vertrags­abschluss einmal gegebene Garantie gilt für die gesamte Vertrags­lauf­zeit.

Für die gesunkenen Renten­zusagen liegen drei Gründe auf der Hand:

  • Die Versicherer haben im Jahr 2005 neue Sterbe­tafeln einge­führt, sie rechnen darin mit einer längeren Lebens­erwartung ihrer Kunden als früher.
  • Schon seit 2006 gelten gleiche Tarife für Frauen und Männer (Unisex-Tarife). Im Zuge dessen sind die Renten für Männer bei gleichem Beitrag erheblich gesunken, die für Frauen jedoch nur wenig gestiegen.
  • Der Garan­tiezins ist schritt­weise von 3,25 Prozent im Jahr 2002 auf nur noch 1,75 Prozent gesunken.

Anla­geerfolg steigert die Rente

Die garan­tierte Rente ist jedoch nicht der alleinige Maßstab für die Auswahl eines guten Tarifs. Auch der Anla­geerfolg ist wichtig. Denn ein Versicherer, der die Beiträge gut anlegt, erwirt­schaftet hohe Über­schüsse für die Kunden und kann mehr Rente zahlen.

Wir haben uns deshalb angeschaut, wie gut die Unternehmen in den vergangenen drei Jahren gewirt­schaftet haben und wie sie die Kunden daran beteiligen. Es gibt große Unterschiede zwischen den Gesell­schaften, die über mehrere Jahre ein gutes Händ­chen bei der Anlage hatten, und denen, die eher daneben­griffen (siehe „Anlageerfolg“ in der Tabelle).

Absturz in der Finanz­krise

Durch einen Vergleich mit unseren vergangenen Tests können wir auch sehen, welche Unternehmen die Finanz­krise bisher gut gemeistert haben und welche nicht.

Augen­fällig ist der Absturz von CosmosDirekt, Asstel sowie R+V. Im Jahr 2008, kurz vor der Finanz­krise, schnitten Asstel und R+V beim Anla­geerfolg sehr gut ab. Die beiden Versicherer hatten kontinuierlich gut angelegt. CosmosDirekt verpasste die Bestnote in diesem Prüf­punkt nur knapp. Heute dagegen erreichen alle drei mit ihrem Anla­geerfolg nur noch ein Ausreichend.

Die Alte Leipziger dagegen konnte ihren Anla­geerfolg stabil halten und schnitt in diesem Punkt damals wie heute mit gut ab.

Die AachenMünchener bekam beim Anla­geerfolg schon 2007 nur die Note ausreichend. Damals beteiligte sie sich noch an unserem Test. Jetzt haben wir ihren Tarif mit einem Test­kunden verdeckt erhoben. Das Ergebnis war nicht besser als damals.

Kosten drücken die Rente

Es gibt auch Versicherer, die einen guten Anla­geerfolg haben, aber wegen ihrer hohen Kosten nur eine mäßige Renten­zusage machen. Auch hierfür ist die Alte Leipziger ein Beispiel, ebenso wie die Post­bank Versicherung (PB). Am Angebot der PB wird deutlich, wie ein teurer Vertrieb die Renten­zusage drückt. Diese Gesell­schaft hat nämlich noch ein Angebot, das im Internet verkauft wird und nicht am Post­schalter. Im Prüf­punkt Renten­zusage und Kosten könnten wir für den Direkt­tarif ein Sehr gut vergeben.

Das Problem: Der Internet­tarif ist für den normalen Kunden nicht von dem teureren Angebot zu unterscheiden. Der Tarif­name ist identisch. Weil er namentlich nicht zu unterscheiden ist, fällt der Direkt­tarif aus unserer Bewertung heraus.

Die klassischen Tarife sind auch nicht immer gleich von fonds­gebundenen zu unterscheiden. So schreibt uns die Gesell­schaft HDI, sie biete klassische Riester-Renten­versicherungen nicht an, sondern nur Versicherungen mit Fonds. Wir haben anonym bei HDI-Vertretern nachgefragt. In der Antwort war von einem Angebot mit Fonds keine Rede. Was denn nun? Der unbe­darfte Kunde wird im Ungewissen gelassen.

Wer sich mit Fonds nicht auskennt, sollte die Finger von einer fonds­gebundenen Renten­versicherung lassen. Sie ist nur für Fonds­versteher geeignet, die gute Fonds auswählen können. Von den knapp 10,9 Millionen bis Ende 2012 bei Versicherungs­gesell­schaften abge­schlossenen Riester-Verträgen waren aber mehr als 4 Millionen fonds­gebundene Versicherungen. Der hohe Anteil der Fonds­policen gibt zu der Frage Anlass, ob diesen Kunden wirk­lich das für sie passende Produkt verkauft wurde.

Für alle Verträge gilt: Die Riester-Rente lohnt sich nur mit der vollen staatlichen Förderung. Um zu vermeiden, dass Kunden Zulagen durch die Lappen gehen, sollten sie einen Dauer­zulagen­antrag stellen. Der Antrag sollte fester Bestand­teil der Versicherungs­unterlagen sein. Doch nur bei der Hälfte aller getesteten Angebote lag er den Antrags­papieren bei.

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