Riester-Rentenversicherung Test

Alle reden von Riester. Besonders gut verkaufen sich ­Riester-Rentenversicherungen. Wer die Förderung über diese Sparform nutzen will, findet günstige Angebote hier.

Mit Hilfe des Staats privat fürs Alter sparen, das geht mit einem Riester-Vertrag. Den unterschreibt der Kunde und überweist am besten jährlich einen von seinem Einkommen abhängigen Mindestbetrag oder mehr. Maximal zahlt er 1 575 Euro ein. Mehr wird in diesem und dem nächsten Jahr nicht gefördert. Ab 2008 können es bis zu 2 100 Euro sein.

Wer vor Jahresende einen Vertrag abschließt und seinen Mindestbeitrag von drei Prozent seines Bruttoeinkommens im Vorjahr einzahlt, kann noch die gesamte Förderung für 2006 mitnehmen. Geringverdiener zahlen mindestens 60 Euro.

Die Förderung fließt mit Hilfe des Anbieters eines Riester-Vertrags. Der Lebensversicherer, die Bank oder die Investmentgesellschaft versorgt den Kunden mit Formularen. Die füllt er aus, schickt sie dem Anbieter zurück, der reicht sie weiter. Dann fließen die Zulagen vom Staat automatisch auf das Riester-Konto des Kunden, bis zu 114 Euro pro Nase für 2006, bis 138 Euro pro Kind, für das dieser Riester-Sparer Kindergeld erhält (siehe „Die Förderung auf einen Blick“). Die volle Zulage gibt es nur, wenn der Mindestbeitrag eingezahlt wird, sonst anteilig.

Wer wenig verdient, profitiert nur von den Zulagen. Je höher das Einkommen ist, desto mehr wirkt auch das zweite Standbein der Förderung, die steuerfreien Beiträge. Höherverdienende haben einen höheren individuellen Steuersatz als Menschen mit geringem Einkommen. Entsprechend stärker wirken Steuervorteile.

Steuerfrei werden Riester-Beiträge erst nachträglich. Dafür legt der steuerpflichtige Riester-Sparer seiner Steuererklärung eine Bescheinigung vom Anbieter über das eingezahlte Geld und die Zulagen bei. Die Riester-Beiträge mindern seine Steuerschuld, aber die Zulagen werden auf diesen Vorteil angerechnet. Gutverdiener kassieren also nicht doppelt, aber durch den verbleibenden Steuervorteil gibt es für viele noch etwas Förderung obendrauf.

Riester-Rentenversicherungen

Riester-Rentenversicherung Test

Unsere Musterfamilie, der angestellte Werbefotograf Herbert Kaminski und seine Frau Claudia, Erzieherin, sparen per Riester-Rentenversicherung.

Die Riester-Produkte werden alle gleich gefördert. Aber die Renditechancen unterscheiden sich je nach Kostenbelastung, Anlageerfolg oder Zinsvereinbarung.

Die Angebote von Banken (Banksparpläne) und Investmentgesellschaften (Fondssparpläne) haben wir in der letzten Ausgabe (Finanztest 11/06) untersucht. Diesmal sind die Riester-Rentenversicherungen dran, die Verkaufsschlager unter den Riester-Produkten.

Begründet ist die Vorliebe von Sparern für die Rentenversicherung aus unserer Sicht vielfach nicht. Kunden sind hier weniger flexibel als beim Bank- oder Fondssparplan, weil die Abschlusskosten bei Versicherungen im Vergleich zu Sparplänen oft hoch sind. Das spüren Sparer, die den Anbieter irgendwann einmal wechseln. Versicherungsvertreter werden gemäß der anfänglich hochgerechneten Beitragssumme entlohnt. Auch wenn ein Kunde einmal weniger einzahlt, ist er bei vielen Versicherern vorher mit übermäßigen Kosten belastet worden, obwohl er dort bleibt.

Nur wer den Vertrag mit dem anfangs vereinbarten Beitrag bei seinem Versicherer durchhält, riskiert nichts. Am Ende der Einzahlungsphase hat er vielleicht genauso viel oder sogar mehr zusammen als mit einem Fonds- oder Banksparplan. Wie viel, hängt davon ab, für welchen Lebensversicherer er sich einmal entschieden hatte.

Günstige Angebote

Die Tabelle „Günstige Riester-Rentenversicherungen“ zeigt eine Auswahl von günstigen Angeboten für eine klassische Riester-Rentenversicherung. Beim klassischen Produkt investiert der Versicherer das Kundengeld weitgehend konservativ. Eine garantierte Verzinsung des Sparanteils im Beitrag von 2,75 Prozent (bei Neuverträgen ab 2007: 2,25 Prozent) ist Kunden sicher. Darüber hinaus können sie von einer Überschussbeteiligung profitieren, die aber nicht garantiert ist.

Die Angebote in der Tabelle gelten für Männer und Frauen, denn bei Riester-­Produkten sind seit 2006 sogenannte Unisex-Tarife vorgeschrieben. Die statistisch längere Lebenserwartung von Frauen ­gegenüber Männern darf nicht mehr zu unterschiedlich hohen Renten führen.

2005 verdiente ein 40-jähriger Single im Modell 30 000 Euro. Zum 1. November 2006 schloss er einen Riester-Vertrag ab. 2006 und 2007 zahlt er jeweils 786 Euro ein, ab 2008 dauerhaft 1 046 Euro. Im jeweiligen Folgejahr erhält er eine staatliche Zulage. Für 2006 und 2007 sind es je 114 Euro, ab 2008 dauerhaft 154 Euro.

Eine höhere Garantierente aus Eigenbeiträgen bekäme der Kunde nach 25 Jahren von der CosmosDirekt mit 139 Euro. Eine vergleichsweise hohe Zusage macht ihm mit 138 Euro auch die Asstel. Bei beiden kämen aus Zulagen 20 Euro hinzu.

Vorteilhaft ist bei beiden Anbietern, dass die Abschlusskosten über die Laufzeit verteilt werden. Dadurch verliert der Kunde bei einem Wechsel des Anbieters einen geringeren Kostenanteil. Reduziert er den Beitrag, fallen die künftigen ihm in Rechnung gestellten Kostenanteile geringer aus.

Ebenfalls günstig ist das Angebot von Huk-Coburg. Der Kunde bezahlt die Abschlusskosten hier aber schon in den ersten fünf Jahren, was ihm bei einem Anbieterwechsel, einer Vertragsunterbrechung oder einer geringeren Beitragszahlung Nachteile bringt. Hier sollten nur Kunden abschließen, die sicher damit rechnen, den Vertrag wie vereinbart durchzuhalten.

Fondsvarianten ablehnen

Die oft angebotenen Fondsvarianten für Riester-Rentenversicherungen haben wir nicht untersucht. Wir empfehlen sie nicht. Die Garantieleistung beläuft sich hier meist nur auf den Erhalt der Eigenbeiträge plus Zulagen zum Rentenbeginn. Das Anlagerisiko trägt der Kunde dann bis auf diese gesetzliche Mindestgarantie selbst. Gleichzeitig ist er mit dem ungünstigen Kostenkorsett der Versicherung ­belastet. Zwei Minuspunkte auf einmal: Ein Riester-Fondssparplan ist besser.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1503 Nutzer finden das hilfreich.