Riester-Renten­versicherung Test

Haiko Lang­bein ist etwas verunsichert. Riester-Sparer mit Renten­versicherungen brauchen einen langen Atem. Je länger der Vertrag läuft, desto besser stehen sie da.

Durch die garan­tierten Zinsen von 2,25 Prozent gehen Sparer mit den Riester-Renten­versicherungen in unserem Test kein Risiko ein. Doch sie sollten die Kosten kennen.

So bescheiden hatte sich Haiko Lang­bein seine Riester-Vorsorge nicht vorgestellt. Sein Plus beträgt nach fünf Jahren gerade mal 45 Euro. Der 48-jährige Brandenburger hat in fünf Jahren rund 2 700 Euro in eine fonds­gebundene Riester-Renten­versicherung „Pro Fonds“ beim Versicherer Asstel einge­zahlt und auch noch 278 Euro Zulagen erhalten. Und jetzt stehen auf seinem Konto gerade mal 3 023 Euro.

Lang­bein hatte gehofft, mit Investmentfonds mehr rausholen zu können. Jetzt ist er verunsichert: „Soll ich in eine klassische Riester-Renten­versicherung wechseln?“, fragt der Brandenburger.

Bei klassischen Renten­versicherungen fließt das Geld der Kunden über­wiegend in sichere Kapital­anlagen. Die Sparer bekommen eine garan­tierte Verzinsung von zurzeit 2,25 Prozent. Die Rente kann durch Über­schüsse steigen, wenn Versicherer am Kapitalmarkt erfolg­reich Geld anlegen.

In unserem Test prüfen wir diese Angebote mit Garan­tieverzinsung. Fünf von 23 Tarifen erreichten ein Gut: das Angebot von Lang­beins Versicherer Asstel genauso wie die Tarife von Alte Leipziger, CosmosDirekt, Debeka und Hanno­versche Leben.

Doch wäre ein Wechsel von der Fonds­police zum Klassik­tarif die Lösung für Lang­bein? Wir haben uns seinen Vertrag näher angesehen und fest­gestellt, dass er gar nicht schlecht läuft. Rund 3,6 Prozent Wert­steigerung im Jahr weist sein Fonds­guthaben bisher aus. Die zwei Rentenfonds, in die Asstel auf Lang­beins Wunsch investiert, hat die Finanz­krise kaum getroffen.

Die Erträge werden allerdings durch Abschluss- und Verwaltungs­kosten geschmälert. Das hat Lang­bein nicht bedacht. Er hat mit seinem Versicherer sogar Glück. Die Asstel zieht nicht nur weniger Kosten ab als die meisten anderen Gesell­schaften. Sie verteilt die Abzüge außerdem über die gesamte Vertrags­lauf­zeit.

Bei anderen Gesell­schaften hätte Lang­bein zurzeit noch viel weniger auf dem Konto. Diese Unternehmen verrechnen den über­wiegenden Teil der Abschluss­kosten in den ersten Vertrags­jahren.

Zu den Abschluss­kosten zählen die Versicherer Provisionen für den Vermittler, Kosten für das Prüfen des Antrags und das Ausfertigen der Versicherungs­police. 4 Prozent und mehr von der Beitrags­summe können die Unternehmen dafür abziehen.

Die Versicherer müssen die Gesamt­kosten lediglich über die ersten fünf Jahre verteilen. So regelt es das Gesetz für Riester-Versicherungs­verträge, die ab 2005 abge­schlossen wurden. Bei älteren Verträgen mussten die Versicherer die Kosten noch über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahre verteilen.

Abschluss- und Verwaltungs­kosten führen dazu, dass Versicherungs­verträge in den ersten Jahren kaum Rendite machen. Viele Sparer sind über Jahre hinaus sogar weit im Minus.

Das gilt für fonds­gebundene und klassische Renten­versicherung gleichermaßen. Erträge bringt immer nur der Teil des Geldes, der nicht für Kosten drauf­geht.

Durch­blick bei den Kosten

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Halten Riester-Sparer ihren Vertrag durch, sind die mageren Anfangs­jahre irgend­wann vergessen und es kommt vor allem darauf an, wie hoch die Kosten insgesamt waren. Denn das macht sich in der garan­tierten Leistung bemerk­bar. Den Garan­tiezins gibt es schließ­lich nur auf das, was nach Abzug der Kosten bleibt.

In unserem Test ist leicht zu erkennen, wie teuer ein Vertrag ist. Je besser unser Urteil über die Renten­zusage, also die garan­tierte monatliche lebens­lange Rente, umso geringer sind die Kosten, die Versicherer abzweigen. Am güns­tigsten ist hier die HanseMerkur24, Sehr gut sind auch CosmosDirekt, HanseMerkur und PBV.

Eine Beispielrente in Euro nennen wir für die PBV nicht, weil sie in ihren Unterlagen – wie einige andere auch – von unseren Modell­vorgaben abweicht. Wir gehen für eine bessere Vergleich­barkeit davon aus, dass die Riester-Zulagen vom Staat für einen Jahres­beitrag immer in der Mitte des Folge­jahres fließen. Etliche Versicherer setzen aber andere Zeit­punkte an. Ihre Renten­angaben sind deshalb nicht unmittel­bar vergleich­bar.

Ein Beispiel mit anderen Gesell­schaften zeigt zumindest, wie stark die Unterschiede ins Gewicht fallen. Die höchste Rente für unseren Modell­kunden garan­tiert die HanseMerkur24 mit 176 Euro. Die Öffent­liche Braun­schweig garan­tiert nur 149 Euro. Die Differenz von 27 Euro zur HanseMerkur macht bei einer Rentenbe­zugs­zeit von 20 Jahren schon 6 480 Euro aus. Die Entscheidung für einen leistungs­starken Versicherer kann später also mehrere Tausend Euro Rente ausmachen.

Garantie für Angehörige

In die Renten­zusage ist auch eine Renten­garan­tiezeit von zehn Jahren einkalkuliert. Sterben Riester-Rentner in den ersten zehn Rentenbe­zugs­jahren, erhalten Erben die Rente bis zum Ende des zehnten Jahres.

Viele haben keine Angehörigen zu versorgen. Sie können auf die Renten­garan­tiezeit verzichten. Dann fällt die zugesagte Rente in der Regel höher aus.

Die Renten­zusage ist mit 40 Prozent in unser Gesamt­urteil einge­gangen. Damit weichen wir von der Bewertung mit 50 Prozent im vergangenen Jahr ab. Die restlichen 10 Prozent entfallen diesmal auf den neuen Prüf­punkt Flexibilität. Hier prüfen wir auch, ob die Versicherer noch einmal extra abkassieren, wenn Kunden die gesetzlichen Möglich­keiten nutzen, ihren Vertrag zu verändern oder zu wechseln.

Krisenspuren in der Anla­gebilanz

Was Versicherer ihren Kunden zusätzlich zur garan­tierten Leistung gutschreiben, ist genauso wichtig wie die Renten­zusage. Das Anla­geergebnis fließt deshalb auch zu 40 Prozent in das Qualitäts­urteil ein. Am besten schnitten aus Sicht der Kunden in den letzten drei Jahren die Versicherer Asstel, Debeka und Alte Leipziger ab.

Fast alle Versicherer haben durch die Finanz­krise im Jahr 2008 weniger erwirt­schaftet als in den zurück­liegenden Jahren. In Zukunft wird sich das wohl in nied­rigeren Über­schuss­beteiligungen bemerk­bar machen.

Die beiden Testsieger aus dem vergangenen Jahr rutschten ab. CosmosDirekt erreichte beim Anla­geerfolg ein „Befriedigend“ und HanseMerkur ein „Ausreichend“. Finanztest konnte jedoch fest­stellen, dass alle Unternehmen ihren Verpflichtungen nach­kommen (siehe „Versicherer in der Finanz­krise“).

Flexibilität kann teuer werden

Kunden, die mit ihrem Riester-Vertrag nicht zufrieden sind, dürfen wechseln. So regelt es das Gesetz. Die Sparer können ihr Vermögen in einen anderen Vertrag und auch auf einen neuen Anbieter über­tragen, wenn das Unternehmen sie mit ihrem Ersparten annimmt. Klappt das nicht, stoppen sie den alten Vertrag und lassen ihr Geld liegen. Für die weiteren Einzahlungen schließen sie einen neuen Vertrag ab.

Doch zuvor müssen die Sparer zwei Fragen klären: Bringt mir der neue Vertrag wirk­lich mehr als der alte? Und wenn ja, was kostet mich der Wechsel?

Haiko Lang­bein muss sich also fragen, ob er seine Fonds aufgeben will, obwohl sie ganz gut gelaufen sind. Mit der Wahl einer Versicherung hat er sich ohnehin bereits dafür entschieden, dass nur ein geringer Teil des Geldes tatsäch­lich in Fonds fließt.

Sollte er trotzdem noch eine klassische Renten­versicherung wollen, muss er sich der zweiten Frage stellen und damit den Kosten: Lang­bein wollte vor allem wechseln, weil in seinem Vertrag so wenig Geld war. Doch auch für eine neue Versicherung müsste er Abschluss­kosten zahlen.

Kunden, die in den ersten Jahren schon einen viel größeren Teil der Kosten bezahlt haben als Lang­bein, stünden bei einem Wechsel besonders schlecht da. Dieses Geld ist weg, wenn sie noch einmal neu anfangen, egal mit welchem Vertrag. Zusätzlich kassieren die Versicherer immer gerne einen kleinen Batzen, wenn ihr Kunde etwas am Vertrag ändert.

Über­trägt einer zum Beispiel sein Kapital auf einen neuen Versicherer, würde Asstel zum Abschied 100 Euro abziehen. Andere verlangen noch mehr, die Concordia 120 Euro, Hamburg-Mann­heimer, oeco capital und Victoria 125 Euro und neue leben 50 bis 150 Euro. Auch Wohn-Riester haben die Versicherer als Einnahme­quelle entdeckt. Entnehmen Sparer Kapital für eine Immobilie, verlangen die über­regionalen Versicherer Basler, CosmosDirekt, Generali, Hanno­versche Leben und Rhein­land dafür 100 Euro, oeco capital 125 Euro und die Debeka 1 Prozent des Auszahlungs­betrags.

Unser Testsieger Alte Leipziger macht vor, wie es auch gehen kann. Der Versicherer zieht keine Extra­kosten ab, wenn Kunden zu einem anderen Anbieter wechseln, ihren Vertrag beitrags­frei stellen oder Kapital für Wohn-Riester entnehmen.

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