So haben wir getestet

Finanztest hat 29 Angebote für eine klassische Riester-Renten­versicherung untersucht. Bei den Angeboten handelt es sich um die gesetzlich vorgeschriebenen Unisextarife, die sowohl für Frauen als auch für Männer gelten.

Modell­kunden

Unsere Modell­kunden sind ledige, kinder­lose 37-jährige Vorsorgesparer (Männer und Frauen, Geburts­datum 30. Dezember 1974), die 2012 einen Riester-Renten­versicherungs­vertrag beginnen. 2011 verdienten sie brutto 30 000 Euro. 2012 und in den weiteren Jahren bis zum Renten­beginn zahlen sie jähr­lich 1 046 Euro selbst ein. Hinzu kommen jähr­lich 154 Euro Grund­zulage vom Staat, sodass insgesamt 1 200 Euro pro Jahr in den Vertrag fließen. Für die Rentenbe­zugs­phase haben die Kunden eine Renten­garan­tiezeit von zehn Jahren vereinbart. Wenn der Rentner stirbt, wird die Rente bis zum Ende dieser Frist an Hinterbliebene ausgezahlt.

Die Zulagen für jedes Jahr werden in unserem Modell­fall in der Mitte des Folge­jahres gutgeschrieben. Die Zahlung der Rente beginnt ab dem Monat, der auf den 67. Geburts­tag folgt (1. Januar 2042), also nach Einzahlung von insgesamt 30 Jahres­beiträgen.

Renten­zusage und Kosten (40 Prozent)

Wir haben die Höhe der Rente ohne Über­schüsse für unser Modell betrachtet. Dabei sind wir von der garan­tierten Rente für die Eigenbeiträge ausgegangen und haben diese bewertet.

Eine Verbesserung oder Verschlechterung dieser Bewertung erfolgte durch die Rente aus Zulagen unter Berück­sichtigung der Kosten.

Anla­geerfolg (40 Prozent)

 Für das Gruppen­urteil „Anla­geerfolg“ haben wir bewertet, wie viel ein Versicherer mit dem Guthaben, das den Kunden zuzu­rechnen ist, erwirt­schaftet und wie viel Ertrag er darauf gutgeschrieben hat. Wir haben die Ergeb­nisse der vergangenen drei Jahre berechnet. Das Ergebnis von 2011 ging mit 50 Prozent ein, das von 2010 mit 30 Prozent und das von 2009 mit 20 Prozent.

Das Guthaben der Kunden ergibt sich aus den Angaben in den Geschäfts­berichten der Versicherer. Verwendet haben wir die Werte zu den Deckungs­rück­stel­lungen, Rück­stel­lungen für Beitrags­rück­erstattung (RfB) ohne freie RfB, Beitrags­über­trägen und Über­schuss­guthaben.

Der Anla­geerfolg, der diesem fest­gelegten Guthaben gutgeschrieben wird, stammt aus Kapital­erträgen. Hier­von zahlen die Versicherer die in den Verträgen garan­tierten Zins­beträge.

Erträge, die sie nicht benötigen, um die garan­tierten Zins­beträge bereit­zustellen, geben sie zusätzlich weit­gehend an die Kunden weiter. Maßgeblich für uns war dabei die prozentuale Beteiligung der Kunden am Über­schuss (Ausschüttungs­quote).

Trans­parenz (10 Prozent)

Wir haben die vor Vertrags­schluss ausgehändigten Unterlagen auf ihren Informations­gehalt untersucht. Wichtige Prüf­punkte waren unter anderen:

  • Erklärt der Versicherer, wie er die Renten mit und ohne Zulage berechnet?

Positiv ist es, wenn der Versicherer zusätzlich die Rente aus Eigenbeiträgen inklusive Zulagen darstellt.

  • Wie vermittelt der Versicherer die Beteiligung der Kunden an den Über­schüssen?

Laufende Über­schüsse werden jähr­lich fest zugeteilt und sind dem Kunden sicher. Anteile an den Bewertungs­reserven und Schluss­über­schüsse sind erst bei Vertrags­ablauf fällig und können sogar noch entfallen. Positiv ist es, wenn der Versicherer dies mit Wert­angaben darstellt und unterscheidet.

  • Um die Risiken schwankender Kapitalmärkte darzustellen, sollte der Versicherer seinen Kunden die Leistungen zu Renten­beginn für verschiedene Zins­szenarien nennen. Zudem sollte die aktuelle Über­schuss­beteiligung und als Beispiel eine Veränderung der Renten- und Kapital­werte genannt werden.
  • Macht der Versicherer nach­voll­zieh­bare Angaben, wie viel Beiträge einzuzahlen sind?
  • Macht der Versicherer Angaben zur Rentenhöhe nach Änderungen des Renten­beginns, zum Beispiel, wenn die Rente schon mit 62 Jahren beginnt?
  • Kann der Kunde nach­voll­ziehen, ob und wie der Versicherer die Rente kürzt, wenn er nicht jähr­lich, sondern zum Beispiel monatlich oder vierteljähr­lich zahlt?
  • Gibt der Versicherer Informationen zum Anteil der Kosten am insgesamt einge­zahlten Kapital und gibt er an, um wie viel Prozent sich die Rendite durch die laufenden Kosten verringert?
  • Legt der Versicherer Extra­gebühren offen (zum Beispiel Kosten für den Fall einer Vertrags­änderung)?
  • Macht der Versicher nähere Angaben zu den Berechnungs­grund­lagen?

Positiv ist es, wenn der Versicherer die Höhe des Rechnungs­zinses und die verwendete Sterbe­tafel angibt und wenn er die Kunden über die aktuelle Gesamt­verzinsung und die Berück­sichtigung der Zulagen für die Berechnung der Rente informiert.

Flexibilität (10 Prozent)

Wir haben untersucht, wie die Versicherten über die gesetzlichen Vorgaben hinaus ihren Vertrag gestalten können und ob dafür Kosten entstehen.

Die wichtigsten Prüf­punkte:

  • Ist geregelt, ob der plan­mäßige Renten­beginn vorverlegt oder hinaus­geschoben werden kann?
  • Kann die einmal vereinbarte Hinterbliebenen­leistung für den Fall des Todes in der Renten­phase später noch einmal geändert werden?
  • Kann der Kunde zu den ursprüng­lich vereinbarten Konditionen über den regulären Beitrag hinaus Geld einzahlen?
  • Kann der Kunde nach einer Beitrags­unter­brechung (zum Beispiel wegen Eltern­zeit) die Beitrags­zahlung zu den ursprüng­lichen, bei Vertrags­beginn vereinbarten Konditionen wieder aufnehmen?
  • Ist auch eine jähr­liche oder nur monatliche Beitrags­zahlung möglich?
  • Entstehen Kosten bei vorzeitiger Vertrags­kündigung oder bei Beitrags­frei­stellung?
  • Entstehen Kosten bei einem Anbieter­wechsel oder wenn Angespartes für eine Immobilie verwendet wird? Wenn ja, sind es Fixkosten oder – noch ungüns­tiger – prozentuale Abzüge?

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