Trans­parenz Fehl­anzeige

Der Staat fördert die Riester-Rente mit Milliarden Euro. Doch viele Versicherer wollen sich nicht in die Karten gucken lassen.

Bei der Trans­parenz der Riester-Rente liegt momentan noch einiges im Argen“, sagt Bundes­sozial­ministerin Ursula von der Leyen. Diese Erfahrung haben wir auch bei unserer Unter­suchung der Riester-Renten­versicherungen gemacht. 26 Versicherer wollten uns ihr Angebot nicht offenlegen.

Darunter waren zehn öffent­liche Versicherer. Dies sind mit den Sparkassen verbundene Unternehmen, die laut Sparkassengesetz einen „öffent­lichen Auftrag“ haben und den „Wett­bewerb stärken“ sollen. Wett­bewerb ohne Trans­parenz ist jedoch nicht möglich.

Die Provinzial Nord­west gab auf Nach­frage fehlende „Kapazitäten“ für ihre Test­verweigerung an. Versicherungs­kammer Bayern und VGH bemängelten die fehlende Berück­sichtigung der Beratungs­leistung der Sparkassen. Die VGH kritisierte ferner die „hohe Gewichtung“ der garan­tierten Renten­leistung im Test.

Test zeigt große Unterschiede

Der VGH-Sprecher sagt, die garan­tierten Renten­leistungen der einzelnen Versicherer unterschieden sich nur „marginal“. Dabei zeigt unser Test bei der garan­tierten Rente sehr große Unterschiede; wir haben hier Noten zwischen sehr gut und mangelhaft vergeben (siehe Prüf­punkt „Renten­zusage“ in der Tabelle).

Die Riester-Rente wird mit viel Geld aus Steuer­mitteln gefördert: Insgesamt mehr als 13,3 Milliarden Euro hat die Zentrale Zulagen­stelle für Alters­vermögen seit 2002 an die Riester-Sparer ausgezahlt.

Das Geld, das mit der steuerlichen Förderung in die Riester-Rente fließt, ist hier noch gar nicht berück­sichtigt. Alle Produkte, die die Förderkriterien erfüllen, profitieren. Und damit auch alle Anbieter. Die Qualität des Angebots spielt dabei keine Rolle.

Deshalb ist es wichtig, dass sich die Verbraucher aus unabhängiger Quelle über die Produkte informieren können, so die Bundes­regierung. „Eine wichtige Informations­quelle für die interes­sierten Bürgerinnen und Bürger sind anbieter- und produkt­neutrale Unter­suchungen wie beispiels­weise von Finanztest“, antwortete sie auf eine parlamentarische Anfrage.

Das Bundes­verbraucher­ministerium kritisiert „Unternehmen, die sich weigern, an solchen Unter­suchungen teil­zunehmen und sich einem neutralen Qualitäts­wett­bewerb zu stellen“.

Ein Sprecher des Ministeriums erläutert: „Sie handeln verbraucherunfreundlich und verhindern einen funk­tionierenden Qualitäts­wett­bewerb. Anbieter, die von ihren Finanz­produkten über­zeugt sind, sollten einen Vergleich nicht scheuen.“

Auch bei den Experten der Parteien stößt mangelnde Trans­parenz der Versicherer auf wenig Verständnis. „Es kann nicht sein, dass einige Versicherer einen unabhängigen Markt­über­blick sabotieren“, kritisiert der ehemalige nord­rhein-west­fälische Sozial­minister und Vorsitzende der CDU-Arbeitnehmer­organisation CDA, Karl-Josef Laumann.

„Ich fordere alle Riester-Anbieter auf, sich an den Tests zu beteiligen. Ich finde es gut und richtig, dass die Stiftung Warentest eine Schneise in den Riester-Dschungel schlagen will“, so Laumann weiter.

Und die SPD-Renten­expertin im Bundes­tag Gabriele Lösekrug-Möller sagt: „Ich bin über­rascht, dass öffent­liche wie private Versicherer nur geringe Bereitschaft zeigen, ihre Riester-Angebote testen zu lassen und dies durch detaillierte Informationen zu unterstützen.“

Der FDP-Verbraucher­schutz­experte Erik Schwei­ckert nennt die fehlende Test-Bereitschaft vieler Versicherer „ein Armuts­zeugnis für diese Unternehmen“. „Es zeigt leider, dass viele Versicherer kein Interesse an der Trans­parenz und Vergleich­barkeit ihrer Riester-Produkte haben“, so der Bundes­tags­abge­ordnete weiter. Dies „fördert die Undurch­sichtig­keit des Produktes und schürt das Miss­trauen der Verbraucher“.

Versicherer in der Pflicht

Der bünd­nisgrüne Renten­experte Wolfgang Strengmann-Kuhn unter­streicht: „Bei den Riester-Angeboten gibt es einen großen Nach­holbedarf bezüglich Trans­parenz.“ Der Bundes­tags­abge­ordnete fordert: „Öffent­liche und private Versicherer stehen in der Pflicht, die notwendigen Informationen bereit zu stellen.“

Und der Renten­experte der Links­partei im Bundes­tag, Matthias Birk­wald, kritisiert: „Die Riester-Rente sichert den Versicherungs­unternehmen durch die staatlichen Subventionen sichere Einnahmen auch bei noch so schlechten Produkten. Bei fehlender Trans­parenz und mangelnden Informationen bleibt jede Wahl­möglich­keit eine Farce. Letzt­endlich bedeutet die Verweigerungs­haltung der Versicherer nichts anderes als eine Miss­achtung ihrer Kundinnen und Kunden.“

„Nur wenn jeder die Angebote gut vergleichen kann, ist es möglich, das passende Produkt zu finden.“ (Ursula von der Leyen)

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