Die Mindest­rente ist schon bei Vertrags­beginn garan­tiert. So wird die Alters­vorsorge plan­bar. Doch gute Angebote sind rar.

Riester-Renten­versicherung Test

Ulrike Sindlinger hat einen Groß­teil der hohen Kosten für ihren Riester-Vertrag bereits in den ersten fünf Jahren der Lauf­zeit bezahlt. Jetzt fließt endlich mehr Geld in den Rententopf und wird verzinst.

Das ist heftig“, sagt Ulrike Sindlinger. Mit „heftig“ meint die Grafikerin aus Berlin die Kosten ihrer Riester-Renten­versicherung bei der DEVK, die sie 2006 abge­schlossen hat. Von ihren eigenen Beiträgen gehen 10,3 Prozent für Abschluss- und Verwaltungs­kosten drauf. Ein Löwen­anteil dieser Kosten wird bereits in den ersten fünf Jahren fällig. Zusätzlich kassiert der Versicherer noch 9 Prozent von den staatlichen Zulagen.

Andere Versicherer sind noch teurer. Die Barmenia kassiert 16,5 Prozent vom Kundenbeitrag und 7,5 Prozent von den Zulagen. Dies ist einer der teuersten Tarife in unserem aktuellen Test.

Versicherer, die hohe Kosten verlangen, können ihren Kunden bei Vertrags­abschluss keine ordentliche Mindest­rente zusagen. Logisch: Geld, das sie von den Beiträgen der Kunden und von den Zulagen abzwa­cken, fehlt fürs Ansparen. In unserem Test sind teure Verträge leicht zu erkennen. Je besser das Urteil über die Renten­zusage ist (siehe Tabelle), umso geringer sind die Kosten.

Die Rente, die der Versicherer dem Kunden schon bei Vertrags­schluss garan­tiert (Renten­zusage), ist ein wichtiges Kriterium in unserem Test. Sie ist mit 40 Prozent in unser Gesamt­urteil einge­gangen. Denn auf diese Rente kommt es an, um die Alters­vorsorge realistisch planen zu können. Über­schüsse können die garan­tierte Rente zwar noch steigern; doch sie sind ungewiss. Die Kunden können sich nicht darauf verlassen. Entscheidend ist, wie gut oder schlecht der Versicherer mit den Kundengeldern wirt­schaftet und wie er seine Kunden am Anla­geerfolg beteiligt. Anbieter, die für ihre Kunden sehr gut anlegen, packen auf die garan­tierte Rente noch kräftig drauf. Der Anla­geerfolg der Versicherer für die Kunden ist daher ebenfalls mit 40 Prozent in das Finanztest-Qualitäts­urteil einge­gangen.

Wir haben 29 Angebote für unseren 37-jährigen kinder­losen Modell­kunden untersucht. Er zahlt 30 Jahre lang jähr­lich einen Eigenbeitrag von 1 046 Euro; dazu kommt die staatliche Grund­zulage von 154 Euro, insgesamt also 1 200 Euro. Im Test haben mehr Angebote mit ausreichend abge­schnitten als mit gut. Sehr gut war kein einziger Tarif.

Unterschiede bei der Renten­zusage

Unser Modell­kunde erhält je nach Anbieter eine Zusage zwischen 138 Euro und 161 Euro Monats­rente; diese Rente kann durch Über­schüsse steigen. Der Unterschied zwischen der höchsten und nied­rigsten Garan­tierente beträgt also 23 Euro, Monat für Monat. Bezieht der Kunde 15 Jahre lang seine Rente, sind dies insgesamt 4  140 Euro Unterschied zwischen einem guten und schlechten Angebot, allein bei der Garan­tierente.

Aus einer Modell­rechnung in den Vertrags­unterlagen sollte der Kunde die garan­tierte Rente ohne mögliche Über­schüsse, aber mit den staatlichen Zulagen bereits bei Vertrags­schluss erfahren. So weiß er schon in jungen Jahren, mit wie viel Rente er im Alter mindestens rechnen kann. Drei Anbieter in unserem Test (Gothaer, PB Lebens­versicherung und Stutt­garter) lassen ihre Kunden darüber im Unklaren.

Sparer, die eine Riester-Renten­versicherung abschließen, brauchen einen langen Atem. Wenn sie den Vertrag nicht durch­halten, reicht das Guthaben nicht für die erwartete Zusatz­rente. Deshalb sollte der Vertrag zeigen, wie viel Spar­guthaben der Kunde zu welchem Zeit­punkt mindestens erreichen wird. So sieht er, wie wenig ihm bleibt, wenn er einmal nicht mehr zahlen kann und den Vertrag beitrags­frei stellt oder wenn er früher als geplant in Rente geht. Dies ist ein wichtiger Punkt bei der Prüfung der Trans­parenz der Angebote.

Getestet haben wir auch, ob der Kunde seinen Vertrag zu den ursprüng­lichen Konditionen fortführen kann, wenn er mit der Zahlung aussetzen möchte, etwa in der Eltern­zeit oder in einem Sabbat­jahr. R+V und Volks­wohl Bund ermöglichen dies gar nicht, andere nur für eine bestimmte Zeit. So kann der Kunde bei Axa und Signal Iduna längs­tens zwei Jahre mit den Beiträgen aussetzen, und danach zu den bei Vertrags­beginn geltenden Bedingungen wieder einsteigen. Bei der Generali sind es sechs Jahre.

Auch die Kosten von Kündigung und Beitrags­frei­stellung haben wir geprüft. Wenn eine Versicherungs­gesell­schaft Geld dafür nimmt, hat das unser Urteil über ihr Angebot negativ beein­flusst.

Flexibilität und Trans­parenz der Tarife machen jeweils 10 Prozent unseres Gesamt­urteils aus. Wir haben beispiels­weise auch geschaut, ob die Versicherer ihre Kosten klar und für den Kunden nach­voll­zieh­bar darstellen.

Keine Klarheit bei den Kosten

Ideal für den Kunden wäre die Angabe einer Gesamt­quote, die ihm zeigt, wie viel von allen Einzahlungen bis zum Vertrags­ende für Kosten drauf­geht. Doch nicht ein einziger Versicherer im Test macht die Kosten so einfach erkenn­bar.

Die Mehr­heit der Versicherer richtet sich nicht einmal nach der Empfehlung ihres Branchen­verbandes GDV. Er empfiehlt seinen Mitglieds­unternehmen, den „Rendi­teeffekt“ anzu­geben. Diese Kenn­ziffer soll zumindest Auskunft darüber geben, wie stark die Rendite des Vertrags durch Kosten gemindert wird.

Doch von den Unternehmen im Test halten sich nur Allianz, Debeka, Ergo, Hanno­versche, HanseMerkur, HanseMerkur24, Huk-Coburg, Huk24 und Volks­wohl Bund an diese Empfehlung.

Eigentlich sind die Versicherer schon seit 2008 gesetzlich verpflichtet, Abschluss- und Verwaltungs­kosten in Euro zu nennen. Doch allzu oft erhält der Kunde keine klare Information. Deshalb macht Bundes­sozial­ministerin Ursula von der Leyen unter der Über­schrift „verbraucherfreundliches Riestern“ einen erneuten Anlauf, um die Versicherer zu mehr Klarheit bei den Kosten zu zwingen. Sie sollen künftig „stan­dardisiert“ angegeben werden, sodass die Kunden besser vergleichen können.

Außerdem plant von der Leyen, dass die Kunden „mehr als bisher an den sogenannten Risiko­über­schüssen beteiligt werden“. Die Versicherer sollen 90 Prozent statt bisher 75 Prozent der Risiko­über­schüsse an die Kunden weitergeben. Diese Über­schüsse entstehen, wenn die Kunden früher sterben, als die Versicherer mithilfe ihrer Sterbe­tafeln kalkuliert haben. Dabei haben sie ein gutes „Sicher­heits­polster“ einge­baut: Derzeit rechnen die Versicherer bei einer Frau des Geburts­jahr­gangs 1961, die das Renten­alter erreicht, mit einer Lebens­erwartung von 96,3 Jahren. Erst wenn die Frau älter wird, also auch länger Rente bekommt, geht dies auf Kosten der Versicherer. Ein „Risiko“, an dem sie durch­aus nicht schwer tragen. Dennoch können die Versicherungs­gesell­schaften 25 Prozent der „Sterb­lich­keits­gewinne“ kassieren. Künftig, so von der Leyens Plan, sollen es nur noch 10 Prozent sein.

Stetig sinkende Renten

Die neuen Sterbe­tafeln, mit denen die Versicherer die Lebens­erwartung ihrer Kunden kalkulieren, wurden 2005 einge­führt. Dadurch hat sich die garan­tierte Rente ebenso verringert wie durch die Einführung von Unisextarifen im Jahr 2006. Die schritt­weise Senkung des Garan­tiezinses von 3,25 Prozent, der noch 2002 galt, auf nun 1,75 Prozent hat ebenso zu stetig sinkenden garan­tierten Renten beigetragen.

Rechnet man alle diese Faktoren zusammen, dann bekommt ein Mann, der heute bei der Allianz einen Riester-Vertrag abschließt, nur noch 52 Prozent der garan­tierten Rente, die ein bei Vertrags­abschluss gleich­altriger Mann erhält, der bereits im Jahr 2002 ein Angebot mit den gleichen Vorgaben bei diesem Versicherer unter­schrieben hat. Bei den anderen Gesell­schaften sieht es kaum anders aus: Bei der Debeka sind es nur noch 51 Prozent, bei CosmosDirekt 53 Prozent der im Jahr 2002 garan­tierten Rente. Inner­halb von zehn Jahren ist die garan­tierte Rente für Neuverträge also um rund die Hälfte gesunken.

Allein die Reduzierung des Garan­tiezinses von 2,25 Prozent, der bis Ende 2011 galt, auf jetzt 1,75 Prozent hat spür­bare Auswirkungen auf die garan­tierte Rente. So bekam unser Modell­kunde in unserem Test 2010 je nach Anbieter eine Zusage zwischen 166 Euro und 199 Euro Monats­rente (siehe Finanztest 10/2010, S. 29). Schließt er jetzt einen Vertrag ab, sind es nur noch zwischen 138 Euro und 161 Euro.

Doch nach wie vor gilt: Die Unterschiede zwischen den Angeboten sind immens. Es ist wichtig, einen guten Vertrag zu wählen. Nur dann lohnt sich die Riester-Rente mit der Förderung vom Staat wirk­lich.

Erst vergleichen, dann unter­schreiben

Kunden, die sich in ihrer Bank beraten lassen, sollten deshalb das Angebot zuerst mit nach­hause nehmen, dort in Ruhe mit anderen Angeboten vergleichen und erst dann einen Vertrag abschließen.

Banken und Sparkassen bieten nur die Produkte ihrer Vertriebs­partner an. Im Fall von Ulrike Sindlinger, Kundin der Sparda Bank, war es eben nur der Tarif der DEVK. „Ein anderes Angebot hat mir der Berater gar nicht gemacht“, sagt Sindlinger. Der Grund: Die DEVK bildet mit der Sparda Bank einen Finanz­verbund.

So ist es auch bei den Sparkassen. Im Finanz­verbund mit ihnen arbeiten öffent­liche Versicherer. Von den rund 7 Millionen Menschen, die mit einer klassischen Riester-Renten­versicherung fürs Alter sparen, haben mehr als 1,25 Millionen einen Vertrag bei den öffent­lichen Versicherern abge­schlossen. Wie eine Reihe privater Gesell­schaften haben diese jedoch die Teil­nahme an unserem Test verweigert. Löbliche Ausnahme: die Öffent­liche Versicherung Braun­schweig. Unter den privaten Versicherungs­gesell­schaften, die nicht teil­genommen haben, haben wir eine Stich­probe gemacht; bei den vier Gesell­schaften Concordia, Barmenia, LVM und Oeco Capital haben wir anonym ein Angebot einge­holt und bewertet (siehe Tabelle).

Bei den öffent­lichen Versicherungs­gesell­schaften war dies nicht durch­gängig möglich. Sie legen in ihren Geschäfts­berichten viele Daten nicht offen. So können wir nicht nach­voll­ziehen, wie gut sie am Kapitalmarkt für ihre Kunden anlegen. Wett­bewerb geht anders.

Kaum Angebote für Sofortrente

Riester-Renten­versicherung Test

Klaus Moryson bekommt seit Februar seine Riester-Rente ausgezahlt: eine sofort beginnende Renten­versicherung, die ihm die Sparkasse Bochum angeboten hat. Auch seine Frau Gabriele hat eine Riester-Rente.

Riester-Renten­versicherung Test

Reinhold Karl hat sich noch nicht entschieden, wie er die Renten­phase gestalten will. Er hofft auf ein besseres Angebot für eine Sofortrente. Doch noch gibt es kaum welche.

Wenig Wett­bewerb gibt es auch bei der Sofortrente für Riester-Sparer, die ihr Vorsorgeguthaben mit einem Riester-Bank­sparplan angespart haben und nun in Rente gehen, wie Klaus Moryson und Reinhold Karl. Sie haben drei Alternativen für die Renten­phase:

  • Beginn mit einen Auszahl­plan der Bank, an dem sich ab dem 85. Lebens­jahr eine lebens­lange Renten­versicherung aus dem restlichen Kapital anschließt.
  • Eine sofort beginnende Renten­versicherung, die die Bank für ihren Kunden auswählt und die sie bei einem Versicherer abschließt.
  • Eine sofort beginnende Renten­versicherung, die der Kunde selbst bei einem Versicherer abschließt.

Bei den ersten beiden Varianten bestimmt die Bank, was der Kunde bekommt. Bei der dritten Variante wechselt der Kunde mit seinem angesparten Vorsorgever­mögen zu einem Versicherer. Doch hier beginnt das Problem. „Bei meinen bisherigen zehn Versuchen konnte ich bisher noch keinen Wett­bewerber finden, der mir eine Riester-Sofortrente anbietet“, sagt Reinhold Karl.

Der 62-jährige Chemiker und IT-Fachmann hat 2003 bei der Mainzer Volks­bank einen Riester-Bank­sparplan abge­schlossen. Jetzt will er die Rente beziehen. Doch weder mit dem Angebot der Mainzer Volks­bank für einen Auszahl­plan noch mit der von der Bank in Koope­ration mit der Generali angebotenen Sofortrente ist er zufrieden. „In beiden Fällen sind mir die Renten zu gering“, sagt Karl. Deshalb sucht er in eigener Regie nach einem Versicherer; bisher ohne Erfolg.

Von den Versicherern im Test bietet nur rund ein Drittel über­haupt eine Sofortrente an. Bei den meisten ist ein Angebot an bestimmte Voraus­setzungen geknüpft.

Klaus Moryson hat sich für das Sofortrenten-Angebot seiner Sparkasse in Bochum entschieden. „Dort bin ich Riester-Rentner Nummer eins“, scherzt er. Also der erste Riester-Rentner über­haupt. 30 Prozent des angesparten Kapitals hat er sich auf einen Schlag auszahlen lassen. Nun fließt die Rente: 32,56 Euro im Monat.

In der kommenden Finanztest-Ausgabe erscheinen unsere Tests von Riester-Bank­sparplänen und Riester-Bauspar­angeboten.

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