Riester-Rente von Ergo Meldung

Die Ergo-Tochter Hamburg-Mann­heimer hat Kunden 2005 beim Abschluss von Riester-Renten­versicherungen zu hohe Kosten aufgebrummt. Das war dem Unternehmen schnell klar. Zu freiwil­ligen Rück­zahlungen kam es jedoch erst 2011. Jetzt wurde bekannt: Die Staats­anwalt­schaft Hamburg ermittelt wegen Betrugs­verdacht.

11 Mitarbeiter im Visier der Staats­anwälte

In der Affäre um fehlerhaft ausgestellte Riester-Verträge bei Ergo ermittelt die Staats­anwalt­schaft Hamburg gegen elf Mitarbeiter des Versicherungs­konzerns. Die Staats­anwalt­schaft Hamburg bestätigte gegen­über test.de entsprechende Informationen der Zeitung Handels­blatt. Seit Juni 2011 würden gegen insgesamt 11 Ergo-Mitarbeiter Ermitt­lungs­verfahren wegen Betrugs­verdacht laufen. Dem Bericht des Handels­blattes zufolge wird gegen vier ehemalige und aktive Führungs­kräfte von Ergo wegen Betrugs­verdachts und gegen sieben weitere Manager wegen Beihilfe­verdachts ermittelt.

Kunden wurden nicht über Fehler informiert

Schon im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass die 2010 von der Ergo-Gruppe über­nommene Versicherung Hamburg-Mann­heimer zahlreiche Riester-Verträge falsch berechnet und zu hohe Verwaltungs­kosten von den Kunden kassiert hatte. Insgesamt wurden rund 14 000 Kunden mit Riester-Rentenversicherungen zu hohe Abschluss- und Verwaltungs­kosten berechnet. Statt 12,5 Prozent der Beiträge behielt der Versicherer 16,5 Prozent des Beitrags für Abschluss- und Verwaltungs­kosten ein. Insgesamt kassierte Ergo auf diese Weise nach eigenen Angaben einen „einstel­ligen Millionen­betrag“ zu Unrecht von den Kunden.

Beliebte Masche im Konzern

Solche Fehler können passieren. Aber ärgerlich für die Kunden: Obwohl die Verantwort­lichen den Fehler früh bemerkten, gingen Sie nicht aktiv auf ihre Kunden zu. Statt­dessen entschädigten sie zunächst nur jene Kunden, die gezielt nach­fragten. Kein Einzel­fall im Konzern: Auch nach einem Urteil des Bundes­gerichts­hofes, der die Versicherer 2005 zu höheren Rück­zahlungen bei gekündigten Lebens­versicherungs­verträgen verurteilt hatte, entschädigte der Konzern nur, wenn sich die Ex-Kunden aktiv an den Konzern wandten. Wer nicht nach­bohrte, ging trotz der Ansprüche aus dem BGH-Urteil leer aus.

Staats­anwalt­schaft prüft 1 600 Fälle

Laut Staats­anwalt­schaft prüfen die Ermittler nun Betrugs­vorwürfe im Zusammen­hang mit 1 600 Riester-Verträgen. Der Schaden für die einzelnen Versicherungs­nehmern liege zwischen 30 und 40 Euro. Bereits im vergangenen Jahr hatte test.de heraus­gefunden, dass die Vorgänge rund um die Riester-Verträge die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) auf den Plan gerufen hat. Sie untersucht den Vorgang – wollte aber auf Nach­frage nicht über Unter­suchungs­ergeb­nisse berichten.

Riester-Renten­versicherung im aktuellen Test

Die staatliche Förderung macht Riester-Renten immer noch attraktiver als vergleich­bare Alters­vorsorgepro­dukte – voraus­gesetzt der Kunde wählt das passende Riester-Produkt und den besten Tarif. Finanztest hat Riester-Rentenversicherungen getestet. Der Test zeigt auch Tarife mit güns­tigen Verwaltungs­kosten. Die Angebote der Hamburg-Mann­heimer kamen im Test von Riester-Renten­versicherungen im Jahr 2005 gar nicht erst in die Auswahl güns­tiger Produkte. Die Kostenbelastung war auch bei korrekter Berechnung zu hoch.

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