Riester-Rente und Betriebs­rente Special

Die Förderung macht die Betriebs­rente hübsch, aber unterm Strich ist sie oft nicht so attraktiv wie die Riester-Rente.

Riester-Rente und Betriebs­rente Special

Die Betriebs­rente ist populär. Immerhin mehr als die Hälfte aller sozial­versicherungs­pflichtigen Arbeitnehmer in Deutsch­land hat im Alter Anspruch auf eine betriebliche Alters­versorgung; gut ein Drittel zahlt Beiträge für eine Riester-Rente. Und jeder fünfte sorgt neben der gesetzlichen Rente sogar doppelt fürs Alter vor: betrieblich und per Riester-Vertrag (siehe Torten-Grafik).

Riester-Rente und Betriebs­rente Special

Sparer zahlen mehr für Betriebs­rente als für Riester-Rente ein.

Arbeitnehmer, die über den Betrieb sparen, zahlen im Durch­schnitt aus eigener Tasche monatlich 35 Euro mehr in ihre Alters­vorsorge ein als Sparer mit einem Riester-Vertrag (siehe Balken-Grafik).

Doch was kommt im Alter dabei heraus? Wir haben die Förderung verglichen und uns angeschaut, wie groß das Plus zur gesetzlichen Rente durch die zusätzliche Alters­vorsorge jeweils ist – per Riester-Rente oder per Betriebs­rente.

Die Riester-Förderung besteht aus Zulagen und Steuer­vorteilen. Sparer müssen in einen Riester-Vertrag 4 Prozent ihres renten­versicherungs­pflichtigen Einkommens einzahlen, um die volle Zulage zu erhalten. Für jeden Sparer gibt es eine Grund­zulage von 154 Euro im Jahr. Sind Kinder da, kommen 185 Euro Kinder­zulage für jedes Kind hinzu; für ab 2008 geborene Kinder sind es sogar 300 Euro.

Bei der betrieblichen Alters­vorsorge gibt es keine Zulagen. Sparer zahlen auf die Beiträge aber keine Steuern und Sozial­abgaben. In diesem Jahr kann ein Arbeitnehmer unabhängig von seinem Verdienst bis zu 2 784 Euro steuer- und sozial­abgabenfrei in eine Betriebs­rente einzahlen. Unter bestimmten Umständen kann er zusätzlich weitere 1 800 Euro steuerfrei einzahlen, allerdings fallen dafür dann Sozial­abgaben an.

Entscheidet sich ein Arbeitnehmer mit einem Jahres­einkommen von 30 000 Euro für die Riester-Rente, müssen 1 200 Euro in den Vertrag fließen, um die volle Förderung auszuschöpfen. Außerdem gilt: Für den Teil seiner Einkünfte, den ein Sparer in die Riester-Rente steckt, muss er keine Steuern zahlen. Für unser Beispiel heißt das unterm Strich: Der Sparer muss von den 1 200 Euro Beitrag für seine Riester-Rente nur 843 Euro selbst aufwenden. Denn zur staatlichen Grund­zulage von 154 Euro kommt noch eine Steuerersparnis von 203 Euro (Tabelle).

Vorsorge im direkten Vergleich

Wir haben den direkten Vergleich gezogen und auch bei der betrieblichen Alters­vorsorge 843 Euro eigenen Vorsorgeaufwand angesetzt. Hier gibt es keine Zulage. Allerdings sind die Beiträge sowohl von Steuern als auch von Sozial­abgaben befreit. Dies einge­rechnet werden aus 843 Euro Eigen­anteil 1 576 Euro, die insgesamt in die betriebliche Alters­vorsorge fließen. Davon über­nimmt der Staat somit 47 Prozent (siehe „Förderquote“ in der Tabelle). Zum Vergleich: Bei der Riester-Rente beträgt die Förderquote nur 30 Prozent.

Doch die viel stärkere Förderung der Betriebs­rente wirkt sich auf die Gesamt­versorgung im Alter nicht aus. Mit der garan­tierten Verzinsung erhöht die Riester-Renten­versicherung die Gesamt­versorgung im Alter (gesetzliche Rente und Riester-Rente) im Beispiel oben um 20 Prozent. Mit der Betriebs­rente beträgt das Plus zur gesetzlichen Rente 19 Prozent.

Bei der Planung fürs Alter sollten sich Sparer an der garan­tierten Verzinsung orientieren. Die Leistung hängt am Ende aber auch von der künftigen Beitrags- und Steuerbelastung ab, sowie von Über­schüssen, die nicht garan­tiert sind.

Weniger gesetzliche Rente

Die weit höhere Förderung der betrieblichen Alters­vorsorge ist also schlicht und einfach verpufft. Dafür gibt es zwei Gründe.

  • Weil für Lohn, der in die betriebliche Alters­vorsorge fließt, keine Renten­versicherungs­beiträge gezahlt werden, gibt es auch weniger gesetzliche Rente.
  • Im Alter gehen von der Betriebs­rente die vollen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflege­versicherung ab.

Beides knabbert an der Gesamt­versorgung im Alter.

Rechnet man bei Riester-Rente und Betriebs­rente mit den nicht garan­tierten Über­schüssen, kehrt sich das Bild um: Die Betriebs­rente stockt die gesetzliche Rente um 35 Prozent auf. Mit der Riester-Rente sind es nur 32 Prozent. Der Grund: Die höhere Verzinsung aufgrund möglicher Über­schüsse lässt den Zinseszins­effekt bei einem höheren Beitrag (wie hier bei der Betriebs­rente) stärker zur Geltung kommen als bei einem nied­rigeren. Und dieser größere Zinseszins­effekt macht dann die Nachteile der Betriebs­rente (Sozial­versicherungs­pflicht und weniger gesetzliche Rente) mehr als wett.

Besser schneidet die Betriebs­rente auch dann ab, wenn der Arbeit­geber seine gesparten Sozial­versicherungs­beiträge nicht für sich behält, sondern in die Alters­vorsorge seiner Angestellten steckt. In diesem Fall erhöht sich die Gesamt­versorgung im Alter durch die Betriebs­rente mit garan­tierter Verzinsung nicht um 19 Prozent, sondern um satte 23 Prozent.

Gekniffen ist also, wer den vollen Beitrag zur Betriebs­rente per Entgelt­umwandlung aus eigener Tasche zahlt. Gut dran ist, wer vom Arbeit­geber die Beiträge ganz oder teil­weise bekommt. Dies trifft laut Bundes­arbeits­ministerium auf 73 Prozent der Betriebs­renten­anwärter zu. Für sie ist eine Betriebs­rente bestimmt eine gute Wahl.

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