Riester-Rente und Betriebs­rente Special

Betriebliche Alters­vorsorge und Riester-Rente – beide Vorsorgeformen werden mit viel Steuergeld gefördert und sollen die gesetzliche Rente aufstocken. Entscheidend ist für jeden Vorsorgesparer, was er im Alter zur Verfügung hat. Finanztest hat verglichen: Die reine Entgelt­umwandlung, wo der Arbeitnehmer nur aus eigener Tasche einzahlt, schneidet im Vergleich zur Riester-Rente mau ab. Lohnen kann so eine Betriebs­rente aber trotzdem – vor allem, wenn der Arbeit­geber etwas hinzu gibt.

Das Plus zur gesetzlichen Rente

Die Betriebs­rente ist populär: Mehr als die Hälfte aller sozial­versicherungs­pflichtigen Arbeitnehmer in Deutsch­land hat im Alter Anspruch auf eine betriebliche Alters­versorgung. Beiträge für eine Riester-Rente zahlt dagegen gut ein Drittel. Und jeder fünfte Arbeitnehmer sorgt neben der gesetzlichen Rente sogar doppelt fürs Alter vor: Betrieblich und per Riester-Vertrag. Doch was kommt im Alter dabei heraus? Finanztest hat die Förderungs­wege verglichen und ermittelt, wie groß das Plus zur gesetzlichen Rente durch die zusätzliche Alters­vorsorge jeweils ist – per Riester-Rente oder per Betriebs­rente.

Vorsorge-Wege im Vergleich

Entscheidet sich ein Arbeitnehmer mit einem Jahres­einkommen von 30 000 Euro für die Riester-Rente, müssen 1 200 Euro in den Riester-Vertrag fließen, damit die volle Förderung ausgeschöpft wird. Außerdem gilt: Für den Teil seiner Einkünfte, den ein Sparer in die Riester-Rente steckt, muss er keine Steuern zahlen. Für den Beispiel-Arbeitnehmer heißt das unterm Strich: Er muss von den 1 200 Euro Beitrag für seine Riester-Rente nur 843 Euro selbst aufwenden. Denn zur staatlichen Grund­zulage von 154 Euro kommt noch eine Steuerersparnis von 203 Euro. Um den direkten Vergleich zu ermöglichen, hat Finanztest auch bei der betrieblichen Alters­vorsorge 843 Euro als eigenen Vorsorgeaufwand angesetzt. Hier gibt es keine Zulage. Allerdings sind die Beiträge sowohl von Steuern als auch von Sozial­abgaben befreit. Dies einge­rechnet werden aus 843 Euro Eigen­anteil 1 576 Euro, die insgesamt in die betriebliche Alters­vorsorge fließen. Davon über­nimmt der Staat somit 47 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Riester-Rente beträgt die Förderquote nur 30 Prozent.

Weniger gesetzliche Rente

Die weit höhere Förderung der betrieblichen Alters­vorsorge ist also in diesem Fall schlicht und einfach verpufft. Dafür gibt es zwei Gründe: Weil für Lohn, der in die betriebliche Alters­vorsorge fließt, keine Renten­versicherungs­beiträge gezahlt werden, gibt es auch weniger gesetzliche Rente. Und im Alter gehen von der Betriebs­rente die vollen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflege­versicherung ab.

Zinseszins­effekt hilft der Betriebs­rente

Rechnet man bei Riester-Rente und Betriebs­rente mit den nicht garan­tierten Über­schüssen, kehrt sich das Bild um: Die Betriebs­rente stockt die gesetzliche Rente um 35 Prozent auf. Mit der Riester-Rente sind es nur 32 Prozent. Der Grund: Die höhere Verzinsung aufgrund möglicher Über­schüsse lässt den Zinseszins­effekt bei einem höheren Beitrag – wie hier bei der Betriebs­rente – stärker zur Geltung kommen als bei einem nied­rigeren Beitrag. Und dieser größere Zinseszins­effekt macht dann die Nachteile der Betriebs­rente (Sozial­versicherungs­pflicht und weniger gesetzliche Rente) mehr als wett. Besser schneidet die Betriebs­rente auch dann ab, wenn der Arbeit­geber seine gesparten Sozial­versicherungs­beiträge nicht für sich behält, sondern in die Alters­vorsorge seiner Angestellten steckt.

Finanztest Check­listen

Finanztest hat genau nachgerechnet und verglichen – und bietet zudem Check­listen für die Suche nach der individuell besten Riester- und der besten Betriebs­rente.

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