Riester-Fonds­sparpläne und Fonds­policen: „Ich will mehr Rendite haben“

Fonds­verträge bieten die höchsten Ertrags­chancen. Sie eignen sich für Riester-Anleger, die sich mit Fonds auskennen und mit Kurs­schwankungen klar­kommen.

Riester-Sparen mit Fonds klingt nach einer prima Sache: Die Beiträge und Zulagen fließen in Aktien – und falls es einen Crash gibt, greift die Garantie. Bei der Riester-Rente müssen die Anbieter zusichern, dass sämtliche Einzahlungen bei Renten­beginn zur Verfügung stehen. Tatsäch­lich bieten Riester­verträge mit Fonds höhere Rendite­chancen als andere Riester-Varianten. Im Gegen­zug ist die Gefahr, am Ende mit nichts als der Garantie dazu­stehen, ebenfalls höher.

Die nied­rigen Zinsen wirken sich aber auch auf die Riester-Fonds­produkte aus. Für die Garantie muss mehr abge­zwackt werden als früher, für die Aktien bleibt daher zurzeit meist nicht mehr viel übrig.

Unser Test

Wir haben 11 Riester-Fonds­sparpläne getestet sowie 16 fonds­gebundene Riester-Renten­versicherungen, die über Vermittler vertrieben werden, und 7 fonds­gebundene Riester-Renten­versicherungen, die bei Honorarberatern abge­schlossen werden können. Ausgewertet haben wir das Fonds­angebot, die Kosten und die vertraglichen Gestaltungs­möglich­keiten.

Bei reinen Fonds­sparplänen fließen die Sparbeiträge ausschließ­lich in Fonds. Ein Teil geht in Aktien- oder in Misch­fonds, die für Rendite sorgen sollen, der andere landet im Sicher­heits­baustein Rentenfonds. Bei fonds­gebundenen Versicherungen fließt ein Teil der Einzahlungen ins Sicherungs­vermögen des Versicherers oder in einen Garan­tiefonds. Für den anderen, recht kleinen Teil sucht der Anleger sich einen passenden Fonds aus.

In den Tabellen abge­druckt sind Verträge mit einer Lauf­zeit von 30 Jahren (Test­ergeb­nisse Riester-Fondssparpläne sowie Fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen und – neu und zusätzlich ab dem 28. November 2017 – Riester-Fondspolicen (Vertrieb über Honorarberater).

Je kürzer die Lauf­zeit, desto schwieriger wird es für die Anbieter, die Beitrags­garantie hinzubekommen. Hohe Aktienquoten sind dann nicht mehr möglich. Die DWS bietet aus diesem Grund Riester-Fonds­sparpläne mit Lauf­zeiten unter 20 Jahren gar nicht mehr an.

Hohe Aktienquote selten

Auch bei 30 Jahren Lauf­zeit wird meist ein Teil der Einzahlungen für den Sicher­heits­baustein abge­zwackt. Beim Fonds­sparplan DWS TopRente Dynamik fließen zu Beginn nur 40 bis 45 Prozent des Beitrags in Aktienfonds. Auf eine anfäng­liche Aktienquote von 90 Prozent kommt Sutor Fairriester 2.0.

Bei der UniProfiRente von Union Investment fließen die Beiträge zwar zunächst komplett in den Rendite­baustein, den Fonds UniGlobal­Vorsorge, doch ist dieser derzeit nicht nur in Aktien investiert. Ähnliches gilt auch für die UniProfiRente Select.

Bei den Versicherungen ist es in der Regel noch weniger, was in Aktien landet, mitunter sind es nicht einmal 5 Prozent. Vorn dabei ist aber zum Beispiel die Fonds­police RiesterRente Invest­Flex von der Allianz. Hier stehen von Anfang an 35 Prozent der Einzahlungen für die Aktienfonds­anlage zur Verfügung.

Welche Fonds infrage kommen

Bevor Anleger einzelne Produkte auswählen, sollten sie sich entscheiden, ob sie lieber einen Riester-Fonds­sparplan oder eine Riester-Fonds­police nehmen. Unterschiede gibt es nicht nur bei der Aufteilung der Sparraten auf Fonds und Sicherungs­vermögen, sondern auch bei der Auswahl der Fonds.

Bei Fonds­sparplänen gibt der Anbieter die Fonds vor, die Anleger müssen nehmen, was sie bekommen. Die Wahl haben sie nur beim Deka Zukunfts­plan Select, einem Angebot der Deka, und bei der UniProfiRente Select.

Dagegen bieten nahezu alle Fonds­policen freie Fonds­wahl an. Die mit 109 Fonds umfang­reichste Palette bietet Condor, beim Volks­wohl Bund stehen 104 Fonds zur Auswahl, bei der Alten Leipziger sind es 98. Keine Wahl bieten AachenMünchener und Zurich.

Passende Risikoklasse wählen

Im nächsten Schritt sollten Anleger sich über das Risiko Gedanken machen, das sie eingehen wollen. Geld verlieren können sie nicht, davor schützt die Riester-Garantie. Doch je höher die Rendite­chancen sind, desto höher ist das Null­zins­risiko. Damit ist die Gefahr gemeint, dass am Ende wirk­lich nicht mehr als die einge­zahlten Beiträge für die Verrentung zur Verfügung stehen.

Union mit den höchsten Chancen

Die Riester-Fonds­sparpläne mit den höchsten Rendite­chancen bietet Union. Die UniProfiRente gehört dazu, zudem die UniProfiRente Select in Kombination mit dem Fonds UniGlobal­Vorsorge. Beide Produkte zählen zur Chancen-Risiko-Klasse 4.

Die Chancen-Risiko-Klassen werden seit Jahres­beginn von der Produkt­informations­stelle Alters­vorsorge (Pia) berechnet (siehe Produktinformationsblatt für Riester-Verträge). Für die Einstufung der Riester-Produkte bekommt die Pia Informationen von den Anbietern.

Zum 1. Juli 2017 hat Union das Konzept für die UniProfiRente geändert. Es sollen nun immer mindestens 10 Prozent der Erspar­nisse im Fonds UniGlobal Vorsorge liegen. Union will damit die Chancen auf Aktiengewinne auch in schlechten Markt­phasen wahren. Ohnehin ist die ProfiRente flexibler geworden. Beträge, die aus Sicher­heits­gründen in Rentenfonds umge­schichtet wurden, können bei verbesserten Aussichten zurück in die Aktien fließen. Wenn es gut läuft, können Anleger bis kurz vor der Rente in Aktien investiert sein.

Die Riester-Fonds­sparpläne der anderen Anbieter sind alle­samt in die Chancen-Risiko-Klasse 2 einsortiert – sogar das Riester-Angebot von Sutor, das für 30-jährige Verträge anfäng­lich 90 Prozent in Aktienfonds anlegt.

Doch bei Sutor Fairriester 2.0, wie übrigens auch beim teuren Sutor RiesterDepot 2.0, handelt es sich um ein Lebens­zyklusmodell, bei dem die Aktienquote im Laufe der Zeit immer geringer wird.

Kosten entscheiden über Erfolg

Wie gut Riester-Fonds­verträge abschneiden, liegt nicht zuletzt an den Kosten. Die Strategie mag noch so ausgeklügelt sein – wenn das Produkt zu teuer ist, bleibt zu wenig übrig.

In dem Anfang des Jahres neu einge­führten Produkt­informations­blatt (Pib) für Riester-Verträge können sich Anleger über die Kosten informieren und verschiedene Angebote vergleichen. Sie sollten das sinn­voller­weise nur inner­halb einer Produktart und in derselben Chancen-Risiko-Klasse tun.

Ein Blick über die Produkt­grenzen hinweg zeigt allerdings, dass einige Fonds­policen mit Fonds­sparplänen durch­aus konkurrieren können, was die Kosten angeht. Das liegt unter anderem daran, dass inzwischen viele Versicherer ETF, börsen­gehandelte Indexfonds, in ihrer Fond­spalette haben. Die sind deutlich güns­tiger als aktiv gemanagte Fonds.

Bevor Anleger sich ein individuelles Angebot erstellen lassen, können sie die Muster-Pib verschiedener Anbieter miteinander vergleichen. Sie finden sie entweder auf der Internetseite der Anbieter oder beim Bundes­zentral­amt für Steuern (bzst.de).

ETF sind erste Wahl

In die Kostenbe­rechnung für das Muster-Pib gehen anders als bei uns immer die teuersten Fonds eines Anbieters ein. Für unsere Auswertung haben wir dagegen die Kosten der Verträge immer für den besten der zur Verfügung stehenden Fonds ausgerechnet.

Optimal ist ein markt­typischer ETF auf den Welt­aktien­index MSCI World oder einen breit gestreuten europäischen Index. Hat der Versicherer keinen ETF im Angebot, kommen aktiv gemanagte Aktienfonds Welt und Europa mit einer sehr guten Finanztest-Bewertung von fünf oder vier Punkten zum Zug. Dritte Wahl sind Aktienfonds Welt und Europa sowie offensive Misch­fonds mit mindestens durch­schnitt­licher Finanztest-Bewertung.

Großer Unterschied

Ein Beispiel zeigt, was die Wahl eines teuren oder güns­tigen Fonds ausmachen kann: Die RiesterRente Performance Safe der Stutt­garter kostet laut Muster-Pib 2,61 Prozent pro Jahr. Kombiniert mit dem MSCI World ETF von iShares und einem ETF-Garan­tiefonds sind es nur 1,53 Prozent pro Jahr – so zählt das Angebot der Stutt­garter neben dem des Volks­wohl Bunds in der Chancen-Risiko-Klasse 3 zu den Verträgen mit mitt­lerer Kostenbelastung (Tabelle Fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen).

Günstig ist außerdem das Angebot der HanseMerkur in Chancen-Risiko-Klasse 2. Die Effektiv­kosten betragen 1,22 Prozent pro Jahr, und das in Kombination mit einem aktiv gemanagten Fonds, dem Valu­eInvest Global. Aber es gibt unter den Policen auch teure Produkte. In der Chancen-Risiko-Klasse 3 kostet der Vertrag der WWK mit 2,75 Prozent pro Jahr am meisten. Bei den Angeboten aus der Chancen-Risiko-Klasse 2 haben gleich sechs Produkte eine sehr hohe Kostenbelastung.

Abschluss beim Honorarberater statt beim Vermittler

Anleger können statt beim Vermittler auch beim Honorarberater eine Riester-Fonds­police abschließen. Die Policen sind dann auf den ersten Blick güns­tiger, weil keine Provisionen anfallen. Die Stutt­garter zum Beispiel bietet einen solchen speziellen Tarif für Honorarberater an. Kombiniert mit dem MSCI World ETF von iShares belaufen sich die Effektiv­kosten auf 1,06 Prozent pro Jahr (Tabelle Riester-Fondspolicen (Vertrieb über Honorarberater)). Ob die Honorarberater-Police allerdings auch insgesamt güns­tiger ist als eine, die der Anleger beim Vermittler abschließt, kommt auf die Beratungs­kosten an. Diese sind in die Effektiv­kosten nicht einge­rechnet, sondern kommen noch dazu. Das Honorar ist von Berater zu Berater unterschiedlich und es hängt außerdem davon ab, wie der Vertrag ausgestaltet ist, den Anleger und Berater schließen. Bei der anlass­bezogenen Beratung zum Beispiel kann der Anleger eigens für den Abschluss des Riester-Vertrags zum Berater gehen und zahlt dann auch nur dafür.

Weitere Kosten

Fast durchweg teurer als die Fonds­gesell­schaften sind die Versicherer bei den Kosten für bestimmte Anlässe wie Vertrags­wechsel, Kündigung oder beim Versorgungs­ausgleich bei Scheidung. Die DWS bietet die Service­leistungen kostenlos an, bei Deka sind je 50 Euro fällig. Bei den Versicherern sind 100 Euro oder mehr an der Tages­ordnung. Für die Bürokratie rund um den Versorgungs­ausgleich kann es richtig teuer werden. LV 1871, Iduna, Bayerische und Volks­wohl Bund verlangen dafür bis zu 500 Euro.

Wenn die Rente beginnt

Wie viel Rente es später gibt, steht bei Abschluss noch nicht fest. Das hängt vom Anla­geerfolg an den Kapitalmärkten ab. Doch geben die Versicherer bei Vertrags­abschluss bereits an, mit welchem Faktor sie das angesparte Geld verrenten werden.

Bei der Stutt­garter zum Beispiel beträgt der garan­tierte Renten­faktor 30,28 Euro. Das heißt, für einen Betrag von 10 000 Euro erhält ein Riester-Sparer sein Leben lang eine monatliche Rente von mindestens 30,28 Euro. Die meisten Renten­faktoren liegen zwischen 20 und 30 Euro, die Allianz bleibt mit 15,33 Euro deutlich darunter.

Wer einen Riester-Fonds­sparplan abschließt, bekommt nur bei Sutor Fairriester 2.0 einen garan­tierten Renten­faktor genannt. Er beträgt in unserem Musterfall 28,43 Euro. Sutor arbeitet hier mit dem Versicherer MyLife zusammen.

Die anderen Fondsanbieter verrenten das Kapital später selbst und holen nur für die ab dem 85. Lebens­jahr vorgeschriebene Leib­rente einen Versicherer dazu.

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