Riester-Rente im Steuercheck Special

Riester-Sparen fürs Alter fördert der Staat mit Zulagen und Steuer­nach­lässen. Die Auszahlung im Alter ist voll steuer­pflichtig.

Gutverdiener mit Riester-Vertrag sparen kräftig Steuern. Steuer­nachteile im Alter hat, wer sein Kapital sofort braucht. Finanztest sagt, wie Sie mit Einzahlungen Steuern sparen und was für die Rente gilt.

Geld vom Staat geschenkt

Zwei Gründe sprechen in vielen Fällen für die Riester-Rente. Erstens gibt es für die Alters­vorsorge Geld vom Staat quasi geschenkt. Wer genug einzahlt, erhält jedes Jahr eine Grund­zulage und für jedes Kind zusätzlich einen Betrag auf die eigene Sparrate. Außerdem sind die Beiträge in der Anspar­phase steuerlich begüns­tigt. Zweitens wird die Riester-Rente erst im Ruhe­stand besteuert. Für viele bedeutet das, weniger Steuern für die Alters­vorsorge zahlen zu müssen, weil der eigene Steu­ersatz im Alter nied­riger ausfällt. Die optimalen Vorteile der Riester-Rente genießt nur, wer auch steuerlich alles richtig macht. Am wichtigsten dabei ist es, die Beiträge als Sonder­ausgaben in der Steuererklärung anzu­geben.

Tipp: Alle relevanten Infos und Tests der Stiftung Warentest finden Sie in unserem Special So finden Sie die richtige Riester-Sparform.

An die Kinder­zulage denken

Wichtig ist es auch, alle Zulagen zu beantragen. Denn das Finanz­amt unterstellt in seiner Steuerbe­rechnung, dass der Sparer die Zulagen erhalten hat – selbst wenn das nicht so war, weil er sie nicht beantragt hat. Volle Zulagen gibt es, wenn mindestens 4 Prozent des Brutto­vorjahres­einkommens oder – bei geringem Verdienst – mindestens der Sockelbeitrag von 60 Euro jähr­lich in den Vertrag fließen. Neben der Grund­zulage von 154 Euro im Jahr gibt es Kinder­zulagen für jedes Kind, für das ein Sparer Kinder­geld erhält. Für seit 2008 geborene Kinder sind das 300 Euro im Jahr, für Ältere 185 Euro.

Zulage aufteilen

Haben Verheiratete beide einen Riester-Vertrag, wird die Kinder­zulage auto­matisch der Mutter zugesprochen. Soll sie auf den Vertrag des Vaters gehen, müssen beide Eltern­teile zustimmen. Bei mehreren Kindern können sie die Zulage aufteilen. Unver­heiratete, Geschiedene oder getrennt Lebende können nur eine Zulage bekommen, wenn sie auch Kinder­geld erhalten.

Achtung: Diese Gesetzes­lage kann zu unlieb­samen Konstellationen führen: Hat nur der Vater einen Riester-Vertrag, das Kinder­geld wird aber der Mutter ausgezahlt, hat er keinen Anspruch auf die Kinder­zulage. Die staatliche Förderung geht dann verloren. Die Kinder­zulage muss jähr­lich bei der Zentralen Zulagen­stelle für Alters­vermögen (ZfA) beantragt werden.

Tipp: Ein Dauer­zulagen­antrag erspart es Ihnen, jähr­lich neue Anträge zu stellen. Dafür bevoll­mächtigen Sie Ihren Anbieter, das für Sie zu tun.

Riester-Beiträge als Sonder­ausgabe

Die Riester-Beiträge lassen sich als Sonder­ausgabe in der Steuererklärung von der Steuer abziehen. Gezahlte Beiträge und Zulagen muss ein Sparer dazu in der Anlage AV (Alters­vorsorgebeiträge, Riester) eintragen. Maximal 2 100 Euro lassen sich so geltend machen. Wer seine Erklärung elektronisch via Elster abgibt, kann die Belege abrufen. Die ZfA über­mittelt die Beiträge auto­matisch an das Finanz­amt (siehe Special Vorausgefüllte Online-Steuererklärung, Finanztest 3/2016).

Wann der Steuer­vorteil größer ist

Ob nun Vater, Mutter oder beide Eltern­teile: Steuerlich kann es einen großen Unterschied machen, wer die Zulagen bekommt. Wenn die Riester-Beiträge korrekt in der Anlage AV einge­tragen sind und mit der Steuererklärung abge­geben werden, prüft das Finanz­amt auto­matisch, ob dem Steuerzahler der Sonder­ausgaben­abzug mehr bringt als die staatlichen Zulagen. Das ist so ähnlich wie beim Kinder­geld. Wenn Grund­zulage plus Kinder­zulage mehr bringen als der Sonder­ausgaben­abzug, gibt es keine Steuern zurück.

Beispiel: Der allein­erziehende Mathias Stein verdient 35 000 Euro brutto und ist Vater eines zwölfjäh­rigen Sohnes. Er erhält 339 Euro Riester-Zulage (154 Euro für sich und 185 Euro für Sohn Theo) und zahlt seinen Mindesteigen­anteil von 1 061 Euro in den Riester-Vertrag ein. Insgesamt gibt er 1 400 Euro (Eigen­anteil plus Zulagen) in seiner Steuererklärung als Sonder­ausgabe an. Dadurch bekommt er 55 Euro vom Finanz­amt zurück. Um so viel ist der Vorteil durch den Sonder­ausgaben­abzug höher als die 339 Euro Riester-Zulage.

Achtung: Falls Sie Kinder haben, aber keine Kinder­zulage beantragt haben, holen Sie das unbe­dingt nach. Das Finanz­amt unterstellt schließ­lich immer, dass Sie staatliche Zulagen bekommen. Steuerlich bringt es Ihnen also keinen Vorteil, auf die Kinder­zulage zu verzichten.

Für wen sich der Sonder­ausgaben-Abzug lohnt

Der Abzug der Sonder­ausgaben lohnt sich vor allem für kinder­lose Allein­stehende und für Ehepaare mit hohem Einkommen. Ein Ehepaar, bei dem beide Partner jähr­lich je 30 000 Euro brutto verdienen, kann zum Beispiel 892 Euro zurück­bekommen, wenn es den Höchst­beitrag von je 2 100 Euro einzahlt. In diesem Fall ist die Differenz zwischen Zulagen und Steuer­entlastung am höchsten. Familien mit vielen Kindern bekommen aber durch die Zulagen häufig insgesamt mehr Förderung, als Allein­stehende mithilfe des Steuer­abzugs erreichen können.

Rentner haben die Wahl

Die Riester-Rente ist auf Sicherheit und Konstanz angelegt. Wer damit anfängt, muss durch­halten. Der Abbruch wird mit dem Verlust aller staatlichen Zulagen bestraft. Dennoch ist es möglich, sich einen Teil oder auch das gesamte Ersparte direkt zu Renten­beginn auszahlen zu lassen. In einigen Fällen, ohne die Zulagen zu verlieren.

Alles auszahlen und viel verlieren

Wer sich sein angespartes Riester-Kapital bei Renten­beginn auf einen Schlag auszahlen lässt, hat den größten Nachteil. Erstens muss er alle erhaltenen staatlichen Zulagen zurück­zahlen. Zweitens will das Finanz­amt alle Steuer­vorteile aus dem Sonder­ausgaben­abzug zurück. Beides zusammen kann bei mehreren Jahren Lauf­zeit in die Tausende gehen. Was nach Abzug der einge­zahlten Beiträge übrig bleibt, muss der Rentner versteuern.*) Nur im absoluten Notfall sollte ein Riester-Sparer von dieser Möglich­keit Gebrauch machen.

Ein Drittel des Beitrages sofort

Bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals kann sich ein Riester-Kunde auszahlen lassen, ohne dass er staatliche Zulagen oder Steuer­vorteile zurück­zahlen muss. Wer also zu Renten­beginn das Geld braucht, um etwa eine Welt­reise zu unternehmen, sollte diese Variante wählen. Nachteil: Er muss einen großen Betrag auf einmal versteuern anstatt kleinere Beträge über mehrere Jahre. In der Regel werden in diesem Fall mehr Steuern fällig.

Alles auszahlen bei Mini-Riester-Rente

Alle, die nur sehr wenig angespart haben, können sich ihre Beiträge ohne Abschlag auf einmal auszahlen lassen. Diese Mini-Riester-Renten dürfen nicht größer als 1 Prozent der sogenannten monatlichen Bezugs­größe sein, die das Arbeits­ministerium jedes Jahr fest­legt. Derzeit liegt dieser Wert bei 2 905 Euro im Westen und 2 520 Euro im Osten. Zulagen und Steuer­vorteile dürfen Sparer behalten.

Beispiel: Herr Maier aus Dort­mund geht 2016 in Rente. Ihm steht eine monatliche Riester-Rente von 26 Euro zu. Damit hat er nur eine Kleinst­betrags­rente (1 Prozent von 2 905 Euro = 29,05 Euro) und darf sich das Ersparte auf einen Schlag auszahlen lassen, ohne etwas zurück­zahlen zu müssen.

Schulden tilgen

Wer lieber sein Eigenheim entschulden will anstatt monatlich Rente zu kassieren, darf dazu auch sein gesamtes Riester-Erspartes verwenden, allerdings nicht mehr als die Rest­schuld der Immobilie. Und zwar unabhängig davon, welches Riester-Produkt er während der Anspar­phase gewählt hatte. Steuerlich wird das für das Darlehen einge­setzte Geld wie zusätzliches Einkommen – verteilt auf 20 Jahre – behandelt.

*) Korrigiert am 13.04.2016.

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