Riester-Rente im Ausland. Immer mehr Deutsche packen ihre Koffer, um im Ausland zu arbeiten. Ihre Riester-Förderung können die meisten behalten.

Riester-Rente im Ausland Special

Coretta und Hans Vogelberg sind im September 2010 mit ihren drei Kindern Annemarie, Paul und Johannes von Dormagen nach Sevenoaks in England gezogen. Coretta Vogelberg konnte deshalb erstmal nicht mehr weiter riestern. Die bisher erhaltenen Zulagen muss sie aber nicht mehr zurückzahlen.

Coretta und Hans Vogelberg haben es gewagt. Sie sind vor einem Jahr mit Kind und Kegel von Dormagen in Nordrhein-Westfalen nach Sevenoaks vor die Tore von London gezogen. „Wir haben lange überlegt, ob das der richtige Schritt ist – mit drei Kindern. Aber für meinen Mann ist es einfach eine gute Gelegenheit, sich beruflich weiter zu entwickeln“, sagt Coretta Vogelberg.

Immer mehr Arbeitnehmer gehen zeitweise oder auch für immer ins Ausland, um dort zu arbeiten. Vor allem in der EU nimmt der Austausch zu. Zogen im Jahr 2000 rund 164 000 Menschen aus Deutschland in eines der anderen 26 EU-Länder, waren es 2010 schon rund 337 000.

Unterschätzt hat Coretta Vogelberg, wie viel Papierkram so ein Umzug ins Ausland mit sich bringt. „Na ja, inzwischen ist alles unter Dach unter Fach. Die Haftpflichtversicherung ist gekündigt und die Riester-Rente liegt erst mal auf Eis“, erklärt sie.

Sie ist von Beruf Kinderkrankenschwester und hat im Jahr 2002 eine staatlich geförderte Riester-Rentenversicherung abgeschlossen. Dafür bekam sie zuletzt 709 Euro im Jahr an staatlichen Zulagen: 154 für sie selbst und je 185 Euro für ihre Kinder Annemarie, Johannes und Paul.

Gerade rechtzeitig für die Vogelbergs ist auch die Riester-Altersvorsorge EU-tauglich geworden. Denn im Jahr 2010 wurde ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs umgesetzt, nach dem Arbeitnehmer und Rentner, selbst wenn sie für immer ins EU-Ausland ziehen, die bereits erhaltene Förderung nicht mehr zurückzahlen müssen.

Diese Regelung gilt ebenfalls für die Länder Island, Norwegen und Liechtenstein. Diese Staaten gehören zwar nicht zur Europäischen Union aber zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).

Weiterhin zurückzahlen müssen Arbeitnehmer die Förderung aber, wenn sie für immer in ein Land außerhalb der EU oder des EWR ziehen, zum Beispiel in die Schweiz, die Türkei oder in die USA.

Je nachdem, warum, wie lange und wohin Menschen ins Ausland gehen, kann das andere Auswirkungen auf die Vorsorge mit Riester haben. Die häufigsten Konstellationen nennen wir hier.

Für immer ins Ausland

Riester-Sparer, die ihren Job in Deutschland aufgeben und sich entscheiden, für immer ins Ausland zu gehen, bekommen keine weitere Förderung. Denn sie ist daran gekoppelt, dass sie als Arbeitnehmer in der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind oder dass der deutsche Staat ihnen eine Besoldung zahlt – wie Beamten, Richtern oder Soldaten.

Ob sie aber auch alle bereits erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen müssen, hängt davon ab, wo sie hinziehen. Bei einem Umzug innerhalb der EU können sie die bisherige Förderung behalten. Sie stellen den Vertrag beitragsfrei oder führen ihn ohne Zulagen weiter. Später bekommen sie aus dem angesparten Kapital eine Rente.

Riester-Sparer, die in ein Land außerhalb der Europäischen Union ziehen, müssen dagegen die Förderung komplett zurückzahlen – allerdings nicht gleich und nicht alles auf einmal. Sie können über den Anbieter bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) einen Antrag stellen, dass ihnen die Rückzahlung bis zum Rentenbeginn gestundet wird.

Seit dem Jahr 2010 fallen für diese Stundung aber Zinsen von 0,5 Prozent pro Kalendermonat an. Ein solcher Aufschub kann trotz dieser relativ hohen Zinsen sinnvoll sein, wenn eine Rückkehr nach Deutschland noch möglich erscheint. Hat der Rückkehrer dann wieder Anspruch auf Riester-Förderung, erlässt ihm die ZfA den Rückzahlungsbetrag und die Stundungszinsen.

Wer für immer außerhalb der EU bleibt, muss spätestens mit Rentenbeginn die komplette staatliche Förderung zurückzahlen. Allerdings wird nicht gleich die ganze Summe fällig: 15 Prozent der Rentenauszahlung müssen monatlich abgeführt werden, bis die erhaltene Förderung zuzüglich Zinsen erstattet ist.

Vorübergehend im Ausland

Arbeitnehmer oder Beamte, die von ihrem deutschen Arbeitgeber für eine begrenzte Zeit ins Ausland entsendet werden und dabei weiterhin in Deutschland rentenversichert bleiben oder weiterhin ihre Besoldung aus Deutschland beziehen, bekommen die Förderung auch im Ausland. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie innerhalb oder außerhalb der EU arbeiten.

Wer jedoch wie Coretta Vogelberg nicht von seinem Arbeitgeber geschickt wird, sondern auf eigene Faust ins Ausland geht, erhält keine weitere Förderung. Denn gewöhnlich ist er nicht mehr in Deutschland rentenversichert, sondern in dem Land, in dem er arbeitet.

Die Riester-Zulagen werden deshalb während der Zeit im Ausland nicht gezahlt. Kehren Sparer vor Rentenbeginn nach Deutschland zurück und werden sie dort wieder rentenversicherungspflichtig, können sie auch wieder mit Förderung weiter riestern. Alle, die ihre Auslandsjahre außerhalb der EU verbringen, müssen dafür aber einen Stundungsantrag bei der ZfA stellen (siehe „Für immer ins Ausland“). Ansonsten wird die Rückzahlung der Förderung sofort fällig.

Wohn-Riester und Ausland

Auch für Arbeitnehmer, die ihre Riester-Förderung in eine Immobilie stecken, ist ein vorübergehender Auslandsaufenthalt kein großes Problem. Nutzen sie das Haus oder die Wohnung eine Zeit lang nicht selbst, können sie es vermieten und trotzdem die Förderung behalten. Wichtig ist, dass sie aus beruflichen Gründen ins Ausland ziehen und dass sie die Immobilie auf jeden Fall vor Vollendung des 67. Lebensjahres wieder selbst nutzen.

Vor dem Umzug ins Ausland müssen sie dies bei der ZfA beantragen und auch nachweisen, dass es gute Gründe dafür gibt, dass sie ihre Riester-Immobilie nicht mehr selbst bewohnen können.

Grenzgänger: Wohnen im Ausland

Wer im Nachbarland, zum Beispiel in den Niederlanden in Maastricht, wohnt und als Grenzgänger in Deutschland im benachbarten Aachen arbeitet, kann einen Riester-Vertrag abschließen und die Förderung erhalten. Das ist möglich, wenn er in Deutschland rentenversichert ist. Bis Ende 2009 ging er noch leer aus.

Ebenso kann er nun die Riester-Förderung für den Kauf oder Bau einer selbstgenutzten Wohnung verwenden, die nicht in Deutschland liegt.

Ein Problem kann auftreten, wenn Grenzarbeitnehmer ihre Tätigkeit in Deutschland beenden und im Nachbarland arbeiten. Da sie dann nicht länger in Deutschland pflichtversichert sind, werden sie auch nicht länger gefördert. Die Förderbeträge und die gegebenenfalls gewährten Steuervorteile müssen sie aber nicht zurückzahlen.

Grenzgänger: Arbeiten im Ausland

Im umgekehrten Fall, wenn Arbeitnehmer zum Beispiel im niederländischen Maastricht arbeiten, aber in Aachen leben, erhalten sie dagegen seit 2010 keine direkte Riester-Förderung mehr. Denn nun zählt nicht mehr, ob sie in Deutschland uneingeschränkt steuerpflichtig sind, sondern ob sie Mitglied der deutschen Rentenversicherung sind. Da das bei einer Arbeitsstelle im Ausland meist nicht der Fall ist, erhalten Grenzgänger, die im Ausland arbeiten, keine Riester-Förderung.

Allerdings genießen sie Vertrauensschutz, wenn sie den Vertrag vor dem 1. Januar 2010 abgeschlossen haben. Sie können dann wie vereinbart inklusive Zulagen weiter riestern.

Vogelbergs sind sich noch nicht ganz sicher, ob sie wieder nach Deutschland zurückkehren. Aber ob sie sich nun für England oder für Deutschland entscheiden – sicher ist, dass ihnen niemand die bisher erhaltene Förderung nehmen kann.

Dieser Artikel ist hilfreich. 535 Nutzer finden das hilfreich.