Riester-Rente Special

Aufreger­thema Nummer eins unserer Leser ist die Riester-Rente. Wir greifen die größten Ärger­nisse auf und zeigen Lösungen.

Keine Frage, bei der Riester-Rente ist der Wurm drin. Das zeigen auch die Briefe und E-Mails, die uns Finanztest-Leser täglich schi­cken.

Wir lesen sie alle und wissen: Viele Riester-Sparer sind ratlos, wütend, einige geradezu verzweifelt. Der Absprung vom Riester-Vertrag scheint da ein natürlicher Reflex. Und für einige ist das auch die richtige Lösung.

So hat Sparen für Menschen, die genau wissen, dass sie als Rentner auf staatliche Hilfe angewiesen sein werden, wenig Reiz. Die Sozial­ämter rechnen im Alter Erspartes auf die Grund­sicherung an – das gilt bisher auch für die Riester-Rente.

Für viele andere ist Weiter-Riestern die bessere Lösung. Denn Alternativen, die wie die Riester-Verträge eine lebens­lange Auszahlung bieten, sind im Hinblick auf die Rendite oft unattraktiver. Das gilt zum Beispiel für eine private Renten­versicherung.

Auch die betriebliche Alters­vorsorge hat ihre Haken und Ösen (Test Betriebsrente, Finanztest 8/2015). Sie ist unflexibel, nicht jedem zugäng­lich und im Alter fallen – anders als für die meisten Riester-Auszahlungen – hohe Sozial­abgaben an.

Hier geben wir Tipps und beant­worten Fragen, damit das Riestern weniger nervt.

Frust durch zu hohe Erwartungen

Viel Ärger gibt es wegen schlechter Produkte, schlechter Beratung und immer wieder wegen Problemen mit der Zulagen­stelle.

Dazu kommt: Die Bezeichnung „staatlich geförderte Alters­vorsorge“ weckt hohe Erwartungen, die die Riester-Rente oft nicht erfüllen kann.

Zubrot zur gesetzlichen Rente

Zunächst einmal ist die Riester-Rente keine eigen­ständige Alters­vorsorge. Der Gesetz­geber hat sie im Jahr 2002 einge­führt, damit gesetzlich Renten­versicherte die sinkende gesetzliche Rente ausgleichen können.

Erwartungen, mit ihr im Alter einen beträcht­lichen Teil der Ausgaben decken zu können, sind über­zogen. Die Riester-Rente ist nur ein Zubrot. Ihre finanzielle Band­breite liegt – je nach Beitrags­höhe – selbst bei Lauf­zeiten von über 20 Jahren – vielleicht zwischen 100 und 300 Euro monatlich.

Aus einem jähr­lichen Höchst­beitrag von 2 100 Euro, den viele Sparer gar nicht ansparen, können selbst die besten Anbieter keine wesentliche Alters­vorsorge zaubern. Zum Vergleich: Für die gesetzliche Renten­versicherung zahlt ein Durch­schnitts­verdiener zusammen mit seinem Arbeit­geber jedes Jahr weit mehr als 6 000 Euro an die Rentenkasse.

Schwarze Schafe selbst finden

Auch müssen Verbraucher ihre Erwartungen an die Qualität von Riester-Verträgen dämpfen. Zwar sind die Angebote staatlich zertifiziert. Das heißt aber nicht, dass Kunden beim Riestern nicht daneben­greifen können. Tops und Flops zu unterscheiden, über­lässt der Staat den Kunden selbst und Testern wie uns.

Die Zertifizierung bestätigt nur, dass Anbieter von Riester-Verträgen bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehört die Riester-Garantie: Anbieter müssen ihren Kunden alle Beiträge und Zulagen zum Laufzeit­ende garan­tieren und ihnen auch eine lebens­lange Auszahlung zusichern.

Keine Spitzenrenditen bei Riester

Frust entsteht auch beim Vergleich mit anderen Verträgen. Einige Sparer sind enttäuscht, wenn sie die Wert­entwick­lung ihres Riester-Fonds­sparplans mit der eines unge­förderten Sparplans vergleichen – besonders, wenn sie die Zulagen heraus­rechnen.

Der Vergleich hinkt aber. Ein normaler Fonds­sparplan ist ein völlig anderes Produkt als ein Riester-Fonds­sparplan ohne Verlustrisiko zum Ende der Lauf­zeit.

Der einge­baute Verlust-Stopp lässt die Aussicht auf hohe Renditen sinken. Er hat gerade jetzt in der Nied­rigzins­phase seinen Preis. Dieser Umstand betrifft neben Riester-Verträgen auch alle anderen Verträge mit Garan­tien, zum Beispiel herkömm­liche Renten- und Lebens­versicherungen und Bank­sparpläne.

Riester taugt nicht für alle

Riestern ist deshalb nicht für jeden etwas. Wer keine Garan­tien braucht, weil er durch eine groß­zügige Betriebs­rente oder als künftiger Erbe gut abge­sichert ist, schaut sich nach rendite­stärkeren Möglich­keiten um – und geht mehr Risiko ein.

Wer finanziell nicht gut dasteht und kaum gesetzliche Rente erwarten kann, den wird die Riester-Rente nicht rausreißen.

Für Sparer, die das fallende Niveau der gesetzlichen Rente ausgleichen wollen, weil diese ihre Haupt­einnahme­quelle im Alter sein wird, ist Riestern mit dem richtigen Vertrag aber eine gute Alternative.

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