Riester-Rente Special

Das Eltern­paar Silvia Blume und Norbert Klein aus Krefeld bekommt mehr Zulagen aufs Riester-Konto als Kinder­lose. Sie profitieren aber weniger von Steuer­erleichterungen.

Riester-Sparen muss einfacher werden. Besonders Paare verheddern sich im Gewirr der Vorschriften und müssen Förderung zurück­zahlen.

Riestern heißt nicht einfach nur sparen. Für viele ist es gleich­zeitig ein Crashkurs in deutschem Steuer- und Sozial­versicherungs­recht, Lehr­geld inklusive.

Vor allem Sparer, deren Erwerbs­leben nicht von Abschluss bis Auszahl­phase geradlinig verläuft, verfangen sich oft im Dickicht der Vorschriften. Ein Beispiel von vielen ist Silvia Blume. Sie hatte das Klein­gedruckte aus ihren Unterlagen nicht parat, kannte zwei Regeln nicht. Prompt hatte sie Bürokratie und Ärger. Zulagen­stelle und Finanz­amt forderten Geld zurück.

Fall 1: Direkt Anspruch auf Förderung

Als die 39-jährige Krefelderin 2005 ihren Riester-Vertrag abschloss, schien alles einfach: Die Psycho­login hatte als angestellte Personalreferentin einen direkten Anspruch auf die Riester-Förderung aus Zulagen und Steuer­vorteilen, Staatliche Zulagen. Denn sie war – und das ist Voraus­setzung für den direkten Förder­anspruch – in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert.

Pflicht­versichert sind außer Arbeitnehmern unter anderem Eltern in Eltern­zeit, Auszubildende, pflegende Angehörige und sogar einige Selbst­ständige wie Hand­werker, freie Lehrer oder Künstler. Neben den Pflicht­versicherten gehören Beamte zum Kreis der direkt Förderberechtigten.

Fall 2: Über den Partner riestern

Selbst wer nicht zu diesem Personen­kreis gehört, kann Anspruch auf Förderung haben. Er muss nur mit einem pflicht­versicherten Riester-Sparer verheiratet oder verpart­nert sein. Dann kann er sich die vollen Zulagen sichern. Die steuerliche Förderung für solche Paare ist allerdings deutlich geringer, als wenn beide Partner einen direkten Förder­anspruch haben.

Blume war der Förder­anspruch doppelt sicher. Sie hatte selbst Anspruch und auch ihr Mann, Norbert Klein, riestert als verbeamteter Lehrer, sodass sie bei Bedarf über ihn riestern konnte.

Aber schon zu Anfang lief es holp­rig. „Wir haben unsere Sparraten nicht ständig unserem Einkommen angepasst und so nicht immer die volle Zulage erhalten“, sagt Blume. Voraus­setzung für die volle Förderung ist, dass Sparer genug einzahlen, Staatliche Zulagen.

Als sich die Psycho­login dann selbst­ständig machte, verlor sie ihren direkten Anspruch auf Förderung. Sie konnte nun indirekt über ihren Mann riestern. Vorteil für indirekt Riester-Berechtigte: Es reicht, wenn sie 60 Euro im Jahr in ihren Riester-Vertrag einzahlen. Schon dann können sie die volle Zulage bekommen

Blume sparte trotzdem weiter rund 1 500 Euro an. Eine ordentliche Rente kommt bei 60 Euro im Jahr nämlich nicht heraus.

Zwei typische Fall­stricke

Umso erstaunter war sie, als die Bank ihr drei Jahre später die Zulage abbuchte und das Finanz­amt Steuer­erleichterungen in Höhe von rund 285 Euro zurück­verlangte.

Blume war gleich über zwei Fall­stricke gestolpert. Der erste: Sie hatte ihrem Anbieter den Wechsel ihres Förderstatus von „unmittel­bar“ zu „mittel­bar“ nicht gemeldet. Bei der zentrale Zulagen­stelle für Alters­vermögen (ZfA), zuständig fürs Verteilen der Zulagen, war deshalb nicht bekannt, dass sie noch Anspruch auf Förderung hatte, obwohl sie nicht mehr angestellt war.

Zweiter Fall­strick: Paare mit einem direkt und einem indirekt förderberechtigten Partner können für ihre Riester-Verträge anstatt 4 200 Euro nur 2 160 Euro im Jahr als Sonder­ausgaben in der Steuererklärung geltend machen. Blume und Klein hatten deutlich mehr gespart und angegeben.

Vorsicht bei Statuswechsel

Die Zulagen­stelle ließ Blumes Zulagen wieder zurück­buchen. Das passiert auch anderen Sparern, wenn ihr Status zwischen direkter und indirekter Förderung wechselt. Denn die Zulagen­stelle kann nur sehen, ob jemand in einem Jahr direkt förderberechtigt war. Informationen über eine indirekte Förderberechtigung muss sie vom Riester-Anbieter erhalten. Bekommt sie darüber zu einem Jahr keine Meldung, holt sie sich die Zulagen für dieses Jahr zurück. Dafür hat sie vier Jahre Zeit.

Der Fehler im System: Keiner informiert Sparer über geplante Rück­buchungen. So haben sie keine Möglich­keit, Miss­verständ­nisse im Vorfeld aus dem Weg zu räumen und Rück­buchungen zu verhindern.

Dirk Manthey von der Deutschen Renten­versicherung Bund, bei der die ZfA angesiedelt ist, sagt dazu: „Beim Zulage­verfahren handelt es sich um ein über­wiegend voll­maschinelles Verfahren. Es soll eine rasche und fehler­freie Bearbeitung ermöglichen. Führt die maschinelle Über­prüfung der Zulage zu einer Kürzung oder Rück­forderung, wird der Anleger informiert. Eine Einbeziehung bereits im maschinellen Verfahren ist vom Gesetz­geber nicht vorgesehen.“

Reibungs­los läuft das Verfahren meist für Sparer mit wenig Änderungen in ihren Lebens­läufen. Bei anderen – das wissen wir von unseren Lesern – hakt es oft.

Unterschiedliche Steuer­regeln kennen

Riester-Rente Special

Silvia Blume riestert trotz Generve mit den Behörden weiter. Für Sohn David (Bild) und Tochter Elisabeth bekommt sie immerhin 600 Euro Zulagen im Jahr.

Während es Blume nach einigem Hin und Her mit Anbieter und Zulagen­stelle gelang, die Zulagen wieder auf ihr Konto zu bekommen, kam sie nicht darum herum, dem Finanz­amt 320 Euro Steuer­vorteil inklusive Verzugs­zinsen zu erstatten.

Blume und Klein waren davon ausgegangen, dass ihre gesamten Beiträge auch nach dem Wechsel von Blumes Förderstatus voll anerkannt werden. Sie hatten sie in ihrer Steuererklärung angegeben und auch zunächst die Steuerersparnis dafür erhalten.

Als das Finanz­amt später fest­stellte, dass nur Klein direkt förderberechtigt war, forderte es den zu viel erstatteten Betrag zurück. Der Einspruch von Blume hatte keinen Erfolg und bescherte ihr vielmehr Verzugs­zinsen von rund 35 Euro.

„Dass Sparen fürs Alter so nervt, habe ich nicht erwartet“, sagt sie. „Aber vielleicht können andere ja aus unseren Fehlern lernen.“

Mit Kindern kann Förderung sinken

Seit der Geburt ihrer Kinder David und Elisabeth ist Blume wieder direkt förderberechtigt. Denn in den ersten 36 Monate nach der Geburt eines Kindes ist die Mutter immer gesetzlich renten­versichert – unabhängig davon, ob oder was sie arbeitet. Auf Antrag kann auch der Vater so einge­stuft werden.

Dank direkter Förderberechtigung kann das Paar nun wieder seine vollen Beiträge in der Steuererklärung angeben. Allerdings kann die Steuerersparnis und damit die Gesamt­förderung aus Zulagen und Steuer­vorteilen jetzt unter Umständen nied­riger ausfallen als bei kinder­losen Paaren.

Beispiel ohne Kinder: Ein Paar ohne Kinder, das zusammen im Jahr 105 000 Euro verdient und mit Zulagen den Höchst­förderbetrag von 4 200 Euro spart, kann 1 272 Euro für das Jahr 2014 vom Finanz­amt zurück­bekommen. Das Paar erhält 308 Euro Zulagen. Die Gesamt­förderung beträgt 1 580 Euro.

Beispiel mit Kindern: Das gleiche Paar mit zwei kleinen Kindern bekommt nur 606 Euro vom Finanz­amt wieder und erhält 908 Euro an Zulagen. Die Gesamt­förderung liegt bei 1 514 Euro und so 66 Euro nied­riger als beim kinder­losen Paar.

Blume macht sich das Riester-Sparen neuerdings zumindest etwas leichter. „Ich zahle jetzt einfach den Höchst­förderbetrag von 2 100 Euro minus der Zulagen ein. Dann muss ich nicht jedes Jahr neu über­legen“, sagt sie.

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