Riester-Anbieter haben jahre­lang doppelte Kosten erhoben, wenn Sparer Beiträge für ihre Verträge angepasst haben. Das Finanz­ministerium und die Finanz­aufsicht haben diese Praxis verboten. Kunden können zu viel gezahlte Provisionen zurück­fordern und eine Über­prüfung ihres Vertrags fordern. Die Verbraucherzentrale Hamburg stellt einen Musterbrief zur Verfügung.

Riester-Anbieter haben doppelt und dreifach kassiert

Eigentlich soll sich ein Riester-Vertrag dem Leben anpassen: Eine Sparerin beginnt einen Riester-Vertrag als Berufs­anfängerin und zahlt gemäß ihres Einkommens ein. Als junge Mutter reduziert sie ihre Beiträge, weil nun zusätzlich die Kinder­zulagen in den Vertrag fließen. Sind die Kinder älter, zahlt sie wie vorher wieder einen höheren Beitrag. Diesen normalen Fall haben einige Riester-Anbieter genutzt, um sogar dreimal abzu­kassieren. Einmal bei Abschluss des Vertrages, das zweite Mal fallen Kosten auf die neue Zulage an und das dritte Mal bei Wieder­anhebung der Beiträge.* Nach Einschät­zung der Verbraucherzentrale Hamburg sind von solchen und ähnlichen Fällen Zehn­tausende Kunden betroffen.

Kunden können zu viel gezahlte Provisionen zurück­fordern

Das Finanz­ministerium und die Finanz­aufsicht Bafin haben den Anbietern diese Praxis nun verboten. Zudem hat sich die Bafin von den Unternehmen zusichern lassen, dass diese „Kunden­beschwerden zu bereits erhobenen erneuten Abschluss- und Vertriebs­kosten im Sinne der Verbraucher“ behandeln. Ärgerlich: Die Anbieter müssen ihre abkassierten Kunden nicht anschreiben, um die falsch berechneten Kosten zurück­zuzahlen. Betroffene müssen selbst aktiv werden.

Verbraucherzentrale hilft mit Muster­brief

Dafür hat die Verbraucherzentrale nun einen Musterbrief zur Verfügung gestellt, mit dem Kunden ihre Kosten zurück­fordern können. Auch Kunden, die sich nicht sicher sind, ob sie zu viel gezahlt haben, können mit dem Brief ihren Anbieter auffordern, den Vertrag zu über­prüfen. Das sollten Riester-Sparer tun, die zum Beispiel ihre Beiträge gesenkt und wieder ange­hoben haben.

Mehrere Tausend Euro rück­erstattet

Das sich die Beschwerde lohnen kann, illustriert die Verbraucherzentrale Hamburg mit dem Beispiel eines kurz­zeitig arbeitslos gewordenen Manns. Dieser hatte bei seiner Riester-Renten­versicherung während der Arbeits­losig­keit seine Beiträge vorüber­gehend gesenkt und dann im gleichen Jahr wieder auf seinen ursprüng­lichen Beitrag erhöht. Erneute Abschluss- und Vertriebs­kosten von 3 500 Euro verlangte der Versicherer. Mitt­lerweile wurde der Betrag dem Sparer wieder gutgeschrieben.

Tipp: Die wichtigsten Tests und Infos zum Thema Riester-Rente finden Sie in unserem Special Riester im Test.

*Passage korrigiert am 7. November 2019.

Newsletter: Bleiben Sie auf dem Laufenden

Mit den Newslettern der Stiftung Warentest haben Sie die neuesten Nach­richten für Verbraucher immer im Blick. Sie haben die Möglich­keit, Newsletter aus verschiedenen Themen­gebieten auszuwählen.

test.de-Newsletter bestellen

Dieser Artikel ist hilfreich. 13 Nutzer finden das hilfreich.