Die staatlichen Zulagen kommen nicht automatisch aufs Rentenkonto. Riester-Sparer müssen jährlich den Antrag auf ­Altersvorsorgezulage ausfüllen. ­Finanztest hilft über Stolperfallen in den Formularen hinweg.

Da liegen sie. Vier Seiten voller Kästchen zum Ankreuzen und Ausfüllen. Bei vielen Riester-Sparern sind die Anträge für die Altersvorsorgezulage und die Kinderzulage eingetroffen.

Das bedeutet Arbeit. Ohne korrekt ausgefüllten Antrag zahlt der Staat die Zulagen nicht aus.

Eilig ist die Sache zwar nicht. Denn bis Ende des Jahres 2004 dürfen sich die Riester-Sparer mit den vorliegenden Anträgen Zeit lassen. Aber Trödeln wäre nicht klug. Wenn das Geld nicht auf dem Versicherungskonto oder dem Banksparplan eingetroffen ist, bringt es schließlich keine Zinsen.

Wer die Zulagen steuerlich geltend machen will, für den ist meist der Stichtag der 31. Mai. Dann will das Finanzamt die Steuererklärung.

„Sehr anspruchsvoll“, findet Esther Bau­mann von der Fondsgesellschaft Union Investment die Formulare. Von einem „Formularquiz“ spricht Peter Hanus, Chef der Neue Leben Versicherungen in Hamburg. Beide Unternehmen haben Riester-Verträge verkauft.

Die Versicherungsgesellschaft hat ebenso wie die deutschen Sparkassen bei Probeläufen gemischte Erfahrungen gemacht. „Eine erhebliche Zahl von Formularen kommt falsch ausgefüllt zurück“, sagt Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband.

Es gibt Schlimmeres

Bei der Neue Leben stellen die Bearbeiter zusätzlich fest, dass bisher nur ein Fünftel der ausgesandten Anträge wieder zurückgekommen ist.

Keine Regelung zwingt die Anbieter von Riester-Produkten, ihren Kunden so lange zur Hand zu gehen, bis alle Anträge vorliegen und richtig ausgefüllt sind. Wegen des ihrer Meinung nach zu hohen Verwaltungsaufwands haben manche Versicherer angekündigt, falsch ausgefüllte Anträge höchstens zweimal zur Verbesserung zurückzuschicken.

Deshalb wachse die Gefahr, dass Riester-Sparer erst aus dem nächsten Riester-Kontoauszug erfahren, dass die Förderung ausgeblieben ist. Damit baut sich eine weitere bürokratische Hürde vor dem Antragsteller auf. Dann muss er bei seinem Anbieter einen „Antrag auf Bescheiderstellung“ stellen.

Quer durch die Finanzbranche kamen solche Äußerungen gar nicht gut an. Es gebe Schlimmeres als Portokosten, hieß es. Schlecht sei die neue Rente für die Branche nämlich nicht. Sie bringe ihr neue Kunden und berechenbare Einnahmen.

„Wir schicken die Formulare so lange zurück, bis sie richtig ausgefüllt sind“, hieß es dann auch beim Deutschen Genossenschaftsverband, dem organisatorischen Dach der Volks- und Raiffeisenbanken, der R+V-Versicherungen und von Union Investment. Die Sparkassen bieten in ihren Filialen Hilfestellung.

Viele Versicherer schicken Anleitungen zum Ausfüllen mit, die über die offiziellen Erklärungen der Zulagenstelle der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte hinausgehen. Es steht Personal bereit, um Hotlines zu besetzen.

Die Stolperfallen

Die wichtigsten Regeln verraten wir gleich hier:

  • Ohne Antrag gibt es keine Zulage. Riester-Sparer sollen auf jeden Fall alle nötigen Formulare ausfüllen und an die Adresse des Anbieters zurückschicken. Fehler dürfen passieren. Der Anbieter muss seine Kunden darauf hinweisen.

Antrag auf Altersvorsorgezulage:

  • Abschnitt A: Der Sparer muss unbedingt ankreuzen, ob er unmittelbar oder nur mittelbar zulageberechtigt ist.

Unmittelbar zulageberechtigt ist, wer Beiträge zur Rentenversicherung entrichtet. Das sind zum Beispiel Arbeitnehmer, Beamte, Empfänger von Arbeitslosengeld, Kindererziehende und nicht erwerbsmäßig Pflegende (A1 ankreuzen).

Mittelbar zulageberechtigt ist, wer über den Ehepartner zulagenberechtigt ist. Der mittelbar Zulageberechtigte muss aber einen eigenen Riester-Vertrag abgeschlossen haben. (A2 ankreuzen).

  • Abschnitt B: Die Sozialversicherungsnummer steht im Sozialversicherungsausweis. Die Personalstelle des Arbeitgebers weiß sie auch. Mittelbar Zulageberechtigte und Beamte müssen unbedingt Abschnitt G ausfüllen. Damit beantragen sie eine solche Nummer.
  • In den Abschnitt C trägt Ihr Anbieter (Versicherungsgesellschaft, Bank oder Fondsgesellschaft) die Nummern der mit Ihnen geschlossenen Verträge ein. Haben Sie nur einen Vertrag, steht dort auch nur eine Nummer. Ganz hinten, unter Ziffer 5, müssen Sie aktiv werden. Kreuzen Sie an, auf welchen Vertrag die staatliche Zulage fließen soll. Soll die Zulage auf einen Vertrag mit einem anderen Anbieter fließen, kreuzen Sie das Kästchen unter dem Vertragsdatenblock an.
  • Der Abschnitt G wendet sich an Beamte und mittelbar ­zulageberechtigte Riester-Sparer. Das sind Sie, wenn Sie nur einen Vertrag haben, weil Ihr Ehepartner rentenversichert ist. Weil Sie selbst ja nicht rentenversichert sind, haben Sie keine Sozialversicherungsnummer. Die beantragen Sie, indem Sie den Abschnitt G ausfüllen. Titel sind zum Beispiel Doktor oder Professor, Vorsatzwörter sind da, de, del, von und zu, Namenszusätze sind Baron oder Graf.

Ergänzungsbogen Kinderzulage:

  • Abschnitt A: Die zuständige Familienkasse gehört in der Regel zum örtlichen Arbeitsamt. Die Kindergeldnummer steht im Kontoauszug.
  • Im Abschnitt B sind ein paar Stolperfallen versteckt: Wenn ein zusammenlebendes, zumindest nicht dauernd getrennt lebendes Ehepaar mit Kindern zwei Verträge hat, bekommt die Frau automatisch die Kinderzulagen. Soll das so sein, muss der Abschnitt B1 nicht ausgefüllt werden. Wollen die Ehepartner die Kinderzulagen auf die Verträge aufteilen, müssen die Partner den Abschnitt B1 ausfüllen. Die Frau muss dann mit ihrer Unterschrift erklären, dass ihr Mann eine oder mehrere Kinderzulagen erhalten soll. Diese Unterschrift leistet sie im Ergänzungsbogen „Kinderzulage“ des Mannes. Ohne diese Unterschrift ist der Antrag unvollständig. Auf ihrem eigenen Ergänzungsbogen „Kinderzulage“ füllt die Frau den Abschnitt B2 aus. Vergleichen Sie dann die Bögen und achten Sie darauf, dass die Angaben zur Aufteilung der Kinderzulagen in beiden Formularen übereinstimmen. Bei geschiedenen Paaren mit Kindern gibt es meistens nur einen Kindergeldempfänger. Dem steht die Kinderzulage zu. Nur er füllt einen Ergänzungsbogen „Kinderzulage“ aus. Wechselt während des Jahres das Recht auf den Bezug des Kindergelds, erhält derjenige die Kinderzulage, dem es zuerst ausgezahlt wurde. Nur er füllt dann den Bogen aus.

Alle nötigen Bögen müssen unterschrieben sein. Manche müssen im Ergänzungsbogen „Kinderzulage“ zweimal unterschreiben: einmal unter Abschnitt B und einmal unter C.

Am Ende gibt es einen Trost. Nächstes Jahr geht es schon schneller.

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