Riester-Rente Test

Die Software-Entwicklerin Patricia Oei hat sich gründlich informiert, ehe sie sich für einen Riester-Banksparplan entschied. Dieser Vertragstyp gefiel ihr am besten, weil er transparent und kostengünstig ist.

Die staatlich geförderte Riester-Rente lohnt sich für fast jeden. Aber viele wählen einen Vertrag, der nicht zu ihnen passt.

Patricia Oei hatte lange mit sich gerungen, ehe sie im vergangenen Dezember einen Riester-Banksparplan abschloss. Der Vertrag bei der Sparkasse Günzburg-Krumbach kam buchstäblich auf den letzten Drücker zustande, andernfalls hätte sie für 2007 keine Zulage mehr erhalten.

Auch einen Riester-Fondssparplan hatte die 39-jährige Softwareentwicklerin in die engere Wahl gezogen, sich aber letztlich wegen „meiner schlechten Erfahrungen mit Aktien und Fonds“ anders entschieden.

Das richtige Riester-Produkt zu finden, ist selbst für Gutinformierte schwierig. Für Vorsorgewillige, die sich nur flüchtig mit dem Thema beschäftigt haben, ist es fast schon ein Glücksspiel.

Versicherung für Vorsichtige

Die mit Abstand meisten Riester-Verträge sind Versicherungen. Viele Sparer schätzen die Tatsache, dass ihnen schon beim Abschluss eine bestimmte lebenslange Mindestrente garantiert wird, wenn sie ihre Einzahlungen kontinuierlich fortführen. Diese Garantie bieten bisher weder Riester-Banksparpläne noch -Fondssparpläne. Sie garantieren lediglich die Einzahlungen zu Beginn der Rentenphase.

Doch die Planungssicherheit hat ihren Preis. Die Versicherungsprodukte sind in den ersten Jahren durch verhältnismäßig hohe Abschluss- und Vertriebskosten belastet. Die Versicherungsanbieter verteilen sie meist auf die ersten fünf Jahre. Bei älteren Verträgen galt noch eine Zehnjahresfrist. Je länger ein Versicherungsvertrag läuft, desto günstiger ist das Verhältnis von Einzahlungen zu Kosten. Nur wer den Vertrag bis zum Ende durchhält, profitiert in vollem Umfang von seinen Vorzügen.

Für Patricia Oei war diese Perspektive nicht verlockend. Sie hat den Gedanken an eine Riester-Versicherung frühzeitig verworfen.

Damit blieb ihr ein Schlüsselerlebnis vieler Riester-Versicherter erspart: Beim Studium der ersten Abrechnungen überwiegt die Enttäuschung, denn von Wertzuwächsen kann in den Anfangsjahren keine Rede sein. Im Gegenteil: So mancher Vertrag wirkt angesichts der hohen Kostenabzüge wie ein Minusgeschäft.

Doch dieser Eindruck ist falsch. Erstens gibt es die garantierte Mindestverzinsung von zurzeit 2,25 Prozent pro Jahr auf den Sparanteil. Zweitens wird die Riester-Rente durch Zuschüsse und Steuervorteile vom Staat gefördert (siehe „Riester-Rente kurz erklärt“), sodass nach 20 oder 30 Jahren selbst bei mittelmäßigen Verträgen eine ansehnliche persönliche Rendite hängenbleibt. Herkömmliche Versicherungen ohne staatliche Vergünstigungen haben kaum eine Chance, mitzuhalten.

Zu einem guten Teil ist die Branche aber selbst an den Missverständnissen schuld. Denn viele Versicherungen informieren ihre Kunden unverständlich und lückenhaft über Erträge und Kosten der Verträge. Das zeigt unser Test der jährlichen Riester-Mitteilungen. Die Ergebnisse sprechen Bände (siehe Riester-Jahresmitteilungen).

Unabhängig davon ist es natürlich sehr wichtig, einen möglichst günstigen Anbieter zu finden. Je knapper er kalkuliert, desto höher ist später für den Versicherten die Rente. Finanztest prüft regelmäßig die Qualität von Riester-Versicherungen. Der letzte Test Riester-Rentenversicherungen ist in Heft 12/07 erschienen, der nächste wird im Herbst 2008 folgen.

Neben der Rentenversicherung klassischer Prägung gibt es auch die Variante mit Fonds. Hier fließen die Beiträge zwar ebenfalls in eine Versicherung, die aber einen Teil des Geldes in Fonds anlegt. Von Anbietern werden diese Versicherungen gern mit dem Hinweis auf die höheren Renditechancen verkauft. Für den Kunden sind sie aber kaum zu durchschauen. Finanztest rät allen, die mit Fonds riestern wollen, lieber einen reinrassigen Fondssparplan zu wählen.

Fondssparplan für Optimisten

Riester-Fondssparpläne eignen sich vor allem für junge Leute, die noch 30 oder gar 40 Jahre bis zur Rente haben. Die lange Laufzeit ist die ideale Basis für einen Vertrag, der auf schwankende Märkte setzt und gleichzeitig eine Kapitalgarantie zum Ende der Ansparphase geben muss.

Aktienfonds und Kapitalgarantie, das passt normalerweise nicht gut zusammen. Doch unter der Voraussetzung, dass junge Sparer zwischenzeitliche Verluste bequem aussitzen können, ist das Ganze wieder stimmig.

Die Fondsgesellschaften gehen unterschiedliche Wege, um das ihnen anvertraute Kapital vor Verlusten zu schützen. Eine Methode besteht darin, von vornherein nicht vollständig in Aktien zu investieren, sondern einen Teil der Beiträge sicher anzulegen. Das mindert natürlich die Renditechancen.

Den anderen Weg beschreitet zum Beispiel Union Investment mit ihrer UniProfirente, dem Riester-Fondssparplan mit den meisten Kunden. Das Geld fließt so lange wie möglich in den weltweit anlegenden Aktienfonds UniGlobal. Erst wenn die Rentenphase näherrückt, schichten die Fondsmanager in den schwankungsarmen Rentenfonds UniEuroRenta um.

Für junge Leute bis etwa 40 Jahre ist dieses Konzept empfehlenswert, für ältere Sparer dagegen problematisch. Wobei „älter“ ein dehnbarer Begriff ist. Nach der Börsenkrise im Januar wurde zur automatischen Kapitalsicherung selbst bei Verträgen mit etwa zehn Jahren Restlaufzeit die Reißleine gezogen und das Sparguthaben von Aktien- in Rentenfonds umgeschichtet (siehe Riester-Fondssparplan).

Über 50-Jährige sollten besser die Finger von der UniProfirente lassen, da sie bei jeder Börsenkrise mit einer Zwangsumschichtung ihrer Anteile rechnen müssen. Fondssparpläne, die von vornherein mit einem geringeren Aktienanteil arbeiten, sind für ältere Sparer günstiger.

Banksparplan für kühle Rechner

Für diese Zielgruppe bietet sich aber auch eine andere Riester-Variante an: der Banksparplan. Die monatlichen Einzahlungen samt staatlichen Zulagen fließen hier vollständig in einen Sparvertrag mit festgelegter Verzinsung. Der Zins ist nicht über die gesamte Laufzeit gleich, sondern variiert mit der allgemeinen Zinsentwicklung.

Riester-Banksparpläne haben meist sehr geringe Nebenkosten und bieten dem Sparer ein Höchstmaß an Verlässlichkeit. Diese Vorzüge fand auch Patricia Oei überzeugend. Dank staatlicher Zuschüsse und Steuervorteilen hat sie eine relativ hohe persönliche Rendite auf ihre Einzahlungen sicher.

Für sehr junge Leute sind Banksparpläne dennoch nur zweite Wahl, weil ihnen Fondssparpläne deutlich bessere Chancen eröffnen. Mit einer Ausnahme: Wer von Anfang an plant, seine Riester-Ersparnisse später für einen Hauskauf einzusetzen, ist mit dem Banksparplan am besten bedient. Die geringen Kosten und die kontinuierliche Wertentwicklung ermöglichen stets einen vorzeitigen Ausstieg ohne Reue.

Nur für eine Seite scheinen Riester-Banksparpläne nicht attraktiv zu sein: für die Anbieter. Deshalb finden Sparer in vielen Regionen Deutschlands keine einzige Bank, die dieses Produkt im Programm hat.

Den Betroffenen bleibt nur der etwas umständliche, aber dennoch empfehlenswerte Abschluss bei einer auswärtigen Bank. Die Antragsformulare können sie bei Anbietern im Internet herunterladen oder telefonisch bestellen. Die ausgefüllten Unterlagen müssen sie dann per Post-Ident-Verfahren an die Bank schicken. Dazu müssen sie mit den Papieren zu einer Postfiliale gehen und den Personalausweis vorlegen.

Durchhalten oder wechseln?

Nach jedem neuen Riester-Test fragen uns Sparer, die bereits einen Vertrag besitzen, ob sie auf ein anderes Produkt umsteigen sollen. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Ob der Wechsel sinnvoll ist, hängt vom Lebensalter, vom speziellen Vertrag und ganz entscheidend vom Riester-Produkt ab.

Fast immer problemlos ist der Ausstieg aus einem Banksparplan. Die meisten Banken verlangen dafür Gebühren zwischen 50 und 100 Euro.

Bei Fondssparplänen spielt natürlich immer auch die Situation an den Finanzmärkten mit hinein. Ein Ausstieg kurz nach einem Börsencrash ist sicher keine gute Idee. Vor Verlusten durch hohe Wechselgebühren müssen sich Anleger aber weniger fürchten. Die Ausgabeaufschläge, die sie für den Kauf ihrer Anteile bezahlt haben, sind allerdings weg.

Eine Versicherung zu kündigen, ist fast immer schmerzhaft. Das zeigt das Beispiel unseres Lesers Kim Kreim, der 2006 einen Vertrag für eine fondsgebundene Rentenversicherung beim Volkswohl Bund abgeschlossen und zum März 2008 gekündigt hatte. Als gerade 33-Jähriger verspricht er sich von einem Fondssparplan bessere Perspektiven. Zunächst einmal aber hat er kräftig draufgezahlt: Von den gut 3 000 Euro, die er in seinen Vertrag eingezahlt hat, blieben ihm nur rund 1 640 Euro übrig. Den Rest verschluckten die Kosten.

Seinen Vertrag durchhalten will der Berliner Robert Schröder, nachdem ihm zwischenzeitlich Zweifel an seiner Versicherung gekommen waren. Bereits seit dem Jahr 2002 spart er in die „Kaiser-Rente“ der Hamburg-Mannheimer. Sein Vertrag, den es in dieser Form nicht mehr gibt, sichert ihm einen Garantiezins von 3,25 Prozent, während der Garantiezins für einen neu abgeschlossenen Vertrag 1 Prozent darunter liegt. Schon aus diesem Grund wäre ein Wechsel zu einem anderen Versicherer kaum sinnvoll.

Riestern hat auch Schattenseiten

Wer Anspruch auf die Riester-Rente hat, tut fast immer gut daran, die Förderung des Staates mitzunehmen. Allerdings sollten sich Sparer klar machen, dass diese Alterssicherung auch Schattenseiten hat.

Da die Riester-Rente wie die gesetzliche Rente bis zum Lebensende gezahlt wird, unterstellt sie eine ziemlich hohe Lebenserwartung des Versicherten. Das hat Folgen für die Höhe der Rente. Die Riester-Rente ist aus diesem Grund auch wenig flexibel, maximal 30 Prozent des bis dahin angesparten Vermögens kann der Sparer zum Rentenbeginn bar entnehmen.

Ein Nachteil ist auch, dass Ansprüche aus der Riester-Rente nur eingeschränkt vererbt werden können. Bei Bank- und Fondssparplänen haben Erben immerhin Anspruch auf das Restguthaben – für Kinder allerdings unter Abzug der Förderung. Bei Versicherungen geht die Vereinbarung einer Rentengarantiezeit zulasten der Rentenhöhe. Wem das Vererben besonders wichtig ist, der sollte besser ohne staatliche Unterstützung sparen.

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