Riester-Rente Test

Mutter und Tochter. Evelyn Marwehe kann mit ihrem Minijob „riestern“. Für die 21-jährige Josefine erhält sie noch Kindergeld sowie 185 Euro Kinderzulage im Jahr.

Mit einem Riester-Vertrag können die meisten Frauen eine eigene Altersvorsorge aufbauen – ob verheiratet oder Single, berufstätig oder arbeitslos. Die Förderung gibt es auch in der Elternzeit und für Teilzeit- oder Minijobs.

Die Riester–Rente bietet, was private Vorsorgeverträge selten leisten: Sie ist flexibel und passt sich wechselnden beruflichen Situationen und Einkommensverhältnissen an. Sie ist damit auch für Frauen ideal. Doch ihre Vorzüge haben sich noch nicht herumgesprochen.

Nur knapp die Hälfte der Frauen weiß, dass auch Teilzeit- und Minijobberinnen Riester-Förderung erhalten und dass der Staat Zulagen für Kinder zahlt.

Nicht einmal 40 Prozent wissen, dass sie in Zeiten von Arbeitslosigkeit für einen geringen Eigenbeitrag die volle Riester-Zulage bekommen. Dies ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest und der Versicherungsgruppe DBV-Winterthur.

Wir zeigen an drei Biografien, wie sich die Riester-Vorsorge mit den Lebensläufen von Frauen vereinbaren lässt:

Angestellt, Elternzeit

Riester-Rente Test

Elternzeit. Sabine Kraus kümmert sich zurzeit um Vitas (drei Jahre) und Arvid (sechs Monate). Sie zahlt jährlich 60 Euro in ihren Riester-Fondssparplan ein und erhält 524 Euro Zulagen.

Die Augsburgerin Sabine Kraus, 40 Jahre, hat während ihrer Anstellung in einer Werbeagentur zwei staatlich geförderte Altersvorsorgeverträge abgeschlossen. Sie zahlte in die vom Betrieb angebotene Direktversicherung und in einen Riester-Fondssparplan ein.

Als Sabine Kraus in Mutterschutz und anschließend in Elternzeit ging, bekam sie für ihre Betriebsrente keine staatliche Förderung mehr. Sie konnte sie ruhen lassen oder aber privat weiterführen. Die Riester-Förderung läuft jedoch weiter.

Kraus erhält in der Elternzeit vom Staat weiterhin die Grundzulage von 154 Euro im Jahr und für jedes kindergeldberechtigte Kind eine Kinderzulage von 185 Euro. Sie selbst muss nur den Sockelbetrag von 60 Euro einzahlen. Da Sabine Kraus zwei Kinder hat, fließen im Jahr 2008 insgesamt 524 Euro aus Zulagen in ihren Riester-Vertrag.

Das Ende der Elternzeit ist allerdings schon in Sicht. Fast sah es so aus, als würde die junge Mutter in die Arbeitslosigkeit rutschen, denn die Agentur hat ihren Standort aufgegeben und Frau Kraus betriebsbedingt gekündigt. Auf die Riester-Förderung hätte die Arbeitslosigkeit keine Auswirkung. Kraus würde weiterhin den Mindestbeitrag einzahlen und die Zulagen erhalten.

In Zeiten von Arbeitslosigkeit fließen nur geringe Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Deshalb müssen Menschen, die eine Weile arbeitslos sind, mit niedrigeren Altersrenten rechnen. Mit der Riester-Förderung können sie ihre Rentenkürzung etwas ausgleichen.

Das Vermögen im Riester-Vertrag ist geschützt. Es wird auch dann nicht angerechnet, wenn die Sparerin einmal Hartz-IV-Leistungen beantragt.

Sabine Kraus hat sich jetzt für die Selbstständigkeit entschieden. Als Autorin ist sie in die Künstlersozialkasse (KSK) eingetreten. Über dieses Versorgungswerk ist sie weiter gesetzlich rentenversichert und förderberechtigt.

So flexibel wie die Riester-Rente ist die Betriebsrente nicht. Führt Kraus ihren alten Vertrag privat fort, entfallen die Vorteile bei Steuern und Sozialabgaben. Trotzdem muss sie für diese Rente später Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Da die Fortführung nicht sinnvoll ist, sucht Kraus eine Alternative.

Sobald ihr Einkommen es zulässt, will sie zunächst den maximal geförderten Betrag von 2 100 Euro ab dem Jahr 2008 in die Riester-Rente einzahlen. Das kann sich lohnen, wenn sie dafür auch die steuerliche Förderung bekommt.

Existenzgründerin, Minijobberin

Riester-Rente Test

Evelyn Marwehe, 46 Jahre alt, Hochschulabschluss und viele Jahre vollzeitbeschäftigt, wurde durch Stellenabbau arbeitslos. Ihre neue Chance fand sie in der Berliner Kunst- und Galerieszene. Nun baut sie sich als Projektmanagerin für zeitgenössische Kunst und kulturelle Einrichtungen eine Existenz auf.

Der Schritt in die Selbstständigkeit hat weitreichende Folgen für ihre Altersvorsorge. Frau Marwehe zahlt nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein und hat deshalb auch keinen Anspruch auf die Riester-Förderung.

Für Selbstständige kommt die Rürup-Rente in Betracht, bei der Altersvorsorgebeiträge steuerlich begünstigt werden. Doch Marwehes Einkommen lässt es nicht zu, Steuern zu sparen.

Um über die Runden zu kommen, hat sie einen Job auf 400-Euro-Basis angenommen. Über diesen Weg kann Marwehe sogar die Riester-Förderung in Anspruch nehmen.

Minijobberinnen zahlen normalerweise nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Doch sie können ihren Arbeitsvertrag in Absprache mit dem Arbeitgeber so gestalten, dass sie auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten. Bei der Minijob-Zentrale erhalten sie mehr Informationen über die Vertragsgestaltung (Telefon 0 180 1/20 05 04).

Da Evelyn Marwehe nichts zu verschenken hat, nutzt sie die Chance auf Riester-Förderung. Für ihre 21-jährige Tochter, die gerade ihr Studium beginnt, erhält sie noch Kindergeld. So lange hat sie auch Anspruch auf die Kinderzulage. Allein 339 Euro aus Grund- und Kinderzulagen fließen im Jahr 2008 in ihren Riester-Banksparplan.

Ihre Rentenlücke schließt Frau Marwehe damit aber noch nicht. Auf Empfehlung von Finanzfachfrauen hat sie deshalb eine private Rentenversicherung abgeschlossen. In beide Altersvorsorgeverträge kann sie auch als Existenzgründerin regelmäßig einzahlen.

Verheiratet, Partner Lehrer

Riester-Rente Test

Ehefrau ohne Einkommen. Für Susanne Hagenauer lohnt sich ein Zulagenvertrag, in den sie nichts selbst einzahlt. Für drei ihrer fünf Kinder gibt es noch Kindergeld und deshalb auch Zulagen. Mit der Grundzulage sind das 709 Euro im Jahr.

Susanne Hagenauer, 52 Jahre, aus dem nordhessischen Treysa, muss noch ihren Ehemann für die Riester-Rente begeistern. Dann kann sie als Ehepartnerin ohne eigenes Einkommen einen Zulagenvertrag abschließen, in den sie keinen Cent selbst einzahlen muss.

Die Kinder von Hagenauers sind schon aus dem Haus, doch drei sind noch in der Ausbildung. Für sie gibt es noch Kindergeld, so lange fließen auch die Zulagen. Eltern mit drei Kindern zahlt der Staat 709 Euro im Jahr 2008.

Ein Zulagenvertrag setzt voraus, dass von den steuerlich gemeinsam veranlagten Ehepartnern eine Person förderberechtigt ist und einen Riester-Vertrag auf den eigenen Namen abgeschlossen hat.

Susanne Hagenauer kann nur „riestern“, wenn ihr Ehemann einen Riester-Vertrag abschließt. Zahlt er 4 Prozent seines Bruttovorjahreseinkommens oder maximal 2 100 Euro im Jahr in den Vertrag ein, erhält auch seine Ehefrau die Grundzulage in voller Höhe und kann die Kinderzulagen für ihren Vertrag nutzen.

Geht eine verheiratete Frau mit Zulagenvertrag in Elternzeit, ändert sie ihre Lage vorübergehend. Sie hat in dieser Zeit eine eigene Riester-Förderberechtigung. Um die Grund- und Kinderzulagen zu erhalten, zahlt sie dann einen Sockelbetrag in Höhe von 60 Euro jährlich ein.

Stirbt ein Ehepartner in der Ansparphase, kann das Riester-Vermögen auf den Vertrag des anderen übertragen werden. Von der gesetzlichen Witwenrente wird die Riester-Rente später nicht abgezogen. Verheiratete Frauen, die von einer Absicherung über ihren Ehemann abhängig sind, bauen sich mit der Riester-Rente eine eigene lebenslange Zusatzrente auf.

Für das Ehepaar Hagenauer lohnen sich zwei Riester-Verträge. Auch Steuervorteilen bekommen sie, wenn sie ihren Beitrag in der Steuererklärung angeben.

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