Riester-Banksparpläne: Am Zinse hängt doch alles

Riester-Rente Test

Der 54-jährige Redakteur Reinhold Bussmann fand in Hamburg keinen passenden Riester-Vertrag. Am Ende hat er bei der Mainzer Volksbank abgeschlossen.

Riester-Banksparpläne sind verlässlich und flexibel. Sie eignen sich besonders auch für ältere Riester-Sparer. Doch viele Interessenten finden in ihrer Nähe gar kein Angebot und müssen in der Ferne abschließen.

Reinhold Bussmann ist als Redakteur ein Mann der Fakten. Vor dem Abschluss eines Riester-Vertrags zog der Hamburger durch einige Bankfilialen, um Informationen für eine fundierte Entscheidung zu sammeln.

Doch seine Gespräche in den Banken verliefen enttäuschend. Die Auskünfte der Berater stellten ihn nicht zufrieden. Die Suche nach einem geeigneten Vertrag blieb ergebnislos.

Erstes Problem: Reinhold Bussmann ­ge­hört zu den über 50-Jährigen, die für die Anbieter von Riester-Verträgen nicht gerade Wunschkandidaten sind. Manche ­nehmen Sparer nicht weit vom Renteneintritt gar nicht erst an. Die Kreissparkasse Kaiserslautern zum Beispiel bietet nur Riester-Kunden, die jünger als 54 Jahre sind, einen Vertrag.

Zweites Problem: Den für Reinhold Bussmann am besten geeigneten Riester-Vertrag in Form eines Banksparplans ­haben die meisten Institute nicht im Programm. Manche Berater wissen nicht einmal, dass es dieses Riester-Produkt gibt.

Die großen Privatbanken hatten von Beginn an kein Interesse an diesem Produkt und auch die wenigen kleineren Privatbanken haben sich mittlerweile aus dem ­Geschäft zurückgezogen. Die Angebote in unserem Test stammen ausnahmslos von Sparkassen oder Genossenschaftsbanken.

In vielen Städten oder ganzen Bundesländern finden Sparer aber keinen einzigen Anbieter von Riester-Banksparplänen. So bleibt etwa Berlinern und Brandenburgern nichts anderes übrig, als sich an eine ortsfremde Bank zu wenden. Immerhin gibt es genügend Institute, die auch Kunden außerhalb ihres Einzugsgebiets akzeptieren.

Der Hamburger Reinhold Bussmann hat schließlich bei der Mainzer Volksbank abgeschlossen. Das geht recht einfach mit einem Identifizierungsverfahren per Post.

Das verlässlichste Riester-Produkt

Riester-Rente Test

Detlef Ballüer kam der drastisch ­gesenkte Basiszins seines Sparplans spanisch vor. Wie sich inzwischen herausstellte, war die Skepsis des 40-jährigen Telekommunikations­technikers berechtigt.

Riester-Sparer mit Banksparplänen haben nicht nur die Garantie, dass ihre Beiträge und Zulagen erhalten bleiben. Ihnen ist auch ein Wertzuwachs sicher. Dessen ­Höhe hängt vom Vertrag, von der Höhe der Sparraten, von der Spardauer und von der Zinsentwicklung ab.

Das extrem niedrige Zinsniveau schlägt sich auch im aktuellen Zins der Riester-Banksparpläne nieder. Von den attraktiven Verzinsungen vergangener Jahre sind sie weit entfernt.

Doch auch jährliche Renditen von knapp 4,5 Prozent, wie man sie auf Basis des aktuellen Zinsniveaus nach 35 Jahren bei den Angeboten der Sparkassen Gelsenkirchen und Günzburg-Krumbach erwarten kann, sind nicht zu verachten.

Diese und auch die meisten anderen Sparkassen arbeiten bei ihren Sparplänen üblicherweise mit Zinstreppen und Bonussystemen, die denjenigen Sparer belohnen, der möglichst lange dabeibleibt.

Viele Volksbanken gehen anders vor. Sie koppeln ihre Verzinsung vollständig und ausschließlich an die Umlaufrendite. Sie bildet das Zinsniveau öffentlicher Anleihen ab und wird börsentäglich ermittelt.

Da die Banken etwas verdienen wollen, geben sie die Umlaufrendite mit einem Abschlag an den Kunden weiter. Je größer der Abschlag, desto geringer die Rendite.

Mit einem geringen Abschlag von 0,5 Prozent macht die Mainzer Volksbank bundesweit ein gutes Angebot. Der aktuelle Zins ist mit 2,55 Prozent niedrig, aber das liegt daran, dass die Umlaufrendite am 15. August, dem Stichtag der letzten Zinsanpassung, mit 3,05 Prozent nahe ihrer historischen Tiefstände dümpelte.

Zum nächsten Anpassungstermin am 15. November könnten die Zinsen dieser Riester-Verträge schon wieder leicht anziehen, denn die Umlaufrendite stand Ende Oktober bei 3,25 Prozent.

Reinhold Bussmann und andere Sparer, die sich für das Modell Umlaufrendite entschieden haben, wären dabei.

Probleme mit der Richtschnur

Riester-Rente Test

Die Banken müssen den Sparzins ändern, wenn sich ihr Richtzins ändert. ­Sparpläne von Genossenschaftsbanken, die sich an der Umlaufrendite ­orientieren, reagieren schnell auf Zinserhöhungen und -senkungen.
Viele Sparkassen nutzen einen trägeren Richtzins: Am häufigsten ist eine ­Mischung, die zu 70 Prozent aus dem langfristigen Durchschnitt der Renditen zehnjähriger Anleihen und zu 30 Prozent aus dem durchschnittlichen Dreimonatszins besteht. Sie reagiert träge auf Veränderungen des Marktzinses.

Die Banken müssen den Sparzins ändern, wenn sich ihr Richtzins ändert. ­Sparpläne von Genossenschaftsbanken, die sich an der Umlaufrendite ­orientieren, reagieren schnell auf Zinserhöhungen und -senkungen.
Viele Sparkassen nutzen einen trägeren Richtzins: Am häufigsten ist eine ­Mischung, die zu 70 Prozent aus dem langfristigen Durchschnitt der Renditen zehnjähriger Anleihen und zu 30 Prozent aus dem durchschnittlichen Dreimonatszins besteht. Sie reagiert träge auf Veränderungen des Marktzinses.

Das ist bei den Sparplänen der meisten Sparkassen anders. Zwar müssen neuerdings auch sie mit einer für den Sparer nachvollziehbaren Richtschnur (Benchmark) arbeiten. Das verlangt ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Doch einige Anbieter haben das schon fast zwei Jahre alte Urteil immer noch nicht umgesetzt.

Und selbst bei den Banksparplänen, die sich an einem Richtzins orientieren, dürfen Sparer im Falle nach oben schnellender Zinsen nicht mit einer deutlichen Anpassung rechnen. Der bei den meisten Sparkassen übliche Richtzins reagiert sehr träge auf Zinsänderungen (siehe Grafik). Er sinkt dann allerdings auch nicht so schnell, wenn die Zinsen einbrechen.

Leider wird er im Gegensatz zu der ­Umlaufrendite nicht in Tageszeitungen veröffentlicht. So hatte auch Detlef Ballüer keine griffigen Daten, die er der Kreissparkasse Kaiserslautern vorhalten konnte.

Der 40-jährige Telekommunikationstechniker hatte bei diesem Institut im Jahr 2002 einen Riester-Sparplan mit einem Basiszins von 4,25 Prozent abgeschlossen. Der Zins war zwischenzeitlich auf 3,25 Prozent gesunken. Nun kündigte die Bank an, dass sie ihn zum 15. Oktober 2005 auf 2,53 Prozent herabsetzen werde, weil der Richtzins gefallen sei.

Detlef Ballüer kam der neue Zins zu niedrig vor und seine Skepsis war berechtigt. Wie uns die Kreissparkasse Kaiserslautern inzwischen mitteilte, hat sie sich bei der Anpassung ihres Sparplans an den Richtzins schlicht verrechnet: „Bei einer routinemäßigen Überprüfung ist uns aufgefallen, dass uns leider bei der Umsetzung ein Programmierfehler unterlaufen ist.“ Der neue Basiszins liegt bei 3 Prozent.

Verlockend hohe Basiszinsen

Die Kaiserslauterer sind dank frühzeitig einsetzender Zins- und Bonusstaffel die Bank mit der attraktivsten Renditeerwartung. Leider können ortsfremde Kunden neuerdings nicht mehr bei ihr abschließen.

Bei Anbietern, die einen ungewöhnlich hohen Basiszins bieten, sollten Kunden ­genau hinschauen. Die Stadtsparkasse ­Hameln und die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch locken mit stolzen 4 Prozent.

Das Institut aus der Stadt des Rattenfängers hatte zum Stichtag noch keinen Richtzins eingeführt, steht aber nach eigenen Angaben kurz davor. Wer dort abschließt, weiß bisher nicht, wie die künftige Kalkulation aussieht.

Etwas klarer ist die Sache bei der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch. Sie hat einen Referenzzins eingeführt und festgelegt, wie viel sie davon abziehen will. Zurzeit verzichtet sie auf ihre Marge und zahlt bis auf weiteres einen Sonderzins von 4 Prozent.

Sobald die Marktzinsen steigen, dürfte sich der Vorsprung gegenüber anderen Banken verringern. Das Angebot bleibt gleichwohl für längere Zeit attraktiv.

Es spricht nichts dagegen, auf Angebote mit hohem Basiszins aufzuspringen. Sparer sollten aber auf jeden Fall die Kosten für den späteren Wechsel zu einem anderen Anbieter prüfen.

Dieser Umstieg ist bei Banksparplänen keine große Sache. Anders als bei Versicherungen oder Fondssparplänen muss der Sparer weder hohe Anlaufkosten abschreiben noch auf Kursschwankungen achten.

Allerdings können die Anbieter die Wechselkosten nachträglich verändern. Wer also nach Jahren mit einem Wechsel liebäugelt, sollte sich vergewissern, dass die Bedingungen noch dieselben sind wie bei Abschluss seines Vertrags.

Dieser Artikel ist hilfreich. 6473 Nutzer finden das hilfreich.