Riester-Fondssparpläne: Mit Aktien weit vorn

Riester-Rente Test

Die besten Riester-Fondssparpläne brachten in den vergangenen drei ­Jahren mehr als 10 Prozent Rendite pro Jahr. Ihr Risiko ist überschaubar.

Wie aussichtsreich das Riester-Sparen mit Aktienfonds ist, zeigt unsere Zwischenbilanz. Wir haben die Rendite der seit 2002 angebotenen Riester-Fondssparpläne analysiert. Das zuletzt sehr ­günstige Börsenklima hat ihnen teilweise ansehnliche Zuwächse beschert.

Die besten Sparpläne bringen es im Durchschnitt sogar auf zweistellige Jahresrenditen. Mit Rentenversicherungen oder Banksparplänen ist zurzeit nicht einmal die Hälfte realistisch.

Die staatlichen Vergünstigungen sind darin noch nicht berücksichtigt. Für den Sparer ergibt sich eine höhere Rendite. ­Unsere Untersuchung zeigt aber auch, dass es nicht egal ist, für welchen Anbieter man sich entscheidet. Nur bei den Fonds von Union, DWS und Hansainvest konnten sich Riester-Sparer bisher an einer guten Wertentwicklung erfreuen.

Umso bedauerlicher, dass das ohnehin spärliche Angebot an Riester-Fonds noch dünner geworden ist. Nach der Fondsgesellschaft Activest wird ab Januar auch die Adig keine neuen Verträge mehr annehmen.

Fast alles spricht für Riester-Fonds

Vor allem jungen Leuten bieten Riester-Fondssparpläne gute Chancen auf eine stattliche Zusatzrente. Das Börsenrisiko wird durch staatliche Zuschüsse und die Kapitalgarantie abgefedert.

Schon ohne Förderung sind Fondssparpläne eine empfehlenswerte Ergänzung der Altersvorsorge. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit bietet jahrzehntelanges Sparen in einen guten Aktienfonds hohe Renditechancen. Durch den Kauf der Fondsanteile in Raten lässt sich das Auf und Ab der Börsen zumindest teilweise korrigieren.

Dennoch bleibt bei allen Fondsanlagen normalerweise das Risiko, bei extremem Pech Geld zu verlieren. Das gilt nicht für Fondssparpläne im Rahmen der Riester-Förderung. Wie alle Riester-Sparer genießen auch die Fondsanleger eine vollständige Kapitalgarantie zum Ende der Laufzeit. Das eingezahlte Geld steht auf jeden Fall voll zur Verfügung.

Der reine Kapitalerhalt ohne Zinsen ­wäre nach jahrzehntelangem Sparen allerdings bitter genug. Die Riester-Förderung macht auch diese Sorge gegenstandslos. Selbst im ungünstigsten Fall ist der Sparer am Ende der Ansparphase im Plus, da er ja nur einen Teil der Beiträge selbst gezahlt hat. Die staatlichen Zuschüsse und Steuerersparnisse garantieren ihm auf die ­Eigenbeträge selbst dann einen Wertzuwachs, wenn der Fonds in die Binsen ­gehen sollte.

Nichts für Häuslebauer

Trotz aller Sicherheitspolster sind Fondssparpläne nicht für jeden das Richtige. Wem Berechenbarkeit über alles geht, der entscheidet sich besser für einen Riester- Banksparplan. Was ein Fondssparplan nach vielen Jahren erwirtschaftet, kann nämlich niemand vorhersagen.

Fondssparpläne sind daher ungeeignet für Häuslebauer in spe, die ihren Vertrag später für den Immobilienerwerb beleihen wollen. Das Riester-Gesetz lässt zwar auch für Fondssparpläne diese Möglichkeit zu, aber wir raten wegen der unberechenbaren Börsen davon ab, sie zu nutzen.

Im schlimmsten Fall wären bei vorzeitiger Kapitalentnahme sogar Verluste möglich. Denn die Garantie beschränkt sich aufs Ende der Ansparzeit.

Mit gebremstem Schaum

Möglicherweise ist es der garantierte Kapitalerhalt, der viele Anbieter zu einer übertriebenen Vorsicht treibt. So fließen die Sparbeiträge nur bei Union und einer Produktvariante der DWS bis zu 100 Prozent in Aktienfonds. Die anderen legen von vornherein mit gebremstem Schaum an.

Auf den ersten Blick wirkt das nicht ­unvernünftig. Doch die meisten Sparmodelle sind zu starr, um für den Kunden die optimale Rendite herausholen zu können.

Deka, dit und Hansainvest staffeln die Aktienquote grundsätzlich nach der Restlaufzeit des Vertrags. Je näher der Sparer an den Rentenbeginn heranrückt, desto niedriger ist seine Aktienquote.

So haben Sparer bei Hansainvest nur noch 20 Prozent Aktien im Depot, wenn sie weniger als zwölf Jahre vom Ende der Laufzeit entfernt sind. Weniger als sechs Jahre vor Rentenbeginn sind es dann gar keine mehr. Das ist viel zu vorsichtig, wie der Blick auf die bisherige Entwicklung des HansaGeneration-Plans zeigt. Mit dem Aktiendachfonds HansaDynamic hat die Gesellschaft für ihre jungen Sparer bisher eine gute Rendite erzielt. Den 45- bis 50-Jährigen, die stattdessen von Anfang an den defensiven gemischten Dachfonds HansaCentro im Depot hatten, entgingen fast 3,5 Prozent pro Jahr.

Der FörderFonds-Sparplan der BHW hat zumindest dieses Problem nicht, da er nicht nach Altersgruppen differenziert und grundsätzlich alle Einzahlungen in den ­defensiven Mischfonds BHW Triselect steckt.

Dieser Fonds ist nicht einmal zu einem Drittel in Aktien investiert. Bei halbwegs guter Börsenentwicklung ist mit dieser Quote kein Blumentopf zu gewinnen. Die magere Rendite, die der BHW-Sparplan bisher erzielt hat, spricht eine deutliche Sprache.

Sinnvoll ist es, bei Fondssparplänen stets mit einer möglichst hohen Aktienquote zu beginnen und diese nur in der letzten ­Phase vor Rentenbeginn zu senken. Die frühzeitige Beimischung sicherer Anlagen mindert die Chancen des Sparplans über Gebühr. Wer nichts mit Aktien zu tun ­haben will, sollte lieber gleich einen Riester-Vertrag nehmen, der ganz auf diese ­Anlageform verzichtet.

Besser den Fonds wechseln

Aus dem Riester-Geschäft ausgestiegen sind Activest und Adig, weil beide Gesellschaften von der geringen Zahl der ­Abschlüsse enttäuscht waren. Sie wollen aber die bestehenden Verträge weiterführen, auch wenn sie keine Neukunden mehr annehmen. Ob das für die Kunden sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wir raten betroffenen Sparern, in den Riester-Fonds eines anderen Anbieters umzusteigen. Bei Activest ist das ohne Kosten möglich, Adig verlangt dafür 50 Euro. Allerdings sollte man seinen alten Vertrag nur dann auflösen, wenn er sich im Plus befindet.

Dieser Artikel ist hilfreich. 6472 Nutzer finden das hilfreich.