Riester-Rentenversicherungen: Teurer Liebling der Sparer

Riester-Rente Test

Claudia Taschner nutzt die Zulagen für sich und ihre Kinder Laura und Nico in ihrer ­Riester-Rentenversicherung. Durch einen 400-Euro-Job ist sie selbst förderberechtigt.

Nur mit einer Rentenversicherung wissen Kunden meist ­schon heute, wie viel Riester-Rente sie einmal mindestens bekommen. Besonders hoch ist diese Garantie aber nicht.

Für eine Rentenversicherung haben sich bisher die meisten Riester-Kunden entschieden – für die klassische Form, bei der viel fest verzinst und wenig in Aktien angelegt wird. Das Angebot der Versicherer ist besonders groß und vielleicht wünschen sich die Sparer auch eine möglichst konkrete Aussage zur späteren Auszahlung.

Anders als Fondsgesellschaften und Banken geben die Versicherer eine garantierte Rente an. Diese ist den Kunden sicher, wenn sie wie vereinbart sparen. Nur wenige Versicherer rechnen die Mindestrente erst später aus (siehe „Angebote ohne garantierte Rente“).

Die Sicherung eines lebenslangen Einkommens, mit der sich Rentenversicherungen sonst von anderen Geldanlagen ­abheben, ist bei Riester-Rentenversicherungen aber nichts Herausragendes. Das bieten auch Riester-Bank- und Riester-Fondssparpläne. Sie sind nur anfangs noch nicht bis zum Lebensende durchkalkuliert.

Hoch ist die garantierte Leistung der Versicherer aber nicht gerade. Und auch die Renditeerwartungen für die Rente, die aufgrund von Überschüssen herauskommen könnte, sind mit derzeit 4 Prozent auf den Beitrag im Schnitt nur mäßig.

Die Kosten sind bei Rentenversicherungen hoch und schwer zu durchschauen. Ziehen die Anbieter Abschluss- und Vertriebskosten im Laufe der ersten zehn oder gar fünf Jahre ab, schmerzen sie besonders beim raschen Wechsel des Anbieters.

Manche Versicherer kassieren zusätzlich mehr, je mehr angespart ist. In der Tabelle „Günstige Riester-Rentenversicherungen“ finden sich solche Abzüge in den Spalten „Kosten auf die Summe der gezahlten Zulagen und Beiträge“ und „Kosten auf das angesparte Kapital“.

Kostengünstige Angebote

Insgesamt heben sich die Angebote in ­unserer Tabelle aber alle durch vergleichsweise hohe garantierte Renten hervor. Der Kunde profitiert davon, dass vom Beitrag weniger für Kosten abgezogen wird als ­anderswo. Wir haben diese sechs Angebote aus 52 Angeboten herausgefiltert.

Diese sechs Angebote sind günstig, die Tabelle zeigt aber auch, wie unterschiedlich Versicherer bei ihren Kunden abkassieren und wie verschieden hoch einzelne Kosten angesetzt werden. So sind die laufenden Kosten auf den Beitrag mit 6,30 Prozent bei CosmosDirekt mehr als doppelt so hoch wie bei der Huk-Coburg mit 3 Prozent. Dafür kassiert die Huk 1 Prozent der garantierten Rente, die Cosmos nichts dergleichen. Die DBV-Winterthur zieht zwar 10 Prozent von Beitrag und Zulagen für laufende Kosten ab. Dafür sind die 0,12 Prozent Kosten auf das angesparte Kapital moderat und einen Abzug in Prozent der garantierten Rente gibt es nicht.

Anbieterwechsel

Bei Riester-Rentenversicherungen muss wie bei allen Riester-Varianten ein Anbieterwechsel möglich sein. So kann jeder Kunde sein angespartes Kapital jederzeit zu einem anderen Anbieter mitnehmen. Bei den meisten Versicherern kostet das zwischen 100 und 150 Euro.

Mancher will nach kurzer Zeit wechseln. Schlug in den ersten Jahren ein hoher Kostenblock zu Buche, wäre sein Altersvorsorgekonto dann so gut wie leer. Wurden die Abschluss- und Vertriebskosten beim alten Anbieter über die gesamte Ansparzeit hinweg stückchenweise abgezogen, nimmt er mehr Geld mit. Dies ist bei den vier in der Tabelle obenstehenden Anbietern der Fall.

Bei den Riester-Angeboten von Debeka und Huk-Coburg werden die Vertriebs- und Abschlusskosten dem Kunden dagegen innerhalb von zehn Jahren abgezogen. Das entspricht den bis Ende 2004 geltenden gesetzlichen Vorgaben, ist aber schlechter für Wechsler und Aussteiger. Doch beide Anbieter arbeiten insgesamt kostengünstig. Deshalb führen wir sie auf.

Nicht in der Übersicht berücksichtigt haben wir Versicherer, die ihre Abschluss- und Vertriebskosten auf weniger als zehn Jahre verteilen. Bei Neuverträgen ab 2005 ist eine Verteilung auf fünf Jahre möglich, rückwirkend aber nicht. Bisher versuchen nur wenige, schnell so auf ihre Kosten zu kommen. Von 52 Angeboten waren es 12.

Unisex-Tarife ab 2006

Wie bei allen Lebensversicherungsprodukten ist auch bei Riester-Rentenversicherungen schon in der Sparphase eine bestimmte Lebenserwartung des Kunden eingerechnet. Je höher die Lebenserwartung, desto niedriger ist die Rente.

Die Rente ist für Männer bisher höher als für Frauen, weil Frauen statistisch ­betrachtet länger leben. Ab 2006 verlangt der Gesetzgeber „Unisex-Tarife“ in privaten Riester-Verträgen. Männer zahlen dann mehr für die gleiche garantierte Rente, Frauen vielleicht weniger. Die Anbieter müssen mitmachen, obwohl sie dagegen sind. Bestehende Verträge betrifft die neue Regel nicht.

Männer, die vor dem Jahr 2006 abschließen, behalten ihren Vertrag auf Basis alter Konditionen, Frauen auch. Dennoch ist es für Frauen nicht sinnvoll, mit dem ­Vertragsschluss zu warten. Möglicherweise haben sie keinen Vorteil, weil ab 2006 einfach alle Kunden den Frauentarif bekommen. Sie verlieren zudem ein Jahr Förderung und schieben den Einstieg in die zusätzliche Altersvorsorge weiter auf.

„Jeder Versicherer kalkuliert seine Unisex-Tarife selbst. Wie viel Lebenserwartung von Männern, wie viel von Frauen einfließt, hängt vom Anbieter ab“, sagt ein Sprecher der Deutschen Aktuarvereinigung, in der sich die „Rechner“ der Branche treffen. Keiner könne einschätzen, wie hoch künftig der Anteil an Männern und Frauen unter seinen Riester-Kunden sei.

Die Unisex-Tarife werden eingeführt, weil die Riester-Rente Kürzungen in der gesetzlichen Rente ausgleichen soll. Dort wird für männliche und weibliche Versicherte gleich gerechnet. Frauen haben es durch die bisherigen „Frauen-Tarife“ bei „Riester“ schwerer als Männer, die Kürzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung durch die geförderte Rente auszugleichen. Dabei sind ihre Lücken in der Altersversorgung oft ohnehin schon groß.

Bei Bank- und Fondssparplänen wird die Lebenserwartung der Kunden erst eingerechnet, wenn das Kapital in eine lebenslange Rente umgewandelt wird.

Vertrag gestalten

Eine Versorgung der Hinterbliebenen ist mit einer Riester-Rentenversicherung in begrenztem Maße möglich. Der Sparer kann vereinbaren, dass im Falle seines ­Todes während der Ansparphase das angesparte Kapital zurückgezahlt wird. Das ist sinnvoll, denn dann bekommen die Erben dieses Geld abzüglich der Kosten. Allerdings müssen sie die staatliche Förderung dann zurückzahlen.

Nur Witwe oder Witwer können das Kapital auf ihren Riester-Vertrag übertragen. Dann bleibt die Förderung unangetastet.

Nicht zu empfehlen sind Renditekiller wie Zusatzleistungen für den Fall von Berufs- und Erwerbsunfähigkeit.

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