Riester-Rente Meldung

Volle Fahrt voraus auf die ­Ver­sorgungslücke? Ein Kassensturz klärt, ob auch Ältere noch die Riester-Rente brauchen.

Noch sind die meisten ohne Riester-Rente. Denn viele haben noch Fragen. Finanztest beantwortet sie.

Endlich Rente, endlich Mallorca für immer. Pustekuchen. Wer seine Riester-Rente im Ausland ausgeben will, muss Einschränkungen in Kauf nehmen. Menschen, die den Ruhestand schon in Sichtweite haben, sollten sich den Abschluss von Riester-Verträgen überhaupt gut überlegen. Auch wenn der Versicherungsvertreter drängt und schmeichelt: Nicht für alle reiferen Jahrgänge lohnt es sich noch zu riestern. ­Finanztest beantwortet in diesem Heft die Fragen von Menschen in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens.

Lohnt sich eine Riester-Rente für mich als 60-Jährigen?

Sie kann sich lohnen, muss aber nicht. In Ihrem Alter wird es eine Herausforderung sein, eine Bank oder eine Gesellschaft zu finden, die Ihnen einen Vertrag anbietet. Wollen Sie die Riester-Zulagen mitnehmen, dann wählen Sie einen zertifizierten Banksparplan, am besten mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Zulagen erhalten Sie nämlich nur noch bis zum 65. Lebensjahr. Erwarten Sie keine allzu hohe monatliche Zusatzrente. Die kurze Ansparzeit und die Förderdauer lassen das nicht mehr zu. Informieren Sie sich auch beim Arbeitgeber, ob Sie bei der betrieblichen Altersvorsorge eventuell etwas mehr für sich herausholen können.

Wie berechne ich eigentlich meine Versorgungslücke?

Bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin oder Ihrer zuständigen Landesversicherungsanstalt erhalten Sie Auskunft darüber, wie hoch Ihre gesetzliche Rente voraussichtlich sein wird. Die Rentenversicherer gehen immer von Ihrem gegenwärtigen Einkommen aus. Weiter sollten Sie klären, ob Sie Ansprüche auf Betriebsrenten erworben haben. Kalkulieren Sie auch Lebensversicherungen, Erspartes und Immobilienvermögen sowie – vorsichtig – Erbschaften mit ein. Bedenken Sie, dass das Geld jedes Jahr etwas an Wert verliert. Gehen Sie also von einem besten Fall und schlimmsten Fall aus. Glauben Sie keinem Vermittler, der behauptet, Ihre Versorgungslücke auf den Cent genau ausrechnen zu können.

Was geschieht mit dem reinen Zulagenvertrag meiner Frau, wenn ich in Rente gehe?

Ihre Frau verliert den Anspruch auf Zulagen, da Sie kein rentenver­sicherungspflichtiges Einkommen mehr haben. Sie kann den Vertrag dann bis zum Erreichen des Rentenalters ruhen lassen oder freiwillige Beiträge leisten.

Wir sind beide 55 Jahre alt und haben ein Haus im Elsass gekauft. Wir arbeiten in Deutschland. Sollten wir aufs Riestern verzichten?

Verzichten Sie besser. Das Gesetz schränkt derzeit Auszahlungen der Riester-Rente ins Ausland ein. Ihre Riester-Renten kämen ohne den Anteil staatlicher Förderungen auf Ihren Konten an. Oder Sie müssten Ihren Wohnsitz wieder nach Deutschland verlegen. Laut Auskunft der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte sei die Situation aber so „nicht tragbar“. Schon allein wegen der Benachteiligung ausländischer Arbeitnehmer. Ob sich die Gesetzeslage aber in den nächsten fünf bis zehn Jahren ändert, steht in den Sternen.

Ich bin 54 Jahre alt und möchte mit 55 in Altersteilzeit gehen. Wie wirkt sich das auf die Riester-Rente aus?

Wenn Sie während der Ansparphase in Altersteilzeit wechseln, sinken Ihre Eigenbeiträge und damit auch die spätere Rente. Im ersten Jahr zahlen Sie Beiträge auf der Grundlage Ihres im Vorjahr erzielten Bruttoentgelts. Danach errechnen Sie Ihre Beiträge für den Erhalt der vollen Zulage nur aus dem verminderten Bruttoentgelt, das steuer- und sozialversicherungspflichtig ist. Bekommen Sie einen versicherungsfreien Aufstockungsbetrag, zählt der bei der Berechnung nicht mit.

Ich bin Ende 50 und habe vor, bis zum Alter von 67 oder 70 Jahren zu arbeiten. Ist die Riester-Rente dafür flexibel genug?

Ja. Sie können den Vertrag mit längerer Laufzeit abschließen und mit Ihrem Anbieter individuell einen Rentenbeginn nach Ihren Wünschen vereinbaren. Bedenken Sie aber, dass Sie ab 65 den Anspruch auf Zulagen verlieren. Sie müssten dann mehr eigenes Geld einzahlen, um die erwartete Rentenhöhe zu erreichen. Sie können Ihre Beiträge senken. Das mindert dann aber Ihre Rente. Ob die Regierung das Renteneintrittsalter generell auf 67 Jahre anhebt, ist noch lange nicht entschieden.

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