Noch sind die meisten ohne Riester-Rente. Denn viele haben noch Fragen. Finanztest beantwortet sie.

Es klingt einfach: Der Riester-Sparer zahlt Geld in einen Banksparplan, einen Fondssparplan oder eine Rentenversicherung, kassiert Zulagen vom Staat und spart sich so eine Zusatzrente an. Aber kaum geht es an den Vertragsabschluss, tauchen die Detailfragen auf, die eine Entscheidung für oder gegen die Riester-Rente so verzwickt erscheinen lassen können.

Schickt mir die Versicherung den Gerichtsvollzieher, wenn ich arbeitslos werde und meine Beiträge nicht mehr zahlen kann? Wer bekommt die Kinderzulage? Mutter, Vater oder beide? ­Finanztest hat die Fragen der Leser gesammelt. In diesem Heft geht es um die Probleme von Ehepaaren, Familien und Alleinerziehenden.

Müssen beide Ehepartner einen Riester-Vertrag abschließen, wenn beide arbeiten gehen und verdienen?

Die Riester-Rente ist keine Pflichtveranstaltung. Es ist deshalb möglich, dass nur einer von beiden Ehepartnern einen Riester-Vertrag abschließt. Dann bekommt aber auch nur derjenige die Grundzulage. Wenn Sie Kinder haben, können auch die Kinderzulagen in diesen Vertrag fließen. Aber derjenige ohne einen Vertrag verschenkt auf jeden Fall die Grundzulage und mögliche Steuervorteile. Um 2003 die volle Förderung auszuschöpfen, müssen beide 1 Prozent ihres 2002 verdienten Bruttogehalts einsetzen. Dieser Betrag setzt sich aus dem Eigenbeitrag und den Zulagen zusammen.

Bekommt der arbeitende Partner die Zulagen für den nicht arbeitenden Partner und die Kinder doppelt angerechnet?

Nein, die Zulagen werden nicht doppelt angerechnet und doppelt vergeben. Sie werden jeweils einmal gezahlt. Die Zulage des arbeitenden Partners, zum Beispiel des Mannes, kommt seinem eigenen Vertrag zugute. Die nicht berufstätige Frau erhält eine Zulage für ihren Vertrag. Die Zulagen für die Kinder erhält die Frau. Oder die Ehepartner können sie auf Antrag unter sich aufteilen. Sie werden aber nicht noch einmal in den Vertrag des Mannes eingezahlt. Ihr Betrag verringert nur seine Eigenleistung. Richtig ist, dass der Mann alle Zulagen, die der Staat für die Familie zahlt, bis zu den Höchstgrenzen als Sonderausgaben geltend machen kann. So spart die Familie vielleicht Steuern.

Kann ich die volle Kinderzulage auch bekommen, wenn ich für ein Kind nur für einen Teil des Jahres Kindergeld bekommen habe?

Ja, es reicht, wenn Sie für einen Monat in dem Jahr Kindergeld bekommen haben, für das Sie die Zulage beantragen.

Mein Mann und ich möchten gerne die Riester-Förderung. Was aber geschieht, wenn einer oder beide arbeitslos werden?

Nichts. Solange Sie vom Arbeitsamt Lohnersatzleistungen beziehen, haben Sie Anspruch auf die Förderung. Haben Sie beide danach keine neue Arbeit, können Sie die Verträge ruhen lassen. Wenn es sein muss, bis zum Rentenbeginn. Ruht ein Vertrag das ganze Jahr, gibt es dafür keine Förderung. Wenn Sie aber auf das Geld zugreifen wollen – zum Beispiel weil die Zwangsversteigerung Ihres Eigenheims droht oder eine teure, medizinische Therapie –, müssen Sie die staatliche Förderung sofort zurückzahlen. Sie bekommen nur Ihren Eigenanteil plus Zinsen zurück.

Meine Frau ist im Erziehungsurlaub. Darf sie trotzdem in einen Riester-Vertrag mehr einzahlen als die reinen Zulagen?

Sie muss sogar mehr einzahlen. Väter und Mütter in Erziehungszeiten sind selbst förderungswürdig und müssen einen Sockelbeitrag entrichten. Mit einem Kind sind das 38 Euro, ab dem zweiten Kind 30 Euro im Jahr. Freiwillig kann sie aber noch mehr bezahlen.

Wir haben beide einen Riester-Vertrag. Der meiner Frau ist ein Zulagenvertrag. Jetzt kommt ein Baby. Müssen wir etwas beachten?

Ja. Ihre Frau ist dann für drei Jahre in der Erziehungszeit. Das heißt, dass der Staat für sie Rentenversicherungsbeiträge entrichtet. Damit verliert sie für diese Zeit das Recht auf den reinen Zulagenvertrag. Um die Zulagen auch für das Kind in voller Höhe zu kassieren, muss sie dann 38 Euro im Jahr zuzahlen. Sie als Vater müssen beachten, dass Sie die Zulage Ihrer Frau dann nicht mehr zur Berechnung Ihrer Eigenleistung heranziehen können. Sie müssen 2003 also 38 Euro mehr einzahlen.

Wir haben mehrere Kinder. Ist es möglich, die Kinder­zu­lagen unter den Partnern aufzuteilen?

Ja. Eltern mit mehreren Kindern können die Kinderzulagen zwischen sich aufteilen. Beide Ehepartner müssen ihrem Zulageantrag dann jeweils den Ergänzungsbogen Kinderzulage beifügen. Wegen des Scheidungsrisikos sollten Frauen ohne ausreichende Alterssicherung aber lieber die Kinderzulagen komplett für sich beanspruchen – auch wenn die Übertragung der Kinderzulagen auf den Mann ihm ein paar Euro an Rente mehr brächte.

Ich habe einen Riester-Vertrag. Meine Frau hat einen 325-Euro-Job. Kann sie einen reinen Zulagenvertrag abschließen?

Ja, wenn sie sich von der Versicherungspflicht befreien lässt. Über ihren Ehemann ist sie dann zulagenberechtigt und darf einen eigenen Vertrag abschließen. Sie erhält die 38 Euro Zulage und braucht keine eigenen Beiträge zuzuzahlen. In der Praxis verlangen die Anbieter oft, dass beide Verträge bei ihnen abgeschlossen werden.

Ich bin selbstständig. Meine Frau hat einen 325-Euro-Job in meiner Firma. Kann sie einen Riester-Vertrag abschließen?

Ja, sie kann, wenn Sie als Arbeitgeber und ihre Frau die Beiträge zur Sozialversicherung zahlen. Dann können auch Sie als Ehepartner einen Vertrag abschließen und die volle Zulage kassieren. Dies gilt aber nur, wenn Sie als Selbstständiger nicht rentenversicherungspflichtig sind.

Ich pflege meine Mutter. Kann ich einen Riester-Vertrag abschließen? Falls ja, wie viel muss ich als Alleinstehende im Jahr bezahlen?

Ja, Sie können riestern, wenn Sie nicht erwerbsmäßig pflegen und die Pflegeversicherung Ihre Rentenversicherungsbeiträge bezahlt. Die Höhe der Eigenbeiträge hängt davon ab, wie viel Sie 2002 brutto verdient haben. Haben Sie nichts verdient, müssen Sie nur den Sockelbetrag von 45 Euro aufbringen.

Mein Mann hat eine betriebliche Altersversorgung, die nicht nach Riester gefördert wird. Bekomme ich als Hausfrau trotzdem die Zulagen?

Nein. Erst wenn Sie eine Arbeit aufnehmen, Kinder bekommen oder Angehörige pflegen, haben Sie die Möglichkeit, einen eigenen Riester-Vertrag abzuschließen. Nach der dreijährigen Erziehungszeit, bei Ende der Pflegesituation oder wenn Sie keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld haben, endet Ihr Recht darauf wieder. Ihr Vertrag muss dann ruhen.

Wann lohnt sich die Riester-Förderung eher als die steuerliche Förderung durch Entgeltumwandlung aus dem Bruttogehalt?

Faustregel ist: Für Alleinerziehende mit durchschnittlichem Einkommen und Familien mit nur einem Verdiener ist in der Regel das Riestern günstiger. Der Staat zahlt ja auch für Kinder und den nicht berufstätigen Partner Zulagen, wenn er einen eigenen Vertrag abgeschlossen hat. Verdienen beide, lohnt es sich für jeden, die Alternative zu prüfen.

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