Riester-Rente

Union Investment: UniProfiRente bietet Chancen auf lange Sicht

13.09.2021

Unsere Leser­umfrage zeigt: Ältere Riester-Verträge von Union Investment liefen ordentlich, jüngere kamen bislang kaum vom Fleck.

Inhalt

Die Fonds­gesell­schaft Union Investment führt mit Abstand bei Riester-Fondssparplänen. Ihre UniProfiRente und UniProfiRente Select haben zusammen 57 Prozent Markt­anteil bei den Riester-Fonds­produkten.

Unter den einge­schickten Unterlagen der Leser waren 67 zu beiden Varianten so voll­ständig zum Stichtag 31. Dezember 2020, dass sie genau ausgewertet werden konnten. Viele, vor allem ältere Verträge liefen sehr ordentlich. Jüngere kamen bisher kaum vom Fleck. Pech hatten auch einige ­ältere Fälle, wenn die Depots zu einem ungüns­tigen Zeit­punkt von Aktienfonds in Rentenfonds umge­schichtet wurden.

Markt­führerin bietet zwei Varianten

Die UniProfiRente ist weit verkaufs­stärker als ihre Schwester. Bei ihr fließen die Sparraten zunächst in den Investmentfonds UniGlobal Vorsorge, der den Aktien­anteil abdecken soll. Er kann seine Aktienquote flexibel verringern. Als Sicher­heits­baustein dient der Rentenfonds UniEuroRenta.

Je nach Einstiegs­zeit­punkt, Alter der Kunden und Spardauer ist der Anteil in den Depots sehr unterschiedlich: nur Aktienfonds, sowohl Aktien- als auch Rentenfonds oder nur Rentenfonds. Das Verhältnis kann sich von Monat zu Monat ändern, nach einem Börsencrash auch schon mal grund­legend.

Bei der UniProfiRente Select haben Sparer die Wahl zwischen mehreren Aktienfonds, darunter einem ethisch-ökologischen. Es ist möglich, Aktiengewinne zu sichern. Das schmälert aber das Rendite­potenzial.

Finanz­krise als Wende­punkt

Die UniProfiRente ging vor etwa 20 Jahren an den Start – zunächst mit dem Aktienfonds UniGlobal, der sich sehr stark am Welt­aktien­index MSCI World orientiert. Bis 2008 funk­tionierte sie recht gut. Kleinere Börsen­schwankungen ließen sich in den meisten Depots ausgleichen, da das noch recht hohe Zins­niveau einen soliden Verlustpuffer bot.

Das änderte sich durch den Börsencrash im Zuge der Finanz­krise 2008 dramatisch. In den Depots vieler Sparer wurden Aktienfonds durch weniger schwankungs­anfäl­lige Rentenfonds ersetzt, um die Riester-Garantie zu sichern. Hunderte Kunden haben sich darüber bei Finanztest beklagt, besonders weil die Aktienfonds zu einem denk­bar ungüns­tigen Zeit­punkt verkauft wurden.

Sinkendes Zins­niveau birgt Probleme

Im Jahr 2015 reagierte Union Investment auf das weiter sinkende Zins­niveau und tauschte den UniGlobal durch den UniGlobal Vorsorge aus. Dieser Fonds ist ähnlich zusammen­gesetzt. Er darf jedoch Finanz­instru­mente (Deri­vate) einsetzen, die Wert­schwankungen herab­setzen und Umschichtungen redu­zieren sollen.

Für Finanztest passt das nicht mehr zur Philosophie eines reinen Aktienfonds. Wir stufen den UniGlobal Vorsorge daher als ­offensiven Misch­fonds ein, der aus unserer Sicht nied­rigere Kosten haben sollte als die aktuell erhobenen 1,5 Prozent pro Jahr.

Finanztest-Tipp zahlte sich aus

In der Corona-Krise stürzten beide Fonds nahezu gleich stark ab, der UniGobal erholte sich aber stärker. Auch deshalb hinkt der UniGlobal Vorsorge hinterher – auf Fünf­jahres­sicht fast 2 Prozent­punkte pro Jahr.

Finanztest hatte 2015 empfohlen, der internen Fonds­umstellung zu wider­sprechen, um den UniGlobal zu behalten. Nur wenige taten dies. Bei Leserin Sabine Wenzel hat sich der Wider­spruch ausgezahlt.

Viele Union-Fond­sparpläne sind bisher gut gelaufen

Die roten Punkte stellen Sparpläne von Union Investment dar. Viele liegen weit über der blauen Linie. Ihr Vermögen ist also höher als die garan­tierte Summe aus Einzahlungen und Zulagen. Je größer dieser Puffer ist, desto besser. Ein Punkt liegt knapp unter der Linie. Die Sparerin sicherte Gewinn bei der UniProfiRente Select und profitierte nicht mehr vom Börsen­anstieg.

Riester-Rente - Riester – die große Analyse
© Stiftung Warentest

Aktien­chancen für Neueinsteiger

Für Riester-Neulinge, die auf das Rendite­potenzial der Aktienmärkte setzen wollen, ist die UniProfiRente aussichts­reich, wenn sie ­eine sehr lange Lauf­zeit von 30 oder sogar 40 Jahren vor sich haben. Es besteht die ­Chance auf eine hohe, vielleicht sogar hundert­prozentige Aktienquote. Bei noch lange laufenden Verträgen will Union Investment mehr Aktien einsetzen.

Laufen die ersten Jahre nach dem Einstieg an der Börse gut, kann sich ein komfort­ables Polster aus Kurs­gewinnen aufbauen, das ­spätere Umschichtungen vom Aktienfonds UniGlobal Vorsorge in den UniEuroRenta ­verhindert. Sicher ist das aber nicht.

Kosten­ärger bei Umschichtungen

Immer wieder beschweren sich Kunden, dass ihre Raten zunächst in den Aktienfonds, aber oft schon im Folgemonat in den Rentenfonds fließen. Diese wider­sinnig wirkende Schleife lässt sich bei einer computerbasierten Garan­tiesicherung, wie sie Union Investment einsetzt, manchmal kaum vermeiden. Es gehört zum Produkt­konzept, dass jede Sparrate erst einmal in den UniGlobal Vorsorge wandert.

Ärger über hohe Kauf­kosten

Die Kunden ärgern sich auch, weil beim UniGlobal 5 Prozent Kauf­kosten anfallen, aber „nur“ 3 Prozent beim UniEuroRenta. Warum erstattet die Anbieterin die Differenz nach sofortiger Umschichtung nicht zurück? Dem stehe nicht nur der bürokratische Aufwand entgegen, argumentiert die Fonds­gesell­schaft. Zudem sei es nun eher möglich, zurück umzu­schichten: „Unsere Kunden haben aber gute Chancen, dass das Vermögen mit den nächsten Umschichtungs­läufen wieder in den Aktienfonds investiert wird, da die Verträge unserer Neukunden ­lange Lauf­zeiten haben.“

Union Investment hat Aktienquote ange­hoben

Die Fonds­gesell­schaft Union Investment hat ihre UniProfiRente im Juli 2021 deutlich verändert: Die Aktienquote liegt nun bei mindestens 40 Prozent, wenn die Verträge noch lange laufen. Für Bestands­kunden gilt die höhere Quote, wenn sie noch mindestens 25 Jahre auf die Auszahl­phase warten müssen. Bei kürzerer Dauer beträgt die Unter­grenze für den Aktien­anteil weiterhin 10 Prozent, in extremen Kapitalmarkt­szenarien könnte er sogar auf Null sinken.

Neuverträge ab 20 Jahre Lauf­zeit

Neuverträge gibt es nur noch für mindestens 20 Jahre Vertrags­lauf­zeit. Bisher waren auch deutlich kürzere Lauf­zeiten möglich. Sie sind in der aktuellen Markt­situation für das Konzept der UniProfiRente nicht mehr sinn­voll. Außerdem deckelt Union Investment die maximale Sparsumme: Neukunden können bei mehr als 20 Jahren bis zu 40 000 Euro pro Jahr anlegen. Fällt die ­Restdauer unter 20 Jahre, sind es nur noch 2 100 Euro pro Jahr.

Späterer Renten­eintritt möglich

Die UniProfiRente ist auf 62 Jahre als frühesten Renten­eintritt ausgelegt. Kunden können den Renten­beginn aber auf 67 Jahre hoch­setzen. Das ist gerade für junge Leute sinn­voll. Denn wenn es für sie an der Börse günstig läuft, bleibt ihr Vertrag viele Jahre voll­ständig in Aktien investiert, ohne dass es notwendig wird, Geld in Rentenfonds umzu­schichten.

13.09.2021
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