Riester-Rente

Riester-Fonds­sparpläne: Frust und Freude

13.09.2021

Finanztest hat mehr als 300 Verträge von Lesern ausgewertet. Viele haben sich gut entwickelt, manche schlecht.

Inhalt

Große Resonanz auf Leser­aufruf

Sehr genervt ist Finanztest-Leser Daniel Wagner, für Leserin Sabine Wenzel lief alles bestens. Die beiden illustrieren das Spektrum an Antworten, die wir auf unseren Aufruf an Riester-Fonds­spare­rinnen und -sparer erhielten. Wir baten im November 2020 ­darum, uns Vertrags­verläufe zu schi­cken, um heraus­zufinden, wie sich diese Form der ­Alters­vorsorge in der Praxis bewährt hat.

So gemischt wie die Leser­ansichten war auch das Bild, das sich beim Auswerten von mehr als 300 Verläufen ergab. Die mit Abstand meisten bezogen sich auf Sparpläne von Union Investment, die wir besonders ­genau analysiert haben.

Entsprechend gibt es nicht einen Rat für alle. Es kann sinn­voll sein, einfach weiterzumachen, zu wechseln, zu kündigen oder den Vertrag beitrags­frei zu stellen. Für Neuabschlüsse kommen einige wenige Angebote infrage, darunter auch welche mit ethisch-ökologischer Ausrichtung.

Unser Rat

Weitersparen.
Meist ist es sinn­voll, bestehende Riester-Fonds­sparpläne weiterzuführen, um sich die staat­liche Förderung zu sichern.
Wechsel.
Wenn Sie in einen anderen Vertrag wechseln, sichern Sie die erzielten Gewinne Ihres alten Fonds­sparplans. Die Aktienquote beim neuen ist aber oft nied­riger, die Rendite­chancen sind geringer.
Neuabschluss.
Für Neuverträge zum Riestern mit Aktienfonds kommen nur noch der Deka Zukunfts­plan und die UniProfiRente infrage.
Öko-Fonds­sparplan.
Wenn Sie ­einen ethisch-ökologischen Riester-Fonds­sparplan wollen, stehen nur der Deka Zukunfts­plan Select mit dem Fonds Deka Nach­haltig­keit ­Aktien und die UniProfiRente Select mit dem Fonds UniNach­haltig ­Aktien Global zur Auswahl.

Je mehr Aktien, desto besser

Als die Riester-Rente im Jahr 2002 an den Start ging, war die Variante mit Fonds­sparplänen sehr verlockend: Regel­mäßig fließt Geld in Aktienfonds mit hohen Rendite­chancen bei gedeckeltem Risiko. Schließ­lich müssen alle Beiträge und Zuzah­lungen zu Beginn der ­Renten­phase voll­ständig erhalten sein. Schlimms­tenfalls ergibt sich eine Null­rendite. Die ist alles andere als erstrebens­wert, aber auch keine Katastrophe.

Aus Sicht von Finanztest sollten Riester-Fonds­sparpläne so viel Aktien wie möglich enthalten. Das ist bei lang laufenden Verträgen die beste Voraus­setzung für ein gutes Spar­ergebnis und somit auch für eine möglichst hohe Zusatz­rente.

Nied­riges Zins­niveau ist ein Problem

Niemand konnte den Verlauf an den Kapitalmärkten in den folgenden zwei Jahr­zehnten erahnen. Die Finanz­krise 2008 ließ die Aktien­märkte abstürzen, parallel dazu sanken die Zinsen unauf­halt­sam bis in den Minusbereich – ein historisch noch nie dagewesenes ­Sze­nario.

Das nied­rige Zins­niveau steht dem Ziel ­direkt im Weg, mit hohen Aktienquoten gute Ergeb­nisse zu erzielen. Denn vereinfacht ausgedrückt muss bei jedem Vertrag stets sicher­gestellt sein, dass aufgelaufene Kurs­gewinne oder verläss­liche Zins­einnahmen die Aktienrisiken absichern.

Bafin wacht über Kapital­erhalt

Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leis­tungs­aufsicht (Bafin) wacht darüber, dass der voll­ständige Kapital­erhalt zum Ende der ­Anspar­phase gesichert ist. Die Fonds­gesell­schaften DWS, Union Investment und Co könnten die Aktienquoten in den Verträgen ihrer Kunden daher nicht beliebig erhöhen, selbst wenn sie wollten. Sind die erzielten Kurs­gewinne nicht hoch genug, müssen sie einen großen Teil des Geldes so anlegen, dass es Aktienrisiken nicht ausgesetzt ist.

Wenig Aktien bei jungen Verträgen

Das Zins­niveau und die Börsenkrisen der ­vergangenen Jahre haben daher Spuren hinterlassen bei Verträgen, die erst vor wenigen Jahren abge­schlossen wurden. Es ist kein Wunder, dass bei vielen die Aktienquote ­gering bis marginal ist.

Bei größeren Rück­schlägen an den Börsen wurden regel­mäßig Anteile an Aktienfonds verkauft und das Geld in weniger schwankungs­anfäl­lige Rentenfonds umge­schichtet. Das war im großen Stil zuletzt wieder beim Corona-Crash im Früh­jahr 2020 der Fall.

Als die Aktien­kurse wieder stiegen, profitierten die Riester-Kunden davon nicht mehr. Viele beklagten sich bei Finanztest über die im Rück­blick völlig unnötigen Umschichtungen. Darunter waren nicht nur Kunden des Markt­führers Union Investment, sondern auch von DWS, Deka oder ­Fairriester.

Ältere Verträge mit Topwert­zuwachs

Bei schon länger laufenden Verträgen sieht es teil­weise völlig anders aus. Ihre Fonds ­haben in der Vergangenheit oft hohe Kurs­gewinne erzielt. Aktuell über­steigt ihr Sparplan­vermögen bei Weitem die Summe aus ­allen Einzahlungen und Zulagen, die der ­Sparplananbieter garan­tieren muss.

Wenn der Puffer zwischen aktuellem und garan­tiertem Vermögen sehr groß ist, über­lebt der Sparplan selbst einen Aktiencrash ­ohne Blessuren. Den glück­lichen Kunden blieb das Umschichten erspart, sodass ihre Verträge eine sehr hohe Aktienquote behielten. Sie liegt nicht selten bei 100 Prozent. Die Sparplan­besitzer können hoffen, dass die ­Aktienquote auch weiterhin hoch bleibt.

Tipp: Ob das aktuelle Vermögen sehr deutlich über dem garan­tierten Kapital liegt, entnehmen Sie der aktuellsten Jahres­abrechnung. Sie enthält beide Summen.

Staatliche Förderung hilft bei der Eigenrendite

Mehrere der vorliegenden Verträge weisen Wert­zuwächse auf, die fast dem Durch­schnitt des globalen Aktienmarktes entsprachen. Wegen der Kostenbelastung bleibt zwar eine Lücke, die mit Blick auf die groß­zügige staatliche Förderung aber locker zu verschmerzen ist.

Eindrucks­voll ist der Wert­zuwachs bezogen auf die Beträge, die Kundinnen und Kunden selbst leisten: Ein Riester-Fondssparplan, der die ganze Zeit voll­ständig in Aktien investiert war, ist auch von einem ETF-Sparplan kaum zu toppen. ETF (Exchange Traded Funds) sind börsen­gehandelte Fonds, von denen Finanztest einige für Fonds­sparpläne empfiehlt.

Was Fonds­sparer tun können

Sparplan­kunden mit üppigen Kurs­gewinnen im Vergleich zum garan­tierten Kapital tun gut daran, den Vertrag fort­zuführen. Aller­dings kann im Fall eines sehr heftigen Börsencrashs selbst ein sehr großer Puffer zu gering sein. Und die künftige Entwick­lung der ­Aktienmärkte lässt sich nicht vorhersehen.

Ein entscheidender Punkt ist die Rest­lauf­zeit des Vertrages: Je länger sie ist, desto mehr Aktien sind grund­sätzlich möglich. Bei Verträgen, die aktuell kaum noch Aktien enthalten und weniger als zehn Jahre vor sich ­haben, werden Kunden mit hoher Wahr­scheinlich­keit bis zum Renten­beginn weit­gehend in Zins­anlagen bleiben.

Bei Kündigung vorher genau rechnen

Wer sich damit nicht abfinden will, kann den Vertrag jeder­zeit „förderschädlich“ kündigen. Dann muss man alle gewährten ­Zulagen und Steuer­vorteile zurück­zahlen, kann aber über das verbliebene Guthaben frei verfügen. Allerdings gilt dann keine Kapital­garantie. Haben die Fonds­anteile bis zum Kündigungs­zeit­punkt Miese gemacht, bleiben Sparer auf dem Verlust sitzen.

Es ist auch möglich, den Vertrag beitrags­frei zu stellen. Die Zulagen bleiben erhalten, und der Vertrag läuft bis zum Renten­beginn ohne Einzahlungen weiter. Sparer profitieren von der bisher zugeflossenen Förderung und haben einen garan­tierten Kapital­erhalt.

Welche der beiden Varianten besser passt, muss jede und jeder selbst entscheiden. Ein Patent­rezept für alle gibt es leider nicht.

13.09.2021
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