Riester-Rente - Riester – die große Analyse

Walter Riester. Er war Arbeits- und Sozial­minister unter Bundes­kanzler Gerhard Schröder. In seiner Amts­zeit wurde die Riester-Rente 2002 einge­führt.

Die Kritiker sind laut, die Mängel offen­kundig. Doch Riestern hat auch Vorteile. Das zeigt unsere Analyse von Fonds­sparplänen. Bei Renten­versicherungen kann sich Durch­halten lohnen.

Riester-Rente unter Druck

Das war ein Novum: Verbraucherschützer demons­trierten im Mai 2021 öffent­lich gegen ein Alters­vorsorgepro­dukt. Der Verbraucherzentrale Bundes­verband, der Bund der Versicherten und die Bürgerbewegung Finanz­wende forderten vor dem Reichs­tags­gebäude in Berlin, die staatlich geförderte Riester-Rente abzu­schaffen.

Riester hat Licht und Schatten

Finanztest teilt viele ihrer Kritik­punkte. Riester-Verträge bieten aber auch Positives. Das zeigt sich bei den beiden wichtigsten Formen, Fonds­sparplänen und Renten­versicherungen. Wir haben mehr als 300 Verläufe von Fonds­sparplänen unserer Leser ausgewertet. Bei Renten­versicherungen ist das aktuelle Bild zwar trüb, dennoch kann es sich lohnen, einen Vertrag weiterzuführen.

Es gibt auch noch Optionen für Menschen, die einen Vertrag neu abschließen wollen und noch viel Zeit bis zum Ruhe­stand haben.

Das bietet der Artikel: Tipps für alte und neue Verträge

Riester-Fond­sparpläne. Wir haben uns die Verläufe der Fonds­sparpläne von rund 300 Lesern genau angeschaut. Je mehr Aktien im Fonds­sparplan, desto besser. Das ist bei lang laufenden Verträgen die beste Voraus­setzung für ein gutes Spar­ergebnis – somit auch für eine schöne Zusatz­rente.

Riester-Renten­versicherungen. 2022 sinkt der Garan­tiezins für Neuverträge von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent. Einige Versicherer bieten diese maximal zulässige Garantie schon jetzt nicht mehr. Neue Verträge sind also wenig attraktiv. Alte Verträge sind aber oft noch gut verzinst. Hier lohnt es sich, die Förderung weiterhin mitzunehmen.

Heft-Artikel. Alle Informationen finden Sie im kostenlosen PDF des Berichts aus Finanztest 8/2021.

Das Konzept der Riester-Rente hat Mängel

Die Riester-Rente hat eine Reihe von Konstruktions­mängeln. Sie ist

  • sehr bürokratisch und wenig trans­parent,
  • nicht sehr effizient, weil ein erheblicher Teil der Sparbeiträge und Zulagen an die Anbieter statt in die Alters­vorsorge fließt,
  • unflexibel in der Renten­phase, weil bei Fonds- und Bank­sparplänen ein erheblicher Teil des angesparten Vermögens für die Rente ab 85 Jahren zurück­gehalten wird,
  • unausgewogen, weil manche Bevölkerungs­gruppen, etwa viele kleine Selbst­ständige, keinen Anspruch auf Förderung haben.

Viele Sparer profitieren dennoch

Für Menschen mit Anspruch auf die staatliche Förderung sieht das Ganze nicht so negativ aus. Im Gegen­teil: Dank der Zulagen lohnt sich die Riester-Rente für Familien mit Kindern ebenso wie für Gutverdiener, weil sich die Beiträge von der Steuer absetzen lassen.

Die persönliche Rendite, die sich auf die selbst einge­zahlten Beiträge ergibt, liegt meist höher als bei jeder anderen sicheren Spar­möglich­keit für die Alters­vorsorge. Und beim Riestern sind alle Einzahlungen und Zulagen zum Beginn der Auszahl­phase garan­tiert (siehe PDF Finanztestbe­richt 7/2021).

Das kann auch die zurzeit aussichts­reichste und von uns empfohlene Option zur privaten Alters­vorsorge, ein lang­jähriger Sparplan mit ETF (Exchange Traded Funds), also börsen­gehandelten Indexfonds, nicht leisten.

Zukunft der Angebote ist ungewiss

Ob die Riester-Rente so bleibt wie jetzt, ist ungewiss. Auch viele Politiker würden sie lieber heute als morgen zu Grabe tragen. Wer einen Riester-Vertrag hat, kann aber fest davon ausgehen, dass der Besitz­stand bleibt. Es kann sein, dass das Angesparte irgend­wann in eine andere Alters­vorsorgevariante über­führt werden muss, aber das wäre nicht tragisch.

Bis dahin raten wir, Verträge fort­zuführen. Das gilt insbesondere für Renten­versicherungen, die vor vielen Jahren abge­schlossen wurden, denn sie bieten in der Regel sehr attraktive Konditionen. Sie haben oft noch eine garan­tierte Verzinsung weit über dem, was andere Anlageformen derzeit bieten können.

Wer dennoch die Nase voll hat, kann den Vertrag jeder­zeit förderschädlich kündigen. Dann sind zwar Zulagen und Steuererspar­nisse zurück­zuzahlen. Die in der Zwischen­zeit erzielten Erträge aber nicht.

Aktuelle Entwick­lung: DWS macht Schluss

Die Fonds­gesell­schaft DWS bietet seit 1. Juli 2021 keine Riester-Produkte für Neukunden mehr an. Bestehende Verträge werden aber unver­ändert weitergeführt. Die DWS begründet ihren Ausstieg so: „Die voll­ständige Beitrags­garantie der Riester-Produkte erweist sich im Umfeld anhaltender Nied­rigzinsen zunehmend als Bürde.“ Da fast ausschließ­lich in konservative und negativ rentierende Anleihen investiert werden müsse, bleibe „kein Spielraum für chancenreiche Aktien­anlagen“.

Wenig Auswahl für Neuabschlüsse

Riestern ist mit einer Versicherung, einem Sparplan oder im Rahmen einer Baufinanzierung möglich. In unserem Test Riester-Rente im Überblick geben wir einen ausführ­lichen Über­blick und sagen, für wen sich welche Variante eignet.

Es gibt aber nur noch wenige interes­sante Angebote für Neuabschlüsse. Bank­sparpläne haben sich wegen des aktuellen Zins­niveaus so gut wie erledigt, auch bei Versicherungen ist die Luft inzwischen extrem dünn . Es bleiben vor allem die Fonds­sparpläne.

Wann Bausparen für Riester-Sparer interes­sant ist

Bauspar­verträge können für Riester-Sparer, die eine eigene Immobilie bewohnen oder kaufen wollen, attraktiv sein. Mit Abstrichen gilt das auch für das Tilgen eines Baudarlehens. Das geht aber fast nur noch bei Bausparkassen und nur selten bei Banken, die oft güns­tigere Kredit­konditionen haben.

Am Ende des Sparens steht die Entscheidung an, wie das Kapital ausgezahlt werden soll (Test Riester-Auszahlungen). Eine klassische Rente ist nicht immer am besten. Sie ist eine Wette auf ein langes Leben. Wer früh stirbt, hat mehr einge­zahlt, als ausgezahlt wird. Ab einem Lebens­alter über 90 Jahren erweist sie sich als gute Wahl. Wenn der Versicherer die Beiträge gut für den Kunden angelegt hat und kostengünstig wirt­schaftet, kommt der Rentner auch eher ins Plus.

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