Riester-Rente: Private Rentenversicherungen: Drei Varianten für Riester

Wer bei der Riester-Rente auf Versicherungen setzt, sollte wissen, wie sein Kapital investiert wird. Davon hängt die mögliche Höhe seiner späteren Rente ab, aber auch sein Risiko.

Vorsorgesparer, die sich für eine Riester-Rentenversicherung entscheiden, schließen mit dem Versicherungsunternehmen von Anfang an einen Vertrag bis zu ihrem Lebensende. Denn wie die Rente später ausgezahlt wird, wird hier – anders als bei Riester-Fonds- und Banksparplänen – fast immer bei Vertragsbeginn detailliert festgelegt. Zwischendurch aus dem Vertrag aus- oder in einen anderen umsteigen kann der Riester-Kunde natürlich auch hier. Diese Option ist gesetzlich vorgeschrieben.

Finanztest hat sich die Angebote für Riester-Rentenversicherungen angesehen und vor allem ihre Kostenstruktur untersucht. Es stellte sich heraus: Der Sparer kann kaum erkennen, wie viel von seinem Beitrag für Kosten draufgeht. Deshalb kann er auch kaum abschätzen, welche Rente er voraussichtlich bekommt und wie groß das Risiko ist, dass wegen hoher Kosten weniger herausspringt. Der Durchblick wird ihm durch die unklaren Angaben der Unternehmen sehr schwer gemacht.

Die Kostenanalyse

Um den Vergleich zu ermöglichen, haben wir für alle Tarife Kostenquoten errechnet. Sie geben unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Lebenserwartung an, wie viele Kosten in einem bestimmten Tarif und Vertrag insgesamt von den Beiträgen über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg abgezogen werden. Nur was nach Kosten übrig bleibt, bringt Erträge.

Geprüft haben wir insgesamt 114 Angebote für Riester-taugliche private Rentenversicherungen von 72 Versicherungsunternehmen. Die Versicherer selbst geben die Kostenquote nicht an, sondern konfrontieren ihre Kunden meist mit einem Wust unterschiedlicher Kostenarten. Eine Einschätzung der Gesamtbelastung ist so unmöglich. Wir haben die Kostenquoten für drei Modellkunden errechnet: für einen 55-Jährigen mit einem Jahreseinkommen von 45 000 Euro, für einen 40-Jährigen, der jährlich 30 000 Euro verdient, sowie für eine 30-jährige Frau ohne Einkommen, die zwei Kinder erzieht.

Um zu demonstrieren, wie sich unterschiedliche Kostenquoten auf die Leistung, also die Rente, auswirken können, haben wir die späteren monatlichen konstanten Renten für die drei Modelle ausgerechnet. Diese Hochrechnung basiert auf der Annahme, dass alle Tarife je nach Ausrichtung ihrer Kapitalanlage die gleichen Erträge erbringen. Wir haben auch die Renten für das jeweils andere Geschlecht angegeben, also für einen Mann, der zwei Kinder erzieht und deshalb selbst nicht arbeitet, beziehungsweise für eine 55-jährige und eine 40-jährige Frau mit 45 000 beziehungsweise 30 000 Euro Jahreseinkommen.

Die drei Typen

Die Versicherer vertreiben als Riester-Verträge insbesondere drei Varianten von Rentenversicherungen: Variante eins ist die klassische Form, mit einem Garantiezins auf das Sparkapital von zurzeit 3,25 Prozent. Das zum Ansparen zur Verfügung stehende Kapital wird einschließlich Überschüssen konservativ angelegt, vor allem in festverzinslichen Wertpapieren. Maximal 35 Prozent fließen in Aktien.

Überschüsse entstehen aus Kapitalerträgen, wenn mehr als der Garantiezins am Kapitalmarkt erwirtschaftet wird. Zudem können Risikoerträge anfallen, wenn die Versicherten insgesamt nicht so alt werden wie kalkuliert. Hinzu kommen Kostenerträge, wenn weniger Kosten entstehen als angenommen.

Wer in eine klassische Rentenversicherung investiert, geht kein Verlustrisiko ein. Die Ertragsaussichten sind aber nur mäßig.

Bei Variante zwei investiert der Versicherer Überschüsse in Investmentfonds. Läuft der Fonds schlecht, kann das aus dem Fondsvermögen zur Verrentung zur Verfügung stehende Kapital geringer ausfallen als die Summe der eingezahlten Überschüsse. Im schlechtesten Fall bleibt nur die Garantieverzinsung des Sparkapitals von 3,25 Prozent. Das entspricht nach Abzug der Kosten 2 bis 2,8 Prozent der Versicherungsrendite. Bei defensiv ausgerichtetem Fondsinvestment (renten-, immobilien-, geldmarktfondsorientiert) sind Verluste unwahrscheinlich. Dafür sind die Ertragserwartungen geringer, als wenn die Überschüsse vor allem in Aktienfonds investiert werden.

Bei Variante drei, die für Riester-Rentenversicherungen angeboten wird, von Versicherungsgesellschaften häufig „Hybridversicherungen“ genannt, ist die Kapitalanlage größtenteils auf Investmentfonds ausgerichtet. Nur der Teil des Beitrags, der für den vom Gesetzgeber verlangten Kapitalerhalt benötigt wird, wird in festverzinsliche Anlagen investiert.

Der größere Brocken aus Sparkapital plus Überschüssen fließt während der Ansparphase in Investmentfonds. Mit welchem Ertrag – welcher Rente – der Vorsorgesparer bei dieser Riester-Police rechnen kann, hängt von der Ausrichtung und dem Erfolg des oder der Investmentfonds ab, in die der Versicherer das Kundengeld investiert.

Mit Rentenbeginn wird das gesparte Kapital bei Variante zwei wie drei auf klassische Anlagen – vor allem festverzinsliche Wertpapiere – übertragen.

Es gibt auch zwei Angebote fondsgebundener Rentenversicherungen, bei denen das gesamte Sparkapital in Fonds fließt. Sie sind in den Tabellen nicht aufgeführt, weil die Daten zu spät vorlagen.

Je größer das Fondsinvestment in einem Versicherungsangebot ist, desto unsicherer sind künftige Erträge. Doch Fondsanlage allein heißt noch nicht mehr Risiko. Darüber entscheidet die Ausrichtung des Investments: Wie hoch ist der Aktienanteil, wie viel Kapital wird in Renten-, Immobilien- beziehungsweise Geldmarktfonds gesteckt? Riester-Vorsorgesparer, die sich für eine der beiden Fondsvarianten entscheiden, sollten auf jeden Fall klären, in welche Richtung das Investment läuft und in welche Fonds das Geld im Einzelnen fließt. Es gibt gute und schlechte Investmentfonds. Die besten Fonds führen die Fondstabellen im Finanztest-Dauertest an.

Die Folgen für die Rente

Versicherer sind wie alle Anbieter von Riester-Produkten verpflichtet, ihre Kosten offen zu legen. Das Altersvermögensgesetz, in dem die Förderung geregelt ist, hat sie aber leider nicht dazu veranlasst, Kunden die Kostenstruktur ihrer Angebote wirklich zu erklären. Unklare, ungenügende Formulierungen machen es selbst einem verständigen Verbraucher unmöglich, das Kostensystem, mit dem ein Rentenversicherungsangebot kalkuliert ist, zu begreifen.

Die Stuttgarter Versicherung zieht beispielsweise ein „Überschussguthaben“ als Bezugsgröße heran, aus dem nicht ersichtlich wird, welche Kapitalsumme sich dahinter verbergen könnte. Die Hamburg-Mannheimer vergaß, die Kosten für die Auszahlungsphase überhaupt darzustellen. Und viele Versicherer lassen offen, was sie genau unter der „Jahresrente“ verstehen, die sie gern als Basis ihrer Kostenrechnung angeben.

Für unsere Modellrechnungen mussten wir annehmen, dass die Versicherer mit gleichen Anlageformen gleiche Erträge erwirtschaften. Die Rentenhöhen in den Tabellen sind deshalb keine Prognosen. Denn erfahrungsgemäß wirtschaften Versicherungsunternehmen sehr unterschiedlich. Bei ihrer Kapitalanlage sind manche erfolgreicher als andere.

Die Vereinheitlichung der Erträge in allen Tarifen zeigt aber den Einfluss der Kosten: Eine Frau, die die staatlichen Zulagen für sich und zwei Kinder erhält, aber keinen Eigenbeitrag leistet, kann bei einem klassischen Vertrag mit nur 220, aber auch mit 260 Euro monatlicher Riester-Rente rechnen. Noch größer ist die Spanne bei den beiden Fonds-Varianten. Aber hier hat auch die Ausrichtung des Fondsinvestments großen Einfluss auf die Ertragserwartung.

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