Wie teuer, wie sicher und wie übersichtlich sind die ­Riester-Angebote, und was werfen sie voraussichtlich ab? Eine erste Analyse von Finanztest.

Wohin man geht, Riester ist schon da – in der Bank, der Post oder Versicherungsagentur. Überall wird für die neue staatliche Förderung privater Altersvorsorge geworben. Trotzdem läuft das Geschäft noch schleppend, stellte kürzlich das Deutsche Institut für Altersvorsorge in einer Studie fest. Denn die Gretchenfrage ist offen: Soll man „riestern“ oder nicht? Die Antwort: Jeder sollte sich eine zusätzliche Altersvorsorge aufbauen, die die schrumpfenden gesetzlichen Rentenansprüche aufstockt. Ob die Nutzung der privaten Riester-Förderung dabei immer das A und O ist, bestimmen die Alternativen.

Wer ein gutes Angebot für eine betriebliche Zusatzvorsorge auf den Tisch bekommt, sollte beispielsweise erst mal dieses prüfen. Zumindest, wenn er sich nicht beides leisten kann. Die betriebliche Zusatzversorgung, die künftig verstärkt vom Arbeitnehmer per Gehaltsumwandlung selbst bezahlt werden dürfte, kann jedenfalls auch ohne Riester laufen. Sparer könnten die Förderung für eine private Geldanlage nutzen und noch betrieblich vorsorgen. Wer nicht berufstätig ist, seinen Job wechseln will oder sicher ist, ihn bald zu verlieren, kann von betrieblichen Angeboten aber nur bedingt profitieren.

Die Untersuchung

Finanztest hat sich die privaten Riester-Produkte vorgeknöpft. Unsere erste Analyse dieser neuen Sparte von Altersvorsorgeprodukten befasst sich vor allem mit den Kosten der Angebote. Wie viel geht vom Beitrag des Kunden ab, ehe der Rest wirklich angelegt wird? Wichtig sind auch die Transparenz der Produkte, ihre Anlagestruktur und Einschätzbarkeit für den Sparer. Er muss schließlich die Entscheidung treffen, auf welches Pferd er setzt. Ein Wechsel von einem Altersvorsorgeprodukt zu einem anderen ist zwar jederzeit möglich, aber nicht bei jedem Riester-Tarif zu empfehlen.

Unter die Lupe genommen haben wir die Angebote aller drei zulässigen Produktgruppen von Banken, Investment- und Versicherungsgesellschaften. Berechnet haben wir mögliche Renditen der angebotenen Fondssparpläne vor und nach Abzug der Kosten und was die staatliche Förderung hier an zusätzlicher Rendite bringt. Für Versicherungsangebote weisen wir anhand verschie­dener Vertragsmodelle unter anderem Kostenquoten und unter standardisierten Ertragsannahmen mögliche Rentenhöhen aus.

Einen Sonderfall bezüglich Kosten stellen Banksparpläne dar. Um ihre Kosten zu decken, zahlen die Banker einfach weniger Zins. Vertriebskosten werden nicht extra berechnet, häufig auch keine laufenden Verwaltungskosten. Kostenquoten können für Banksparpläne deshalb nicht berechnet werden.

Die Riester-Reform verlangt, dass förderbare Angebote transparent sind. Der Kunde soll erkennen können, mit welchen Kosten er im Vertragsverlauf belastet wird. Die Praxis ist weit davon entfernt, wie Finanztest feststellte. Die Kosten der Fondssparpläne können jederzeit verändert werden, was nach Aussage der Zertifizierungsbehörde sogar zulässig ist. Bei den Bankprodukten wird der Kunde meist mit frei veränderbaren Zinsen konfrontiert. Veränderlich ist damit auch die Höhe der von der Bank kalkulierten Kosten, die den Ertrag mindern. Und die Versicherungsbranche präsentiert mehr als 40 unterschiedliche Kostensätze in ihren Riester-Angeboten. Von Transparenz keine Spur!

Banksparpläne

In der Sparte der förderbaren Banksparpläne hat sich Finanztest zunächst mit Stichproben begnügt. Denn der Markt ist noch im Entstehen. Die Banksparpläne, die bereits angeboten werden – viele der zertifizierten Produkte in diesem Sektor sind nicht verfügbar –, sind Varianten herkömmlicher Produkte.

Riester-Banksparpläne können je nach Eintrittsalter des Sparers über 40 Jahre und mehr laufen. So lange Laufzeiten sind aber nicht zu empfehlen. Die aktuelle Verzinsung der Bankprodukte ist mager und zudem für die Zukunft offen. Denn die anfängliche Verzinsung kann geändert werden, wenn der Vorstand des Kreditinstituts das beschließt. Nur bei wenigen der angebotenen Banksparpläne orientiert sich die Verzinsung an einer verbindlichen Kennzahl, wie etwa der Umlaufrendite der öffentlichen Anleihen.

Dennoch sind Banksparpläne für die Nutzung der Riester-Förderung nicht völlig von der Hand zu weisen. Unentschlossene Sparer beispielsweise, denen es hauptsächlich darum geht, sich die staatlichen Zulagen in diesem Jahr nicht entgehen zu lassen, könnten damit in die Förderung einsteigen. Denn hohe Abschlusskosten wie bei Rentenversicherungsprodukten gibt es hier nicht. Im Unterschied zu allen anderen Riester-Angeboten ist beim Banksparplan der Kapitalerhalt nicht erst zum Rentenbeginn, sondern während der gesamten Laufzeit gesichert. Das ist wichtig für Anleger, die später vielleicht zu einem anderen Produkt wechseln wollen, denn sie verlieren kein Kapital. Die Wechselkosten belaufen sich je nach Angebot auf 25 bis 100 Euro.

Auch für künftige Häuslebauer ist der Banksparplan interessant. Die später mögliche Eigenkapitalentnahme für die Immobilienfinanzierung kann sich nämlich durchaus rechnen.

Weil Banksparpläne immer einen Ertrag liefern, sind sie auch für ältere Riester-Sparer geeignet, die bei ihrer Altersvorsorge nichts mehr riskieren sollten.

Fondssparpläne

Bisher vermarkten gerade mal sechs Investmentgesellschaften riestertaugliche Fondssparpläne. Kosten drücken bei allen auf die Rendite, je nach Angebot unterschiedlich stark. Wie bei normalen Fondssparplänen fließen die Anlagebeträge in Investmentfonds. Der Unterschied ist die feste Laufzeit der Riester-Verträge: mindestens bis der Sparer 60 Jahre alt wird. Um den verlangten Kapitalerhalt zu garantieren, orientieren sich die Anbieter meistens am Eintrittsalter des Kunden oder an der Marktlage. Entsprechend legen sie seine Sparbeiträge stärker in Aktien- oder stärker in Renten-, Immobilien- und Geldmarktfonds an.

Offensive Riester-Fondssparpläne – mit Aktienschwerpunkt – eignen sich für jüngere Sparer, die weder planen, sich ihr Kapital zwischendurch für einen Hauskauf zu leihen, noch den Vertrag zu wechseln. Bei langem Anlagehorizont lassen sich Börsentiefs überbrücken. Der Kunde kann von den insgesamt besseren Renditeaussichten von Aktienfondssparplänen profitieren. Ältere Kunden sollten ebenso wie Kunden, die noch nicht wissen, wohin die Reise geht, verstärkt auf defensive Fonds setzen. Dann riskieren sie nicht, ihr Kapital in schlechten Börsenzeiten mit Verlust herauslösen zu müssen.

Rentenversicherungen

Versicherer bieten vor allem drei Typen von Rentenversicherungen für die Riester-Förderung an. Da ist die klassische Form mit einem Garantiezins von derzeit 3,25 Prozent auf den Sparanteil des Beitrags. Bei Variante zwei fließen die Überschüsse in Fonds. Im Typ drei – oft „Hybridversicherung“ genannt – legt das Unternehmen nur einen kleinen, für den vorgeschriebenen Kapitalerhalt nötigen Teil des Sparbeitrags konservativ an. Der Rest wird in Fonds investiert. Garantiert ist dem Sparer so nur, dass mindestens seine Beiträge plus Zulage bei Auszahlungsbeginn vorhanden sind. Zwei Versicherer bieten Fondsvarianten an, bei denen gar kein Kapital klassisch angelegt wird.

Riester-Sparen mit Rentenversi­che­rungen kann in jedem Alter sinnvoll sein, sofern der gewählte Tarif kostengünstig ist und eine gute Rendite erwarten lässt. Jüngere sollten wegen der besseren Ertragsaussichten Fondsvarianten bevorzugen und auf eine aktienorientierte Ausrichtung achten. Für ältere Sparer kommen nur klassische und defensive Fondsvarianten infrage, sofern deren Kosten niedrig sind.

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