Riester-Rente: Einfach mitnehmen

Die Riester-Rente ist bisher nicht so erfolgreich wie erhofft. Doch Vorsorgesparer sollten sich nicht beirren lassen. Denn die Förderung bringt ihnen gutes Geld vom Staat.

Von Ulla Schmidt kommt ein klares „Nein“. Die Riester-Rente wird nicht zur Pflicht gemacht, beteuert die Bundessozialministerin.

Zwar sind 3,7 Millionen private Riester-Verträge und rund 2 Millionen betriebliche Riester-Verträge viel weniger als ursprünglich von der Bundesregierung erwartet. Doch „Riestern“ unter Zwang kommt für Ulla Schmidt nicht infrage. Möglich sind jedoch Veränderungen des Förderkonzepts.

Die Rürup-Kommission berät die Bundesregierung bei der Reform der sozialen Sicherungssysteme. Sie fordert, den geförderten Jahresbeitrag schon jetzt und nicht erst 2008 zu erhöhen. Es wäre nur gut, wenn Riester-Sparen künftig noch attraktiver wäre.

Doch schon jetzt gibt es viel Geld vom Staat: Grundzulage, Kinderzulage und meist auch Steuerersparnisse. Dieses Geld kann jeder Vorsorgesparer mitnehmen.

Die Förderung gibt es nicht nur für die privaten Riester-Produkte wie Rentenversicherungen, Bank- und Fondssparpläne. Vorsorgesparer können den Riester-Vertrag auch über die Firma abschließen und versteuerten Lohn in einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung für ihre Altersvorsorge investieren.

Die volle Zulage

Die Grundzulage beträgt 2003 wie im Vorjahr für jeden Riester-Sparer 38 Euro. Für jedes Kind, für das es Kindergeld gibt, kommen 46 Euro hinzu.

Ein Ehepaar mit drei Kindern bekommt für 2003 also insgesamt 214 Euro Zulage, wenn beide Partner einen Riester-Vertrag haben.

Bis 2008 wird die Förderung stufenweise alle zwei Jahre erhöht. In der Endstufe beträgt die Grundzulage für jeden Riester-Vertrag 154 Euro und die Kinderzulage 185 Euro pro Kind.

Der eigene Beitrag

Doch die vollen Zulagen gibt es nur, wenn der Riester-Sparer den vorge­schriebenen Eigenbeitrag einzahlt: Zusammen mit den Zulagen muss er 2003 1 Prozent seines im Vorjahr verdienten Bruttolohns sparen. Je höher der Bruttolohn ist, desto höher ist also der Gesamtsparbeitrag.

Dies gilt allerdings nur bis zu einer Grenze von 52 500 Euro Jahreseinkommen. Wer mehr als diese Summe verdient, muss trotzdem nur 525 Euro ­­­(1 Prozent von 52 500 Euro) in seinen Riester-Vertrag investieren.

Ein Verheirateter mit zwei Kindern, der im Jahr 2002 40 000 Euro verdient hat, muss 2003 400 Euro in seine private Altersvorsorge investieren. Davon übernimmt der Staat 38 Euro Grundzulage und insgesamt 92 Euro Kinderzulage für die beiden Kinder. Das macht zusammen 130 Euro vom Staat. Die restlichen 270 Euro muss der Sparer selbst beisteuern.

Geschenkte Rente

Auch seine nichtberufstätige Frau kann die Förderung bekommen. Hausfrauen, Hausmänner und Selbstständige, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, müssen für ihren Riester-Vertrag gar nichts selbst zahlen, wenn ihr Mann oder ihre Frau Anspruch auf Riester-Förderung hat. Auf ihren Vertrag fließt dann nur die staatliche Förderung.

So können sie ohne einen einzigen Euro Eigenbeteiligung eine kleine Altersvorsorge aufbauen. Allerdings nicht bei allen Anbietern: Viele Gesellschaften verlangen einen Mindesteigenbeitrag, beispielsweise 30 Euro pro Jahr.

Sind beide Ehepartner berufstätig und haben beide einen Riester-Vertrag abgeschlossen, bekommen beide die Grundzulage von jeweils 38 Euro. Die Kinderzulage bekommt in der Regel die Mutter. Eltern können aber auch bestimmen, dass sie der Vater erhält.

Der maximale Sparbeitrag, den der Staat für die volle Riester-Zulage verlangt, erhöht sich stufenweise bis 2008 auf 4 Prozent des Bruttolohns. Das sind dann maximal 2 100 Euro (4 Prozent von 52 500 Euro) im Jahr.

Wer nicht den Maximalbeitrag sparen möchte, muss das nicht. Er muss dann allerdings Abstriche bei den Zulagen in Kauf nehmen. Der Prozentsatz, der am Maximalbeitrag fehlt, wird von den Zulagen abgezogen.

Eine allein stehende Frau mit 25 000 Euro Bruttoeinkommen müsste für die volle Zulage von 38 Euro in diesem Jahr aus eigener Tasche 212 Euro zahlen. Will sie für ihre mit Riester geförderte Altersvorsorge aber nur 170 Euro zurücklegen, sind das 19,8 Prozent zu wenig. Um diesen Prozentsatz wird die Zulage gekürzt. Statt 38 Euro bekommt sie für 2003 nur 30,48 Euro.

Die staatlichen Zulagen kommen nie automatisch aufs Rentenkonto. Riester-Sparer müssen dafür jedes Jahr den Zulagenantrag ausfüllen und an den Anbieter ihres Riester-Produkts zurückschicken.

Geld vom Finanzamt

Die eigenen Beiträge und die Zulagen kann jeder Riester-Sparer in seiner Steuererklärung als Sonderausgaben angeben. Für den Teil seines Einkommens, den er für seine geförderte zusätzliche Altersvorsorge aufgewendet hat, muss er keine Steuern zahlen. Die Steuerersparnis ist umso höher, je höher die eigenen Beiträge zur geförderten Altersvorsorge und der persönliche Steuersatz sind.

Hat die nichtberufstätige Ehefrau einen eigenen Riester-Vertrag, kann der Ehemann ihre Zulage, ihre eigene Einzahlung zusammen mit seiner Zulage und eigener Einzahlung 2003 bis zu einem Höchstbetrag von 525 Euro als Sonderausgabe abrechnen.

Ist die Steuerersparnis nach Abzug des gesamten Sparbeitrags von den Einkünften größer als die erhaltenen Zulagen, schreibt das Finanzamt die Differenz im Einkommensteuerbescheid für 2003 gut. Damit können vor allem kinderlose und besser verdienende Riester-Sparer rechnen.

Renditeplus vom Staat

Zulagen und Steuerersparnis bringen dem Anleger ein dickes Renditeplus. Es ist umso größer, je älter der Anleger ist.

Mit dem Finanztest-Renditerechner im Internet kann sich jeder die Förderrendite für seinen Riester-Vertrag einfach selbst ausrechnen.

Schließt beispielsweise in diesem Jahr ein 50-jähriger Alleinstehender ohne Kinder mit 40 000 Euro Bruttolohn im Jahr einen Riester-Fondssparplan ab, der 6,5 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet, werden daraus durch Zulagen und Steuerersparnis 11,8 Prozent pro Jahr.

Schließt dieser 50-jährige Single einen Riester-Banksparplan mit einer Rendite von 3,25 Prozent ab, erhöht die staatliche Förderung die Rendite auf 8,8 Prozent.

Das richtige Riester-Produkt

Ältere Sparer, die spätestens in 15 Jahren in Rente gehen möchten, fahren am sichersten mit Banksparplänen oder mit Fondssparplänen mit einer defensiv ausgerichteten Anlagestrategie. Diese Fondssparpläne bergen nur geringe Aktienrisiken.

Riester-Banksparpläne sind verzinsliche Ratensparverträge. Die Renditeerwartung liegt derzeit je nach Angebot zwischen 3 und 5 Prozent. Das Sparguthaben steht ab Rentenbeginn, frühestens ab 60 Jahren zur Auszahlung zur Verfügung. Entweder bekommt der Sparer eine lebenslange Rente oder er nutzt bis zum 85. Lebensjahr einen Bankentnahmeplan und bekommt anschließend eine lebenslange Rente.

Die richtige Anlagestrategie

Riester-Fondssparpläne sind je nach Anlagestrategie für fast alle Altersgruppen geeignet (siehe Tabelle „Der richtige Riester-Vertrag für jedes Lebensalter“). Ausgewogene und offensive Fonds bieten größere Renditechancen als Festzinsprodukte, allerdings gibt es bei Ausstieg oder Vertragswechsel Verlustrisiken (siehe Tabelle „Mit und ohne Risiko riestern“).

Auch mit einer privaten Rentenversicherung können Riester-Sparer fürs Alter vorsorgen. Wenn sie auf Nummer Sicher gehen wollen, schließen sie eine klassische Rentenversicherung ab.

Bei der zweiten Versicherungsvariante, den Verträgen mit begrenztem Fondsanteil, legen die Versicherungsunternehmen nur die Beiträge der Kunden klassisch an, beispielsweise in Festzinspapiere. Die damit erwirtschafteten Überschüsse investieren sie dann aber in Fonds.

Risikoreicher ist die dritte Variante von Rentenversicherungen. Hier legen die Gesellschaften nicht nur die Überschüsse in Fonds an. Sie investieren auch einen Teil der Versicherungsbeiträge so. Deshalb kommen diese Versicherungen eher für junge und besonders risikofreudige Riester-Sparer infrage.

Riester-Sparer können bei allen Riester-Verträgen aus ihrem angesparten Vorsorgekapital zwischen 10 000 und 50 000 Euro für die Finanzierung der eigenen vier Wände vorübergehend entnehmen. Wer dies für die Zukunft plant, hat mit einem Banksparplan die beste Kalkulationsgrundlage.

Bei Bank- und Fondssparplänen haben Anleger meist auch die Möglichkeit, am Ende der Sparphase bis zu 20 Prozent des Guthabens zu entnehmen.

Riestern im Betrieb

Wer die Riester-Förderung für seine betriebliche Altersvorsorge in Anspruch nehmen möchte, kann von Gruppenrabatten profitieren. Sie bringen Kostenvorteile gegenüber einem privaten Riester-Vertrag. Je mehr Mitarbeiter mitmachen, umso höher der Rabatt.

Gibt es keinen Kostenvorteil, wird der betriebliche Riester-Vertrag zur zweiten Wahl. Denn im Vergleich zum privaten Altersvorsorgevertrag ist er unflexibler. So ist bei einem Jobwechsel nicht gesichert, dass der Arbeitnehmer den Vertrag im neuen Betrieb zu den gleichen Bedingungen fortsetzen kann.

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