Riester-Banksparpläne: Schluss mit­­­­­ der Willkür

Riester-Rente Meldung

Banken und Sparkassen müssen sich für ihre Zinssätze eine Messlatte setzen, nach der sie sich richten. Sie dürfen sie nicht mehr nach Gutdünken festlegen.

Sparkassen legen nun offen, wie sie in Zukunft die Zinsen für Riester-Banksparpläne berechnen. Für den Kunden ist das Verfahren trotzdem nicht leicht nachzuvollziehen.

Banken und Sparkassen, die Sparpläne anbieten, müssen ihren Kunden sagen, wie sie die Zinsen berechnen und an Marktänderungen anpassen. Die Zeiten, in denen die Institute die Zinsen für variabel verzinste Verträge je nach ihrer Ertragslage mal höher, mal niedriger ansetzen durften, sind vorbei.

Jetzt müssen die Banken sich an einen Maßstab (Benchmark) halten und ihn offen legen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil vom Februar 2004 gefordert (Az. XI ZR 140/03).

Diese Vorgabe gilt auch für Riester-Verträge. Mit der Umsetzung tun sich die Anbieter jedoch schwer. Erst jetzt, knapp ein Jahr später, passen viele ihre Produkte an.

Die Anpassung ist im Sinne dessen, was ­Finanztest schon länger empfiehlt. Wir haben bereits im ersten Test von Riester-Banksparplänen festgestellt, dass Verträge mit Benchmark die bessere Variante sind.

Bei der Umsetzung der neuen BGH-Vorgabe sind die Sparkassen Vorreiter. Sie verändern jetzt ihre als S-Vorsorge Plus vermarkteten Riester-Banksparpläne, die eine variable Verzinsung bieten und zusätzlich steigende, von der Laufzeit abhängige Bonuszinsen. Das sind genau die Verträge, die der BGH kritisiert hat.

Die Volks- und Raiffeisenbanken, die andere große Anbietergruppe von Riester-Banksparplänen, haben ihre Planungen für ihre Produkte namens VR-Rente Plus dagegen meist noch nicht abgeschlossen. Etliche Volksbanken müssen auch gar nichts umstellen. Sie haben die Zinssätze für ihre Riester-Sparpläne bereits an eine Richtschnur gekoppelt.

Private Banken bieten keine Riester-Banksparpläne an.

Eigene Maßstäbe

Die von den Volksbanken genutzte Benchmark ist die Umlaufrendite. Die Umlaufrendite gibt die jeweils aktuelle Marktlage wieder. Sie zeigt, wie viel Zinsen es für Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten im Durchschnitt gibt. Sie liegt aktuell bei 3,35 Prozent (Stand 27. Januar 2005) und passt sich vergleichsweise schnell an Marktänderungen an (siehe Grafik in „An vielerlei Maß gemessen“).

Die Sparkassen haben für ihre Riester-Verträge ein Set verschiedener Messlatten entwickelt, an die sie sich künftig halten wollen. Jede kalkuliert mit einer eigenen Mischung. Dabei werden die Zinsreihen von Papieren mit Laufzeiten zwischen drei Monaten und zehn Jahren verwendet.

Die Institute verwenden für ihre Referenzzinssätze gleitende Durchschnitte. Das funktioniert so: Bei der Zinsreihe für 10-jährige Laufzeiten addieren sie die 120 Monatswerte der vergangenen zehn Jahre und bilden dann den Mittelwert. Bei der Zinsreihe für 2-jährige Laufzeiten zählen sie die 24 Monatswerte der vergangenen zwei Jahre zusammen. Weil sich monatlich immer nur ein Wert ändert – der älteste fällt weg, der neue kommt hinzu ­– schwankt eine solche Zahlenreihe weniger stark als die Umlaufrendite, die immer das aktuelle Zinsniveau anzeigt.

Achtung Marge

Weder die Sparkassen noch die Volksbanken geben die Zinsen, die sich aus der Berechnung der Benchmarks ergeben, eins zu eins weiter. Sie wollen an den Produkten Geld verdienen, deshalb behalten sie eine Marge für sich ein. Die ist unterschiedlich hoch und hängt auch von der gewählten Benchmark ab. Für den Anleger ist entscheidend, was unterm Strich übrig bleibt.

Bevor ein Anleger sich für einen Riester-Vertrag entscheidet, fragt er deshalb nach dem Referenzzins und der Marge. Nennt ihm die Bank die Marge nicht, kann er sie sich ausrechnen, indem er den aktuellen Sparplanzins von der Benchmark abzieht.

Der Referenzzins der Kreissparkasse Ahrweiler zum Beispiel ist ein Durchschnittswert aus den Zinsen 10-jähriger Anleihen (in der Grafik Kurve 2). Als die Ahrweiler die Zinsen für den Riester-Vertrag neu berechneten, betrug der Referenzzins 5,06 Prozent. Davon haben die Banker 1,8 Prozent für sich abgezogen. Der Kunde bekommt seit 15. Januar gerundet 3,25 Prozent.

Die Sparkasse Paderborn setzt auf einen Mix aus langfristigen und kurzfristigen Zinsen. Ihre Messlatte besteht nur zu 70 Prozent aus 10-Jahres-Werten, zu 30 Prozent fließt der Euribor ein, ein Zinssatz für Dreimonatsgeld. Diese Kurve liegt unter dem Referenzzins der Kreissparkasse Ahrweiler (entspricht etwa Kurve 3).

Zum Stichtag am 1. Oktober 2004 betrug der Zins aus der gemischten Benchmark 4,45 Prozent. Trotzdem bekommen die Kunden der Sparkasse Paderborn zurzeit 3,3 Prozent. Die Paderborner behalten für sich nur 1,15 Prozent, nicht 1,8 Prozent wie die Ahrweiler – so sind für die Kunden die Zinssätze fast gleich.

Die Stadtsparkasse Köln zieht für ihre Benchmark einen Durchschnitt aus vier unterschiedlichen Zinsreihen heran. Zurzeit beträgt der Referenzzins 4,22 Prozent. Die Kunden erhalten 3 Prozent.

Alle drei Angebote sind fair. Das gilt grundsätzlich für jeden Riester-Banksparplan, der in der aktuellen Niedrigzinsphase rund 3 Prozent pro Jahr oder mehr bietet.

Auch das Produkt der Mainzer Volksbank, seit 2002 eines der besten bundesweiten Angebote, kann mithalten. Es orientiert sich an der niedrigeren Umlaufrendite, doch weil die Marge nur 0,5 Prozent beträgt, bleiben für die Anleger 2,99 Prozent (letzte Anpassung: 15. November 2004, Umlaufrendite 3,49 Prozent).

Boni für eine bessere Rendite

Wer wissen will, welcher Vertrag für ihn der richtige ist, darf aber nicht nur auf die aktuellen Zinssätze schauen. Wichtig ist auch, wie lange der Vertrag laufen soll. Sparpläne wie der von der Mainzer Volksbank bringen schnell mehr, wenn der Markt die von vielen erwartete Zinswende einleitet und die Zinsen steigen.

Dagegen ändern sich die Zinssätze für die Sparkassenprodukte so schnell nicht. Am langsamsten reagiert die Benchmark der Sparkasse Ahrweiler. Ihre Kunden müssten wohl mehrere Jahre warten, ehe sich Zinserhöhungen am Markt auf ihren Sparkonten bemerkbar machen. Dafür bieten die Sparkassen zusätzlich feste Bonuszinsen, die mit der Vertragslaufzeit steigen. Oft gibt es noch einen Schlussbonus, der das Ergebnis weiter verbessert.

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