Riester-Rente Meldung

Geringverdiener mit Kindern erhalten besonders hohe Zuschüsse zur Riester-Rente. In der Debatte um die Anrechnung der Rente auf die Grundsicherung wird das oft vergessen.

Als Ergotherapeutin verdient die Berlinerin Julia Neuber*, 32 Jahre alt, mit einer 50-Prozent-Stelle 1 000 Euro brutto im Monat. Mehr arbeiten kann sie zurzeit nicht, weil ihre Firma ihr nicht mehr anbietet. Außerdem ist ihr Sohn, den sie allein erzieht, erst drei Jahre alt.

Julia Neuber zahlt seit zwei Jahren 25 Euro im Monat in einen Riester-Vertrag ein. Das sind 13,25 Euro mehr, als sie müsste. Wegen ihres geringen Einkommens würden ihr schon 11,75 Euro im Monat reichen, also 141 Euro jährlich, um die vollen staatlichen Zulagen in Höhe von 339 Euro im Jahr für sich und ihren Sohn dazuzubekommen.

War die junge Frau bisher stolz, trotz knapper Mittel mit ihrem Riester-Vertrag ein bisschen selbst fürs Alter vorzusorgen, nagen neuerdings Zweifel an ihr: „Ich habe gehört, dass das später auf die gesetzliche Rente angerechnet wird. Dann bringt mir das also gar nichts!“

Anrechnung auf Grundsicherung

Riester-Rente Meldung

Vielleicht spart Julia Neuber die 25 Euro im Monat und hat tatsächlich später nicht mehr Geld zur Verfügung. Denn ist sie im Alter einmal auf die Grundsicherung angewiesen (siehe „Das ist die Grundsicherung“), würde diese staatliche Fürsorgeleistung nach der heutigen Rechtslage um ihre Riester-Rente gekürzt. Angerechnet werden auf die Grundsicherung alle Einkünfte und bis auf einen minimalen Freibetrag auch jedes Vermögen.

Ob eine Riester-Rente wegen dieser Anrechnung für Julia Neuber unsinnig ist, ist dennoch völlig offen. Die Antwort hängt von einer Vielzahl von Fragen ab, die heute nicht beantwortet werden können:

  • Werden Julia Neubers Alterseinkünfte wirklich einmal so gering sein, dass sie Leistungen aus der Grundsicherung benötigt? Verdient sie also auch in den kommenden 35 Jahren bis zu ihrem voraussichtlichen Rentenbeginn im Jahr 2043 so wenig wie heute? Und lebt sie auf Dauer allein oder wird sie einen Partner haben, der zu ihrer Versorgung beiträgt?
  • Gibt es die Grundsicherung in der heutigen Form in 35 Jahren überhaupt noch?
  • Wird eine Riester-Rente auch in Zukunft auf Leistungen aus der Grundsicherung angerechnet oder wird dies geändert?

Angesichts der vielen Unwägbarkeiten wäre es fahrlässig, der alleinerziehenden Neuber vom Riester-Vertrag abzuraten.

Langfristig sparen

Riester-Rente Meldung

Mehr als 90 Prozent des Riester-Sparbeitrags übernimmt der Staat für einen verheirateten Geringverdiener mit zwei Kindern.

Mit rund 150 bis 180 Euro Zusatzrente im Monat kann die Ergotherapeutin aus ihrem Riester-Vertrag einmal rechnen. Sie werden zu ihrer gesetzlichen Rente hinzukommen. Nicht schlecht für 25 Euro monatlicher Einzahlung.

Vermögensbildung funktioniert am sichersten mit Geduld. Stetigen Riester-Sparern hilft der Zinseszinseffekt bei der Geldvermehrung. Die staatliche Förderung, von der Geringverdienende stark profitieren (siehe Grafik), tut ihr Übriges.

Wer die gleiche Menge Geld rein privat spart, hat später mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich weniger im Topf. Ihm entgehen Zulagen und möglicherweise zusätzliche Steuervorteile.

Bis zu 154 Euro Grundzulage im Jahr erhält ein Riester-Sparer für sich. Pro Kind, für das er Kindergeld erhält, gibt es bis zu 185 Euro dazu. Ist ein Kind ab 2008 geboren, beträgt die Kinderzulage sogar 300 Euro, was den Förderanteil stark erhöht.

Wer sich dies durch die Lappen gehen lässt, ist schlecht beraten. Riester-Sparer müssen aber auch selbst etwas einzahlen.

Der Mindestsparbeitrag beläuft sich ab diesem Jahr auf 4 Prozent des Vorjahresbruttoeinkommens abzüglich der dem Sparer zustehenden Zulage. Hat jemand 2007 brutto das Durchschnittseinkommen von etwa 30 000 Euro verdient, sind 4 Prozent davon 1 200 Euro.

Abzüglich der Grundzulage von 154 Euro bleiben 1 046 Euro, die der Sparer einzahlen muss, um sich die Förderung voll zu sichern. Sonst bekommt er sie nur anteilig.

Mit zwei vor 2008 geborenen Kindern, für die es Kindergeld gibt, summiert sich der Zulagenanspruch auf 524 Euro. Der Mindestsparbeitrag sinkt auf 676 Euro.

Verdient jemand weniger, wie Julia Neuber, reicht ihm ein kleinerer Eigenbeitrag für volle Zulagen. Mindestens müssen förderberechtigte Sparer aber 60 Euro im Jahr, also 5 Euro im Monat, einzahlen.

* Name von der Redaktion geändert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1644 Nutzer finden das hilfreich.