Riester-Rente Special

Egal, was der Anbieter taugt: Die Rendite aus staatlichen Zulagen geht nie verloren. Im Test liegt sie bei Riester-Sparern mit zwei Kindern je nach Einkommen und Lauf­zeit zwischen 1,5 und 8,5 Prozent pro Jahr.

Bei aller Kritik an der Riester-Rente – die Rendite durch Zulagen kann sich oft sehen lassen. Die gibt es immer oben­drauf. Manchmal mehr als 8 Prozent im Jahr.

Es gibt sie noch – die sichere Rendite für die Alters­vorsorge. Sie versteckt sich in der Riester-Förderung, in den staatlichen Zulagen. Anders als die Zinsen sind diese Zulagen nicht gesunken und glänzen im derzeitigen Zins­tief geradezu.

Je nach Sparer bringen die Zulagen in unserem Test allein zwischen 0,4 und 8,5 Prozent Rendite im Jahr. Die gibt es zusätzlich zur Rendite, die der Vertrag bringt.

Zula­genrendite ist immer sicher

Die Zulagen sind unabhängig von den nied­rigen Zinsen der Rentenmärkte, aber auch von der Unbe­ständig­keit der Aktienmärkte. Mit ihnen können Riester-Sparer immer rechnen – selbst wenn ihre Renten­versicherung teuer ist, ihr Anbieter schlecht wirt­schaftet oder ihr Fonds schlecht läuft.

Jeder Anbieter muss sicher­stellen, dass bei Laufzeit­ende eines Riester-Vertrags mindestens alle einge­zahlten Beiträge und Zulagen vorhanden sind. An der Zula­genrendite ist also nicht zu rütteln.

Sparer mit Kindern profitieren

Wir haben untersucht, wie hoch die Rendite alleine durch die Zulagen ist und für welche Sparer sich ein Abschluss besonders lohnt. Denn die Rendite fällt je nach Einkommen und Familien­situation sehr unterschiedlich aus. Vor allem für Eltern mit nied­rigem Einkommen ist sie hoch. Bei stolzen 8,5 Prozent liegt sie für einen Sparer mit zwei kleinen Kindern, einem versicherungs­pflichtigen Einkommen von 20 000 Euro im Jahr und einer Lauf­zeit von 30 Jahren.

Hat der gleiche Sparer ein Einkommen von 52 500 Euro, verringert sich die Rendite auf 1,7 Prozent, obwohl er dieselbe Zulage erhält wie der Sparer mit nied­rigem Einkommen. Das liegt daran, dass der Riester-Sparer mit dem hohen Einkommen mehr selbst einzahlen muss.

90 Prozent zahlt der Staat

In einen Riester-Vertrag müssen jedes Jahr 4 Prozent des renten­versicherungs­pflichtigen Einkommens fließen, mindestens aber 60 Euro im Jahr. Nur dann gibt es die Zulagen in voller Höhe.

Zu den 4 Prozent zählen nicht nur die eigenen Beiträge, sondern auch die Zulagen. Die Rechnung geht so: Bei unserem Sparer mit dem 20 000-Euro-Einkommen und zwei Kindern müssten 800 Euro im Jahr in den Riester-Vertrag fließen. Seine Zulagen betragen 754 Euro im Jahr (1 x Grund­zulage von 154 Euro + 2 x Kinder­zulage von je 300 Euro).

Da gesetzlich fest­gelegt ist, dass der Eigenbeitrag mindestens 60 Euro betragen muss, fließen nicht 800, sondern 814 Euro im Jahr in seinen Vertrag. Der Anteil, den der Staat an der Einzahlung über­nimmt, beträgt mehr als 90 Prozent. Das ergibt am Ende die Zula­genrendite von 8,5 Prozent.

Hat der gleiche Sparer ein Einkommen von 52 500 Euro, liegt der Staats­anteil seiner Spar­leistung nur bei 36 Prozent. Er muss 1 346 Euro im Jahr selbst einzahlen, um mit den gleichen Zulagen auf 4 Prozent seines Jahres­einkommens zu kommen. Er erreicht eine Zula­genrendite von 1,7 Prozent.

Weniger Zulagen für Kinder­lose

Sparer ohne Kinder rechnen genauso. Doch da Kinder­lose weniger Zulagen bekommen, zahlen sie mehr selbst in den Vertrag ein und der Staat zahlt weniger.

Bei einer Lauf­zeit von 40 Jahren und bei einem Einkommen von 52 500 Euro im Jahr liegt die Zula­genrendite nur bei 0,4 Prozent. Bei einem Einkommen von nur 20 000 Euro im Jahr und einer Lauf­zeit von 10 Jahren liegt sie bei 3,5 Prozent.

Steu­ersparmodell Riester

Riester-Rente Special

Für Gutverdienende ohne Kinder ist die Riester-Rente Alters­vorsorge und Steu­ersparmodell. Die Rendite allein aus Zulagen liegt zwischen 0,4 und 1,3 Prozent, die Steuerersparnis bei mehreren hundert Euro im Jahr.

Für einige Besserverdienende mag eine zusätzliche Rendite von einem halben Prozent kein Argument für einen Riester-Vertrag sein. Schließ­lich steht das Riester-Modell derzeit nicht zu Unrecht in der Kritik wegen seines bürokratischen Aufwands und teils intrans­parenten und wenig profitablen Angeboten.

Doch gerade kinder­lose Gutverdiener profitieren an anderer Stelle. Die Riester-Rente ist für sie nicht nur eine Alters­vorsorge mit Zulagen, sondern auch ein Steu­ersparmodell.

Beispiel Gutverdienerin: Single Barbara Eller hat ein Jahres­einkommen von 52 500 Euro und im Jahr 2013 inklusive Zulage 2 100 Euro in ihren Vertrag einge­zahlt. Das Finanz­amt erkennt die 2 100 Euro als Sonder­ausgaben an und berechnet eine Steuerersparnis von 790 Euro (ohne Solidaritäts­zuschlag). Davon zieht die Behörde noch Ellers Zulage von 154 Euro ab. Denn die Zulage ist ja in ihren Riester-Vertrag geflossen. Letzt­lich bekommt sie 636 Euro zurück.

Für unseren Beispielfall läge bei einem Einkommen von 30 000 Euro die Steuerersparnis bei 192 Euro im Jahr, wenn die Sparerin inklusive Zulage 1  200 Euro einzahlt.

Gar nichts vom Finanz­amt zurück bekäme Eller mit zwei kleinen Kindern. Ihre Zulagen sind dann so hoch, dass kein Steuer­vorteil mehr möglich ist.

Für Besserverdiener ist Riester vor allem aufgrund der Steuerersparnis interes­sant, Eltern und Gering­verdiener profitieren vor allem von den Zulagen.

Haken für Gering­verdiener

Doch obwohl Gering­verdiener durch die Zulagen wenig selbst einzahlen müssen und eine höhere Zula­genrendite als Besserverdiener haben, lohnt sich für sie nicht immer ein Abschluss. Haben sie später als Rentner trotz Riester-Rente so wenig zum Leben, dass sie auf staatliche Hilfe angewiesen sind, bleibt nach derzeitiger Rechts­lage manchem nichts von der Zusatz­vorsorge. Sie wird mit der staatlichen Grund­sicherung verrechnet.

Für viele Arbeitnehmer mit nied­rigeren Einkommen wird es so weit aber nicht kommen. So haben Mütter und Väter in Teil­zeit im Alter meist noch andere Einkünfte, etwa durch eine Betriebs­rente, oder sie sind zusätzlich über einen Ehepartner abge­sichert.

Besteuerung im Alter

Ganz ungeschoren kommt im Alter aber kein Riester-Rentner davon. Der Staat gibt und nimmt. Anders als die Einzahlungen sind die Auszahlungen der Riester-Rente steuer­pflichtig. Je nachdem, wie hoch der Steu­ersatz im Alter ist, kann ein recht großer Anteil der Rente ans Finanz­amt fließen.

Abschre­cken lassen sollten sich Sparer davon aber nicht. Die meisten Rentner haben einen deutlich nied­rigeren Steu­ersatz als in ihrer Zeit als Berufs­tätige.

Auch andere Vorsorgemodelle wie Rürup- oder Betriebs­renten sind im Alter steuer­pflichtig. Der Vorteil der Riester-Rente gegen­über der Betriebs­rente: Sozial­abgaben fallen in den meisten Fällen nicht an.

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