Riester-Rente: Fragen und Antworten

Riester-Rente Test

Fürs Alter sparen, bauen, umbauen – all dies geht mit einem Riester-Vertrag. Voraus­gesetzt, der Kunde wählt ein gutes Angebot.

Warum wird die Riester-Rente von Finanztest weiterhin empfohlen – wo sie doch von vielen Seiten heftig kritisiert wird?

„Die“ Riester-Rente gibt es gar nicht. Es gibt mehrere Varianten: Riester-Bank­sparpläne, Riester-Fonds­sparpläne, Riester-Renten­versicherungen mit und ohne Fonds­investment sowie Wohn-Riester-Verträge. Es kommt darauf an, ein zur persönlichen Lebens­situation passendes Produkt und dann ein gutes Angebot zu wählen. Ein Riester-Fondssparplan eignet sich zum Beispiel gar nicht, wenn Sie nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben. Eine Riester-Renten­versicherung sollten Sie nur dann abschließen, wenn Sie ein lang­fristig sichereres Einkommen haben. Auch gibt es in allen Produkt­varianten gute und schlechte Angebote. „Riester“ allein ist kein Qualitäts­stempel. Schlechte Angebote bleiben auch dann schlecht, wenn sie staatlich gefördert werden. Wir empfehlen, ein gutes Riester-Angebot auszuwählen – und die volle staatliche Förderung zu nutzen. Denn die Förderung macht die Riester-Rente attraktiver als eine vergleich­bare rein private Vorsorge. Es ist einfach besser, mithilfe des Staates fürs Alter vorzusorgen, als die gesamte Beitrags­last allein zu schultern. Bei den fundamen­talen Kritikern der Riester-Rente stört uns vor allem: Sie wissen keine Alternative. Das nutzt all denen herz­lich wenig, die für ihr Alter vorsorgen wollen und müssen. An allgemein­politischen Diskussionen über das Renten­system beteiligen wir uns nicht. Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir wollen Vorsorgesparern helfen, unter den gegebenen Umständen die richtige ergänzende Alters­vorsorge zu finden.

Wie viel Geld steuert der Staat zur Riester-Rente bei?

Der Staat fördert die Riester-Rente mit Zulagen und Steuer­vorteilen. Es gibt eine Grund­zulage von 154 Euro im Jahr sowie eine jähr­liche Kinder­zulage von 185 Euro für Kinder, die vor 2008 geboren sind. Für ab 2008 geborene Kinder sind es 300 Euro. Die volle Zulage gibt es aber nur, wenn Sie jedes Jahr – inklusive der Zulagen – 4 Prozent Ihres renten­versicherungs­pflichtigen Brutto­einkommens aus dem Vorjahr einzahlen. Vor allem als Gutverdiener können Sie mit einem Riester-Vertrag sehr viel Steuern sparen, weil Ihre Einzahlungen vom zu versteuernden Einkommen abge­zogen werden. Die Ihnen zustehenden Zulagen werden allerdings stets von der Steuererstattung abge­zogen. Das gilt selbst dann, wenn Sie keine Zulagen erhalten haben, weil Sie vergessen haben, die Zulagen über­haupt zu beantragen, weil eine staatliche Stellen, beispiels­weise die Kinder­geldkasse, die Daten nicht korrekt an die Zentrale Zulagen­stelle für Alters­vermögen (ZfA) weiterge­geben oder weil der Anbieter Sie falsch über die Zulagen beraten hat.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit einem Brutto-Jahres­einkommen von 30 000 Euro muss 1 200 Euro einzahlen, um die volle Förderung auszuschöpfen. Für den Teil seiner Einkünfte, den er in die Riester-Rente steckt, muss er keine Steuern zahlen. Für dieses Beispiel heißt das unterm Strich: Der Sparer muss von den 1 200 Euro Beitrag nur 843 Euro selbst aufwenden. Der Staat über­nimmt also 30 Prozent des gesamten Jahres­beitrags.

Kann ich die Zulagen auch auf mehrere Verträge verteilen?

Ja, Sie können Ihre Zulagen auf maximal zwei Riester-Verträge verteilen. Allerdings dürfte dies nur sinn­voll sein, wenn Grund­zulage und Kinder­zulagen zusammen einen größeren Betrag ausmachen. Dann könnten jüngere Sparer beispiels­weise einen Teil der Zulage in einen Fonds­sparplan stecken und so die Chancen des Aktienmarktes nutze. Den anderen Teil können sie in einen Bank­sparplan mit sicherer Verzinsung einzahlen. Verluste machen Sie mit einem Riester-Vertrag allerdings nie. Der Anbieter muss zu Renten­beginn wenigs­tens Ihre gesamten Beiträge plus die Zulagen garan­tieren.

Lohnt sich ein Riester-Bank­sparplan angesichts des Zins­tiefs über­haupt noch?

Riester-Rente Test

Matthias Pietzsch hat mit seinem Riester-Bank­sparplan bei der Kreissparkasse Köln rund 15 000 Euro angespart. Das Geld möchte der 65-Jährige in den alters­gerechten Umbau seines Hauses stecken. Ab 2014 ist dies möglich.

Die Zinsen von Riester-Bank­sparplänen sind an die Markt­zinsen gekoppelt. Die Sparer erhalten meist nur noch gut 1 Prozent Zinsen. Dennoch sollten Sie Ihren Sparplan nicht kündigen und nicht wechseln. Beim Wechsel in eine Riester-Renten­versicherung würden zum Beispiel hohe Abschluss­kosten anfallen. Der Umstieg in einen Sparplan mit höherem Basiszins lohnt sich allenfalls, wenn Ihnen noch viele Jahre bis zur Rente bleiben. Viele Sparpläne sind nämlich vor allem bei langen Lauf­zeiten attraktiv, da sie treue Sparer mit steigenden Zinsen und Boni belohnen. Bei kurzen Lauf­zeiten ist ein Wechsel nicht sinn­voll. Das nied­rige Zins­niveau trifft direkt oder indirekt auf längere Sicht alle Anlageformen, die ohne Risiko arbeiten. Bei den Sparplänen ist es nur offensicht­licher, weil sie im Vergleich zu anderen Anlagen trans­parenter sind. Wenn Sie noch keinen Vertrag haben, sollten Sie sich durch das aktuelle Zins­niveau nicht abschre­cken lassen. Es ist für einen auf 25 oder 30 Jahre angelegten Sparplan nicht entscheidend, da anfangs nur eine geringe Summe im Vertrag liegt. Wie die Zinsen in fünf oder zehn Jahren sein werden, weiß heute kein Mensch. Aufgrund der staatlichen Förderung ist die Rendite nach wie vor viel höher als bei anderen sicheren Spar­angeboten. Auch die geringen Kosten von Riester-Bank­sparplänen tragen dazu bei.

Ich möchte das Geld auf meinem Riester-Bank­sparplan für den alters­gerechten Umbau meiner Wohnung nutzen. Welche Umbaumaß­nahmen werden als alters­gerecht anerkannt?

Ab 2014 ist es möglich, das Guthaben aus einem Riester-Bank­spar­vertrag auch für den alters­gerechten Umbau einer selbst­genutzten Immobilie einzusetzen. Dazu gehören etwa die Installation einer bodengleichen Dusche, der Abbau von Schwellen und der Einbau von breiteren Türen, Rampen, Treppenliften und Notrufsystemen. Die Entnahme müssen Sie bei der Zentralen Zula­gestelle für Alters­vermögen (ZFA) beantragen. Sie ist an mehrere Voraus­setzungen geknüpft: Wenn Sie Ihre Wohnung inner­halb von drei Jahren nach dem Bau oder Kauf umbauen, müssen Sie dafür mindestens 6 000 Euro aus Ihrem Riester-Vertrag entnehmen. Für spätere Umbauten beträgt die Mindest­summe sogar 20 000 Euro. So viel haben die meisten Sparer derzeit noch gar nicht auf ihrem Riester-Konto. Sie müssen außerdem mindestens die Hälfte des Entnahme­betrags für Umbauten verwenden, die die Din-Norm für barrierefreies Bauen erfüllen (Din 18040 Teil 2). Einzel­heiten dazu können Sie im Internet unter www.nullbarriere.de nach­lesen. Die restlichen Maßnahmen müssen zwar nicht die Norm einhalten, aber ebenfalls zum Abbau von Barrieren führen. Dies muss ein Sach­verständiger bescheinigen. Die tech­nischen Mindest­anforderungen legt das Bundes­bauministerium in den kommenden Monaten fest. Sie werden weitest­gehend den Anforderungen entsprechen, die heute schon für das Förderprogramm „Alters­gerecht umbauen“ der staatlichen KfW-Bank gelten. Wenn Sie die Riester-Förderung für den alters­gerechten Umbau nutzen wollen, dürfen Sie dafür keine weiteren Zuschüsse oder Steuer­vorteile nutzen. Förderkredite der KfW sind aber kein Hindernis.

Kann ich von meinem Riester-Spar­guthaben auch einen Teil­betrag für den alters­gerechten Umbau meiner Wohnung entnehmen?

Theoretisch ja. Doch auch für diesen Fall gelten für die Entnahme die Mindest­beträge von 6 000 oder 20 000 Euro. Nach einer Teil­ent­nahme muss außerdem noch ein Guthaben von mindestens 3 000 Euro in Ihrem Riester-Vertrag bleiben.

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