Sparer mögen die Rendite­chancen der Fonds. Doch Umschichtungen lassen viele an ihrer Riester-Wahl zweifeln. Was tun?

Andreas Gill hat aufgehört. „Ende 2011 hat Union Investment das Geld in meinem Riester-Vertrag aus Aktien- in Rentenfonds umge­schichtet“, berichtet er. „Da habe ich nicht mehr weiter einge­zahlt.“

Ein anderer Sparer hat sich über die Umschichtungen bei der UniProfiRente so geärgert, dass er seinen Vertrag aufgelöst und sein Geld in einen neuen bei der DWS über­tragen hat. „Ich wollte in Aktien investieren“, sagt er, „bei Union flossen meine Zahlungen aber nur noch in Rentenfonds.“

Dabei war seine Wahl im Grunde richtig: Union sieht eine hohe Aktienquote vor. Das Geld soll möglichst lange im Welt­aktienfonds UniGlobal liegen bleiben, um viel Rendite zu bringen. Die Idee ist gut und klappt umso besser, je länger die Sparer noch von ihrer Rente entfernt sind.

Aus Sicht von Finanztest ist die UniProfiRente daher nach wie vor empfehlens­wert. Sie ermöglicht – wie die ebenfalls empfehlens­werte DWS TopRente Dynamik – die höchsten Rendite­chancen aller Riester-Fonds­sparpläne der aktuellen Unter­suchung. Die anfäng­lichen Raten fließen meist voll in Aktienfonds.

Garantie bremst Aktien­chancen

Mit der hohen Aktienquote ist es allerdings vorbei, wenn die gesetzlich geforderte Garantie gefährdet ist. Riester-Sparer dürfen nicht mit Verlust in die Rente starten, dafür muss die Fonds­gesell­schaft sorgen. Sie tut das, indem sie Geld aus den Aktienfonds in sicherere Anlagen über­trägt.

Bei der UniProfiRente fließt das Geld vom UniGlobal in den UniEuroRenta. Dort bleibt es bis zur Rente liegen. Union schichtet nicht mehr zurück in den Aktienfonds. Das ärgert viele Riester-Sparer und lässt sie am Konzept der UniProfiRente zweifeln.

Die Frage ist, was tun? Weiter einzahlen? Kündigen? Den Vertrag beitrags­frei stellen und woanders weitersparen?

Die Umschichtungs­falle

Riester-Rente Test

Mit Weitersparen haben es einige Anleger probiert. Oft hatten sie daran nicht lange Freude. Das liegt daran, dass ein Vertrag nach einer Umschichtung anfäl­liger wird für neuerliche Umschichtungen, weil das Aktien­kapital erst wieder wachsen muss. Gibt es schon nach kurzer Zeit einen neuen Einbruch am Aktienmarkt, kann das die Garantie schnell wieder gefährden.

Die nied­rigen Zinsen sorgen zusätzlich dafür, dass Umschichtungen schneller nötig werden. Der Sicher­heits­puffer ist dann einfach zu klein (siehe Grafik).

Michael Hanna­wacker berichtet uns, dass er nach der Umschichtung infolge der Finanz­krise für seine neuen Einzahlungen zunächst wieder Anteile des UniGlobal bekam. Von September 2011 zahlte er aber nur noch in den UniEuroRenta ein.

Läuft ein Vertrag schon länger, ist der Puffer oft so groß, dass die Aktien weit fallen können, ehe Union die Reiß­leine zieht. „Knapp 60 Prozent der UniProfiRente-Kunden sind noch nie umge­schichtet worden“, sagt Markus Temme von Union Investment.

Viele von ihnen haben die Einbrüche während der Finanz­krise über­standen, weil sie zuvor ansehnliche Gewinne aufgehäuft hatten. Wer jedoch umge­schichtet werden musste, hatte von seinem vorherigen Gewinn nicht mehr viel übrig.

„Was ist das für ein Absicherungs­konzept, das erst greift wenn ein Riesen­verlust entstanden ist?“, fragt empört der Sparer, der zur DWS wechselte. Bei ihm hat Union die Reiß­leine gezogen, als der Aktienfonds fast 40 Prozent gefallen war. Etwas weniger Verlust, und es wäre nichts passiert. So liegt sein Geld im Rentenfonds – obwohl mit Aktien die Verluste schneller wieder aufgeholt werden könnten als mit Anleihen. Doch das wäre Spekulation. Ein Garan­tiegeber darf mit dem Geld seiner Kunden nicht spielen, das ist nicht erlaubt.

Eigene Umschichtung möglich

Vor kurzem schrieb uns ein Leser aus Nord­deutsch­land, dass er selbst tätig wurde und Union beauftragt habe, einen großen Teil seines Geldes in den UniEuroRenta zu über­tragen. So entgeht er der Absturzfalle.

Diese Option haben alle Sparer der UniProfiRente. Sie können jeder­zeit selbst Geld aus dem UniGlobal in den UniEuroRenta schichten, um sich so bisherige Gewinne zu sichern. Ein Auftrag an Union genügt.

Ob eigene Umschichtungen eine lohnende Idee sind, hängt vom Verlauf der Märkte ab. Fallen die Kurse tatsäch­lich, war die Entscheidung gut, sonst aber nicht.

Ärger mit den Gebühren

Auch Rudolf Berg­hoff hat die UniProfiRente still­gelegt. Er hat sich darüber geärgert, dass er meist 5 Prozent Ausgabe­aufschlag zahlen musste – für den Kauf von Aktienfonds­anteilen – und im Laufe der Zeit sein Geld voll in den Rentenfonds floss, dessen Anteile nur 3 Prozent gekostet hätten. Berg­hoff zahlt inzwischen in einen Riester-Bauspar­vertrag ein.

Unerfreulich sind solche Umschichtungen von dem Aktien- in den Rentenfonds vor allem dann, wenn sie kurz nach dem Kauf erfolgen. Sparer, denen das passiert und deren Vertrag bereits öfter umge­schichtet worden ist, können Union Investment um Erstattung der Differenz der Kauf­kosten bitten. „Wir prüfen das im Einzel­fall“, sagt Markus Temme.

Fonds­sparer, die ihren alten Vertrag stoppen wollen, können fast über­all neu anfangen zu riestern. Mit Anfang fünf­zig sollten sie wegen der hohen Kosten aber keine Riester-Renten­versicherungen mehr abschließen. Auch Fonds­sparpläne mit hoher Aktienquote sind dann nicht mehr ratsam.

Kompletter Wechsel

Einige Berater schlagen ihren Kunden neuerdings vor, die UniProfiRente gegen die UniProfiRente Select zu tauschen. Sparer, deren Geld im UniEuroRenta fest­steckt, haben so wieder die Chance auf Aktien. Bei einer Rest­lauf­zeit von zehn Jahren lag die anfäng­liche Aktienquote zuletzt bei 30 Prozent (Stand 16. August 2013).

Auch bei der UniProfiRente Select kann es zu Umschichtungen kommen. Anders als bei der UniProfiRente kann Geld aus den Rentenfonds wieder zurück in Aktienfonds fließen. Für ältere Sparer empfiehlt sich die Select-Variante mit Misch­fonds.

Anleger, die sich den Launen der Börsen nicht unterwerfen wollen, können die Deka BonusRente abschließen. Sie teilt das Geld der Sparer nicht abhängig vom Markt, sondern je nach Rest­lauf­zeit auf Aktien- und Rentenfonds auf. „Die Umschichtungs­termine stehen bereits bei Vertrags­abschluss fest“, sagt Thomas Leineweber von Deka. Wer mit 30 Jahren beginnt, erhält den Deka-BR 100 mit 100 Prozent Aktien. Den behält er bis 15 Jahre vor der Rente. Dann fährt Deka den Aktien­anteil sukzessive zurück.

Auch die Deka BonusRente ist empfehlens­wert, nicht zuletzt, weil die eigens dafür aufgelegten Fonds gut sind. Zudem ist sie das güns­tigste Angebot im Test.

Garantie beachten

Wer einen neuen Vertrag abschließt, muss auf die Garantie achten. Sie bezieht sich nämlich nur auf die Summe, die der Riester-Sparer auf seinen neuen Vertrag über­trägt. War er im Minus, wird die Garantie geringer. Dann wäre beitrags­frei stellen besser. Bringt der Sparer aber ein Plus mit, bekommt er eine höhere Garantie.

Die Regel gilt auch für Über­tragungen beim selben Anbieter. Wer seinen Vertrag auflösen und einen neuen abschließen will, kann das daher bei einem neuen Anbieter genauso gut tun wie beim alten. Die DWS beispiels­weise verlangt auf über­tragenes Vermögen keine Gebühr – anders als Union, die selbst von Wechs­lern aus dem eigenen Haus 0,5 Prozent Eintritts­gebühr verlangt.

Riestern lohnt sich

Andreas Gill hat noch nicht entschieden, ob er weitermacht mit Riester. Wenn, würde er gerne wieder Aktien haben. Ganz aufhören wäre schade. Die Rentenlücke lässt sich kaum güns­tiger füllen als mit der staatlichen Förderung.

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