Die Berliner Sparkasse wirbt für ein Riester-Angebot. ­Ihren Kunden händigt sie Milchmädchenrechnungen aus – mit Name und Geburtsdatum.

Mit der Riester-Rente wollte sich die 22-jährige Nadine T. gar nicht befassen, als sie kurz bei ihrer Sparkassen-Filiale in der Westcity Berlins vorbeiging. Doch die Kundenberaterin ließ die junge Frau nicht ziehen. „Kennen Sie die neue Rente vom Staat? Mit unserem Komplettangebot können Sie ab sofort von der Förderung profitieren.“

Angucken schadet nichts, dachte die angehende Buchhändlerin. Die Kundenberaterin gab schnell ein paar Daten in den Computer ein und druckte ein individuelles Angebot aus. Das steckte Nadine T. ein, schon um wieder aus dem Gebäude hinauszukommen.

Die beiden Din-A4-Blätter, mit denen sich Nadine T. ein Bild von dem Angebot machen sollte, zeigte sie Finanztest. Das Urteil der Experten: Unsinn! Erkennbar war für Nadine T. nicht einmal, was denn diese „fondsbasierte Rentenversicherung“ überhaupt sein soll.

Kein Tarifname

Die Experten schauten genauer hin: Einen Tarifnamen gab es nicht, sodass eine Identifizierung unmöglich war. Ein Produkt „Riester-Rente“, mit dem das Sparkassen-Angebot überschrieben war, ist vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) bisher nicht als förderungsfähiger Altersvorsorgevertrag zertifiziert worden. Auch nichts unter dem Namen „fondsbasierte Rentenversicherung“, der auch darüber stand.

Überhaupt Zertifizierung. Ein Hinweis darauf fehlte völlig. Eine Zertifizierungsnummer war nicht angegeben. Doch ohne die kann Nadine T. nicht sicher sein, dass sie für einen solchen Vertrag mit der Sparkasse überhaupt Riester-Förderung bekommen würde.

Wie viel von ihrem Beitrag für mögliche Kosten abgezogen würde, war ebenfalls nicht angegeben. Dabei müssen Anbieter von Riester-Produkten die Kosten offen legen.

Rentenprognosen

Die Sparkasse hatte Nadine T. vorgerechnet, wie viel Förderung sie bekommt und wie hoch ihr Eigenbeitrag 2002 wäre. Was Nadine T. verdient, welcher Eigenbeitrag also fällig wäre, hatte die Kundenberaterin geschätzt und sich verschätzt. Die Rechnung konnte also sowieso nicht stimmen.

Die Sparkasse stellt ihr „in einer unverbindlichen Berechnung“ eine monatliche Gesamtrente von 648,93 Euro in Aussicht, die sie in 43 Jahren aus gesetzlicher Rente und Riester-Vertrag bekommen könnte. Sie kommt auf dem Ausdruck zu dem Schluss: „Die Altersvorsorge ist ausreichend.“

Die beiden „Rentenprognose“ genannten Werte (eine Prognose auf die staatlichen Zulagen, eine auf den Eigenbeitrag von Nadine T.) enthielten keinerlei Hinweis auf Einflüsse durch Inflation. Auch die gesetzlichen Rentenansprüche, die die Sparkasse für Nadine errechnet hatte, können völlig anders ausfallen.

Kein Problem, die nötigen Informationen bekomme die Kundin beim persönlichen Beratungstermin, verspricht Sylvia Preneta, Filialleiterin der Berli­ner Sparkasse am Kurfürstendamm. Die zwei Seiten seien nur eine Vorabinfo: „Der ­Kunde möchte doch was schwarz auf weiß.“

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