Riester-Jahresmitteilungen Test

Die jährlichen Riester-Informationen sollen Sparern Aufschluss über den Stand ihrer Altersvorsorge geben. Doch oft sind die Mitteilungen unvollständig, verwirrend oder sogar fehlerhaft.

Über elf Millionen Riester-Sparer machen es richtig: Sie haben einen Vertrag für die geförderte Altersvorsorge abgeschlossen, um ihre Rentenlücke zu schließen oder zumindest zu verkleinern.

Viele Versicherungen, Banken und Fondsgesellschaften machen es falsch: Sie informieren ihre Kunden Jahr für Jahr nur lückenhaft und kaum verständlich über den Stand der Riester-Verträge. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann auch Geld kosten – zum Beispiel, wenn sich schlecht informierte Sparer Förderbeträge entgehen lassen.

Wir haben die jährlichen Wertmitteilungen von 28 Riester-Verträgen getestet: Keine einzige erhielt ein „gutes“ Urteil. Fünf Mitteilungen hatten so gravierende Schwachstellen, dass wir sie mit „mangelhaft“ bewerteten.

Anbieter müssen informieren

Riester-Jahresmitteilungen Test

Kim Kreim hat seinen Riester-Vertrag beim Volkswohl Bund gekündigt und einen Fondssparplan auf die UniProfirente abgeschlossen. Deren Jahresmitteilung ist zwar kein Ruhmesblatt, aber für Kim Kreim zählen vor allem die langfristigen Perspektiven des Sparplans. Die Chancen auf eine ansehnliche Rendite stehen für den erst 33-Jährigen wegen der langen Vertragslaufzeit gut.

Wer spart, hat ein Recht darauf, über Sparerfolg und Kosten informiert zu werden. Der Gesetzgeber verpflichtet die Anbieter von Riester-Produkten, ihre Kunden regelmäßig umfassend über den Vertragsverlauf aufzuklären.

Zwei Bescheinigungen sind zwingend vorgeschrieben und relativ einheitlich auf amtlichen Vordrucken ausgestellt. Eines dokumentiert die im Kalenderjahr gezahlten Beiträge und dient zur Vorlage beim Finanzamt.

Die andere Bescheinigung ist für die Unterlagen des Sparers gedacht und enthält eine Auflistung der Beiträge und gutgeschriebenen Zulagen des abgelaufenen Jahres. Außerdem erscheinen dort auch der Vermögensstand zum Jahresende sowie die Summe aller Einzahlungen und Zulagen. Sparer können hier erkennen, ob ihr Vertrag im Plus oder Minus ist.

In welcher Weise die Anbieter ihre Kunden darüber hinaus informieren, liegt weitestgehend in ihrem Ermessen. Wir wollten genau wissen, wie sie das machen und haben die Jahresmitteilungen auf Inhalt, Verständlichkeit und Gestaltung geprüft. Vor allem interessierte uns die Frage, ob der Sparer anhand der Mitteilung genau nachvollziehen kann, wie sich das angesparte Vermögen entwickelt hat, welche Beträge wie angelegt und welche Kosten abgezogen wurden. Anfangs- und Endbestand sowie dazwischen alle für die Wertentwicklung maßgeblichen Einzelposten müssen kompakt dargestellt werden. Nur wenn der Sparer alle Positionen kontrollieren kann, ohne dass er diverse andere Formulare durchforsten muss, ist die Mitteilung gut.

Zusätzlich erwarten wir eine auch für Laien verständliche Sprache und die Erklärung von Fachbegriffen. Die Mitteilungen sollten nicht durch zu viel Text oder Ballastinformationen überfrachtet und übersichtlich aufgebaut sein. Soweit unsere Wunschvorstellung. Die Realität sieht leider ganz anders aus.

Kosten gut versteckt

Riester-Jahresmitteilungen Test

Für Robert Schröder wäre ein Versicherungswechsel nicht sinnvoll gewesen. Sein alter Vertrag bei der Hamburger-Mannheimer bietet ihm einen guten Garantiezins. Und selbst ihre Jahresmitteilung ist passabel.

Vor allem bei den Versicherungen liegt vieles im Argen. Es ist kein Zufall, dass alle „mangelhaften“ Gesamturteile auf diese Produktgruppe entfallen. Versicherungen sind komplizierter als Bank- oder Fondssparpläne und stellen für die Anbieter eine größere Herausforderung dar. Das gilt besonders für die Versicherungen mit Fonds, die ja sogar zwei Produkte kombinieren.

Besonders unangenehm fiel uns auf, dass nur wenige Versicherungen ohne Umschweife alle Kosten so ausweisen, dass der Kunde gleich weiß, woran er ist. Die Kosten sind bei vielen Verträgen in den ersten Jahren nun einmal so hoch, dass sie die kompletten Zulagen aufzehren. „Der Staat subventioniert doch direkt die Versicherungen“, lasen wir immer wieder in den Leserzuschriften.

Die Kostenbelastung ist zweifellos ärgerlich. Doch Riester-Sparer übersehen in ihrem Groll, dass sie mit der Vertragslaufzeit sinkt und dann im Durchschnitt ein erträgliches Niveau erreicht. Für Verträge mit 20 oder 30 Jahren Laufzeit ergibt sich ein deutlich günstigeres Verhältnis von Kosten und Ertrag, als es zu Beginn scheint.

Doch die Anbieter sind an den Missverständnissen nicht unschuldig. In vielen Jahresmitteilungen werden die wahren Kosten verschleiert. Keine einzige Gesellschaft listet auf, wie viel Geld sie dem Kunden im bisherigen Vertragsverlauf für Abschluss, Vertrieb und Verwaltung insgesamt in Rechnung gestellt hat. Diese Summe ist es aber, die den Sparer am meisten interessiert. Er kann sie dann einfach mit der Summe von Einzahlungen und Zulagen vergleichen.

Im Detail sind die Mängel aber noch viel krasser. „Laufende Information sichert Transparenz“, schreibt zum Beispiel die Nürnberger ihren Kunden im Begleitbrief zur Jahresmitteilung. Was sie darunter versteht, zeigt die beiliegende Information (siehe „Beispiel Nürnberger“).

Kunden, die über die enormen „erwirtschafteten Erträge“ staunen, haben sich zu früh gefreut. Unter diesem Posten erscheint nicht, wie man erwarten darf, eine Kapitalvermehrung durch die Versicherung, sondern die Summe der vom Kunden bezahlten Beiträge plus Zulagen abzüglich aller Kosten.

Die Nürnberger hat also das Vermögen des Versicherten nicht vermehrt, sondern sogar an den Beiträgen und den Zulagen gezehrt. Dazu sollte sich der Anbieter bekennen. Das schafft beim Kunden eher Vertrauen als die peinlich wirkende Umdeutung von Tatsachen.

Ein nicht so extremes, aber vielsagendes Negativbeispiel liefert auch die R + V. In ihrer Standmitteilung nennt sie zunächst die einbehaltenen Abschluss- und Verwaltungskosten, um in Klammern nachzuschieben, dass die tatsächlichen Kosten rund ein Drittel höher sind. Diesen Kostenanteil hat sie gleich mit einer Gutschrift verrechnet: dem Anteil am Grundüberschuss, der dem Kunden zusteht.

Schwächen auch bei Fondsanbietern

Ähnlich Widersprüchliches entdeckten wir in der Zusatzinformation zur Deka-BonusRente. „600 Euro wurden in den Fonds (...) investiert“, heißt es da klar und eindeutig. Doch das stimmt nicht, da beim Kauf 3,5 Prozent als Ausgabeaufschlag abgezogen werden. Verwirrend ist die Angabe der „erwirtschafteten Erträge“ (siehe „Beispiel Dekabank“).

Die Mitteilungen für die untersuchten Fondssparpläne waren ohnehin kein Ruhmesblatt. Die UniProfirente von Union Investment schrammte für ihre Informationen sogar haarscharf am „Mangelhaft“ vorbei. Wenn man bedenkt, dass dieser Riester-Vertrag rund eineinhalb Millionen Mal verkauft wurde, sollte seine Mitteilung eigentlich Vorbildcharakter haben. Doch davon ist sie weit entfernt.

Sparer suchen vergebens nach einem alten Kontostand, der die Vermögensentwicklung erst nachvollziehbar macht. Die überwiesenen Zulagen fehlen in der Wertmitteilung ebenso wie der Beginn und das Ende der Vertragslaufzeit. Kosten sind teils nur in Prozent, teils ohne das unverzichtbare Minuszeichen dargestellt.

Banksparpläne noch am besten

Die insgesamt besten Abrechnungen fanden wir bei Riester-Banksparplänen. Das mag vor allem daran liegen, dass diese Verträge vergleichsweise einfach sind und kaum versteckte Gebühren enthalten. Den Banken bleibt die dankbare Aufgabe, ihren Kunden echte Wertzuwächse in Form von Zinsgutschriften mitzuteilen.

Aber selbst hier liegt noch einiges im Argen. So fehlt bei allen Verträgen eine lückenlose Auflistung der verschiedenen Zinssätze, die im Lauf des Jahres aktuell waren. Der Sparer sollte wissen, wie seine Beiträge über welchen Zeitraum verzinst wurden. Da fast alle Riester-Banksparpläne an einen Referenzzins angebunden sind, sollte auch eine Information über dessen aktuelle Höhe nicht fehlen.

Immerhin: An der reinen Verständlichkeit gab es bei den von uns untersuchten Banksparplänen wenig auszusetzen. Das lässt sich von den anderen Vertragsarten nicht behaupten.

Viele Jahresmitteilungen strotzen vor Bürokratendeutsch, Wortungetümen und rätselhaften Satzgebilden. Welcher „Finanzdienstleistungsmandant“ kann schon etwas mit einem „Körperschaftssteuerminderungsbetrag“ anfangen? Zu allem Überfluss nerven manche Anbieter den Sparer auch noch mit Eigenwerbung, die in einer Wertmitteilung nichts verloren hat.

Es geht auch einfacher

Kritisieren ist einfacher als Bessermachen. Um diesen Vorwurf zu entkräften, zeigen wir am Beispiel einer Riester-Versicherung, wie wir uns eine gute Jahresmitteilung vorstellen. Das beginnt schon bei banalen Dingen wie der Zertifizierungsnummer. Kein Anbieter findet es nötig, sie in Verbindung mit dem Produktnamen anzugeben.

Sich in den Kunden hineinzudenken, scheint nicht die Stärke der Anbieter zu sein. Sonst hätten sie gewiss schon auf die Tatsache reagiert, dass unzählige Riester-Sparer Geld verschenken, weil sie nicht genügend Beitrag geleistet haben, um die maximale staatliche Zulage zu erhalten. Eine simple Zeile in der Jahresmitteilung könnte die Betroffenen auf dieses Manko aufmerksam machen.

Am wichtigsten finden wir aber, dass die Mitteilung von A bis Z nachvollziehbar ist. Ausgehend vom bereits angesparten Vermögen soll der Sparer detailliert erfahren, was aus seinen Beiträgen und den staatlichen Zulagen geworden ist. Für den Jahresabschluss eines x-beliebigen Vereins sind solche Aufstellungen selbstverständlich, also sollten sie auch für die staatlich geförderte Altersvorsorge möglich sein.

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