Riester-Fonds­sparplan Meldung

Die Fonds­gesell­schaft Union Investment stellt zum 1. August 2015 die UniProfiRente um. Das betrifft rund 1,8 Millionen Alters­sparer. Die Experten von Finanztest empfehlen: Viele Riester-Sparer sollten Wider­spruch einlegen. Hier lesen Sie eine aktualisierte ausführ­liche Einschät­zung der Änderungen in der UniProfiRente.

[Update 9.8.2016] Bilanz nach einem Jahr

Ein Jahr nach der Umstellung der UniProfiRente zeigt sich: Der UniGlobal Vorsorge schneidet tatsäch­lich schlechter ab als der UniGlobal. Mehr dazu in unserer Meldung UniProfiRente – Opfer des Sägezahns. [Ende Update]

UniProfiRente ist der meist­verkaufte Riester-Fonds­sparplan

Mit rund 1,8 Millionen Verträgen ist die UniProfiRente der meist­verkaufte Riester-Fonds­sparplan. In den vergangenen Wochen hat der Anbieter Union Investment seine Kunden darüber informiert, dass er die UniProfiRente zum 1. August 2015 verändern wird: An die Stelle des Aktienfonds UniGlobal wird ein neu aufgelegter Fonds namens UniGlobal Vorsorge treten. Der andere Teil der UniProfiRente, der Rentenfonds UniEuroRenta, bleibt unver­ändert. Sparer können den neuen Vertrags­bedingungen inner­halb von zwei Monaten wider­sprechen. Wir erklären, was die Änderung bedeutet, und sagen, warum der Wider­spruch für viele Union-Kunden sinn­voll ist.

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Mehr als eine Anpassung

Union Investment bezeichnet die Veränderung der UniProfiRente als schlichte „Anpassung“. Aus Sicht von Finanztest ist es mehr, nämlich eine Neuausrichtung. Bisher konnten Riester-Sparer davon ausgehen, dass ihre Beiträge zumindest anfangs voll­ständig am Aktienmarkt landen. Das ist nach der Umstellung nicht mehr gewiss. Auch der UniGlobal Vorsorge, der erst am 31. Juli 2015 aufgelegt wird, ist laut Union Investment ein Aktienfonds, doch Finanztest hat Zweifel daran. Schließ­lich soll der Fonds flexibel auf Börsen­schwankungen reagieren und in schwachen Markt­phasen sein Aktien­engagement zurück­fahren. Klingt nicht nach klassischem Aktienfonds.

Kurs­wechsel bei Union Investment

Finanztest hat die UniProfiRente in der Vergangenheit empfohlen, weil sie zu den wenigen Riester-Fonds­sparplänen gehört, die vor allem jungen Sparern eine 100-prozentige Aktienquote ermöglicht. Die hohen Rendite­chancen dieses Konzepts haben uns von Anfang an über­zeugt. Dass die Union Investment umschwenkt, ist verständlich. Wegen der extrem nied­rigen Zinsen ist die Gefahr, dass im Zuge eines Börsen­einbruchs die Aktienquote in der UniProfiRente auf null gesenkt werden muss, deutlich gestiegen. Das kann nötig sein, um die zum Laufzeit­ende geltende Garantie für alle Einzahlungen einzuhalten. Die Fonds­gesell­schaft hat mit dem Problem reichlich Erfahrung. In den zurück­liegenden Börsenkrisen musste sie oft umschichten, das heißt UniGlobal-Anteile zu nied­rigen Kursen verkaufen und den Erlös in den UniEuroRenta stecken. Betroffene Sparer waren verärgert, weil sie spätere Kurs­erholungen nicht mitmachen konnten.

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Es bleibt nur der Wider­spruch

Dennoch bleibt Sparern, die auch weiterhin möglichst ohne Abstriche in Aktien gehen wollen, nur der Wider­spruch gegen die Umstellung des Vertrags. Er ist für viele aus mehreren Gründen die sinn­vollste Lösung:

  • Der UniGlobal ist ein bewährter Fonds und wegen seiner hohen Nähe zum welt­weiten Aktienmarkt relativ berechen­bar, Bewertung des UniGlobal. Der UniGlobal Vorsorge ist dagegen neu und nicht erprobt. Ob sein Konzept funk­tioniert, lässt sich noch nicht sagen. Unklar ist auch, wie sich der Einsatz des neuen Fonds auf die Depot­steuerung für die UniProfiRente auswirken wird. Ob der gewünschte Effekt eintritt und inner­halb des Sparplans weniger schnell umge­schichtet wird, muss sich erst noch zeigen.
  • Die Umstellung vom UniGlobal auf den UniGlobal Vorsorge ist eine Einbahn­straße. Sparer kommen nicht mehr in das alte Modell zurück. In die andere Richtung gibt es etwas mehr Spielraum. Selbst wenn ein Kunde jetzt wider­spricht, hat er laut Union Investment die Möglich­keit, seine Entscheidung zu über­denken und noch vier bis sechs Wochen nach dem 31. Juli 2015 zurück­zunehmen. Mit einem Wider­spruch gewinnen Sparer Zeit, um die Zins­entwick­lung zu beob­achten. Sollte das allgemeine Zins­niveau in den kommenden Jahren wieder deutlich steigen, wäre der UniGlobal weiterhin die richtige Wahl.
  • Die neue Variante der UniProfiRente ist aus Sicht von Finanztest zu teuer. Wir sehen den UniGlobal Vorsorge nicht als reinen Aktienfonds und finden es deshalb nicht angemessen, dass er mit 5 Prozent denselben Ausgabe­aufschlag und mit 1,5 Prozent ebenso hohe jähr­liche Kosten hat wie der UniGlobal.

Prüfen Sie den Risikopuffer Ihres Depots

Dennoch sollten Sparer über­legen, ob ein Wider­spruch für sie das Richtige ist und dabei vor allem den Risikopuffer ihres Depots prüfen Details zum Risikopuffer.

Riester-Fonds­sparplan Meldung

Konzept ist nicht über­zeugend

Finanztest sieht die Umstellung bei der UniProfiRente kritisch. Uns über­zeugt weder der neue Fonds noch die Art und Weise, wie die „Anpassung“ einge­fädelt wird. Die Zustimmung zu einer einschneidenden Veränderung dadurch einzuholen, dass sich Kunden aktiv gegen die Neuerung wehren müssen, halten wir nicht für verbraucherfreundlich. Bedenk­lich finden wir außerdem, dass für die Alters­vorsorge ein Fonds­konzept gewählt wird, das sich bisher nur in der Theorie bewährt hat. Der UniGlobal Vorsorge hat im Kern die voll­ständige Aktien­zusammen­stellung des UniGlobal. Den Unterschied zwischen beiden Fonds sollen Finanz­geschäfte durch sogenannte Futures ausmachen. Der UniGlobal Vorsorge kann damit das Aktienrisiko zeitweilig auf 51 Prozent senken oder auf bis zu 120 Prozent erhöhen. Das erklärte Ziel von Union Investment ist es, Riester-Sparer durch den Fonds­wechsel länger an Aktien­anlagen zu beteiligen. Das kann mit einer geringeren Aktienquote gelingen, weil dann seltener umge­schichtet werden muss. Allerdings sinken damit nach allen Erfahrungen der Vergangenheit auch die Rendite­chancen.

Ohne Zinsen keine Garantie

Union Investment steht mit seinem Problem nicht allein da. Unter dem anhaltend nied­rigen Zins­niveau leiden alle Finanz­produkte, die der Alters­vorsorge dienen, ob Sparpläne, Renten­versicherungen oder Pensions­fonds. Die Garan­tieleistungen, auf die sich die Anbieter verpflichtet haben, sind mit sicheren Anlagen wie Bundes­anleihen immer schwerer zu erfüllen. Heikel ist die Verbindung von Aktien­anlagen und Garan­tieversprechen, denn die starken Kurs­schwankungen, die an der Börse zum Alltag gehören, machen Anbietern das Leben zusätzlich schwer. Selbst eine lange Lauf­zeit bis zum Renten­beginn, normaler­weise die beste Voraus­setzung für eine hohe Aktienquote, verhindert nicht zuver­lässig, dass angespartes Vermögen in Rentenfonds umge­schichtet werden muss. Sollten die Zinsen einmal wieder deutlich steigen, wäre der UniGlobal aber aussichts­reicher als sein Nach­folger.

Diese Meldung ist am 24. Mai 2015 auf test.de erschienen und am 15. Juni 2015 umfang­reich ergänzt worden.

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