Riester-Fondssparplan Test

Die Riester-Garantie hat auch Schattenseiten. Ingrid und Horst Behling mussten dies mit als Erste erfahren.

Als im März die Börse wackelte, griff zum ersten Mal das Sicherungskonzept der UniProfirente. Nicht alle betroffenen Riester-Sparer sind darüber glücklich.

So hatten sich Ingrid und Horst Behling aus Höxter das Altersvorsorgesparen à la Riester eigentlich nicht vorgestellt. Nachdem die Börsen im März im Keller waren, verkaufte die Fondsgesellschaft Union Investment alle Anteile, die sie am Aktienfonds UniGlobal besaßen. Stattdessen fanden sich auf ihren April-Auszügen Anteile des Rentenfonds UniEuroRenta. Seither sind Behlings sauer. Denn kaum hatte die Union ihre Uniprofi-Riester-Renten auf Zinspapiere umgestellt, bewegten sich die Aktienkurse wieder leicht nach oben. Nur: Das Geld der beiden 56-jährigen Berufsschullehrer profitierte davon nicht mehr.

Wie den Behlings erging es etwa 40 000 weiteren Sparern, die die UniProfirente abgeschlossen haben. Grund: Geht ein Riester-Sparer in Rente, muss das vorhandene Vermögen mindestens so hoch sein wie die eingezahlten Beiträge und die Zulagen. Das fordert der Gesetzgeber.

Die von den Umschichtungen betroffenen Verträge, 2,5 Prozent der 1,6 Millionen UniProfirenten, zeichneten sich durch „relativ geringe Restlaufzeiten“ aus, heißt es bei Union Investment. Das Management hatte zumindest für ältere Riester-Sparer wie Behlings eine „kritische Börsenphase“ ausgemacht. Der Kapitalerhalt war in Gefahr. Im UniEuroRenta bringt das Sparergeld zwar weniger Rendite. Verluste sind jedoch so gut wie ausgeschlossen.

Ingrid und Horst Behling tröstet das kaum: „Anstatt die Aktienanteile zu halten und auf die Erholung der Märkte zu setzen, wovon man bei einer Restlaufzeit von zehn Jahren ausgehen kann, werden die Anteile verkauft“, wundern sie sich.

Das allerdings wäre Spekulation. Anders als ein Privatanleger kann die Union nicht auf die Erholung der Märkte setzen, wenn sie gleichzeitig eine gesetzliche Garantie geben muss.

Umgeschichtet trotz Plus

Für die Union ist es daher keine Frage, warum Depots wie die der Behlings nach einem Drittel der Laufzeit und zehn Jahre vor dem gewünschten Rentenbeginn umgeschichtet werden. Und das selbst dann, wenn sie noch knapp im Plus liegen.

Die Gesellschaft bezieht ihre Garantie nämlich nicht auf den gewünschten, sondern auf den frühest möglichen Rentenbeginn. In der Regel ist das der 60. Geburtstag des Sparers. Läuft der Riester-Vertrag zu diesem Zeitpunkt noch keine zehn Jahre, verschiebt die Union den Garantiezeitpunkt dementsprechend. Behlings haben ihre Verträge im Dezember 2003 abgeschlossen. Ende 2013 also will die Union die Beiträge und Zulagen gesichert haben. So gerechnet verblieben der Gesellschaft nur noch fünf Jahre, um Kursschwankungen des UniGlobal auszugleichen. Das kann tatsächlich schiefgehen.

Die mittlere Restlaufzeit aller UniProfirente-Depots gibt die Union mit 22,5 Jahren an. Ist noch so viel Luft, toleriert die Gesellschaft bis zu 50 Prozent Wertverlust des UniGlobal, bevor sie umschichtet.

Ein Programm entscheidet

Die Union-Manager stützen sich bei diesen Entscheidungen auf ein finanzmathematisches Programm, das jedes Kundendepot fortlaufend unter die Lupe nimmt. Es berücksichtigt unter anderem die Vertragsdauer, die Restlaufzeit, den aktuellen Depotwert und den Ansparrhythmus.

Der Zeitpunkt, wann das Programm zuschlägt, ist für UniProfi-Kunden allerdings nicht vorhersehbar. Ebenso wenig, ob das gesamte Guthaben umgeschichtet wird oder ob nur die neuen Anteile in den EuroRenta fließen. In Börsenphasen wie der jetzigen, in denen die Kurse an den Aktienmärkten Achterbahn fahren, steigt auf jeden Fall für die UniGlobal-Riester-Depots mit kürzerer Restlaufzeit die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den UniEuroRenta umgeschichtet werden. Nur wenn die vorhandenen Aktiengewinne noch ausreichend Puffer bieten, wartet Union auch in diesen Fällen ab. Auch die Entwicklung der Zinsen hat einen Einfluss auf den Zeitpunkt, zu dem ein Depot umgeschichtet wird.

Seit dem Start der Riester-Rente im Jahr 2002 herrschte an den Börsen fast durchgehend eitel Sonnenschein. Dies kam der UniProfirente zugute, denn sie ist der einzige Riester-Fondssparplan, der die Beiträge der Sparer zunächst zu 100 Prozent in einem Aktienfonds anlegt. Umso überraschender trifft einige Sparer wie Ingrid und Horst Behling jetzt nach dem Fall der Kurse die Garantiesicherung und der Ausstieg aus dem Aktienfonds.

Kunden mit vielen Jahren Abstand zur Rente haben eher die Chance, dass sich die Aktienkurse wieder erholen. Älteren Kunden entzog Union Investment diese Möglichkeit, um die Garantie nicht zu gefährden. Dass neue Beiträge wieder in den UniGlobal fließen und an einem möglichen Aktienhoch teilhaben können, ist da nur ein schwacher Trost.

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