Riester-Fondssparpläne Test

Dietmar Posch arbeitet in der Binnenschifffahrt. Der 39-Jährige will einen Riester-Fondssparplan abschließen. Damit kann er Geld anlegen, ohne Abgeltungsteuer bezahlen zu müssen.

Erstmals rutschen die ­Riester-Verträge ins Minus. Junge Sparer können das aussitzen, ältere beruhigt die Riester-Garantie.

Die Finanzmarktkrise hat auch die Riester-Fondssparpläne gerupft. Besorgt haben Leser uns gefragt, ob die Rente noch sicher sei, die sie mit ihren Riester-Fondssparplänen ansparen wollen.

Die klare Antwort: Ja, die Einzahlungen der Sparer und die staatlichen Zulagen werden bei Rentenbeginn garantiert zur Verfügung stehen. Die Krise beeinträchtigt ­lediglich zeitweise die Rendite der Aktienfonds, in die Einzahlungen der Sparer fließen. Riester-Fondssparpläne bestehen aber selten nur aus Aktienfonds. Bei den meisten Produkten steckt ein Teil der Beiträge ohnehin in Rentenfonds.

Auf lange Sicht werden sich die turbulenten Börsentage im Herbst 2008 wahrscheinlich kaum an der künftigen Rente ­ablesen lassen. Selbst Anleger, deren Ruhestand kurz bevorsteht, müssen nicht verzweifeln. Nur wenige Sparer investieren bis zum Rentenbeginn zu 100 Prozent in Aktienfonds. Meistens wird schon Jahre vorher in sichere Zinspapiere umgeschichtet.

Sogar in dem unwahrscheinlichen Fall, dass die Fonds in einem Riester-Fondssparplan gar keine Erträge einfahren würden, hätten die Sparer am Ende mehr, als sie selbst eingezahlt haben. Dafür sorgen schon die Zulagen vom Staat.

Ältere sollten das Risiko meiden

Bis zu 4 Prozent ihres Bruttogehalts, höchstens jedoch 2 100 Euro, können Sparer im Jahr in einen Riester-Vertrag einzahlen und dafür eine staatliche Förderung bekommen. Der Betrag setzt sich zusammen aus den eigenen Beiträgen und den staatlichen Zulagen.

Die Zulagen betragen für eine Person 154 Euro im Jahr. Familien sahnen richtig ab, weil es auch für Kinder Zulagen gibt. Für ab 2008 geborene Kinder sind das 300 Euro im Jahr.

Finanztest hat alle Riester-Fondsspar­pläne der insgesamt sechs Anbieter unter die Lupe genommen. Unsere Empfehlung hängt davon ab, in welchem Alter der Riester-Sparer den Vertrag abschließt:

  • Unter 40 Jahren sind die DWS Toprente Dynamik und die UniProfirente von Union Investment die besten Angebote auf dem Markt. Bei beiden Produkten werden bis zu 100 Prozent der Einzahlungen in Aktienfonds investiert. Läuft es an der Börse gut, bringt das die höchsten Renditen.
  • Über 40 bleibt risikofreudigen Riester-Sparern nur noch die UniProfirente für ein reines Aktieninvestment.
  • Ab 50 Jahren sollten Sparer nicht mehr in einen Riester-Fondssparplan einsteigen.

Sparer, die nach ihrem 45. oder sogar 50. Geburtstag beginnen, laufen Gefahr, dass die Fondsgesellschaft schon kurz nach Vertragsbeginn die Sicherungsphase einläutet. Sie entscheiden sich für einen Fondssparplan, weil sie noch zehn Jahre oder länger von den Renditechancen der Aktienfonds profitieren wollen. Wenige Jahre später kann ihr Vertrag jedoch bereits vollständig auf Zinspapiere umgestellt sein.

Anbieter schichten zur Sicherheit um

Die Fondsgesellschaften verlagern mit zunehmendem Lebensalter der Sparer das Schwergewicht des Investments von Aktien auf Zinspapiere. So stellen sie die gesetzlich geforderte Garantie für die Einzahlungen und die Zulagen sicher.

Als Zieltermin haben einige Gesellschaften das 60. Lebensjahr gewählt, auch wenn der tatsächliche Rentenbeginn erst fünf Jahre später liegt.

Das Umschichten kann allmählich geschehen oder abrupt. Ältere UniProfirente-Kunden erlebten nach der Börsenschwäche im Frühjahr, dass ihre Einlagen vom Aktienfonds UniGlobal in den Rentenfonds UniEuroRenta umgeschichtet wurden.

Da die Riester-Fondssparpläne zum ersten Mal seit ihrer Einführung 2002 stark fallende Kurse mitmachen, sind diese Sparer mit der Umschichtung nicht schlecht gefahren. Ihre bisherigen Einzahlungen bleiben aber von künftigen Aufwärtsbewegungen der Aktienkurse ausgeschlossen.

Auf Schwankungen gefasst

Junge Menschen, die sich für einen Riester-Fondssparplan entscheiden, wissen, dass sie Schwankungen im Wertzuwachs des Riester-Vertrags riskieren. Läuft es an den Börsen gut, erzielen Riester-Fondssparpläne höhere Renditen als Riester-Banksparpläne und Riester-Versicherungen, die beiden anderen Varianten des Riester-Sparens.

Ob ein Fonds in einem Jahr Gewinne oder Verluste schreiben wird, lässt sich allerdings nicht vorhersehen. Einzahlungen in einen Banksparplan vermehren sich dagegen stetig um einen festgelegten Zins. Und das Jahr für Jahr.

In den ersten fünf Jahren ihres Bestehens sind auch die guten Riester-Fondssparpläne kontinuierlich gewachsen. Doch nur ein Jahr später müssen die Riester-Fondssparer erstmals zusehen, wie ein Teil ihrer Altersvorsorge schrumpft.

Aussitzen schont die Einlagen

Riester-Fondssparpläne Test

Gudrun Glanzer ist im Krankenhaus in Landau beschäftigt. Die 49-Jährige setzt mit der DWS Toprente auf die Aktienmärkte und hat trotzdem alle Einzahlungen sicher.

Schlecht beraten wären die Anleger, wenn sie wegen der gefallenen Aktienkurse in ­einen anderen Riester-Vertrag wechseln würden, etwa in einen Riester-Banksparplan. Damit würden sie die augenblicklichen Verluste langfristig festschreiben.

Beim gegenwärtigen Anbieter sind alle eigenen Einzahlungen und die Zulagen in einen Riester-Fondssparplan zum vereinbarten Rentenbeginn garantiert. Weniger kann es nicht werden, auch wenn die Börsenkurse zwischenzeitlich stark nach unten ausschlagen.

Bei einem Wechsel kann der Sparer aber nicht die Summe seiner eigenen Einzahlungen und die Zulagen mitnehmen, sondern nur die Summe, die sein Konto ausweist. Und die liegt bei vielen Fondssparplänen zurzeit weit unter den Einzahlungen.

Die Allianz-dit-Förderrente weist zum Stichtag unseres Tests für einen Sparer, der 2002 mit 20 Jahren eingestiegen ist, 21,2 Prozent weniger aus, als dieser eingezahlt hat. Bei der UniProfirente sind es minus 5,5 Prozent und bei der DWS Toprente Dynamik minus 4,3 Prozent.

Ein neuer Anbieter garantiert aber nur den niedrigeren Betrag, der bei ihm eingezahlt wird. Das Börsentief im alten Fondssparvertrag auszusitzen, bringt also auf jeden Fall mehr als ein Wechsel.

Ob Sparer wegen der Finanzkrise mit Abstrichen bei ihrer Rendite rechnen müssen, hängt von ihrem Alter ab. Wenn sie in den nächsten paar Jahren in Rente gehen, bleibt ihnen wohl nicht mehr genug Zeit, um die Verluste dieses Herbstes auszugleichen.

Für Riester-Fondssparer, die noch zehn oder mehr Jahre bis zur Rente haben, sieht es besser aus. Im Augenblick profitieren sie von den niedrigen Preisen für die Fondsanteile. Wenn die Krise der Finanzmärkte ausgestanden ist, dürften die Kurse der Aktien wieder steigen. Die Riester-Fondssparer sind dann an diesen Gewinnen mit mehr Anteilen beteiligt.

Manchen Riester-Kunden entgeht aber aus einem anderen Grund viel Geld: Sie entscheiden sich für einen Sparplan mit ungünstiger Kostenverteilung, die DWS Riester-Rente Premium oder die über Vermittler vertriebene Riester-Förderrente flex. Beide sind nicht zu empfehlen, weil die Anbieter die Kosten für die Einzahlungen der gesamten Laufzeit vorab in den ersten fünf Jahren kassieren.

Dieses Geld fehlt dann in der Aktienanlage. Das Renditeminus holen die Produkte gegenüber der Konkurrenz nicht mehr auf.

Allianz und cominvest fusionieren

Den Kunden von Allianz-dit und cominvest steht ein Zusammenschluss bevor. Die beiden Gesellschaften werden im nächsten Jahr nach der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank dem Dach von Allianz Global Investors unterstellt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Riester-Produkte der beiden Anbieter zusammengelegt werden. Das soll aber für die Kunden keinerlei Einbußen bedeuten, versprechen die Anbieter.

Riestern ohne Abgeltungsteuer

Für Riester-Verträge gilt die Abgeltungsteuer nicht. Dieser Steuer unterliegen ab kommendem Jahr ansonsten fast alle Kapitalerträge und erstmals auch Kursgewinne.

Die Sonderstellung der Riester-Verträge macht speziell die Riester-Fondssparpläne interessant. Mit ihnen können Anleger auch nach dem Jahreswechsel noch Fonds erwerben, deren Kursgewinne von der Abgeltungsteuer befreit sind.

Diesen Vorteil der Riester-Verträge können sich sogar Freiberufler und Selbstständige zunutze machen, auch wenn sie keine staatlichen Riester-Zulagen erhalten.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Steuervorteile auszuschöpfen: einen Extravertrag dafür abzuschließen oder einen geförderten Riester-Fondssparplan zu „überzahlen“.

Für die Zahlungen, die über den geförderten Rahmen hinausgehen, gibt es keine Zulagen und der Sparer darf sie auch nicht von der Steuer absetzen. Die Verträge sind mit einer Ausnahme dieselben. Die DWS bietet mit dem DWS Vermögensplan Premium ­einen eigenen Fondssparplan fürs Riester-Sparen ohne Förderung an.

Die Anbieter garantieren auch für die ­ungeförderten Verträge den Kapitalerhalt. Zu Beginn der Rente sind mindestens alle Einzahlungen auf dem Konto.

Das Vermögen aus den ungeförderten Beiträgen kann der Sparer auf einen Schlag bekommen. Von den geförderten Anteilen darf er nur 30 Prozent auf einmal abheben. Den Rest muss er verrenten lassen.

Riester-Verträge sind allerdings nicht steuerfrei, auch wenn die Abgeltungsteuer nicht gilt. Die normale Riester-Rente ist als Einkommen voll zu versteuern. Für das ­Gesparte ohne Förderung gilt eine Sonderregel: Ist ein Vertrag zwölf Jahre gelaufen und der Anleger bei der Auszahlung mindestens 60 Jahre alt, muss er die Hälfte des Ertrags mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Der Ertrag ist das, was von der Auszahlung bleibt, wenn man die Einzahlung abzieht.

Selbst wenn er davon die Hälfte mit dem Spitzensteuersatz versteuern müsste, wäre das günstiger als 25 Prozent Abgeltungsteuer für den vollen Ertrag.

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