Riester-Fondssparpläne Test

Union Investment hat bei 360 000 Riester-Sparern der UniProfirente aus Sicherheitsgründen die Anteile am Aktienfonds UniGlobal in den Rentenfonds UniEuroRenta umgeschichtet. Wir haben nachgerechnet: Die Union war oft zu vorsichtig.

Heinz Weidenthaler hat sich zum Jahresanfang sehr gewundert. Rund 25 Jahre vor seinem frühestmöglichen Rentenbeginn mit 60 Jahren schichtete die Fondsgesellschaft Union Investment seinen Riester-Fondssparplan vom UniGlobal Aktienfonds in den Rentenfonds UniEuroRenta um.

Die gleiche Erfahrung haben zum Jahresende mehr als 360 000 Riester-Sparer bei Union Investment gemacht, die meisten zwischen 40 und 50 Jahre alt. Sie haben sich – viele schon vor sechs Jahren zu Beginn des Riester-Sparens – für den Fondssparplan UniProfirente entschieden, weil gerade er jüngeren Menschen die höchsten Renditechancen bietet. Deshalb hat Finanztest ihn gemeinsam mit der DWS Toprente für alle empfohlen, die ihre Riester-Förderung für Aktienfonds nutzen wollen.

Deshalb schichtet die Union um

Riester-Fondssparpläne Test

„Negativ überrascht“ war die 33-jährige Ute Söll aus Meckenbeuren, als sie den Auszug ihrer DWS Riester-Rente Premium kontrollierte. Einen Teil der Anlagen hat die DWS in einen Rentenfonds umgeschichtet.

Die Finanzkrise hat nun dafür gesorgt, dass kaum ein Riester-Sparer jenseits der 45 nur noch Aktienfonds im Depot hat. Grund für die Umschichtungen ist die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie. Zum Rentenbeginn muss Union dem Kunden mindestens die eingezahlten Beiträge und die staatlichen Zulagen garantieren. Bei fallenden Aktienkursen gerät dieses Ziel in Gefahr. Der Kunde hat dann ja weniger Geld im Depot, als er eingezahlt hat.

Alarm schlägt ein Computerprogramm. Entdeckt es eine kritische Unterdeckung, entnimmt Union Investment das bislang eingezahlte Geld des Kunden aus dem UniGlobal und legt es im UniEuroRenta an. Und zwar so, dass von diesem Umschichtungszeitpunkt an bis zu dem frühestmöglichen Rentenbeginn mit 60 Jahren alle Verluste bis zur Umschichtung wieder aufgeholt werden können.

Der EuroRenta setzt auf sichere Zinsanlagen. Union bezeichnet ihn in ihrer Werbung als „Airbag“ für das Riester-Depot.

Union Investment hat immer betont, dass die Riester-Depots ihrer Kunden solange wie möglich in Aktien investiert bleiben sollten. Was die Union und andere Riester-Fondssparplananbieter unter „solange wie möglich“ verstehen, wissen wir nicht. Brauchbare Angaben über ihre Geschäftsmodelle rücken die Fondsgesellschaften mit dem Argument „Die Konkurrenz liest mit“ nicht heraus.

Ohne die Mithilfe unserer Leser wäre es auch jetzt nicht möglich gewesen, der Umschichtungssystematik der UniProfirente auf die Spur zu kommen.

Mehr als 600 Sparer haben uns ausführliche Abrechnungsunterlagen zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis unserer Auswertung: Union Investment hat in vielen Fällen die Reißleine zu früh gezogen.

Jetzt sind viele Union-Kunden enttäuscht. Dass die Sicherungssystematik der Union ausgerechnet dann zuschlägt, wenn die Aktienkurse im Keller sind, hatten sie nicht erwartet. Ein Leser schreibt: „Man kann doch Geld nur dann so unintelligent managen, wenn es nicht um das eigene geht.“

Wie er äußern sich viele Leser empört, dass sie keinen Einfluss auf ihr Riester-Fondsdepot nehmen können. Dass die Union den Zeitpunkt einer Umschichtung selbst bestimmt, ist aber Teil der Vertragsbedingungen, die die Kunden unterschrieben haben.

Kaum Einbußen für junge Verträge

Auf die Gesamtrendite wirken sich die Umschichtungen in den Riester-Fondssparplänen von Union Investment nicht in jedem Fall dramatisch aus. Wir haben unterstellt, dass ein Vertrag gleichbleibend bespart wird und nach einer Umschichtung die Beiträge sofort wieder in den UniGlobal fließen. Wir sind weiter davon ausgegangen, dass der UniGlobal bis zum Ende der Ansparphase durchschnittlich 10 Prozent Rendite abwirft.

Dann ergibt sich folgendes Bild: Erfolgt bei einem auf 20 Jahre angelegten Vertrag nach einem Jahr bei einer Unterdeckung von 40 Prozent eine Umschichtung und danach bis zur Auszahlung keine mehr, liegt die Gesamtrendite bei 9,2 gegenüber 9,6 Prozent, wenn nicht umgeschichtet worden wäre. Je länger ein Vertrag bereits bespart wurde, bis eine Umschichtung stattfindet, desto größer ist der Nachteil. Bei einer Umschichtung nach sechs Jahren erwirtschaftet der Vertrag in unserem Beispiel nur noch 5,4 statt 7,1 Prozent Gesamtrendite.

Je geringer der Verlust im Depot ist, desto größer ist der Nachteil durch die Umschichtung.

Vertrauen in den eigenen Fonds?

Ein genauer Blick fördert aber Ungereimtheiten zutage. Heinz Weidenthaler hat Ende 2007 einen Zulagenvertrag abgeschlossen. Im Mai 2008 flossen 114 Euro Zulage auf sein Riester-Konto. Mit dem Kurs des UniGlobal, der sich in der Krise vergleichsweise gut schlägt, sanken Weidenthalers Einlagen auf rund 73 Euro. Weil im Dezember die Depotgebühr fällig wurde, buchte die Union gut 10 Euro ab. Bei der nächsten Überprüfung Ende Dezember meldete das Computerprogramm Alarm. Die noch vorhandenen rund 63 Euro mussten gesichert werden, damit 24 Jahre später wieder 114 Euro zur Verfügung stehen könnten.

Damit das funktioniert, muss sich das Geld jährlich um 2,4 Prozent vermehren. Eigentlich dürfte das kein Problem sein, denn seit seiner Auflegung hat der UniEuroRenta im Schnitt eine Rendite von 6 Prozent pro Jahr gebracht.

Natürlich lässt sich aus der Vergangenheit nicht die Entwicklung der Zukunft ablesen. Zurzeit befinden wir uns außerdem in einer Niedrigzinsphase. Trotzdem lag die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere mit einer Restlaufzeit von 15 bis 30 Jahren am 30. Dezember 2008 immer noch bei 3,73 Prozent pro Jahr.

Mit dem Sicherheitsabschlag, den Union Investment bei Heinz Weidenthalers Depot ansetzt, ist die Fondsgesellschaft übertrieben vorsichtig. Würde sie die längerfristigen Erfahrungswerte berücksichtigen – schließlich bleiben noch 25 Jahre Zeit –, dann hätte sie den Vertrag noch nicht umschichten müssen.

Weidenthaler ist kein Einzelfall. Wir haben sogar noch krassere Beispiele gefunden. Bei einem 43-Jährigen, der uns seine Depotabrechnungen zur Verfügung gestellt hat, muss der UniEuroRenta gerade noch 1,76 Prozent durchschnittliche Rendite bis zum 60. Lebensjahr erbringen, damit dann die Verluste vor der Umschichtung wieder eingefahren sind.

Das ist nachgerade weltfremd. Sogar die Rendite sicherer Bundesanleihen ist schon doppelt so hoch. Und die liegen ihrer guten Bonität wegen schon am unteren Ende der Renditeskala.

In einem Monat kann viel passieren

Wir haben in den Depotauszügen unserer Leser weiter geforscht und einen weiteren Schwachpunkt des Absicherungssystems der UniProfirente zutage gefördert. Umschichtungen werden immer zum Monatsende vorgenommen. Das Computerprogramm nimmt die Depots also lediglich zwölf Mal im Jahr unter die Lupe. Je mehr Abstand aber zwischen zwei Beobachtungstagen liegt, desto höher muss auch der Sicherheitspuffer sein, den die Fonds-gesellschaft einbaut. Und desto früher leitet das Programm die Absicherung eines Depots ein. Schließlich kann in dem unbeobachteten Monat viel passieren.

Finanztest ist bei seinen Bewertungen der UniProfirente von der naheliegenden Annahme ausgegangen, dass die Überprüfungen börsentäglich erfolgen. Für viele Anleger könnte das Bild der UniProfirente dann noch freundlicher aussehen. Eine tägliche Überprüfung der Depots schließt Umschichtungen zwar nicht aus. Sie erhöht aber wenigstens die Chance, dass überhaupt nicht umgeschichtet werden muss. Dies gilt vor allem für Phasen wie Ende 2008, in denen der Kurs des UniGlobal heftig nach oben und unten ausschlug.

Durch grobe Maschen fallen viele

Bei der Analyse der uns zugesandten Verträge stellte sich heraus, dass das Raster, mit dem Union Investment arbeitet, sehr grobmaschig gestrickt ist. Das ist für bestimmte Kunden ein Nachteil. Wir haben Beispiele dafür gefunden, dass zwei Verträge mit gleicher Unterdeckung gleichzeitig umgeschichtet wurden, obwohl der eine noch fünf Jahre länger bis zum Erreichen des 60. Lebensjahrs hatte als der andere. Damit wird der mit der längeren Laufzeit schlechter behandelt als der andere.

Ebenso gibt es Beispiele, in denen Union Investment Riester-Depots umgeschichtet hat, die zwar die gleiche Restlaufzeit, aber deutlich unterschiedliche Grade von Unterdeckung aufwiesen. Der mit der geringeren Unterdeckung ist also durch die gleiche Masche gefallen wie der mit der höheren.

„Nutzen Sie die niedrigen Kurse!“

Zum Ärger mit der UniProfirente kommen noch verwirrende Informationen hinzu. So erhielten Zigtausende der von der Umschichtung betroffenen Sparer mit ihren Depotauszügen eine Broschüre, in der die Union davor warnte, gerade jetzt Aktienfondsanteile zu verkaufen und vermeintlich sicherere Rentenfondsanteile ins Depot zu legen. Besser sei es, die niedrigen Aktienkurse zu nutzen, um Fondsanteile nachzukaufen, um von einem erwarteten Anstieg der Kurse überproportional profitieren zu können. Angesprochen waren natürlich die nicht riesternden Kunden der Union, die über ihre Depots frei verfügen können. Die UniProfirente-Kunden mussten sich dennoch vergackeiert vorgekommen sein; schließlich erhielten sie kein Schreiben, in dem die Union ihnen die Umschichtung angekündigt oder wenigstens im Nachhinein erklärt hätte.

Berater müssen nachsitzen

Das Kommunikationschaos setzt sich in den genossenschaftlichen Banken fort, über die die UniProfirente vertrieben wird. Tilo Scheid aus Hilden hatte sich im September in der Filiale der BBBank in Köln-Deutz nach den Umschichtungen erkundigt, nachdem Finanztest Mitte 2008 hierüber geschrieben hatte. Derartige Medien berichteten unseriös und falsch, beschied ihm sein persönlicher Berater. Und: Ihm könne das nicht passieren. Doch prompt schichtete Union Investment Ende Oktober auch sein UniProfirente-Depot um.

Als Scheid fragte, ob die Bestände bei einer Erholung der Märkte wieder zurückgeschichtet würden, antwortete ihm der gleiche Verkäufer schriftlich: „Die umgeschichteten Beträge können wieder zurück in den UniGlobal umgeschichtet werden (entscheidet Union Investment).“

Tatsächlich bleiben einmal umgeschichtete Beiträge auf Dauer im UniEuroRenta liegen. Das soll auch künftig so bleiben, hat Union Investment mitgeteilt.

Wenigstens will die Fondsgesellschaft die Verkäufer in den Banken speziell im Punkt Umschichtungssystematik bei der UniProfirente nachschulen.

Zahlreiche Leser berichteten uns davon, dass sie auf die möglichen Umschichtungen in der Ansparphase nicht angesprochen worden seien. Darauf machen die Verkäufer in den Banken offenbar nur ungern aufmerksam. Da ist ihnen die Provision in der Tasche wohl näher als die Aufklärung des Kunden.

Die weiteren Einzahlungen

Die neuen Beiträge nach einer Umschichtung sollten eigentlich wieder in den UniGlobal fließen, nur bei geringeren Restlaufzeiten sollte sicherheitshalber weiter im UniEuroRenta angelegt werden. Dies hat Union Investment auf Anfrage gerade wieder bestätigt.

Unsere Stichprobe zeigt etwas anderes. Auch bei Verträgen mit einer deutlich längeren Restlaufzeit als zehn Jahre sind die Beiträge nach der Umschichtung zunächst in den UniEuroRenta geflossen. Das ist schwer nachzuvollziehen, denn die Kapitalgarantie ist ja zu diesem Zeitpunkt durch die Umschichtung bereits gegeben.

Inzwischen heißt es bei Union, die Folgebeiträge sollten „möglichst schnell“ wieder in den UniGlobal eingezahlt werden.

Das die Umschichtungen auslösende Computerprogramm führt manchmal auch zu skurrilen Ergebnissen: Alexander Matiaskos Depot hat die Union Anfang November umgeschichtet. Den Dezember-Beitrag des 50-Jährigen aus dem Landkreis Augsburg hat sie in den UniGlobal eingezahlt. Nur eine Woche später wurde jedoch auch dieser Beitrag in den UniEuroRenta umgeschichtet.

Das war zwar kostenlos, aber nicht ohne Nachteil für Matiasko. Schließlich verlangt die Union für den UniGlobal einen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent, für den UniEuroRenta nur 3 Prozent. Die doppelte Umschichtung bedauert die Union. Sie sei aber ein „sehr seltenes“ Phänomen, sagt Union Investment. Und der Sparer ärgert und wundert sich.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1994 Nutzer finden das hilfreich.