Riester-Fondssparpläne Test

Riester-Fonds sind für Anleger geeignet, die eine möglichst hohe Rendite erzielen wollen und ­Kursschwankungen verkraften können.

Aktionäre sind wie ­Segler auf stürmischem Meer. Kaum haben sie mit ihrem Boot einen Wellenberg erklommen, rauschen sie wieder hinab ins Tal. Es gibt Leute, die werden richtig euphorisch, wenn der Horizont vor ihren Augen tanzt. Sie lieben das Spiel mit der Naturgewalt.

Segler wie Aktionäre wollen ihr Ziel möglichst unbeschadet erreichen. Über­tragen auf die Aktienwelt heißt das: Renditechancen nutzen ohne unterzugehen. Aus diesen Überlegungen resultiert die Riester-Rente mit Fonds. Wenn schon Aktienfonds auf lange Sicht als die lukrativste Art des Sparens gelten, wäre es doch schade, sie nicht für die staatlich geförderte Altersvorsorge zuzulassen – darin waren sich die Fondsgesellschaften von Anfang an einig. Wie die Fondssparpläne die im ­Gesetz verlangte Beitragsgarantie zum Vertragsende erfüllen sollen, darüber gingen die Meinungen freilich auseinander. Während der Laufzeit gilt die Garantie übrigens nicht.

Die Schifffahrtsroute

Finanztest hat die Angebote von acht Fondsgesellschaften untersucht und – ganz grob – drei verschiedene Konzep­te ausgemacht. Das beste ist die Uni­Profirente von Union Investment. Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken nutzt die Chancen der Aktienmärkte konsequent und vertraut auf Berechnungen, denen zufolge das Verlustrisiko von Aktienfonds auf längere Sicht betrachtet gering ist – vorausgesetzt, der Anleger steigt nicht von heute auf morgen aus, sondern kann sich Zeit lassen, eventuelle Kurseinbrüche auszusitzen.

Nun endet das Riester-Sparen mit Beginn der Rente, der Ausstieg ist somit nicht flexibel. Doch weil der Zeitpunkt feststeht, können die Fondsmanager rechtzeitig eingreifen und die zwischenzeitlich eingefahrenen Gewinne sichern. „Je nach Restlaufzeit des Vertrags und Marktlage schichten wir Teile des vorhandenen Vermögens in Rentenfonds um“, heißt es bei Union Investment.

Wie gesagt, die UniProfirente bietet unter den bislang angebotenen Riester-Produkten die beste Renditechance. Sollte der Aktienteil allerdings keinen Gewinn abwerfen, stehen die Anleger am Ende tatsächlich nur mit den Einzahlungen da. Dieses Risiko ist – zumindest theoretisch – bei der UniProfirente am größten, weil sie stärker als die anderen Produkte auf Aktien setzt. Bei den anderen sorgt der Anteil der Renten dann wenigstens noch für ein paar Prozente. Werden die Aktien allerdings wertlos, müssen sich Anleger am Ende bei fast allen Varianten mit den eingezahlten Beiträgen zufrieden geben.

Wider die Seekrankheit

Wie eine Nussschale über die aufgewühlte See zu hüpfen, hoch und runter, auf und ab – vielen wird davon übel. Sie fahren lieber auf einem großen Dampfer übers Meer als mit einer Segelyacht. Das ist sicherer, aber ein bisschen Spaß bringts trotzdem.

Das ist die Haltung der meisten Fondsgesellschaften. Ihre Konzepte für die Riester-Rente sind von Anfang an auf mehr oder weniger Sicherheit ausgelegt – je nachdem, wie alt der Sparer bei Vertragsabschluss ist. Jüngere bekommen über die gesamte Zeit mehr, ältere von vornherein weniger Aktien. Je näher die Rente rückt, desto mehr Geld fließt weg von den Aktien in Anleihen. Finanztest bezeichnet diese Produktkonzepte als Lebenszyklusmodelle.

Die Toprente der DWS, die Bonusrente von der Deka-Bank und die dit-Fondsvorsorge sehen für jüngere Leute Aktienquoten bis 100 Prozent vor – je nach Marktlage. Im Moment bekommt zum Beispiel ein 30-jähriger Sparer in der DWS Toprente Dynamik 85 Prozent Aktien.

Wenn die Anleger älter werden, müssen sie auf Aktien mehr und mehr verzichten und damit auch auf die vergleichsweise hohen Renditechancen. Die DWS legt umso mehr in Rentenfonds an, je kürzer der Zeitraum bis zur Rente ist. Der dit beginnt spätestens fünf Jahre vor Vertragsende mit der Umschichtung von Aktien in Anleihen. Bei der Bonusrente von Deka wechselt der Anleger in festgelegten Abständen in Fonds mit geringerem Aktienanteil.

Zu viele Rettungsringe an Bord

Auch der Hansa-Generation-Plan orien­tiert sich daran, wie lange es bis zur Rente noch dauert. Die Anleger investieren in Dachfonds und wechseln mit abnehmender Restlaufzeit in Fonds mit abnehmendem Aktienfondsanteil. Einem etwas anderen Konzept folgen die An­gebote von Activest und Adig: Beide Gesellschaften erfüllen die Beitragsgarantie, indem von Anfang an ein Teil der Rate in Rentenpapiere fließt, deren Wert am Laufzeitende der Summe der Einzahlungen entsprechen soll.

Bei diesem Konzept verzichten die Anleger auf Renditechancen. Klar ist, das Schiff kann nicht untergehen, die Riester-Sparer erhalten auf alle Fälle ­ihre eingezahlten Beiträge zurück. Wer sich für Fonds entscheidet, weiß, dass es mit Aktien zwischendurch ordentlich bergab gehen kann, aber – und deshalb lässt er sich darauf überhaupt ein – mit großer Wahrscheinlichkeit auch die besten Renditen gibt.

Wenig seetauglich ist das Ein-Fonds-Konzept der BHW-Bank. Dessen Manager haben ein Produkt gebastelt, mit dem theoretisch nicht viel schief gehen kann – es handelt sich um einen Mischfonds mit ungefähr einem Drittel Aktien. Das Geld der Anleger fließt unabhängig vom Alter und der restlichen Vertragslaufzeit in denselben Fonds, der auch für alle gleich gemanagt wird.

Es kann also durchaus passieren, dass einer der Verträge vor der Auszahlung im Minus steht. Der Anleger erhält natürlich mindestens seine Einzahlungen. Trotzdem: Dafür, dass die Renditen nicht sicher sind, sind die Chancen nicht hoch genug.

Seebären haben das Nachsehen

Finanztest findet, dass die meisten Lebenszyklusmodelle zu viele Zinspapiere vorsehen. Der Renditeverzicht ist zu hoch und die Garantie damit zu teuer. Oder – in der Seefahrersprache – der Dampfer fährt zwar sicher, aber langsam. Besonders träge gestaltet sich die Altersvorsorge für Ältere. Beim DWS bekommen über 49-Jährige keine Aktien mehr. Der dit gewährt über 51-Jährigen immerhin einen maximalen Aktienteil von 20 Prozent. Die Deka-Bank und die BHW-Bank lassen ­Anleger über 50 gar nicht mehr zu.

Im sicheren Hafen

Am Ziel angekommen, funktionieren alle Riester-Produkte gleich. Die Schiffe liegen vor Anker, die Passagiere sind in Sicherheit und zehren von ihren Erlebnissen. Sie können sich aussuchen, ob sie ihre monatliche Rente aus einer Versicherung oder einem Fondsentnahmeplan beziehen wollen. Spätestens ab 85 kommt die Rente auf jeden Fall aus ­einer Rentenversicherung. Außerdem können sich Fondssparer ein Fünftel ihres angesparten Vermögens bei Beginn der Rente am Stück auszahlen lassen. Je nachdem, wie gut ihr Fonds gewirtschaftet hat, reicht das vielleicht für eine geruhsame Kreuzfahrt.

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