Riester-Fonds­sparpläne Special

Riester-Sparen mit Aktienfonds lohnt sich. Unsere Rück­schau zeigt: Viele Sparpläne brachten gute Wert­zuwächse.

Riester-Fonds sind besser als ihr Ruf. Auch in Krisen­zeiten nutzen sie meist konsequent die Chancen der Aktienmärkte. Das zeigt unsere erste Rück­schau auf die Entwick­lung von echten Sparplänen aus den Jahren 2006 und 2007. Voraus­setzung ist allerdings, dass der Sparplan eine lange Lauf­zeit von deutlich über 20 Jahren hat. Nur dann bleibt Sparern in der Regel auch ein oft kritisiertes Ärgernis erspart: die Umschichtung von Aktien- in Rentenfonds nach einem Kurs­sturz an der Börse. Die entstandenen Kurs­verluste lassen sich dann kaum noch wett­machen.

Garantie schützt vor Verlust

Viele Sparer schre­cken immer noch reflexhaft vor allem zurück, was mit Aktien zu tun hat. Zu groß ist ihre Angst vor Verlusten. Für sie könnte ein Riester-Fonds­sparplan die Lösung sein. Die staatlich geförderte Riester-Rente gibt es seit 2002, die Riester-Variante mit den höchsten Rendite­chancen ist der Fonds­sparplan Riester-Rente in Kürze.

Ein weiterer Vorteil: Mit Riester-Fonds­sparplänen können Sparer, wenn sie den Vertrag bis zum Ende durch­halten, kein Geld verlieren. Dafür sorgt die staatliche Garantie. Schlimms­tenfalls steht man also mit einer Null­rendite da, unter Einrechnung der staatlichen Zulage wäre aber sogar dieser „Worst Case“ noch ein positives Ergebnis.

Knack­punkt „Umschichtungs­falle“

Anstoß zu unserer aktuellen Unter­suchung gaben hunderte von Lesern, die sich in den vergangenen Jahren an uns wandten. Sie haderten mit den Folgen der Riester-Garantie und berichteten von der „Umschichtungs­falle“. Aus ihren Depots wurden die Aktienfonds ausgerechnet dann verkauft, als die Kurse besonders nied­rig waren. Von der folgenden Börsenrallye konnten sie also nicht mehr profitieren.

Besonders betroffen waren Besitzer der UniProfirente. Kein Wunder, denn dieser vor allem über Volks- und Raiff­eisen­banken verkaufte Riester-Vertrag ist mit fast zwei Millionen Abschlüssen der am meisten verbreitete Riester-Sparplan.

Lange Verträge trotzten Börsenkrise

Wir haben nun erst­mals untersucht, wie repräsentative echte Riester-Fonds­sparpläne in unterschiedlichen Börsen­phasen reagierten. Wie hoch war ihre Aktienquote in Zeiten steigender und fallender Börsen­kurse? Und was haben die Sparpläne bisher gebracht? Wir wählten dazu pro Anbieter zwei Sparpläne aus, die zwischen 2006 und 2007 geschlossen wurden. Denn hier gab es die meisten Abschlüsse.

Die Verträge sollten Ende 2013 eine Rest­lauf­zeit von rund 10 beziehungs­weise 20 Jahren aufweisen, sowie eine mitt­lere Einzahlungs­summe haben. Für solche Verträge haben uns die Anbieter Vertrags­daten geschickt. Sie zeigen, dass jungen Sparern Umschichtungen von Aktien- in Rentenfonds im Normalfall erspart blieben.

Das gilt auch für die UniProfirente: Ein Vertrag mit 20 Jahren Rest­lauf­zeit über­stand selbst die verheerende Börsenkrise im Jahr 2008 mit 100-prozentiger Aktienquote. Bei einem Vertrag mit halb so langer Rest­lauf­zeit gab es zwar 2008 eine Umschichtung, aber mitt­lerweile haben Sparer schon wieder einen hohen Aktien­bestand aufgebaut Angebote von Union Investment, Grafik.

Viele Sparpläne, die in der Vergangenheit von Umschichtungen betroffen waren, hatten kurze Rest­lauf­zeit. Auch Zulagen­verträge, in die Ehepartner von Riester-Berechtigten meist nur einmal jähr­lich einzahlen, erwiesen sich als anfäl­lig. Wer mit 25 bis 35 Jahren einen Sparplan abschließt, hat dagegen gute Aussichten, durch­gehend Kapital mit Aktienfonds aufzubauen. Das gilt nicht nur für die UniProfirente, sondern auch für die DWS Toprente Dynamik.

Hohe Kosten schmälern Rente

Leider gibt es keinen einzigen Fonds­sparplan mit jähr­lichen Kosten von unter 1 Prozent. Dabei geht jeder Kosten­abzug in der Spar­phase zulasten der späteren Rente.

Vor allem der Deka­Zukunfts­plan Classic ist zu teuer. Allein die laufenden Kosten der zur Wert­steigerung einge­setzten gemischten Dachfonds liegen deutlich über 2 Prozent pro Jahr. Schade, denn die Wert­entwick­lung der Fonds war in der Vergangenheit durch­aus über­zeugend.

Die DekaBonusrente, der Zukunfts­plan Select, die DWS Toprente und die Sparpläne von Union Investment sind zwar auch nicht günstig, preislich aber gerade noch akzeptabel. Was nicht bedeutet, dass wir ihre Preis­politik gutheißen. Union Investment hat die Kosten für ihre Riester-Fonds, den UniGlobal und den UniEuroRenta, kürzlich erhöht. Wir werden diese Entwick­lung aufmerk­sam beob­achten.

Zu unflexibel ist das Kostenmodell der DWS RiesterRente Premium, das Sparer sehr lang­fristig an den Vertrag bindet. Die Abschluss- und Vertriebs­kosten werden – wie bei Versicherungen – auf die ersten fünf Vertrags­jahre umge­legt, in denen der Sparplan normaler­weise im Minus liegt. Selbst wenn sich bei sehr langer Lauf­zeit der Kosten­unterschied zu herkömm­lichen Verträgen ausgleichen sollte, ist das Konzept für Anleger problematisch. Wer früh­zeitig aus dem Vertrag aussteigt oder nach ein paar Jahren den Anbieter wechselt, muss starke Einbußen in Kauf nehmen.

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