Riester-Banksparpläne: Faires Angebot

Riester-Förderung Test

Gertrud Sommer konnte den Riester-Banksparplan in einer Bankfiliale abschließen. Viele Sparer haben dagegen keine Bank mit einem Angebot in Reichweite und müssen deshalb auf persönliche Betreuung verzichten.

Riester-Banksparpläne sind flexibel und äußerst sicher. Für ältere Riester-Sparer gibt es nichts Besseres. Aber Vorsicht bei der Auswahl: Die Ertragschancen der einzelnen Sparpläne unterscheiden sich enorm.

Gertrud Sommer musste nicht lange überlegen, um sich für ein bestimmtes Riester-Produkt zu entscheiden. Da die Finanztest-Musterkundin 55 Jahre alt ist, kam für sie nur ein Banksparplan infrage. Ein Fondssparplan wäre ihr angesichts der relativ kurzen Laufzeit zu riskant gewesen, eine Versicherung schlicht zu teuer.

Beim Riester-Banksparplan hat sie dagegen eine ordentliche Rendite sicher und so gut wie keine Nebenkosten.

Bedeutend schwerer war es, aus den verschiedenen Angeboten das beste herauszupicken. Komplizierte Zinsbedingungen, unterschiedliche Bonusregeln und Kosten machen den Vergleich für Laien unmöglich. Unser Test von mehr als 50 Sparplänen trennt die Spreu vom Weizen.

Einen Reinfall müssen Sparer bei keinem Angebot befürchten. Schlimmstenfalls verschenken sie aber 1 bis 2 Prozent Rendite. Für einen 40-Jährigen, der heute einen Sparplan abschließt, könnte das bis zum Renteneintritt einen Unterschied von gut 25 000 Euro bedeuten.

Ungewisses Zinsniveau

Riester-Förderung Test

Nach heutigem Stand sind mit den besten Sparplänen auf Sicht von 15 Jahren über 4 Prozent, bei 35 Jahren Laufzeit sogar knapp 5 Prozent pro Jahr möglich.

Wie hoch die Rendite tatsächlich ausfällt, kann niemand sagen. Die Verzinsung von Riester-Banksparplänen ist an unterschiedliche Zinssätze am Kapitalmarkt gekoppelt, wie zum Beispiel den langjährigen Durchschnittszins für 10-jährige Bundesanleihen und einen durchschnittlichen Zins für dreimonatig angelegtes Geld. Wo solche Richtgrößen in den nächsten Jahrzehnten stehen werden, ist völlig ungewiss.

Für den direkten Vergleich der Sparpläne ist das aktuelle Zinsniveau auch nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist, welchen Referenzzins die Bank gewählt hat und wie stark sie ihre Kunden daran beteiligt.

Unser Test macht unterschiedlich gestrickte Riester-Banksparpläne erstmals vergleichbar. Wir haben als Maßstab einen Mustersparplan vorgegeben, bei dem Sparer den Ertrag 10-jähriger Bundeswertpapiere voll kassieren würden. Dann haben wir den Renditeabstand zu dieser Messlatte ermittelt. Diese Zahl in der Tabelle auf Seite 30 ist entscheidend für die Qualität des Vertrags. Je niedriger der Renditeabstand, desto besser für den Sparer. In der Tabelle haben wir nach den Werten für eine Laufzeit von 15 Jahren sortiert.

Die Testsieger

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Der Banksparplan ermöglicht Gertrud Sommer eine kleine, aber feine Zusatzrente. So kann sie sich auch im Rentenalter noch etwas gönnen.

Ganz vorn steht die Stadtsparkasse Hameln, gefolgt von der Stadtsparkasse Gevelsberg und der Sparkasse Günzburg-Krumbach. Wer hier einen Vertrag abschließt, sichert sich sehr günstige Konditionen, denn die Banken dürfen das einmal festgelegte Verhältnis zum Referenzzins nicht willkürlich ändern. Das verlangt ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH).

Sparer, die in Hameln abschließen, können sich über einen Anfangszins von 3,75 Prozent freuen. Bei längeren Laufzeiten ist dieser Sparplan, wie auch einige andere getestete Verträge, so günstig, dass die Bank nichts mehr an ihm verdient, sondern den Sparer gewissermaßen bezuschusst.

Bei manchen Angeboten sollte der Kunde dagegen genau hinschauen, um möglichen Enttäuschungen vorzubeugen. So bietet die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch mit 4 Prozent zurzeit den höchsten Zins aller untersuchten Verträge. Doch der Kunde hat keine Gewähr, dass das so bleibt. Der für die zukünftige Entwicklung entscheidende Zins liegt nämlich derzeit nur bei 2,1 Prozent, die restlichen 1,9 Prozent stammen aus einem Sonderzins, der jederzeit gesenkt werden oder wegfallen kann. Wir haben den Vertrag auf Basis des 2,1-prozentigen Zinses berechnet, mit dem die Bank kalkuliert, denn nur auf dieses Niveau hat der Kunde einen Rechtsanspruch.

Zwei Sparpläne konnten wir nicht bewerten, da die Banken in ihren Verträgen die zukünftige Zinsentwicklung kaum oder gar nicht berücksichtigen: Die Sparkasse Gronau hat den aktuellen Zins von 3,1 Prozent für absehbare Zeit quasi eingefroren und muss ihn erst bei einer sehr langen Hochzinsphase nach oben anpassen. Die Volksbank Nordmünsterland geht sogar davon aus, dass für ihren Sparplan das Urteil des BGH nicht gilt und fühlt sich deshalb nicht an Anpassungsregeln gebunden. Für uns ist das Grund genug, den Sparplan nicht zu bewerten. Trotz einer Anfangsverzinsung von 3,75 Prozent ist er weniger empfehlenswert.

Banken zeigen kalte Schulter

Die meisten der untersuchten Sparpläne können wir aber guten Gewissens empfehlen. Leider gibt es aber längst nicht so viele Angebote wie bei Riester-Versicherungen. Die meisten Kreditinstitute zeigen diesem Produkt nach wie vor die kalte Schulter.

So bietet weder die Commerzbank noch die Deutsche Bank, weder die Dresdner Bank noch die Hypovereinsbank einen Riester-Banksparplan an. Riester-Sparer sind also auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken angewiesen. Doch auch die haben kein flächendeckendes Angebot. Vor allem im Osten der Republik gibt es banksparplanfreie Zonen. Auch die Einwohner der Hauptstadt müssen fremdgehen, wenn sie mit einem Banksparplan riestern wollen. Weder in Berlin noch im angrenzenden Brandenburg finden sie eine Bank, bei der sie einen Vertrag abschließen könnten.

Bleibt ein schwacher Trost: Viele Sparkassen und Volksbanken nehmen gern auch ortsfremde Kunden an. Der telefonische Kontakt ist zwar kein vollwertiger Ersatz für die persönliche Betreuung in einer Filiale, aber viele Sparer haben uns von guten Erfahrungen mit dem Vertragsabschluss bei einer fremden Bank berichtet. Wenn sich der Kunde erst einmal entschieden hat, ist die Abwicklung mit einem Identifizierungsverfahren per Post kein Problem mehr.

Transparente Umlaufrendite

So haben, wie Finanztest aus Leserzuschriften weiß, viele Sparer aus dem gesamten Bundesgebiet einen Riester-Vertrag bei der Mainzer Volksbank. Sie akzeptiert auch ortsfremde Kunden, wenn deren ortsansässige Volksbank keinen Riester-Banksparplan anbietet.

Zwar steht die Mainzer Volksbank nicht ganz oben, aber empfehlenswert ist ihr Riester-Banksparplan allemal. Bei Laufzeiten von 10 und 15 Jahren gehört er zu den besten im Test. Vor allem aber ist er vorbildlich transparent.

Wie einige andere Volks- und Raiffeisenbanken koppeln die Mainzer die Verzinsung direkt an die Umlaufrendite, eine anerkannte Maßzahl für die Rendite von Bundeswertpapieren unterschiedlicher Laufzeiten. Die Umlaufrendite wird börsentäglich ermittelt. Der Sparer findet sie in der Tageszeitung oder im Internet.

Viele Sparkassen und manche Genossenschaftsbanken machen es sich und ihren Kunden nicht so einfach. Statt an der Umlaufrendite richten sie das Zinsniveau der Verträge an unterschiedlichen gleitenden Zinsen oder Zinsmischungen aus, die teilweise so kompliziert sind, dass selbst Experten ins Grübeln kommen.

All diese selbsterstellten Referenzgrößen haben eins gemeinsam: Der Sparer kann sie kaum verfolgen und somit auch nicht kontrollieren, ob die Bank das aktuelle Zinsniveau korrekt weitergibt.

Kein Durchblick beim Bonus

Damit nicht genug: Bei vielen Sparverträgen ist der Basiszins nur für einen Teil der Rendite verantwortlich. Den Rest steuern Boni bei, die mit zunehmender Laufzeit immer großzügiger ausgeschüttet werden. Doch kaum ein Sparer kann ausrechnen, wie sie die Gesamtrendite verändern.

Finanztest hat für seinen Vergleich von Riester-Sparplänen alle Boni berücksichtigt und in den Renditeabstand eingerechnet. Das Ergebnis zeigt, dass sich für den Sparer bei Bonusverträgen ein langer Atem fast immer bezahlt macht. Viele Sparpläne, die nach 10 oder 15 Jahren noch wenig attraktiv sind, können sich nach 35 Jahren sehr wohl sehen lassen.

Bei Zinserhöhungen schnell dabei

Die Frage, ob auf sehr lange Sicht ein Sparplan mit Bonussystem besser abschneidet als ein Sparplan, der an die Umlaufrendite gekoppelt ist, bleibt dennoch offen.

Zurzeit scheint die Antwort klar, denn die Umlaufrendite-Sparpläne leiden unter dem niedrigen Zinsniveau und wirken deshalb nicht übermäßig attraktiv. Doch das kann sich ändern. Sollten die Zinsen irgendwann mehrere Jahre lang steigen, würden Sparpläne, die an einen aktuellen Referenzzins angebunden sind, sofort profitieren, andere dagegen mit starker zeitlicher Verzögerung. Die meisten Bonus-Sparpläne reagieren nur träge auf Zinserhöhungen.

Das Ende ist entscheidend

Über die Rendite eines Sparplans entscheidet nicht das Zinsniveau zu Einzahlungsbeginn, sondern die Höhe der Zinsen in der letzten Phase der Laufzeit. Erst dann sind bereits so hohe Beträge angespart, dass ein höherer Zins das Gesamtergebnis deutlich verbessert.

So sollten sich Sparer nicht zu sehr grämen, dass sie zurzeit mit 2 bis gut 3 Prozent abgespeist werden. Sollte die Verzinsung in 20 Jahren zum Beispiel doppelt so hoch liegen, würde die aktuelle Niedrigzinsphase mehr als wettgemacht. Eine Hochzinsphase im letzten Drittel der Laufzeit wäre deshalb das Beste, was einem Riester-Sparer passieren könnte.

Für Gertrud Sommer sind solche Überlegungen nicht mehr so wichtig. Bei nur zehn Jahren Laufzeit für ihren Riester-Vertrag machen sich Boni und steigende Zinstreppen kaum bemerkbar. Da sie an eher steigende Zinsen glaubt, hat sie sich für einen Umlaufrendite-Sparplan entschieden. So hat sie die Gewissheit, bei steigenden Zinsen stets schnell mit von der Partie zu sein.

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